Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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22. März 2017


Man soll sagen: Er war ein Organismus, der Äthanol in Träume verwandelte.


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In kleinerer Runde macht ein Bekannter darauf aufmerksam, dass Roland Tichy und Heiko Maas mit ungefähr der gleichen Zahl von Followern auf Twitter aufwarten könnten – 129.000 der eine, 130.000 der andere –, doch während die Leser des Journalisten überwiegend real seien, handele es sich bei jenen des Justizministers zu großen Teilen um digitale Gespenster. "Die Twitter-Gefolgschaft von Politikern besteht oft aus Social-Bots und Fake-Profilen", meldete die FAZ vor kurzem. Auch unser oberster Fake-News-Verfolger versende seine Meldungen überwiegend an gefakte Personen: Knapp 61.000 seiner Gefolgsleute seien falsch, nur 51.000 echt (hier). Der Follower-Vergleich scheint einen ehedem berühmten anderen ersetzt zu haben.

Man könnte auch so formulieren: Die twitter-Einlassungen des Herrn Maas gehen zu einem größeren Teil an generierte als an degenerierte Personen.


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Unser überwältigend neuer Bundespräsident hat in seiner ersten Rede zwar vor lauter Rechtspopulismus den islamischen Terrorismus übersehen, aber man darf Gefahren schließlich nicht an der Zahl der Todesopfer messen, dann sonst müsste Steinmeier ständig über den Krebs reden und niemals über den Atomausstieg. In seiner Rede zitierte der einstige Außenminister den einstigen israelischen Präsidenten Shimon Peres, der die Frage einer jungen Frau, was die Zukunft bringen werde, mit einem Gleichnis beantwortete, nämlich:

"'Die Zukunft', sagte er, 'ist wie ein Kampf zweier Wölfe. Der eine ist das Böse, ist Gewalt, Furcht und Unterdrückung. Der andere ist das Gute, ist Frieden, Hoffnung und Gerechtigkeit.'
Die junge Frau schaute fasziniert und fragte ganz gespannt zurück: 'Und – wer gewinnt?'
Peres lächelte und sagte: 'Der, den du fütterst.'"

Steinmeier folgert souverän bzw. populistisch: "Du hast es in der Hand! Wir haben es in der Hand! Das war seine Botschaft an die jungen Leute."

Ach was. Peres wollte zu Tisch und der Maid, einer Studentin übrigens, zuvor irgendetwas Nettes sagen. Hätte die Gute ein vernünftiges Fach studiert, sie hätte als nächstes gefragt: "Aber Herr Peres, wie erkenne ich, welcher Wolf der Gute und welcher der Böse ist? Sie gleichen ja einander wie Wölfe, und nach allem, was man weiß, sind in unseren Tagen speziell die bösen Wölfe bestrebt, sich als Gutwölfe zu verkaufen. Wie vermag ich die Unterscheidung zu treffen? Und was geschieht, wenn ich den bösen Wolf füttere, weil er sich am überzeugendsten als Gutwolf zu verkaufen wusste?"


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Wenn die Meinungskorridore immer enger werden, wächst die Sorge, sich an deren Wänden Schrammen zu holen. Ein Symptom dafür mag sein, dass auch eher konservative Intellektuelle inzwischen vor jedem nichtnegativen Statement über die AfD zu betonen pflegen, sie hätten mit dem Schwefel-Detachement des Politikbetriebs nichts zu schaffen ("Ich bin kein Sympathisant dieser Partei, aber wie man mit ihr umgeht, ist nicht recht"; "Man muss Frau Petry oder Herrn Gauland nicht mögen, aber was sie da sagen, ist ja nicht falsch" etc. pp). Es handelt sich um eine Art von öffentlicher ritueller Waschung, mit welcher man bekundet, noch zur akzeptierten Gesellschaft zu gehören. Sogar bei der Verurteilung von Gewalttaten kommt jenes rhetorische Mittel in Gebrauch ("Mich verbindet inhaltlich wenig mit dieser Partei, aber dass man die Autos von AfD-Politikern anzündet/die Häuser von ihnen angreift/ihre Kinder mobbt..." etc.). Ähnlich grotesk wirkt es, wenn bei wahlprognostischen Umfragen die Zustimmung zur Tschandala-Partei niedriger liegt als bei den Wahlen selbst, weil viele Leute ihre politische Präferenz außerhalb der Wahlkabine nicht zu offenbaren wagen. Was in gewissem Sinne gegen die Kabine spricht.

Für Journalisten ist es vollkommen unmöglich geworden, neutral über die "Rechtspopulisten" und ihr Umfeld zu berichten, aber die meisten kämen ja gar nicht erst auf den Gedanken. Ein Medienschaffender von der FAZ hat ein Buch über die AfD geschrieben und erteilt darin den anderen Parteien Ratschläge, wie die Schändlichen zu behandeln und zu bekämpfen seien, ganz unabhängig und in allen Ehren versteht sich. Der Werbedienstleister Ströer wird genötigt, Erklärungen abzugeben, warum er die Wahlwerbung der AfD überhaupt plakatiere. Das ist zwar rechtens und Usus und gut demokratisch, doch die gesamte Zivilgesellschaft ist dagegen, und wenn Hotels den Parias den Zutritt verweigern können, dann sollten sich auch Werbeflächenvermieter zivilgesellschaftlich beflügelt in den Sturmbann couragierter Boykotteure einreihen, herrschaftszeiten und Höcke verrecke! Die Kirchen, Gewerkschaften, Universitäten, Theater, Verlage, Parteien, Sportvereine und der Herr Schulz von der globalistischen Internationale machen es doch vor! "Auf 'ethnische Säuberungen' folgen 'ethische Säuberungen'" (Frank Lisson, "Weltverlorenheit").


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Das lauschige, für seine Toleranz und seinen Mut zur Straßenumbenennung bekannte Freiburg sei "immer noch die kriminellste Stadt" in Baden-Württemberg, meldet die Badische Zeitung. Weiter heißt es: "In Freiburg sind mehr Nicht-Deutsche unter den Tatverdächtigen, als im Landkreis: 42,8 Prozent haben keinen deutschen Pass. Von insgesamt 4443 tatverdächtigen Ausländern waren 1759 Asylbewerber beziehungsweise Flüchtlinge." Tja, Rechtspopulisten und Salon-Hetzer, sogar in der kriminellsten Stadt im Ländle werden die meisten Straftaten von Deutschen begangen.
                           
 
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Die Stalinade des Tages: Während des 20. Parteitages der KPdSU bekam Chruschtschow einen Zettel zugeschoben, auf dem geschrieben stand: "Wo waren Sie früher, Genosse, als Stalin noch lebte?" – "Wer hat diesen Zettel geschrieben?", fragte Chruschtschow mit drohender Stimme in die Runde. Niemand meldete sich. Darauf Chruschtschow: "Sehen Sie, Genosse, ich war früher dort, wo Sie jetzt sind."