Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Service Menu

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

19. Februar 2017


Beim Ende 2016 vorgestellten "IQB-Bildungstrend 2015", dem deutschen Pendant zur Pisa-Studie, war das früher verlässlich unter den Besten platzierte, aber seit 2011 von den Grünen befallene Baden-Württemberg ins hintere Drittel abgestürzt. Getestet wurden die Fähigkeiten der Schüler in Deutsch und Englisch. Ein Freund, neuerdings im Badischen lebend, berichtet von den Segnungen der grünen Bildungspolitik im Ländle. Im Deutschunterricht sind die Kinder gehalten, alle Worte so zu schreiben, wie sie möchten und es für richtig erachten, nach Gehör also. Seine Bemerkung beim Elternabend, er könne als Musiker nur davon abraten, sich etwas Falsches einzuprägen, weil nach seiner Erfahrung ein unangemessener Aufwand nötig werde, um von der falschen Gewohnheit wieder wegzukommen, fällt glatt durch. Aus Neugier besorgt er sich antiquarisch alte Deutschfibeln und stellt fest, dass vor einem Vierteljahrhundert die Lernziele im Deutschunterricht am Ende der ersten Klasse ungefähr jenen entsprachen, die heute für das Ende der zweiten anberaumt sind. Das Unterrichtsniveau sei eher mäßig, die Resultate seien dementsprechend, weshalb er mit der Tochter daheim zu lernen begonnen habe.

Kindern aus bildungsferneren Haushalten bleibt diese Möglichkeit gemeinhin versperrt, und sie schneiden schlechter ab, weshalb fortschrittliche Pädagogen und Gewerkschaftler inzwischen fordern, die diskriminierenden Zensuren einfach abzuschaffen. Einstweilen wird aber der Öffentlichkeit noch weisgemacht, nicht die Schule tauge immer weniger, sondern das Bildungssystem benachteilige Kinder aus "sozial schwächeren" Verhältnissen. Das ist die Crux der progessistischen Bildungsreformen: Ein funktionierendes System wird schrittweise im Namen speziell jener Lernschwachen demoliert, die lernschwach bleiben, während die besseren Schüler in ihrem Elan gebremst werden. Und als Zugabe hagelt es noch Klagen über die soziale Ungerechtigkeit, welche darin besteht, dass so ein Bildungsbürger seinem Kind daheim noch halbwegs beibringen kann, was es in der Schule nicht mehr lernt. Ließe sich das unterbinden, schnitten alle Schüler gleich schlecht ab, und endlich herrschte paradiesische Gerechtigkeit hienieden.

Parallelen zur Energiewende, wo ein funktionierendes System durch zwei dysfunktionale ersetzt wurde, sind erkennbar, aber womöglich nicht unmittelbar intendiert gewesen, ungefähr wie sich die Arbeit von Taschendieben und Trickbetrügern denn doch deutlich unterscheidet.


                                                  ***


Am Samstagnachmittag in den badischen Weinbergen auf der Suche nach einem Händler, der noch geöffnet hat. Schließlich finden wir einen, der in seinem abseits gelegenen Probierstübchen die vier, fünf eigenen Tropfen feilbietet, ein knorriger alter Mann, von der Ehefrau assistiert und womöglich auch kontrolliert. Wir sind die einzigen Kunden und möchten vorher kosten, er holt nahezu beschwingt einen Riesling aus dem Kühlschrank, bittet um Hilfe beim Öffnen – die alten Weintrinkerfinger können nicht mehr richtig zupacken –, und stellt zwei Gläser hin. "Ich muss fahren, ich kann nichts trinken", erklärt mein Begleiter bedauernd. Trotzdem werden beide Gläser kräftig vollgeschenkt. "Ich muss fahren, ich kann nicht", wiederholt der Freund. "Der isch für mich", versetzt der Winzer heiter.
                               
 
                                                 ***
 

Im ansonsten recht gediegenen Hotelrestaurant hat kaum die Mittagsküche geschlossen, als schon sogenannte Lounge-Musik ertönt und sich wie ein akustischer Diabetes über den beginnenden Nachmittag legt. Ein elektronisch verstärktes Klavier klimpert das Thema aus "Love story", vergleichbare Gassenhauer folgen und begleiten den Verzehr des verbliebenen Weines und der Espressi.
"Ich bin ja so gespannt", scherzt eine Freundin, Pianistin von Beruf, "welches Werk als nächstes kommt."

 
                                                 ***
 

Ein nie geschriebenes, niemals zu schreibendes Ruhmesblatt in der Geschichte der Energiewende wird die Halbierung der Singvogelpopulation gewesen sein.