Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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27. Januar 2017


"Ich nehme ein paar Skeptiker bei Seite, den anständigen Typus in der Geschichte der Philosophie: aber der Rest kennt die ersten Forderungen der intellektuellen Rechtschaffenheit nicht. Sie machen es allesammt wie die Weiblein, alle diese großen Schwärmer und Wunderthiere, – sie halten die »schönen Gefühle« bereits für Argumente, den »gehobenen Busen« für einen Blasebalg der Gottheit, die Überzeugung für ein Kriterium der Wahrheit. (...) Wenn man heilige Aufgaben hat, zum Beispiel die Menschen zu bessern, zu retten, zu erlösen, – wenn man die Gottheit im Busen trägt, Mundstück jenseitiger Imperative ist, so steht man mit einer solchen Mission bereits außerhalb aller bloß verstandesmäßigen Werthungen, – selbst schon geheiligt durch eine solche Aufgabe, selbst schon der Typus einer höheren Ordnung!"
Nietzsche, "Der Antichrist", 1,12

Semper idem. Nur dass der Typus des priesterlichen Weltretters und Exorzisten inzwischen westweit wimmelt.


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+++ US-Newsblog +++

San Diego: Mutmaßlicher Trump-Fan spuckt neben schwarzer Muslima auf den Gehsteig +++ Walt Disney stellt neue Comic-Figur vor: Barack Duck +++ Madonna: "Trump wollte Telefonsex mit mir" +++ Merkel: "Ich bin schockiert und werde seine Anrufe besser nicht annehmen" +++ von der Leyen: "Ich auch nicht!" +++ Trump-Sprecher vergleicht Merkel mit einer FDJ-Sekretärin +++ Dänischer Nato-General: Seit Trump Präsident ist, riecht es in Skandinavien nach Schaschlyk +++ Hollywood-Produzenten kündigen parallel zu den Oscar-Verleihungen einen "Donald" für den peinlichsten männlichen Darsteller an +++ San Francisco will Papiere abschaffen, um illegale Einwanderer vor Trumps Häschern zu schützen +++ Kanada bietet mexikanischen Robbenjägern Asyl +++  Wegen Trump: Islamischer Staat bricht diplomatische Beziehungen zu den USA ab +++ McDonald's ändert seinen Namen in McDiversity's +++ Hisbollah-Sprecherin nennt Trump einen Sexisten +++ Bürgermeister von Dallas schenkt Trump offenen Cadillac +++ Fansprecher von Borussia Dortmund: Wir akzeptieren nur eine Mauer, die BVB-Verteidigung – und die hält nicht mal elf Bayern ab +++ Sänger Sting und Bono planen in Köln ein Konzert zugunsten der weltweit von Trump-Sympathisanten belästigten Frauen +++ Gerücht aus gutinformierten Washingtoner Kreisen: Trump will den privaten Atomwaffenbesitz für Nichtmuslime legalisieren +++ Judith Butler: "Trump bedeutet einen Rückfall in die Heteronormativität" +++ Sawsan Chebli, Sprecherin des Auswärtigen Amts: "Mein Vater ist besser in Deutschland integriert als Donald Trump" +++ IPCC warnt: Solange Trump regiert, wird der Meeresspiegel jährlich um einen Meter steigen +++ 

 
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Alexander Wendt macht mich darauf aufmerksam, dass Donna Hylton, eine US-"Aktivistin für Frauenrechte", die unter anderem auch als Rednerin auf dem von amerikanischen und vor allem deutschen Medien gefeierten Frauenmarsch gegen Trumps widerlichen Sexismus auftrat, 26 Jahre lang im Gefängnis saß, also genau ein Jahr weniger als Nelson Mandela. Warum mag das Patriarchat die engagierte Maid so viele Sündenjährchen hinter Schloss und Riegel gesetzt haben? Zusammen mit zwei Mitschwestern hatte sie einen Geschäftsmann entführt und ihn zwei Wochen lang allmählich zu Tode gefoltert. Offenbar waren die Holden durchaus mit Genuss bei der Sache; Hylton etwa penetrierte ihren Gefangenen rektal mit einer Eisenstange (machen Kerle übrigens andauernd).
Nach dem Protestmarsch referierte die Frauenrechtlerin in einem US-Sender über die "globale Krise" der Männerherrschaft. "Ich habe mein Bestes getan und irgendeine Erwähnung der Geschichte dieser Frau in deutschen Medien gesucht, aber nichts gefunden", notiert Wendt – während das Thema in den USA diskutiert werde (etwa hier). Ist das schon Lückenpresse? Oder nur Schutz der Persönlichkeitsrechte einer reumütig ins zivile Dasein heimgekehrten, von Sexismus und Penisneid geläuterten Sünderin? Man stelle sich vor, Clinton hätte die Wahl gewonnen, Trump-Anhänger versammelten sich zu Protestveranstaltungen, und ein fideler Frauenmörder führte vor laufender Kamera das große Wort gegen die Weiberherrschaft. Nein, stellen wir uns das besser nicht vor.


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Mit der Kanzlerschafts-Kandidatur von Martin Schulz stellt die SPD unter Beweis, dass sie beim ästhetischen Limbo unschlagbar ist. Dachten wir uns aber auch schon bei Gabriel und Stegner. Wer solche Gegner hat, kann gar nicht anders, als noch vier triste Jahre länger Kanzlerin zu bleiben.
"Martin Schulz ist der Antityp zu Merkel", tat der SPD-Fraktionsvize Lauterbach kund und zu wissen. Das "zu Merkel" hätte er getrost weglassen können. Amüsiert hat mich des Kandidaten Aussage, er habe Angela Merkel lange studieren können. Na immerhin etwas hat er studiert.