Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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19. Januar 2017


Der Koblenzer Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig (SPD) kündigt an, dass am kommenden Samstag mehr als 1.000 Menschen an einer "parteiübergreifenden Gegendemonstration" teilnehmen und durch die Stadt marschieren – nein, das macht ja nur Pegida -, durch die Stadt schlappen werden. Es ist das übliche "breite Bündnis" aus Nettostaatsprofiteuren und anderweitig staatlich Alimentierten. Sie protestieren – der durchschnittliche Nettostaatsprofiteur hat ja unendlich Zeit zum Protestieren, er muss gemeinhin weder besonders viel arbeiten, noch pflegt er ein zeitraubendes Hobby oder unterhält verzehrende Leidenschaften –, sie protestieren also gegen die Tagung der ENF-Fraktion des Europaparlaments in der Rhein-Mosel-Halle. Mehr als 1.000 Polizisten sollen die friedfertigen Demonstranten vor Übergriffen von Marine Le Pen, Geert Wilders, Frauke Petry und ihrer rüden Anhänger schützen. Die Rheinische Philharmonie will zusammen mit den Protestlern gegen 12:30 Uhr Beethovens "Ode an die Freude" anstimmen. Ich versuche eben, mich in die Lage eines Musikers zu versetzen, der keine Lust verspürt, bei dergleichen DDR-Spielereien mitzutun. Äußerte er, sei's aus konservativer Daseinsgestimmtheit, sei's aus Liberalität oder schierer antikollektivistischer Unlust, solch unfromme Gedanken, wahrscheinlich entzöge man ihm die Orchesterplanstelle für immer. Also, wie in der Zone: Krank melden! Aber unbedingt Attest vorlegen! Und in wilder Schwermut Bedauern heucheln!

Bürgermeister Hofmann-Göttig erklärte ebenfalls und wahrscheinlich sogar aufrichtig bedauernd, die mit öffentlichen Mitteln finanzierte Rhein-Mosel-Halle habe aus rechtlichen Gründen an die "demokratisch gewählte" ENF-Fraktion vermietet werden müssen. Man hätte es gern verhindert – nur am Rande: was wäre dann aus dem Wellness-Wochenende samt Feldgottesdienst geworden? –, doch die Rechtspopulisten bzw. Rechtsstaatspopulisten "hätten sich eingeklagt". Und in diesem Fall konnte kein Privatunternehmer unter sozialen Ächtungsdruck gesetzt werden, um die Stadt populistenrein zu halten, wie das zuvor mindestens einem Koblenzer Hotelier widerfuhr. Leider ziehen noch immer nicht alle benachbarten Kommunen mit.

Die Veranstaltung steht unter dem Motto "Koblenz bleibt bunt! – Wer in der Demokratie schläft, kann in der Diktatur aufwachen!" Es beschreibt bemerkenswert exakt, aus welchem Grund und mit welchem politischen Ziel Le Pen, Petry et al. am Rhein zusammentreffen.


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Eine an ihrem Kopftuch als solche kenntliche Muslima ist in der Stuttgarter S-Bahn von einer älteren Eingeborenen als "Bombenlegerin" beschimpft worden, melden diverse Zeitungen. "Völlig fremde Menschen" hätten sie aber spontan verteidigt, freute sich die junge Frau. Das gehört sich auch so!

Was ich nun gerne läse, wäre die Meldung: Eine junge blonde Frau ist in der Bahn von zwei Männern als "deutsche Schlampe" beschimpft worden, aber völlig fremde Menschen eilten herbei und verteidigten sie.

Lesen wir wahrscheinlich nie. Wäre auch zu gefährlich. Außerdem: Vielleicht ist sie ja eine.


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Sehr geehrte Frau ***, ich pflichte Ihnen in nahezu allem bei, was Sie über B. Höcke und seine Dresdner Rede schreiben. Höcke ist, mit den Worten eines großen deutschen Satirikers, der nebenher als bayrischer Ministerpräsident tätig war, vom Problembär zum Schadbär geworden. Allerdings verbietet mir ein tiefsitzender Instinkt (den ich an guten Tagen für die Quelle der Kultur halte), gegen eine Person zu polemisieren, über die ohnehin schon alle herfallen, und wenn es sich um den Teufel selber handeln sollte. Es ist aber nicht der Schleppfuß, Widersacher und Scheitan, sondern bloß ein Schadbär. Außerdem will ich a priori ausschließen, dass mein kleiner Eckladen in den Ruch gerät, in ihm werde parteipolitisch oder gar parteitaktisch getratscht. Hier ist Platz für jede Wahr- und Bosheit, aber möglichst nicht für taktische.
Bleiben Sie mir gewogen, mit 1000 Komplimenten bin ich Ihr
MK