Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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18. Januar 2017


Das Problem des zeitgenössischen Elfenbeinturmbewohners besteht darin, dass die Scheiße, die Flaubert zufolge permanent an des Turmes Mauern schlägt, heute auf elektronischem Wege förmlich in jedes Stockwerk dringt... – sei’s drum. Also:

Leser *** möchte "zur Sammlung der vielen kleinen sonderbaren Begebenheiten des derzeitigen Alltags beitragen. Für meine Erheiterung am heutigen Tage sorgte der Radiosender MDR Kultur. Nachricht 1: Der Dresdener Richter Maier hat das Wort Schuldkult benutzt und muß nun disziplinarische Konsequenzen fürchten. Nachricht 2 (unmittelbar danach): Die Universität Greifswald streicht ihren Beinamen Ernst Moritz Arndt.
Ich hoffe ja, der verantwortliche Redakteur wollte auf diese Weise seinen Sinn für Humor zeigen."

Etwas deftiger drückt es Leser *** aus: "Sie versuchen es schon seit über 10 Jahren, den Namen der Universität meiner Heimatstadt abzuschaffen. Nun haben sie es getan. Ich bin zutiefst betrübt; diese Dreckschweine! (Verzeihung)"

Gewährt.

                                                        ***

Da ich nicht akut am Morbus Prantl (auch bekannt als: Morbus Kleber) laboriere, erspare ich mir und Ihnen die x-fache Wiederholung, welcher speziell in den Jahren 1933 ff. erblühende kollektive Charakterdefekt solcher Namenstilgung zugrunde liegt; ersparen möchte ich uns ferner die Presseschau mit dem inflationären Selbstgleichschaltungsterminus "umstritten" als symbiotischer Klette am Namen des Dichterpatrioten. Arndt war ein Kind seiner Zeit und ist von der Besatzungserfahrung durch napoleonische Truppen in den rhetorischen Harnisch getrieben worden. Es ist keineswegs sicher, dass sich seine windigen und wendigen Ausmerzer der historischen Relativität des eigenen Urteils nicht sogar bewusst sind, aber ebenso bewusst ist diesen bunten Khmer, dass ihre Namen von so vollendeter Bedeutunglosigkeit sind und bleiben und sein werden, dass sie dergleichen Korrekturen an ihrem eigenen Vermächtnis niemals zu gewärtigen haben. Sie sind nichts anderes als akademische Füllsel. "Schluss damit. Gesindel. Boykott." (Johannes Gross).

Beziehungsweise, um dem Verstoßenen selbst das Wort zu erteilen:

Der Gott, der Eisen wachsen ließ,
der wollte keine Knechte,
drum gab er Säbel, Schwert und Spieß
dem Mann in seine Rechte;
drum gab er ihm den kühnen Mut,
den Zorn der freien Rede,
dass er bestände bis aufs Blut,
bis in den Tod die Fehde.

Da bleibt doch angesichts der Damnatio-Fatzkes und ihres knechtischen Eifers keine Frage offen.

                                                        ***

Der Gauleiter der AfD Thüringen, B. Höcke, hat in Dresden eine Rede gehalten, die besonders schlimm gewesen sein muss. So soll er beispielswiese den gemütvollen Berliner Holocaust-Stelenwald als „Denkmal der Schande im Herzen der Hauptstadt“ bezeichnet haben. Der Tenor der Medienkommentare lässt sich zusammenfassen in den Worten: Die AfD lasse – endlich – die bürgerliche Larve fallen, und das braune Antlitz trete zutage. Aber davon abgesehen, dass die Hauptstadt kein Herz hat, ist die Formulierung doch vollrohr rotgrün-, ja sogar antifa-kompatibel. Exakt diese Funktion sollte das Denkmal doch erfüllen. Dass die Shoa die größte Schandtat der deutschen Geschichte gewesen ist, steht ja ohnehin außer Frage. Höcke hat zunächst nichts weiter getan, als den Status quo beschrieben. Oder?

Ich habe mich zu diesem närrischen Bau wiederholt geäußert. Er soll nicht an die Opfer erinnern, sondern an seine Erbauer. Er rührt niemanden und nutzt niemandem außer den Erbauern und deren Image. Es ist ein Denkmal für die Großartigkeit der sogenannten deutschen Erinnerungskultur, eine egozentrische Selbstfeier der angeblichen Mahner, die sich ihren wenn nicht größten, so doch schlimmsten aller Völkermorde von niemandem streitig machen lassen wollen. Jede einzelne an Israel gelieferte Maschinenpistole hat mehr mit dem Holocaust und seinen Opfern zu tun als diese Zeppelinwiese der Zerknirschungssimulanten am Brandenburger Tor. Jedes in Deutschland gebaute U-Boot, das heute im Dienste Israels das Meer pflügt, ist ein besseres Holocaust-Denkmal als dieser Betonschrott.

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Die taz geht, wie ein Journalist formulieren würde, hart mit der politischen Führung ins Gericht. „Eine Regierung, bei der der Staatschef seinen Kurs mal eben wechselt, wenn er das Gefühl hat, dass die öffentliche Meinung es anders sieht, ist keine Demokratie mehr“, schreibt das fundamentaldemokratische einstige Regierungsblatt. Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie blies, wie ein Journalist formulieren würde, tags zuvor in dasselbe Horn und sprach von einem „unfotogenen Gesicht“ an der Staatsspitze, das den Menschen massiv (wie ein Journalist formuliert haben könnte) aufgedrängelt werde, dem aber jeder Ausdruck von „Ironie, Heiterkeit oder Ernst“ mangele.

Beide Tadler meinen selbstredend Donald Trump. Elf Minuten Standig Ovations können in einer demokratischen Einheitspartei ja unmöglich an die falsche Adresse gerichtet gewesen sein.

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Grünen-Chefin Simone Peter hat "einen Marshall-Plan für Afrika" gefordert. Warum nicht gleich für die ganze Südhalbkugel? Freund*** merkt sogleich an, dass die Grünen doch eigentlich lieber Morgenthau- statt Marshallpläne wollten, um durch sukzessive Deindustrialisierung ("Dekarbonisierung") die Umwelt zu retten. Ob sie's verwechselt hat? "Morgenthauplan für Afrika" klänge aber fast ein bisschen rassistisch. Dann doch lieber erst einen grünen Morgenthauplan für Europa, dann einen Marshallplan für die Südhalbkugel. Wenn beides erledigt ist, hört immerhin auch die Massenmigration auf (sofern die afrikanischen Dikatoren bzw. Warlords sowie die Chinesen mitspielen). Danach räumen die Grünen endlich die Milchstraße auf.

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"Daß du nicht enden kannst, das macht dich groß" (Goethe, West-östlicher Divan, Buch Hafis); ist ja gut, ich hole schon die nächste Flasche...

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Wenn eines Tages die eigene Ansicht, ja die eigene heiligste Überzeugung zur einzig gültigen Wahrheit erklärt wird, hat ein Mann von Geschmack und Charakter ihr umgehend den Rücken zu kehren.