Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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Oktober 2016


Stand 30. Oktober hat sich die Besucherzahl in meinem kleinen Eckladen anno 2016, verglichen mit dem gesamten Vorjahr, mehr als verdoppelt: 852.816 verschiedene Gäste riefen 4.011.457 Seiten auf. Wie immer am Monatsende lasse ich deshalb den Klingelbeutel herumgehen, all jenen dankend, die meinen (technisch, ich weiß, renovierungsbedürftigen) Laden bisher unterstützten; die anderen sind hiermit aufgefordert, mich bei grimmiger Laune zu halten unter dieser Nummer!



Morgendlicher 31. Oktober 2016

Der wackere Freiheitsstreiter Hadmut Danisch grummelt auf seinem Blog:

"Ist Euch mal aufgefallen, wie sich das Recht in Deutschland verschiebt? Einbruch, Diebstahl, Straßenraub, Drogenhandel, Erpressung, Freiheitsberaubung, Vergewaltigung, Kinderschänderei werden immer öfter gar nicht mehr verfolgt oder mit Witzstrafen auf Bewährung belegt. Ganze kriminelle Großfamilien werden nicht mehr verfolgt. Steuern werden da auch nicht mehr erhoben. 'Hate Speech' dagegen wird immer öfter mit Haftstrafen über einem Jahr und ohne Bewährung belegt. Selbst für das Nichtzahlen von Fernsehgebühren sollte neulich eine in den Knast gehen. Und wehe, einer hier zahlt seine Steuern nicht.
Man hat den Eindruck, dass Recht nur noch repressiv gegen die einheimische Bevölkerung existiert."

Das nennt sich Willkommenskultur und dürfte wahrlich ein Prozess sein, der erst am Anfang steht. Der Rechtsstaat wird überproportional – und tendenziell ausschließlich? – gegen diejenigen in Stellung gebracht, die sich von seinem Instrumentarium beeindrucken oder mit ihm drohen lassen und die ihn zugleich finanzieren; für die anderen ist er eine Kasperlepuppe. Während in den einen Stadtteilen Knöllchen an Falschparker verteilt werden, kommt in anderen die Polizei auch dann nicht, wenn die Autos brennen. Während für den Steuerzahler eine Vorstrafe das Karriereende bedeuten kann, ist sie dem Alimentierten oder Selbstbediener völlig einerlei. Der Steuerzahler wird zur Geisel des Sozialstaats, und zwar nicht obwohl, sondern weil er ihn finanziert. Natürlich kann das nicht lange gutgehen, und in der Erosion des Rechtsstaates zum selektiven Rechtsstaat kündigt sich der Kollaps an. Der nächste Schritt wird darin bestehen, all jene mundtot zu machen, die diese Dinge beim Namen nennen; gewisse Linksextremistensüppchenkochklubs genießen bekanntlich dank justizministerlicher Förderung bereits für gewisse online-Portale Zensorenrechte.

Der Historiker Rolf Peter Sieferle hat in seinem letzten (in der Zeitschrift Tumult veröffentlichen) Essay darauf hingewiesen, was für unwahrscheinliche, seltene und zerbrechliche Phänomene der Rechtsstaat und der Sozialsstaat aus weltgeschichtlicher Perspektive sind. Wir hielten sie im Tunnelblick unseres Kurzzeitdenkes für normal, nähmen es als gegeben hin, dass sie existierten, hätten das Gefühl dafür verloren, welcher gewaltiger Aufwand und welches Unmaß an Leiden nötig waren, dass solche Strukturen ausnahmsweise entstehen konnten. Sie entstanden übrigens in Europa, ein paar andere Weltgegenden übernahmen dieses Modell, doch global und aufs Ganze gesehen sind sie exotische Ausnahmen. Die mit den Begriffen Rechtsstaat und Sozialstaat beschriebene Sphäre von Sicherheit und Prosperität wird momentan von der politischen Klasse (West-)Europas und ihren intellektuellen Lautsprechern sehenden Auges im Namen der Gleichheit, der Antidiskriminierung und der heiligen Diversivität preisgegeben. "Die europäischen Gesellschaften sind von dem Grundgedanken des Egalitarismus besessen", schrieb Sieferle dazu. "Dieses ideologische Muster produziert die Utopie der totalen materiellen Gleichheit, die gewissermaßen den naturalen Attraktionspunkt der menschlichen Existenz bildet. Ungleichheiten sind dagegen 'unnatürlich', sie gelten als bloße 'soziale Konstrukte' und sind daher ohne weiteres zu dekonstruieren. Dies gilt für alle Dimensionen, also für Geschlecht, Rasse, Begabung, soziale Position etc. Aus dieser Perspektive eines universalistisch-egalitären Programms ist jede reale Ungleichheit schlechthin unerträglich."

Die derzeit anhebende Völkerwanderung aus Afrika und dem Orient ist für einen von innen hypermoralisch weidwund geschossenen Erdteil nicht parierbar; er muss sterben, das heißt sich in eine multiethnische Stammesgesellschaft neuen Typs verwandeln, im Namen der Menschlichkeit. Und dies wird er tun, sofern nicht jemand das Ruder herumreißt. Im Gegensatz zu Australien, Japan und den USA/Kanada ist Europa nur von einem vergleichsweise schmalen Meer und nicht durchgängig von einem solchen umgeben, die Landbrücke nach Europa beherrscht ein glaubensdurchglühter Sultan, der von einem neuosmanischen Imperium tagträumt und diese Grenze als politisches Druckmittel gegen Europa benutzt. Während die Bevölkerungen Nord- und Südamerikas ungefähr ausgeglichen sind, explodiert die Bevölkerung Afrikas und übertrifft heute bereits jene Europas um das nahezu Doppelte (um 1900 lebten in Afrika etwa so viele Menschen wie in Deutschland und Frankreich zusammen). Für Afrika gilt in noch stärkerem Maße, was Winston Churchill 1935 im Parlament zur dritten Lesung der "India Bill" ausführte, es ist ein Kontinent, der auf den Import der europäischen Ordnung und Wissenschaft "nur mit einem Wachsen der Bevölkerung reagierte. Ungeheuer ist dort das Steigen der Bevölkerungszahl. Neuer Reichtum, neue Nahrung, neue Fortbewegungsmöglichkeiten, neue Hygiene, neue Kanäle, Verbesserungen des Wald- und Ackerbaus haben an der Lage der Masse nichts geändert. Sie haben nur in den letzten fünfzig Jahren hundert Millionen Menschen mehr ins Leben gerufen (für Afrika wären es in den letzten 50 Jahren zwischen 600 und 700 Millionen – M.K.). Eine ungeheure Bevölkerung ist im großen und ganzen auf einer sehr niedrigen Lebensstufe stehengeblieben, hat sich aber vermehrt." Und vor den Augen dieser Massen liegt, dank amerikanischer Politik nicht mehr von einem Sperrgürtel aus Diktatoren umgeben, das europäische Schlaraffenland, in dem man nur dafür, dass man anwesend ist, Geld bekommt.

Unsere Willkommenskulturbolschewisten werden selbstredend andere Früchte ernten, als sie derzeit noch mit dem inneren Frohlocken des nivellierunssüchtigen revolutionären Ressentiments wähnen. Denn während die Linke bei der Zerstörung gewachsener Strukturen stets zielstrebig und berechenbar agiert, ist sie mit eigenen Aufbauleistungen ebenso stets überfordert. Sowohl der Rechtsstaat als auch und vor allem der Sozialstaat sind als Kompromisse zwischen Konservativen und Progressisten entstanden. Das heute herbeigeholte Ersatzproletariat der Linken, die diesmal in einem welthistorisch bislang unerhörten Bündnis mit den asozialsten, bindungslosesten Teilen des Großkapitals agiert, ist aber so zahlreich, dass die verbliebenen konservativen Dämme (west)europaweit zu brechen drohen. Welche historisch gewachsenen Strukturen das Leben in Europa so einzigartig gemacht haben, "wird man erst begreifen, wenn sie verschwunden sind, d. h. wenn eine neue multitribale Struktur sie verdrängt hat. Vielleicht ist der Untergang Europas dann ein Lehrstück für andere industrialisierte Zivilisationen (wie China), und vielleicht werden die letzten Europäer in Übersee Zuflucht suchen", notierte Sieferle. Der Prozeß der Universalisierung und Globalisierung sei wohl unvermeidlich, und jene Völker, welche die Geschichte der letzten Jahrtausende geprägt haben, "werden letztlich von ihm verschlungen werden. Wir sollten uns aber darüber im klaren sein, daß dies mit zahlreichen schmerzlichen Friktionen verbunden sein wird. Viele Deutsche möchten heute gerne als Volk verschwinden, sich in Europa oder in die Menschheit aulösen. Andere Völker werden aber heftig Widerstand gegen eine solche Aussicht leisten. Harmonisch wird dies alles nicht abgehen, zumal einzelne Kulturen versuchen werden, bei dieser Gelegenheit ihre tradierten Muster universell durchzusetzen, sei es in Gestalt der westlichen 'Menschenrechte', sei es in Gestalt des islamischen 'Dschihad' oder was auch immer. Die Immigrationskrise, in der wir uns aktuell beenden, ist daher vielleicht nur der Vorbote umfassenderer Konvulsionen, in denen alles untergehen wird, was uns heute noch selbstverständlich scheint."

Aber, wie der Genosse Marx statuierte, die Menschen machen ihre Geschichte selbst, wenngleich unter den vorgefundenen Umständen. Letztere kann man nicht ändern, das lächerliche Personal, welches ausgerechnet jetzt die Geschicke unseres Landes zu lenken fingiert, muss man gleichwohl nicht hinnehmen.


 

Mitternächtlich anbrechender 31. Oktober 2016

Und wieder ist ein Monat dermaßen rasch vorbeigezischt, dass unsereinem recht viel Gelegenheit zur Besinnung nicht blieb. Hohe Zeit also für selbige – die Besinnung nämlich – in wohlgefälliger Betrachtung der Monatsendfigur! Diesmal soll es das vielleicht schönste Antlitz und einer der klügsten Köpfe des deutschen Islam sein: Dr. Tuba Isik, Theologin zu Paderborn, eine der angenehmsten Gesprächspartnerinnen, die ich je am Tische hatte (und meinen dabei vertilgten Weinen gegenüber weit toleranter als ich gegenüber den von ihr verzehrten alkoholfreien Cocktails). Der polyglotten Theologin verdanke ich unter anderem die Erkenntnis, dass ein Muslim sogar in einer Kirche beten darf, sofern er sein Gebet nicht direkt in die Richtung eines christlichen Heiligenbildes richtet. "Mein Gottesbild hat sich weiterentwickelt im Dialog mit dem christlichen, der erbarmende Gott ist dabei in den Vordergrund getreten. Mein Gott ist ein freundlicher Gott", sagte sie mir. "Orient und Okzident/sind nicht mehr zu trennen", sprach Goethe, und er meinte wahrscheinlich Tuba Isik. Obwohl SPD-Mitglied, hat sie übrigens kein Problem damit, mich ohne mit einer ihrer schönen Wimpern zu zucken zu Podiumsgesprächen einzuladen. Da immerhin besteht ihrerseits noch ein echtes Integrationsdefizit.


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Das Tuch ist übrigens arabisch gebunden, ließ ich mich belehren. Und selbstverständlich besitzt eine modebewusste Muslima ungefähr ebenso viele verschiedene Tücher, wie uns Allah Namen seiner selbst offenbart hat...




29. Oktober 2016

In den vergangenen Monaten ist Donald Trump zunehmend in die Rolle eines amerikanischen Rienzi hineingewachsen, wobei dem Milliardär im Gegensatz zum römischen Tribun ein Happy-ending durchaus noch gelingen könnte: Ein "artificial intelligence system", das den Ausgang der vergangenen drei US-Präsidentenwahlen korrekt vorhergesagt hat, prognostiziert diesmal den Sieg Trumps (hier).

Halten wir uns nicht mit der Provinzposse hiesiger Berichterstattung zum US-Wahlkampf aus. Bei sich daheim erhielt Trump nun die ambivalente Unterstützung von ausgerechnet Michael Moore, dem Darling der Globalisten, Linken und politkorrekten Konservativenverächter, einem erklärten Clinton-Wähler, der eine Art Rede gehalten hat, bei der es auch robuste Naturen sentimental ankommen kann. Wahrscheinlich wollte Moore nur die Motive der Trump-Wähler erklären, doch was er da in vier Minuten vorträgt, ist von einer dermaßen atemverschlagenden Wucht und mitreißenden Intensität, dass einen Zeugen deutscher politischer Reden nur rasender Neid befallen kann auf ein Land, in dem dergleichen möglich ist, und zwar auch noch aus dem Mund eines Linken. Selbst den Mitarbeitern von Trumps Wahlkampf-Team dürfte, wie man sagt, der Mund offengestanden haben, als sie hörten:

"Ob es Trump nun ernst meint oder nicht, ist eher irrelevant, weil er diese Dinge zu Menschen sagt, die leiden, und darum liebt jeder niedergeschlagene, namenlose, vergessene Malocher, der einmal Teil dessen war, was man die Mittelschicht nannte, Trump. Er ist der menschliche Molotow-Cocktail, auf den sie gewartet haben; die Handgranate in Menschengestalt, die sie legal auf das System schmeißen können, das ihnen das Leben gestohlen hat.
(...)
Sie sehen, dass die Eliten, die ihr Leben ruiniert haben, Trump hassen. Das Amerika der Konzerne hasst Trump. Die Wall Street hasst Trump. Die Karrierepolitiker hassen Trump. Die Medien hassen Trump, nachdem sie ihn geliebt und geschaffen haben und nun hassen. Danke, Medien: Der Feind meines Feindes ist derjenige, den ich am 8. November wählen werde. Ja, am 8. November, da werdet ihr, Joe Blow, Steve Blow, Bob Blow, Billy Blow, all die Blows werden losziehen und das ganze gottverdammte System in die Luft blasen, weil das euer Recht ist. Die Wahl Trumps wird zum größten 'Fuck you!' in den Annalen der Menschheitsgeschichte werden, und es wird sich gut anfühlen." (Der ganze Passus ist hier zu hören.)

Am Ende seines Vortrags verbreitet Moore dann wieder jene Panik, wie man sie auch in den deutschen Medien lesen kann: Wenn Trump gewänne, dann "Gute Nacht Amerika. Dann habt ihr den letzten Präsident der Vereinigten Staaten gewählt." Aber egal – wie die verspätete zwölfte gute Fee an Dornröschens Wiege den Fluch der bösen dreizehnten nicht aufzuheben vermag (oder, elaborierter, wie der finale Satz von Mahlers Dritter spannungstektonisch neben dem Kopfsatz nicht standhält), hebt diese routinierten Warnung den weit eindrucksvolleren Teil der Rede nicht einmal ansatzweise auf. Aus Moores Worten spricht die Zerrissenheit eines heutigen Establishment-Angehörigen, der in einem Vorort einer amerikanischen Kleinstadt als Sohn einer Sekretärin und eines Handwerkers aufwuchs, dessen gesamte Familie bei General Motors arbeitete und dessen Onkel zu denjenigen gehörte, die in den 1930er-Jahren die Einführung einer Gewerkschaft bei GM erzwungen hatten. Das dürfte auch der Grund sein, warum er so reden kann. Durch ihn verläuft gewissermaßen jene neue Front, welche die Bewohner der westlichen Welt in zwei Großparteien scheidet. Symptome für die Teilung der Sphären gibt es zuhauf; die amerikanische Tea-Party-Bewegung und das Erstarken der sogeschmähten europäischen Rechtspopulisten zählen dazu.

Der "Autor, Dozent und Blogger" Michael Seemann hat soeben versucht, die neuen politischen Lager zu beschreiben. Er spricht von einer "dritten Klasse", die sich gebildet habe und gegen die sich Arbeiter und Bürger zusammenschlössen. "Um diese Klasse überhaupt wahrzunehmen, muss man etwas sehr Unangenehmes tun. Man muss, statt den Frust der Wutbürger als verkappten Verteilungskampf wegzuinterpretieren, einmal hinhören, was diese Leute von sich geben. Man muss sich in sie hineinversetzen, muss den Slogans lauschen und ihre Narrative nachvollziehen. Man muss zwar nicht ihre Ängste, aber ihre Parolen ernst nehmen.Da ist zunächst die Erzählung einer Verschwörung, über alle Parteigrenzen hinweg. Es gäbe gar keine echte Demokratie mehr, sondern nur noch die Einheits-Blockpartei CDUSPDFDPGRÜNELINKE. Auch die Medien ('Lügenpresse') steckten mit unter der Decke. Gut wird empfunden, dass die endlich Gegenwind bekämen (Trump, Le Pen, AfD, FPÖ, Brexit) und sich eine 'echte Alternative' (Alternative für Deutschland, Alt-Right-Movement) bildete.
Es ist leicht, diese Vorstellungen als Spinnerei abzutun, aber wenn man sich die drei wesentlichen Eckpfeiler der neurechten Programmatik besieht – Migration, Globalisierung und Political Correctness – dann ist nicht zu leugnen, dass es in diesen Bereichen tatsächlich einen gewissen Grundkonsens in den Medien und Parteien (die CSU mal ausgeschlossen) gibt. Ein Konsens, von dem allerdings gerne angenommen wird, dass es ein gesamtgesellschaftlicher Konsens ist. Weil es vernünftig ist. Weil es menschlich ist. Weil es das einzig richtige ist. Da müssten doch alle dafür sein. Nicht?
Hand aufs Herz! Ist es nicht erschreckend, dass man sich als Linker in so vielen politischen Fragen auf einmal an der Seite von Angela Merkel wähnt? Dass man anfängt, Projekte wie die Europäische Union zu verteidigen oder dass Yanis Varoufakis in pathetischen Ton verkündet, er wolle den Kapitalismus retten. Als genuin linkes Projekt! Gibt es nicht tatsächlich längst bei vielen Fragen einen Konsens, der über alle klassischen politischen Grenzen hinweg als 'alternativlos' empfunden wird? Refugees Welcome und kein Fußbreit. Aber auch: die Globalisierung ist eine im Grunde positive Sache, das N-Wort sagt man nicht, und Minderheitenrechte müssen geschützt werden. Doch wie weit geht dieser Konsens?"

Entstanden sei also eine "globalisierte Klasse der Informationsarbeiter", führt Seemann aus. Es handele sich um "gut gebildete, tendenziell eher junge Menschen, die sich kulturell zunehmend global orientieren, die die 'New York Times' lesen statt die Tagesschau zu sehen (...) Es ist eine Klasse, die fast ausschließlich in Großstädten lebt, die so flüssig Englisch spricht wie ihre Muttersprache, für die Europa kein abstraktes Etwas ist, sondern eine gelebte Realität, wenn sie zum Jobwechsel von Madrid nach Stockholm zieht. (...) Diese neue globalisierte Klasse sitzt in den Medien, in den StartUps und NGOs, in den Parteien, und weil sie die Informationen kontrolliert, gibt sie überall kulturell und politisch den Takt vor. Das heißt nicht, dass sie politisch homogen im eigentlichen Sinne ist – zumindest empfindet sie sich nicht so – sie ist zum Beispiel in Deutschland fast im gesamten Parteienspektrum zu finden, in der CDU, SPD, LINKE, GRÜNE, FDP. Diese Klasse entspringt dem Bürgertum, aber hat sich von ihm emanzipiert."

Worin die eigentliche Quelle ihrer Macht besteht, ist klar: "Sie kontrolliert den Diskurs, sie kontrolliert die Moral." Seemann spricht von "kultureller Gentrifizierung" (der ganze Text hier). Obwohl er die üblichen Distanzierungsrituale enthält, war der Text explosiv genug, dass ausgerechnet die Jungle World seinen Abdruck ablehnte, ein scheinbar nebensächlicher, tatsächlich aber ungemein bezeichnender Vorgang: Mit der Zurückweisung vorortet sich die vermeintliche linksradikale Zeitung in jener "dritten Klasse" der Globalisten.

Mag das alles noch konstruiert und theoretisch unausgegoren wirken, die Tendenz steht fest: "Zwischen den Kräften des Hergebrachten und denen des ständigen Fortbringens, Abservierens und Auslöschens wird es Krieg geben" (Botho Strauß 1993 in seinem Essay "Anschwellender Bocksgesang"). Der Philosoph Peter Sloterdijk prägte Mitte der 1990er Jahre den Begriff "Globalisierungsekel". Viele Rechtsintellektuelle verspürten ein solches Abgestoßensein angesichts einer "klebrigen Welt ohne Abstände". Da die Völker eher unwillig sind, den grauen Tod der Diversity zu sterben, haben die Globalisten den Migranten als neues revolutionäres, jedenfalls zu emanzipierendes Subjekt entdeckt. Die Gretchenfrage unseres Epöchleins lautet denn also: Wie hast du's mit der Migration? Näherhin: dem vermeintlichen Recht auf Migration? Hier scheiden sich die Geister und die Sphären. Und wenn Sie mich fragen: Hier entscheidet sich das Schicksal zumindest der europäischen Zivilisation.




Abendlicher 28. Oktober 2016

Die Amadeu-Antonio-Stiftung, die mit ihren empirischen Erhebungen in der ewigen Seriositätstabelle sogar den "Mitte"-Studien der Uni Leipzig den Rang streitig macht, dokumentiert auf einer couragepreisverdächtigen Webseite namens "Mut gegen rechte Gewalt" unter großem antifaschistischen Hallo so ziemlich alle Ereignisse, die sich in den Augen dieser Atlanten der Linksstaatlichkeit irgendwie unter "flüchtlingsfeindliche Vorfälle" rubrizieren lassen – und wie's ausschaut noch ein bisschen mehr als das. Jetzt versucht nämlich eine Regionalzeitung, den Statistikern Fehler einzureden. Die Angaben der Amadeu-Stiftung seien, zumindest was die Stadt Bielfeld betrifft, nicht korrekt, schlaumeiert ein weißer Redakteur, der sich anscheinend ohne Migrationshintergrund in Deutschland aufhält. Eine Überprüfung der aufgezählten Fälle in der Stadt habe eine Fehlerquote von 80, eventuell gar 100 Prozent ergeben. Mehr hier.



Nachmittäglicher 28. Oktober 2016

Was die EKD im Lutherjahr an Distanzierungsexerzitien dem Reformator gegenüber aufführe, sei "zum Fremdschämen", schreibt Freund ***. "Den Vogel schießt der 'Wissenschaftliche Beirat' der Evangelen ab. Er veröffentlicht eine sog. Orientierungshilfe 'Die Reformation und die Juden'. Im ersten Satz heißt es: 'Das Jubiläum von 2017 gilt nicht Martin Luther, sondern der Reformation.'
 
Ich schlage vor:
Das Jubiläum 1492 gilt nicht Christoph Columbus, sondern der Entdeckung Amerikas.
Das Jubiläum 1769 gilt nicht James Watt, sondern dem Patent Nr. 913 über die Dampfmaschine.
Das Jubiläum 1804 gilt nicht Napoleon, sondern der Ausrufung des Kaiserreiches der Franzosen.
 
Übrigens: Warum sich die wissenschaftlichen Beiräte dann auf den folgenden 16 Seiten ausschließlich der völlig marginalen Person eines gewissen Martin Luther widmen, konnte ich nicht herausfinden."




27. Oktober 2016

Ein leitender Funktionär des Türkischen Elternbunds in Hamburg soll einem Bericht des NDR zufolge auf Facebook die Deutschen als "Köterrasse" bezeichnet haben. Offenbar als Reaktion auf die Armenienresolution des Bundestages habe Malik Karabulut, Mitglied des Aufsichtsrats des Vereins, geschrieben: "Diese Schlampe mit dem Namen Deutschland hat uns den Krieg erklärt – und wir schweigen immer noch." Überdies soll er erklärt haben: "Ab jetzt könnt ihr was erleben."

Der überregionalen Qualitäts- und Wahrheitspresse war dies wie gewohnt keine Mitteilung wert. Hätte ein, sagen wir, sächsischer AfD-Funktionär oder überhaupt ein Sachse die Türken zur "Köterrasse" erhoben, sähe die Sache gewiss anders aus.

Ebenfalls so gut wie keine Spuren in der Lückenpresse hinterließ die für ein sich frei dünkendes Land reichlich beschämende Tatsache, dass der renommierte Historiker Jörg Barberowski, der auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Rings Christlich-Demokratischer Studenten in den Räumen der Universität Bremen einen Vortrag über sein Buch "Räume der Gewalt" halten wollte, durch Drohungen des dortigen AStA darüber belehrt wurde, dass ein weiterer solcher Raum im Entstehen begriffen war und jedenfalls an der Uni nicht auftreten konnte. Auch hier stelle man sich eine ähnliche Konstellation mit einem linken Professor und der Heinrich-Böll-Stiftung als Einlader und drohenden "Rechten" als Veranstaltungsverhinderer vor und male sich aus, wie unsere lieblichen Lückenpressevertreter lamentierend loslärmen würden.

Die Macht der Presse zeigt sich vor allem darin, was sie verschweigt. Was sie nicht skandalisiert. Und damit gutheißt.




25. Oktober 2016

Dass man für eine gute Sache durchaus ein bisschen flunkern und im Zweifelsfall auch schon mal eine veritable Lüge auftischen darf, gilt unter internationalsozialistischen Bessermenschen und linken Medienschaffenden nicht erst neuerdings als ausgemacht. Ob nun nach Sebnitz, wo eine Million Skinheads einen Ausländerjungen am Ende doch nicht ertränkt hatten, oder nach der Attacke von bis heute unentdeckten Neonazis auf den Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl mit dessen eigenem Küchenmesser, ob nach all den autoaggressiven Hakenkreuzritzereien und am Ende doch von den Insassen oder Unbekannten verübten rechtsextremen Brandstiftungen an und in Asylheimen, stets konnte man in irgendwelchen Kommentaren, auf irgendwelchen Foren mit Verlässlichkeit lesen, dass diese Tat zwar ausnahmsweise nicht von Rechtsextremisten oder am Ende überhaupt nicht verübt worden war, es aber doch immerhin möglich gewesen sei, dass üble Gesellen vom rechten unteren Rand dergleichen täten (und auch fürderhin allzeit möglich sein werde, wehrten die linken gelegentlichen Notlügner nicht emsig den Anfängen).

In Schmölln hat sich jetzt ein somalischer Asylbewerber aus dem Fenster gestürzt, und viele Medien verbreiteten ungeprüft das faktisch haltlose, aber im Kern eine höhere Wahrheit bergende Gerücht, schaulustige Dunkeldeutsche hätten den Mohren mit „Spring doch!“-Rufen angefeuert. Zur gleichen Zeit brachte ein Landsmann des Selbsttöters in einem norddeutschen Seniorenheim eine 87jährige Frau um. Das war wiederum nur wenigen Medien eine Meldung wert, wobei die Herkunft des Täters meist kultursensibel unter den Tisch fiel. Ein Kommentator des Deutschlandfunks schrieb zu Schmölln, auch wenn es keine „Spring!“-Rufe gab, sei es immerhin schlimm genug, dass dergleichen vorstellbar sei. Was den Fall von der unvorstellbaren, total unwahrscheinlichen und deshalb besser beschwiegenen Ermordung einer Seniorin durch einen Schutzsuchenden unterscheidet.




23. Oktober 2016

"Das führt an die Schwelle des dritten Weltkriegs": Günter Meyer, Experte für internationale Politik und Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt an der Universität Mainz, prognostiziert wenig Erfreuliches, sofern Hillary Clinton die US-Wahlen gewinnen sollte. Wer sich den Sonntag verderben will, lese hier.

Wo aber Gift ist, naht das Antidot auch, und zwar geliefert von David P. Goldman: "Trump wird die nationale Schlacht um Legitimität gewinnen" (hier), "Wie Trump den Nahen Osten stabilisieren könnte" (hier) und "Warum Spengler Trump wählen wird" (hier).




Späterer 22. Oktober 2016

Meine Tochter arbeitet seit einiger Zeit als Ärztin in der Rettungsstelle eines Klinikums zu Wittenberg (ja, die Lutherstadt), woselbst auch Asylbewerber in mittlerer Zahl und Stärke Obdach fanden. Was naturgemäß dazu führt, dass einige von ihnen, sei's mit einem Messerstich im Bauch, sei's mit einem beim Fußball ausgerenkten Finger, in der Notaufnahme vorstellig werden. In der Regel handele es sich um Syrer, und nicht ein einziger von ihnen, sagt meine Tochter, habe jemals Ärger gemacht. Kein einziger hatte ein Problem damit, dass ihn eine blonde Nichtmuslima behandelt und also berührt. Diese Menschen seien nett, respektvoll, dankbar – und gepflegt (Letzteres übrigens in gravierendem Unterschied zu einer gewissen Sorte prekärer Eingeborener). Sie könnten sich meist in keiner europäischen Sprache verständigen, ließen sich aber bereitwillig eine Nadel in den Arm jagen, in einen Diagnoseapparat schieben, den Finger wieder einrenken und so fort. Und nach der Behandlung bedankten sie sich artig.

Wegen der vielen Berichte aus hiesigen Krankenhäusern über aggressive, anmaßende, jede Behandlung durch weibliches Personal rigoros ablehnende oder die Schwestern begrapschende Asylbewerber will ich diesen Kontrast gern dokumentieren. Wer am Ende die Rechnung sowohl für die braven als auch für die asozialen Import-Patienten bezahlt, ist bekannt.

PS: "Das Problem dürfte eher anders herum liegen", merkt Leser*** an. "Wie sieht es denn aus, wenn ein Arzt eine moslemische Frau behandeln will? Das dürfte sich in vielen Fällen ganz anders, 'spannender' darstellen: Wie ist es dann mit 'nett, respektvoll, dankbar' bezüglich des Ehemanns oder der bereitstehenden (Groß-)Familie?" 





22. Oktober 2016

Neueste Nachrichten von der Willkommenskulturfront: Ein 51jähriger Freiburger wurde (übrigens in keiner mit dem Namen eines Rassisten, Biologisten oder Nationalsozialisten verunzierten Straße) von vier "südländisch aussehenden Personen" so schwer zusammengeschlagen, dass er an den Folgen starb (hier). Der "schafft" es also nicht mehr, ebenso wenig wie der 16jährige Hamburger, dem ein "etwa 20 Jahre alter Südländer" an der Alster ein Messer mehrmals in den Rücken rammte, bevor er die Freundin des Jungen ins Wasser stieß und sich diskret entfernte (hier). Die beiden schaffen es nicht mal in die exponierten Spalten der in solchen Fällen doch verlässlich rassistischen Premiumgesinnungspresse. Ebenfalls in Freiburg (und ebenfalls in einer korrekt benamsten Straße) steht ein 29 Jahre alter syrischer Aslbewerber vor Gericht, der im März und April 2016 zehn Kinder sexuell belästigt bzw. missbraucht haben soll bzw. hat (hier), wobei nicht ganz klar ist, ob es sich nun um einen oder zehn Einzelfälle handelt. Eine sichtbar schwangere Frau wurde in Langenhagen (Niedersachsen) am sogenannten hellichten Tag von zwei Männern überfallen und zum Zwecke des Taschenraubs so elanvoll zu Boden geworfen, dass die 37-Jährige anschließend ins Krankenhaus gebracht werden musste, wo sie hoffentlich einen Fernseher vorfand, um zu gucken, was Frau Merkel für arme Menschen in Not tut. Die Täter sollen laut Angaben des Opfers von südländischem Aussehen gewesen sein und Englisch mit einem arabischen Akzent gesprochen haben (hier).

Den Angehörigen und Nachbarn der Opfer empfehlen wir "eine mürrische Indifferenz" (Herfried Münkler). Alle anderen freuen sich gefälligst, dass der Kelch einstweilen an ihnen vorüberging und Deutschland mit jedem Tag noch doller bunt und immer bunter wird!




21. Oktober 2016

Ich erfuhr gestern auf der Frankfurter Buchmesse, dass der Heidelberger Historiker Professor Rolf Peter Sieferle am 17. September dieses Jahres aus dem Leben geschieden ist. Drei Wochen vorher hatte er mir einen Brief geschrieben – wir standen vorher nie in Kontakt, ich kannte nur einige seiner Bücher –, den ich hier dokumentiere.


Am, wie man sagt, Rande der Messe traf ich auf Patrick Bahners, den ich unlängst an dieser Stelle (Eintrag vom 18. September) etwas gezaust habe. Ich gestehe, dass ich dabei nicht nur sogenannten inhaltlichen Differenzen folgte, sondern auch dem niederen Instinkt des Zurückzahlens wegen dieses durchaus denunziatorischen Tweets am Tag des Münchner Amoklaufes, welcher wohl unterstellen sollte, ich hätte einen damals noch CDU-Mann mit meinen teuflischen Einflüsterungen zu einwanderungsskeptischen Facebook-Einträgen verführt und vom rechtgeleiteten Weg abgebracht:

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Wie nicht unbedingt unter Deutschen, aber unter Zivilisierten üblich, sprachen wir trotzdem miteinander, und ich bin nun verpflichtet, meine Aussage zu widerrufen, Bahners sei bis zu dem erwähnten gemeinsamen Termin nahe Naumburg irgendwann in den frühen 2000ern nie in den neuen Bundesländern gewesen, das sei er natürlich sehr wohl, sagt Bahners, und so sei es hier festgehalten und richtiggestellt.




20. Oktober 2016

Gestern Abend Podiumsgespräch mit Václav Klaus über sein Buch „Völkerwanderung“ (Manuscriptum-Verlag) in einem Dresdner Hotel. Der langjährige tschechische Präsident hat darin das schöne Wort „Wander-Mainstreaming“ geprägt. Es bezeichne „die Umgestaltung der europäischen Gesellschaft, vielleicht besser gesagt: die Liquidierung der europäischen Kultur, Traditionen und Werte und die dafür als Instrument benutzte Massenmigration“. Die „Hauptbotschaft“ seines Buches laute: Die Bedrohung von Zivilisation und Kultur, von Freiheit und Prosperität „haben nicht die Migranten, sondern die europäischen Politiker – an der Spitze deutsche Politiker – verursacht“. Beifall brandet auf. „Diese Politiker glauben wahrscheinlich aufrichtig an die Ideologie des Multikulturalismus, was aber schwer zu begreifen ist. Wollen sie wirklich aus den heutigen Migranten einen neuen europäischen Menschen, einen homo bruxelarum, erschaffen?" (Homo bruxellensins?)

Ich sah eine heitere Schar weinseliger römischer Senatoren in der ersten Reihe sitzen. An ihren Togen trugen sie „Vandalen willkommen!“-Aufnäher.

„Diese Leute haben begriffen, dass der Nationalstaat im Verein mit der parlamentarischen Demokratie zum Bremsklotz ihrer Visionen vom neuen Europa und zum Störfaktor ihrer globalen Machtansprüche geworden ist“, erklärt Klaus. Europa sei „von lauter weltfremden und heuchlerischen humanistischen Ideen durchdrungen“. Solche Ideen stifteten Millionen von Menschen zum Verzicht auf ihr Zuhause, zum Verlassen ihrer Heimat an. „Sie werden zu der irrigen Annahme verführt, dass Migration ein Menschenrecht sei, dass es einen regelrechten Anspruch auf Migration gebe und dass sich daraus weitere Ansprüche automatisch ableiten würden – einschließlich der materiellen Versorgung von Migranten.“

Aber doch nur die Westeuropäer, halte ich entgegen. Ein Eiserner Vorhang teile den Kontinent noch immer, er teile auch nach wie vor Deutschland, die Frage sei nur, ob der Ostteil hinterweltlerischer und unaufgeklärter sei als der Westteil oder ob die Gehirnwäsche im Westen am Ende bloß viel smarter funktioniert habe. Ex oriente lux also und quasi. Westrom und Byzanz! Ein Trupp Sioux, der durch den Saal ritt, störte meine Gedanken. Auf ihre Brust hatten sie mit roter Farbe – der Herr gebe, dass es Farbe war – „Bleichgesichter willkommen!“ geschrieben. Ja, der Osten sei speziell, bestätigt Klaus. Man habe lange nicht genau gewusst, warum es die Visegrád-Gruppe überhaupt gebe, heute zeige sich wieder ein Sinn dieses Zusammenschlusses. Man könne immerhin Einwanderer-Routen versperren – Klaus plädiert energisch gegen den moralischen Vernebelungsbegriff „Flüchtlinge“ –, aber Byzanz ist einstweilen recht machtlos gegenüber dem weströmischen Zeitgeist und Herrschaftsanspruch.

Im Buch schreibt Klaus: „Die derzeitige Immigration wird Europa bei extrem hohen finanziellen und gesellschaftlichen Kosten nicht etwa eine gesellschaftliche Wiederbelebung oder neue Harmonie bescheren, sondern im Gegenteil kaum zu bewältigende Konflikte. Es wird zu einer umfassenden Radikalisierung innerhalb der fragmentierten Gruppen und in ihren gegenseitigen Beziehungen kommen, die das Potential birgt, alles zu vernichten, was auf dem Wege der europäischen Integration in den letzten mehr als fünfzig Jahren erreicht wurde. Alle großen Sozialexperimente der Geschichte haben sich binnen kürzester Zeit in entsetzliche Katastrophen verwandelt. Der nahöstlichen Masseneinwanderung nach Europa, organisiert von den wohlmeinenden europäischen Eliten der Gegenwart, droht dasselbe Schicksal.“

Freund *** erzählt danach beim Abendessen, dass unlängst Pro Asyl eine Veranstaltung zum selben Thema abgehalten habe, und wie bei der hier in Rede stehenden habe auch dort Einhelligkeit zwischen Podium und Publikum geherrscht, auch dort habe sich keine Diskussion mit Rede und Gegenrede ereignet, kein Widerspruch habe das Konsensklima veredelt, beide Veranstaltungen hätten gewissermaßen auf verschiedenen Planeten stattgefunden, mit dem kleinen Unterschied freilich, dass bei Pro Asyl die lokale Presse vollständig versammelt gewesen sei, bei Václav Klaus anscheinend aber kein einziger Journalist vorbeischaute.

Freund *** wiederum bemerkte beim zweiten Wein tiefsinnig, er wisse jetzt, warum Dresdner Autofahrer mit dem Kennzeichen DD stigmatisiert seien: Dunkel-Deutschland.





Späterer 19. Oktober 2016

„Umvolkung“ ist der falsche Terminus, es muss „Entvolkung“ heißen, näherhin: „Entvölkerung“. Die Völker sollen den grauen Tod der Diversity sterben.




19. Oktober 2016

Bernd lebt im Problemkiez und hat regelmäßig handfesten Ärger mit Ali und seinen Brüdern; Pech für Bernd, er hat keine Brüder. Bernd geht abends auf eine Veranstaltung einer rechten Protestpartei und bekommt auf dem Heimweg eins über den Schädel von einem Trupp vermummter Linksextremisten, die ihn als Veranstaltungsteilnehmer identifiziert haben; Pech für Bernd, er hat keine politische Clique, die ihn schützt. Am nächsten Tag haut Bernd seinen Frust bei Facebook in die Tasten und wird von der Masi für einen Monat gesperrt; Pech für Bernd, er hat keine Partei, die für seine Meinungsfreiheit eintritt. Er hat überhaupt viel Pech, unser Bernd. Aber immerhin wird er nach seiner Ausbildung, anders als die meisten Brüder von Ali und die Vermummten und die Typen von der Masi, in der freien Wirtschaft arbeiten und dafür sorgen, dass auch künftig seine Malträtierung solide durchfinanziert ist.




18. Oktober 2016

Zweite Zukunft: Afrikanische Bildungsträger fordern Teilhabe und Respekt in italienischen Kirchen, hier.

Wenn man sich vor Augen hält, dass Abraham nach rechtgeleiteter Vorstellung der erste Muslim gewesen ist, der Koran zahlreiche biblische Propheten als Gesandte Gottes akzeptiert und Jesus für den zweitwichtigsten Propheten nach Muhammad hält, womit auch Maria als dessen Mutter eine exponierte Stellung im Islam zukommt, kann man ermessen, dass uns selbst die Pisa-Studien nur ansatzweise offenbaren, mit welchem Menschenschlag wir es künftig zunehmend zu tun bekommen. Aber natürlich wohnt diesem Insinkthass auf die Mutterreligion(en) eine Authentizität inne, die sich mit aller Theologie nicht zudecken lässt.




Frühester 17. Oktober 2016

Leser *** schreibt zu den Freiburger Straßenumbenennungsplänen (Eintrag vom 14. Oktober): "Sehr geehrter Herr Klonovsky, daß Carl von Linné heute zu den politisch Unkorrekten gerechnet werden könnte, kann nur daran liegen, daß er in seinem wissenschaftlichen Eifer bei der Beschreibung des Homo sapiens in seinem Buch 'Systema naturae' die vier damals bekannten Menschenrassen aufzählte: Weiße, Gelbe, Schwarze und Rote; und jeder von ihnen hat er bestimmte Charaktereigenschaften zugeschrieben."

Aber es werde noch toller, wenn man auf der Webseite nachschlage, wo die Rotte der moralisch Hochbegabten ihre Umbenennungs- und Stigmatisierungsvorschläge begründet.  Der Fall Linné ist dabei tatsächlich ein Glanzlicht. Wir lesen dort nämlich nicht nur, dass er, wie Gott auch, ein Rassist gewesen sei, weil er "die Spezies Mensch in vier Rassen anhand von körperlichen Merkmalen" eingeteilt und "diesen auch höhere und niedere charakterliche Eigenschaften" zugeschrieben habe. Vor allem war er ein Sexist, der die Heteronormativität bis in die Flora ausdehnte. Linné "begründete und verfestigte" jene Irrlehre der zwei Geschlechter nämlich "mit seiner Klassifizierung und auch Sexualisierung des Pflanzenreichs anhand der Morphologie in männliche und weibliche Pflanzen" und nahm dabei die Diskriminierung stockschwuler Steckrüben, lesbischer Linden und von Tulpentransen sehenden Auges in den Kauf*. Ferner implementierte dieser Wissenschaftler "durch die nicht zwingende Klassifikation von Tieren (Säugen als weibliche Grundfunktion und Wesensbestimmung) eine Denkweise und Gesellschaftsordnung, die die Unterordnung von Frauen unter Männer sowie die traditionelle geschlechtliche Arbeitsteilung als natürlich erklärt und ‚beweist‘." Wie soll man da als emanzipierter Anwohner einem Säugetier noch in die Augen schauen?

Deswegen empfehlen die Kommissköpfe ein Ergänzungsschild unter dem Namen, worauf für alle Zeiten geschrieben stehe und zu lesen sei: "Carl von Linné (1707-1778). Schwedischer Naturforscher und Begründer der biologischen Systematik, Vordenker einer biologistisch begründeten Geschlechterhierarchie und Rassenlehre." Weitere Höhepunkte der Endaufklärung hier.

Was für ein Ergänzungsschild, frage ich mich, werden diese Edlen wohl dereinst für die erste Freiburger "Prophet-Mohammed-Straße" vorschlagen?

* siehe dazu auch die Standardwerke: Friedericke Teufels, "Die Lage der arbeitenden Polle in Deutschland", Judith Kerka-Porta, "Die Imme als soziales Konstrukt" und Lann Hornhaut, "Alterseinsamkeit unter homosexuellen Langusten".

PS: Um den Fragen von Botanikern vorzugreifen: Schwule Steckrüben zeichnen sich dadurch aus, dass die Staubblätter den Fruchtknoten ablehnen und neurotisch die Selbstbestäuber beneiden, weil sie selber ja der Fremdbestäubung nicht wehren können; deshalb ist die Diskussion um das Adoptionsrecht bei Rüben noch nicht in Gang gekommen. Bei den lesbischen Linden verhält es sich genauso, nur eben andersherum.





16. Oktober 2016, ICE-Speisewagen

Die Wahl des neuen Bundespräsidenten steht an, und die Menschen da draußen im Land, der Arbeiter an seiner Werkbank, die Mathematikerin an ihrem Schreibpult, die Pilotin in ihrer Kanzel fiebern dem populärem Akt repräsentativer demokratischer Willensbildung hoffnungsfroh entgegen. Die Parteien bringen ihre profiliertesten Kandidaten in Stellung. Es sind Namen, die im Volke ehrfürchtig von Mund zu Mund gehen: Frank-Walter Steinmeier, Wolfgang Schäuble, Winfried Kretschmann, Norbert Lammert, Ursula von der Leyen. Jeder weiß, was diese Männer und Frauen in der Flüchtlingskrise, bei der Rettung des Euro, bei der Rettung Griechenlands, des Weltklimas und des deutschen Rufs im Ausland geleistet haben. Vergessen wir nicht den Geheimfavoriten Herfried Münkler, den Architekten der Einwanderung, den Mann, der im Nachhinein genial begründete, was unsere Willkommens-Kanzlerin mit sicherem Instinkt bereits realisiert hatte. Gemeinsam mit seiner Frau hat der Professor aus der Hauptstadt in einem Buch dargelegt, wie die Deutschen es und warum sie es schaffen werden; er brächte die ideale First Lady also gleich mit...

Beenden wir die CDU-Generalsekretärstagträume und schauen wir auf die Realitäten.

Das Amt des Bundespräsidenten ist ein Relikt der konstitutionellen Monarchie. Der Präsident verkörpert, in den Worten des Bundesverfassungsgerichtes von 2014, „die Einheit des Staates“ – wie der Monarch es tat und in glücklicheren Ländern noch heute tut. Glücklicher allein deswegen, weil die monarchistische Etikette es verbietet, Volksreden zu halten (unser einstweilen letzter Kaiser war die große Ausnahme). Außerdem amtiert ein Monarch kraft Tradition und nicht aufgrund von Parteienproporz.

Wie auch immer, die Karriere der Institution Bundespräsident begann in Gestalt von Theodor Heuss durchaus hoffnungsvoll. Gustav Heineman war der erste Quasi-Pastor an der symbolischen Staatsspitze, wenngleich er achtenswerte Sätze formulierte wie: „Ein Staat ist immer nur so frei wie sein Waffenrecht.“ Heute würde er für so viel Liberalität schäumende Rücktrittsforderungen ernten. Richard von Weizsäcker schien nie verwinden zu können, dass die Bergpredigt schon gehalten worden war, und verlieh dem Amt eine penetrant pastorale Note. Es war nur folgerichtig, dass mit Joachim Gauck schließlich der erste echte Pfarrer zum Staatspastor aufstieg. Zugleich darf man Weizsäckers Rede zum 8. Mai 1985 als den Einzug der DDR-Terminologie in die BRD werten. Auch wenn sie deutlich differenzierter war als später verschlagwortet, blieb doch einzig der „Tag der Befreiung“ von ihr übrig. Weizsäcker hat auf seine Weise den Weg gebahnt für Merkel und Gauck.

Gab der knorrige Roman Herzog noch eine akzeptable Figur ab, begann mit dem Kirchentagssprechautomaten Johannes Rau die Wendung ins Peinliche. Auf „Bruder Johannes“ folgte der habituelle Sparkassendirektor Horst Köhler, von dem einzig der Rücktritt im Gedächtnis blieb, als er wegen einiger Medienberichte mit tränenerstickter Stimme erklärte, man lasse es an Respekt ihm und seinem Amt gegenüber fehlen. Damals wurde gemutmaßt, er sei in Wirklichkeit zurückgetreten, weil er mit seiner Unterschrift nicht den Euro-Rettungsschirm bewilligen wollte; wenn dies stimmt, wäre die weinerliche Begründung seines Rücktritts erst recht skandalös.

Nach Köhler brachte es mit Christian Wulff der erste Mann vollkommen ohne Eigenschaften zum Staatsoberhaupt; der Niedersachse war ein Präsident von Merkels Gnaden. Aber immerhin verschaffte er mit seiner Frau Bettina („Ich habe bei Männern kein festes Beuteschema“) einer gewissen Halbwelt Zugang ins Schloss Bellevue. Ihm folgte mit Gauck ein spätberufener DDR-Bürgerrechtler – wie Merkel stand auch der Rostocker Pfarrer in einem unauslotbaren, immerhin Reiseprivilegien einschließenden Verhältnis zum SED-Staat –, der seit der Amtsübernahme immer weniger Interesse für die Rechte der Bürger zeigt. Kein kritisches Wort von ihm fiel zur Politik der offenen Grenzen oder zur faktischen Entmachtung des Parlaments in der Eurokrise. Längst verkörpert der Bundespräsident nicht die Einheit des Staates oder gar der Nation, sondern ist bloß von allen Sprechpuppen des Zeitgeistes die prätentiöseste.

Verglichen mit der Medienhatz, die Wulff wegen pekuniärer Nichtigkeiten ertragen musste, mag mancher die Dresdner Pöbeleien gegen seinen Nachfolger eher zu den harmlosen demokratischen Schikanen rechnen. Die Frage ist nur: Wer will sich das als Nächster antun? Wer wäre zugleich im Volke populär, ein Darling der Leitartikler und ein windelweicher rhetorischer Fettnäpfchenumtänzler mit vollendet langweiliger Biographie? Und vor allem: Was soll das eigentlich alles?

Der TV-Abendunterhalter Markus Lanz erklärte zum Schimpf, der am Tag der deutschen Einheit über Gauck herniederging, es sei eine Situation gewesen, „wie sie so bei einem Auftritt der englischen Königin nicht möglich wäre“. Wir haben aber keinen König mehr. Was ist also zu tun?

Die AfD fordert, dass der Bundespräsident vom Volk gewählt werden soll. Wenn das Volk wählte, würde wahrscheinlich Dieter Bohlen knapp vor Günter Jauch gewinnen. Und was wäre gegen Bohlen zu sagen? Er ist, wie ich hier bereits ausgeführt habe, weniger vulgär als Gauck eitel, und er spräche wohl auch im höchsten symbolischen Amt weniger verlogen als seine Vorgänger. Er würde das pastorale Parfüm mit realitätsnaher Unterklassen-Rotzigkeit austreiben. Zugleich ist Bohlen ein erfolgreicher Unternehmer und hat mehr Steuern gezahlt als sämtliche Bundespräsidenten zusammen. Noch aus seiner letzten Zote spricht mehr Weltkenntnis als aus den gesammelten Präsidialpredigten unseres Bundesfreiheitsbuffos. Bohlen würde dem politisch korrekten Schwätzamt in freier Rede den Gnadenstoß versetzen. Er würde es auf dem Boden der schnöden Tatsachen zerschellen lassen.

Danach sollte aber Schluss mit dem Theater sein, bevor beispielsweise der erste Muslim nominiert wird (weil es ja, wie wir inzwischen gelernt haben, Muslime waren, die Deutschland nach dem Krieg wiederaufgebaut haben), und das symbolische Repräsen-Tantentum sich sukzessive in schiere Minderheitenmachtpolitik verwandelte. Der Präsident gehört in die historische Mottenkiste. Bis der Kaiser oder Erlöser oder wenigstens der Katechon wiederkehrt! Jenem mag ein Präsident dann Rosen streuend vorangehen!




Abendlicher 15. Oktober 2016

Ulrich Schacht, Schriftsteller und Großkomtur des St.-Georgs-Ordens, bemerkt, es sei ein "Treppenwitz der Weltgeschichte", dass heute Moskau als "der Sitz der Reaktion" gelte, ein Vorwurf, welcher bekanntlich vom Kreml aus 70 Jahre lang gegen die Metropolen des Westens geschleudert worden war. Und fügt hinzu: Nachdem Russland mit dem Import westlicher Fortschritts-Ideen, nämlich jener von 1789 und daran anschließend der des Marxismus, so einschlägige Erfahrungen gemacht habe, könne man verstehen, warum die Russen heute eher skeptisch auf westliche Empfehlungen über die Gestaltung ihrer Zukunft reagierten.




Nachmittäglicher 15. Oktober 2016

Zu Gast im Augustinerkloster zu Erfurt, aus Anlass einer abendlichen Lesung. Der Kreuzgang ist herrlich. Ich hätte ein Kapitel "Kreuzgänge" in die "Lebenswerte" aufnehmen sollen. Ich will nicht in einer Welt ohne Kreuzgänge leben.




15. Oktober 2016

„Wie geht es Ihnen?“, fragt mein ca. 75jähriger syrischer Nachbar.
„Nun, ich könnte sagen: Lari, aber fari träfe es auch. Und Ihnen?“
„Ich würde wiederum sagen: Außen hui, innen pfui!“




Mondbeschienener 14. Oktober 2016

Frohe Kunde kommt aus dem Breisgau. Die Kommission zur Überprüfung der Freiburger Straßennamen hat ihren Abschlussbericht vorgelegt. Sie empfiehlt, zwölf Straßen umzubenennen. „Damit ist Freiburg die erste deutsche Stadt, die eine derartige, vollumfängliche Untersuchung aller Straßennamen initiiert hat“, strahlt die Badische Zeitung über die Größe und Herrlichkeit dieses Aufbruchs.

Getilgt werden sollen unter anderem die Hindenburgstraße und der Martin-Heidegger-Weg, denn man weiß ja, wohin die führen. Dann gibt es noch 15 Straßennamen der "Kategorie B", die zwar „trotz dunkler Flecken in der Vita der Betroffenen“ nicht umbenannt, aber deren Schilder „mit kurzen Erläuterungen zur geschichtlichen Einordnung“ bevölkerungserzieherisch veredelt werden sollen. Zu dieser Kategorie der Halb- und Viertelbeschmutzten gehören Fichte, Theodor Körner, Richard Wagner, Richard Strauss und merkwürdigerweise auch Carl von Linné (hat er womöglich in seiner Fundamentalista Botanica afrikanische Pflanzen diskriminiert?).

So um 1918 nistete sich der Typus des habituellen Nazis im deutschen Volkscharakter ein, und trotz diverser Kuren bekommt unser armes, gebrechliches Land auf seine späten Tage diese Filzlaus nicht mehr los, weil sie sich ständig an neuen Stellen exponiert. Immer wollen unsere Habitatsnazis denunzieren, verfolgen, dingfest machen, löschen, flurbegradigen, umbenennen, Ordnung schaffen, Maßnahmen einleiten, den Konsens vollstrecken, endgültige Lösungen anstreben. Und dieser Typus wird in den Stürmen der nächsten Völkerwanderung nur zum Teil vergehen, der andere Teil wird konvertieren und im Namen des Propheten so gründlich, so systematisch missionieren und verfolgen, dass selbst radikale Muslime lauter kleine Kaabaklötzer staunen werden, mit welchen Strebern sie sich da eingelassen haben.

Was nun wiederum Heidegger und Wagner angeht, so ist es ziemlich gleichgültig, was heute akademische Tagelöhner und andere publizistische Gartenzwerge über sie befinden. In „tausend Jahren“ (B. Höcke), wenn niemand mehr weiß, was Deutschland war und wo der SC Freiburg spielte, werden sie einer der wenigen Gründe sein, warum in einigen Winkeln dieses Planeten noch ein paar geistvolle Menschen Deutsch lernen.



14. Oktober 2016

Der Anlass meines Eintrags vom 7. Oktober muss womöglich dementiert werden: "Vergewaltigung in Lüneburg: Ermittlungen können Tat nicht bestätigen", hier.



Frühnachmittäglicher 13. Oktober 2016

Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt gegen eine Flüchtlingsfamilie aus Duisburg-Rheinhausen wegen des Verdachts auf Menschenhandel. Sie soll am Dienstag ein Verkaufsangebot für ihr 40 Tage altes Baby namens Maria online gestellt haben. Wie ein Sprecher von Ebay bestätigte, war das Inserat eine halbe Stunde online.

Wie verzweifelt müssen diese Menschen sein – ihr Kind Maria zu nennen...




Hochmittäglicher 13. Oktober

Adenauer, Schumacher, Heuss. – Merkel, Schulz, Kässmann. Nur mal hypothetisch. Satiriker, um mich zu wiederholen, ist momentan der elendste Job in Deutschland.




Fast schon Mittag des 13. Oktober 2016

Mit einem Messer hat ein 19 Jahre alter Asylbewerber einem 18jährigen ebenfalls Asylbewerber im hessischen Schlüchtern das Gesicht verstümmelt. Die Tat ereignete sich bereits am Freitagabend. Das Opfer wurde in eine Spezialklinik gebracht. Der junge Mann muss mit bleibenden Schäden rechnen. Ob er dauerhaft erblindet, ist noch unklar.

Der Täter befindet sich in Untersuchungshaft. Es wurde Haftbefehl erlassen wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung. Auch ein Mordversuch könne nicht ausgeschlossen werden, sagte der Oberstaatsanwalt: „Diese Form der Gewalt haben die Ermittlungsbehörden hier noch nicht erlebt.“

Aber deswegen holen wir sie doch ins Land! Damit der deutsche Provinzler sieht, was anderswo geboten wird. Wer den Knastaufenthalt des einen und die Behandlung des anderen inclusive womöglich lebenslanger Sozialleistungen bezahlt, dürfte klar sein: unser Heiko Maas! Er lebe hoch! Hoch! Hoch!




Gen Mittag strebender 13. Oktober 2016

Jetzt lassen diese Sachsen sogar zu, dass sich ein Terrorist in der Zelle erhängt und auf diese Weise den Anspruch auf Paradieszutritt verliert, wo die Huris schon seinen Namen gerufen haben. (Hat Pegida indirekt die Schlinge mitgeknüpft? Stegner! Wo bleibt Ihre Wortmeldung?) Wer derzeit den Eindruck gewinnt, der Suizid des Jaber Albakr sei, medial betrachtet, ein größerer Skandal als seine Anschlagspläne, liegt vermutlich richtig.




Früher 13. Oktober 2016

"Der Natur ist's nicht gewöhnlich, doch die Mode bringt's hervor": In Zenturien-, ach was: Manipelstärke schlendern und schlappen einem derzeit junge Frauen entgegen, deren Hosenbeine zwei bis sechs faustgroße Löcher und darunter die bloße Haut präsentieren. Gewisslich höben die Mädels auch an jeder fünften Straßenlaterne das rechte Hinterbein, wenn es ein Spitzendesigner als Trend ausgerufen hätte. Ob ein mittelalterlicher Bauer in seiner erschütternden Unaufgeklärtheit sich je hätte einreden lassen, neue Hosen müssten Löcher haben? Nein, dafür braucht's den in seinen Entscheidungen freien modernen Menschen. Welcher, wie Don Nicolás anmerkte, je freier er wird, sich desto perfekter in Statistiken einzupassen versteht.




Nächtlich sich neigender 12. Oktober 2016

Eine deutsche Spitzenqualitätsjournalistin hat getwittert: "Seltsam: Noch immer kein Blog-Artikel von Frauke Petrys Sprecher Klonovsky, dass die Syrer, die Albakr festnahmen, das wahre Problem sind." Na gut: "Der unter Terrorverdacht festgenommene Dschaber al-Bakr hat die drei Syrer, die ihn überwältigt und der Polizei ausgeliefert haben, der Mitwisserschaft beschuldigt" (mehr hier.) Ich melde mich wieder, wenn Syrer den heiligen Gral, das Bernsteinzimmer und drei herrenlose Bundesverdienstkreuze gefunden und bei der Polizei abgegeben haben.





12. Oktober 2016

Diese – fiktive – Grafik spiegelt trefflich das Problem, auf welches u.a. ich hier seit längerem insistiere. Wenn man die Dunkelziffern, die derzeitige Einwanderungsgeschwindigkeit, die Zusammensetzung der Passagiere auf den Schlepperbooten und die wenigen Abschiebungen betrachtet – vom Familiennachzug und der in Aussicht gestellten Visumfreiheit für die Türkei zu schweigen, weil beides sich eher zu gleichen Teilen auf die Pyramide auswirkt –, wird die Tendenz anschaulich. Die Bevölkerungspyramide hat, wie Freund *** anmerkt, sozusagen eine Erektion. Und zwar auf viele Jahre. Sollte seine direkte Abfuhr misslingen, wovon in den meisten Fällen leider auszugehen ist, wird der Trieb sich Umwege suchen. Kölle alaaf!

PS: Noch mal an alle, die nach der Quelle der Grafik fragen: Ich weiß keine. Irgendwer hat auf die aktuellen Bevölkerungszahlen des Statistischen Bundesamtes 5 Millionen "Flüchtlinge" draufgesetzt. Es ist auch nicht wichtig, wie exakt bzw. wie stark übertrieben sie ist (Sie können sich gern die Ziffern auf der x-Achse wegdenken), wichtig ist allein die Form der "Pyramide" und die Tendenz, die sie zeigt.




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Früher 11. Oktober 2016

Leser *** ergänzt das gestrige Bild vom geduldigen Ochsen um eine andere Metapher: "Während die verblödete Schafherde auf Geheiß ihres korrupten Hütehundes eifrig die schwarzen Schafe unter sich isoliert, schleust dieser selbstherrlich ein Rudel Wölfe ins Gehege."

Die Wölfe sind da und nehmen die Schafe in die Zange. "Nach der Festnahme eines von den Behörden als Flüchtling anerkannten, akut terrorverdächtigen Syrers in Leipzig geraten immer mehr erschreckende Fakten ans Tageslicht. Der 22-jährige Jaber Albakr soll enge Kontakte zum 'Islamischen Staat' gehabt haben. Deutschland entging offensichtlich nur knapp einem großen Terroranschlag (...) Auch der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt spricht von einer 'sehr hohen Gefahr eines Anschlags' (...). 'Was zu Beginn der Flüchtlingskrise von einigen Politikern noch vehement bestritten wurde, ist jetzt ganz offensichtlich geworden, nämlich dass es unter den Flüchtlingen auch solche gibt, die mit der Absicht zu uns gekommen sind, Terroranschläge zu begehen.' So könnten sich theoretisch tausende potentielle Terroristen unter den Asylanten von 2015 mitten in Deutschland befinden! (...) Umso schlimmer ist es, dass wir darauf verzichtet haben, die Menschen, die in unser Land gekommen sind, einwandfrei zu identifizieren und zu kontrollieren." (Mehr hier.)

Es gibt übrigens einen Grund, warum Deutschland bislang von einem großen Anschlag verschont geblieben ist: Noch gibt es hier keine vorwiegend muslimischen Großghettos wie in Brüssel Molenbeeek-Saint-Jean oder in den Banlieues der französischen Großstädte, wo sich Terroristen ungestört vorbereiten können, noch funktioniert die soziale Kontrolle hierzulande halbwegs, noch kann ein Dschihadist überhaupt auffällig werden – aber unsere Fremdenführerin ist ja nach wie vor eifrig bestrebt, diesen Zustand zu beenden.

Ich sagte "Zange" und schulde Ihnen noch deren zweite Kneifbacke (von all den bloß individuellen Einzelfällen des Raubs, der Kopftreterei und der Vergewaltigung sehe ich hier ab): "Berlins Unterwelt ist verloren an die arabischen Clans", melden diverse Medien (etwa hier), die arabische Mafia rekrutiere ihren Knochenbrechernachwuchs inzwischen in sogenannten Flüchtlingsheimen und betreibe als Vermieter sogar selber welche. Die immerhin schaffen das.

Kommen wir nun aber zu den wichtigen Dingen: Sokratis verletzt, Castro verletzt, Dembele verletzt, Guerreiro angeschlagen, Bartra noch nicht fit – was soll das nur werden am Freitag...?




Fortgeschrittener 10. Oktober 2016

Die Macht der Gewohnheit, die den Ochsen sein Joch tragen lässt, vereint sich mit jener der Feigheit, die das Joch begrüßt, wenn nur die Peitsche schweigt und das Messer nicht gegen einen gewetzt wird. Diese beiden allzuirdischen, allzumenschlichen Regungen beenden schließlich die Rebellion und führen in die Duldung und in die Unterwerfung.

Am 19. September 2006 veröffentlichte der französische Philosoph Robert Redeker in der Tageszeitung Le Figaro den islamkritischen Artikel "Face aux intimidations islamistes, que doit faire le monde libre?" ("Was soll die freie Welt angesichts der islamistischen Einschüchterungsversuche tun?"), ein Beitrag zur Debatte um die Regensburger Rede von Benedikt XVI. Durch einen Kommentar im Fernsehsender al-Dschasira fanden Zitate aus dem Text Verbreitung in der islamischen Welt. In Ägypten und Tunesien wurde am Folgetag der Vertrieb des Figaro eingestellt, der Autor erhielt zahlreiche Morddrohungen. Auf einer Internetseite fand sich neben dem Mordaufruf und Redekers Konterfei ein Foto seines Hauses samt detaillierter Anfahrtsbeschreibung. Der Philosoph tauchte unter und verkaufte sein Haus. Seine Dozentenstellen an zwei Mittelschulen in Toulouse wurden ihm gekündigt; die Eltern hatten Angst, wenn er weiter ihre Kinder unterrichtete. Seither lebt Redeker unter Polizeischutz an verschiedenen geheim gehaltenen Orten in Südfrankreich. Seinen jüngeren Sohn schickte er ins Internat, der ältere entfernte sein Namensschild vom Briefkasten, die Tochter heiratete und trägt nicht mehr seinen Namen.

"Die Unterdrückung, die auf mir lastet, ist eine Unterdrückung neuer Art, gegen die der Staat kaum eine Handhabe hat", schrieb Redeker 2007 in einer Zeitschrift. "Eine Unterdrückung des dritten Jahrtausends, die noch nicht einmal einen Namen hat. Eine unsichtbare Freiheitsberaubung: Ich sehe weder meine Kerkermeister noch meine möglichen Mörder. Aber ich weiß, es gibt sie, und sie hindern mich effektiv daran, so zu leben wie meine Mitmenschen, wie vor dem Artikel im Figaro."

Bis heute lebt der Mann in diesem Modus, und er wird es wohl bis ans Ende seiner Tage tun müssen, wenn er nicht riskieren will, dass dieses Ende früher kommt, als die Natur es für ihn vorsieht. Als der Skandal noch frisch war, gab es eine Solidaritätserklärung französischer Intellektueller, doch inzwischen kümmert der Fall niemanden mehr, und selbst wenn er jemanden scherte, was sollte derjenige tun? Und welcher Öffentlichkeitsarbeiter verspürte angesichts von Redekers Schicksal nicht jenes gewisse Ochsenglück, welches eben darin besteht, dass man zwar das Joch spürt – ein derzeit noch lächerlich leichtes Joch gewisser Meinungsfreiheitseinschränkungen und Blasphemieverbote –, aber die Peitsche schweigt und die Messer nicht gegen einen selbst gewetzt werden?

Aus dem kommunistischen Russland stammte ein Witz, in dem sich Männer aus mehreren Ländern unterhalten, was Glück sei. "Whisky und Nancy", sagt der Ami, "Bordeaux und Chantal", sagt der Franzose, doch der Sowjetbürger weiß: "Ihr habt ja keine Ahnung, was  Glück ist! Wirkliches Glück ist, wenn es nachts an deiner Wohnungstür klingelt, dort zwei Männer in Ledermänteln stehen und fragen: 'Sind Sie Iwanow?' und du antworten kannst: 'Nein, Iwanow wohnt eine Treppe höher.'"



10. Oktober 2016

In einer TV-Doku einen Oktopus gesehen, der mit stupender Geschwindigkeit exakt die Farbe des Untergrunds annahm, auf welchem er sich gerade befand. Musste sofort an einen jüngst ernannten Chefredakteur denken.




Jungfräulicher 9. Oktober 2016

Der Franzose Michel Houellebecq erscheint in den deutschen Medien gemeinhin mit dem Namenszusatz "Skandalautor", wahlweise auch als "Provokateur". Man muss das wahrscheinlich als journalistische Entlastungshandlung verstehen, etwa so, wie die AfD immer mit dem Zusatz "rechtspopulistisch" versehen wird. Wer ohne solche Attribute auskommt, erweckt den Verdacht der Sympathie. Wer einmal Sympathie anklingen ließ, wird auch noch zehn Jahre später in Haftung genommen, wenn der Provokateur nun wirklich etwas Unverzeihliches, nicht mehr zu Tolerierendes geäußert hat.

Vor ein paar Tagen nun hat Houellebecq mit seiner Dankesrede zur Verleihung des Frank-Schirrmacher-Preises – über die groteske Kluft zwischen Namenspatron und Preisträger breiten wir den Mantel des Schweigens – einen Stein in den deutschen intellektuellen Konsens-Teich geworfen. Feuilletonisten wie der Zeit-Mann Robin Detje – zum Bellen geboren, zum Apportieren bestellt – schlugen prompt an. Detje bescheinigte dem Franzosen "ein aberwitzig reaktionäres Weltbild", das "seiner Kunst unwürdig" sei; was der Romancier in Berlin vorgetragen habe, sei "nekrophiler Muff vom Endzeitclash" gewesen (ein "Muff vom Clash", da macht aber einer Ernst). "Der Zündler vom Dienst", bellte assistierend der Tagesspiegel, ein paar andere Pudel stimmten kämpferisch ein, aber eine veritable, auf Existenzvernichtung sinnende Hatz wäre wohl nur losgebrochen, wenn der Autor erstens ein Deutscher und zweitens kein Millionär wäre. Angesichts seiner vorhersehbaren Folgenlosigkeit verebbte der Angriff, und der Skandalautor gewann, nur mäßig gezaust, das rettende linksrheinische Ufer.
 
Diese Rede, suggerierte der erwähnte Feuilletonist, schände gewissermaßen das Houellebecq’sche Gesamtwerk. Tatsächlich fügt sie sich so vollkommen nahtlos darein wie ein Zeit-Feuilletonist ins Zeit-Feuilleton oder ein Pinguin in die Antarktis. Houellebecq handelt die Themen ab, die sich auch in seinen Romanen finden: die Bindungslosigkeit, Fortpflanzungsunwilligkeit und Abdankungsgeneigtheit des westlichen Menschen, die Verweiblichung und Gouvernantisierung der Gesellschaft, die Niederwerfungsbereitschaft des vor allem von innen sturmreif geschossenen Kontinents vor dem Islam, die groteske Selbsteinsperrung der westlichen Intellektuellen ins Laufställchen der politischen Korrektheit. Inbegriffen ist zudem eine maßvolle Attacke auf die französische Linke; die sei, so Houellebecq, "allem Anschein nach am Sterben". Er beobachte einen Prozess, der sich seit dem Amtsantritt von François Hollande beschleunigt habe. Die Linke sei "immer aggressiver und bösartiger geworden. Es handelt sich um den klassischen Fall des in die Enge getriebenen Tiers, das Todesangst verspürt und gefährlich wird."

Wie gesagt, all das ist Houellebecq as usual. "Was damals an Inhalten von den Linken noch übriggeblieben war, war die Ablehnung des Rassismus oder, genauer gesagt, ein gegen die Weißen gerichteter Rassismus", heißt es im Roman Die Möglichkeit einer Insel (2005). "Ich bin Rassist", spricht eine Figur in Plattform (2001). „Ich bin Rassist geworden (...) Eine der ersten Folgen des Reisens...". "Wenn die Leute über die ‚Menschenrechte’ reden, habe ich immer den Eindruck, es handele sich dabei um Ironie", steht im selben Roman, und ebendort findet sich die Passage: "Wir legten eine kurze Pause ein, um zu Mittag zu essen. Zur gleichen Zeit schlugen zwei Jugendliche aus der Cité des Courtilières einer Frau in den Sechzigern mit einem Baseballschläger den Schädel ein. Als Vorspeise nahm ich Makrelen in Weißweinsauce." Der Feuilletonistenblick auf die Welt in drei Sätzen! Chapeau!

Houellebecq hat seine Berliner Rede als freier Geist vorgetragen; das erhebt sie zu einem Ereignis, den einen ein Ärgernis, eine Wonne den anderen. Allein der Vergleich zwischen der Blutrünstigkeit und Mordlust der Jakobiner und jener der Dschihadisten ist grandios und käme einem hiesigen Autor wohl kaum in den Sinn, geschweige über die Lippen (wobei sich Martin Mosebach in seiner Büchnerpreisrede einer ähnlichen Frechheit erkühnte, indem er Saint Just und Himmler in einem reaktionären Atemzug vereinte). Herrlich in ihrer Rücksichtslosigkeit gegen die herrschenden Sprachregelungen ist auch die Passage, in der Houellebecq darauf verweist, dass Frankreich nach Schweden das zweite Land der Welt sein könnte, welches die Kunden von Prostituierten bestraft, woraus er folgert: "Die Prostitution abschaffen heißt, eine der Säulen der sozialen Ordnung abzuschaffen. Das heißt, die Ehe unmöglich zu machen. Ohne die Prostitution, die der Ehe als Korrektiv dient, wird die Ehe untergehen und mit ihr die Familie und die gesamte Gesellschaft. Die Prostitution abzuschaffen, das ist für die europäischen Gesellschaften einfach ein Selbstmord."

Der "Skandalautor" unternimmt gar nicht erst den Versuch einer Anpassung an irgendein diskursives Benimmregelwerk. Warum sich um die Selbstknebelungsrituale einer abdankenden Gesellschaft scheren? Anthropologischen Optimismus kennt er nicht, daher rührt seine Fremdheit gegenüber der Linken. Er gehört nirgends dazu. Er will nicht gefallen. "Seien Sie richtig gemein, dann sind sie wahr", hat er vor fast 20 Jahren, damals noch ein unbekannter Autor, im Figaro Litteráre als Maxime ausgegeben. Wie Gott ist auch er Biologist, und darum trifft er lakonische Feststellungen wie: "Der Jihadismus wird ein Ende finden, denn die menschlichen Wesen werden des Gemetzels und des Opfers müde werden. Aber das Vordringen des Islam beginnt gerade erst, weil die Demografie auf seiner Seite ist und Europa, das aufhört, Kinder zu bekommen, sich in einen Prozess des Selbstmords begeben hat. Und das ist nicht wirklich ein langsamer Selbstmord. Wenn man erst einmal bei einer Geburtenrate von 1,3 oder 1,4 angekommen ist, dann geht die Sache in Wirklichkeit sehr schnell."

In seinem Roman Plattform hat Houellebecq unmittelbar vor dem 11. September 2001 den islamischen Terror thematisiert und in Unterwerfung dann die naheliegendste Frage der Gegenwart gestellt, nämlich: Was geschieht in den westeuropäischen Ländern, wenn der stetig wachsende und im Vergleich mit den Eingeborenen vor allem deutlich jüngere muslimische Bevölkerungsteil anfängt, seine Vorstellungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens in die Politik "einzubringen"? Der erste literarische Repräsentant des sexuellen Pauperismus, der trostloseste Schilderer der existentiellen Erschöpfung des europäischen Menschen, der Erfinder des Begriffes "nullogam" und Verkünder einer neuen Kallokratie – "Die körperliche Schönheit spielt hier genau die gleiche Rolle wie der Geburtsadel im Ancien régime" (Die Möglichkeit einer Insel) – stimmte auf einmal den Sirenengesang der Erlösung an.

Eine Erlösung hat naturgemäß ihren Preis. Es war kein Zufall, dass ein Literat, der den Krieg der Geschlechter in falkenäugiger Illusionslosigkeit schildert, irgendwann jene Zivilisation in den Blick nehmen würde, die diesen Krieg von vornherein unterbindet. Das skandalöse Geheimnis des Buches Unterwerfung besteht ja nicht darin, dass es islamfeindlich ist – das ist es nämlich nicht –, sondern dass es beschreibt, wer den Preis einer Islamisierung Europas zahlen würde: die Frauen. Die Kölner Silvesterkirmes war gewissermaßen die erste Rate.

Der westliche Mann, dessen ist sich Houellebecq gewiss, wird den neuen Frontverlauf mit einem Achselzucken hinnehmen. Er wird die Frauen, die ihm den Genderterror und den Häuserkampf der Gleichstellung mitsamt ihren merkwürdigen Ansprüchen und angeblichen Rechten aufgedrängt haben, nicht verteidigen. Und was seine eigene Tauglichkeit im Selbsterhaltungskampf angeht, hat der Schriftsteller schon vor Jahren ein Urteil getroffen: "Es war nicht sicher, ob die Gesellschaft sehr lange mit Individuen wie mir überleben konnte."


PS: Mein Lieblingsstatement von Houellebecq ist übrigens der Satz, den er zu einer amerikanischen Journalistin sagte, als die sich erkundigte – damals wohnte er noch in Irland –, ob draußen Ebbe oder Flut sei: "Ja, wir haben bemerkt, dass sich das bewegt, aber wir machen die Vorhänge zu." Das erinnert mich an Chopin, der von seinem Freund Delacroix in der Kutsche durch Paris chauffiert wurde und diesen bat, er möge bitte die Vorhänge zuziehen, er wolle nichts sehen. Mir geht es manchmal ähnlich, etwa wenn ich mit dem Taxi durch gewisse deutsche Stadteile fahre; dann würde ich auch gern den Fahrer bitten, die Vorhänge zu schließen, aber es gibt ja leider keine mehr, und am Ende versteht mich der Kutscher sowieso nicht.

PPS: Aus aktuellem Anlass: meine Rezension des Romans Unterwerfung vom Februar 2015, hier.




8. Oktober 2016

Die Empörung über die Störung des Nationalfeiertags, 1989 und 2016, im Spiegel der Abendnachrichten. Sehenswert!




Spätabendlicher 7. Oktober 2016

Wenn immer in der hiesigen Öffentlichkeit jemand eine Klage über seine Benachteiligung anstimmt, kann man sicher sein, dass im nächsten Satz schon eine Forderung folgen wird.




Nachmittäglicher 7. Oktober 2016

In Lüneburg sucht die Polizei zwei südländisch aussehende Männer, die am Abend des 1. Oktober im Lüneburger Kurpark eine 23-jährige Frau mit ihrem kleinen Sohn überfallen haben. Zunächst schubsten die Täter das Kind und die Mutter, dann griff sich einer den kleinen Jungen und hielt ihn fest, während der zweite Täter die Frau vergewaltigte. Nach dem Vergnügen zogen sich die beiden mutmaßlichen Gäste der Kanzlerin in ihre Arztpraxis bzw. ihr Ingenieurbüro zurück (mehr hier).

Zwei zerstörte Seelen: Jene der Frau, weil sie vor den Augen ihres Kindes geschändet wurde, jene des Jungen, weil er seiner Mama nicht helfen konnte. Während, entgegen der christlichen Lehre, die Täter ersichtlich keine Seele besitzen und man sich angesichts solcher Kreaturen für die Leibstrafen der Scharia zu erwärmen begänne, sofern diese bei der Sühne für die Schändung Un- oder Falschgläubiger überhaupt zur Anwendung kämen.

Die Mutter vergewaltigen, das Kind dabei als eine Art Geisel oder Faustpfand festhalten: Das ist eine neue Dimension des Abscheulichen. Man kennt dergleichen aus Kriegsgebieten oder, was Deutschland betrifft, aus dem Jahr 1945, als die siegreiche sowjetische Soldateska über die deutschen Frauen und Mädchen herfiel. Und auch Greisinnen nicht verschonte, wie das heute unter willkommenskulturellen Prämissen auch bereits regelmäßig geschieht und von den Medien sogar noch, vermutlich wegen der Bizarrerie der Taten, prominent gemeldet wird (etwa hier, hier oder hier).

Übrigens sind derzeit etwa 285.000 Ausländer in Deutschland zur Fahndung ausgeschrieben, meldet ntv unter Berufung auf das Bundeskriminalamt (BKA). Ein Teil der gesuchten Ausländer sei allerdings bereits abgeschoben worden, teilte eine BKA-Sprecherin mit, aber da Schilda seine Grenzen nicht bewacht, lässt man die Fahnung anscheinend einfach weiterlaufen. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen damit um rund 140 Prozent gestiegen.

Weitere willkommenskulturelle Haileids: "In Gelsenkirchen suchte die Polizei nach etlichen Gewaltexzessen den Dialog mit den Daueraggressoren. Ende 2015 traf sich der Chef der Polizeiwache Süd mit den Anführern libanesischer Clans. Die Männer machten schnell klar, dass sie nicht gekommen waren, um über ein friedliches Miteinander zu verhandeln. Die Polizei werde 'einen Krieg mit den Libanesen nicht gewinnen, weil wir zu viele sind', sollen die drei Mitglieder der 'Familien-Union' laut einem internen Polizeibericht gesagt haben. Als der Polizeichef entgegnete, mehr Beamten in den Problembezirk zu schicken, zeigten sich die Männer offenbar unbeeindruckt. 'Das Land hat eh kein Geld, so viele Polizisten einzusetzen, um die Konfrontation mit den Libanesen zu suchen.'" Mehr aus dem Kessel Buntes hier.

Und auch der nervende Polizeigewerkschaftschef und Kriminalitätsverfolgungsfundamentalist Rainer Wendt nervt weiter: "Sie verachten unser Land und lachen über unsere Justiz" (hier).


"Mit der Aufgabe der Souveränität – nichts anderes bedeutet die Grenzöffnung – hat Merkel Deutschland de facto als Beutegesellschaft feilgeboten. Wie die Silversternacht von Köln und fortlaufende Polizeiberichte zeigen, wird es als sexueller Selbstbedienungsladen verstanden", hält der treffliche Thorsten Hinz in der Jungen Freiheit fest. "Was Merkel herbeigeführt hat, ist mehr als nur ein Ausnahmezustand. Denn der soll, im klassischen Sinne verstanden, dazu dienen, eine akut bedrohte Normalität zu sichern oder wiederherzustellen. Er ist zeitlich begrenzt, durch das Gesetz geregelt und eingehegt. Das hieße im konkreten Fall, eine Rückführung der Sommergäste ins Auge zu fassen. Doch der Rechtsbruch wird auf Dauer gestellt und zementiert. (...)

Diesen Zustand bezeichnet heute der Euphemismus 'Willkommenskultur'. Eine besinnungslose Zivilgesellschaft beging die Abschaffung des Gesetzes mit einem 'Refugees welcome'-Orgiasmus, ohne sich Rechenschaft darüber abzulegen, daß sie damit die eigene Auslöschung als Souverän, Staatsvolk, als Demos feierte. Im Raum der Gesetzlosigkeit regiert derjenige, der am glaubwürdigsten mit Gewalt droht. Sie verleiht ihm die Souveränität, um verbürgte Rechte aufzuheben und neue zu stiften. Da sind zum einen die Kohorten aus den Gewaltkulturen, die in No-go-Areas ihr tradiertes Gesetz einführen, sowie die Inhaber der Staatsmacht, die als Rechtsbrecher beispielsweise vom Steuerbürger unbedingte Rechtstreue fordern, um ihre Rechtsbrüche zu finanzieren. Die praktizierte Räubermoral wirkt anziehend auf spezielle Charaktere und damit auf die Qualität des politischen Personals zurück."

Hinz spricht von einem "umfassenden Gewaltakt gegen Europa". Wer als Aggressionsziel freigegeben ist, tritt zurück ins Naturrecht. Wo der Staat seinen Kontrakt nicht mehr einhält, der darin besteht, dass er dem Bürger Steuern abpressen kann, weil er ihn zugleich schützt, erlischt sein Anspruch auf Herrschaft. „Die Verpflichtung der Bürger gegen den Souverän“, erklärte Thomas Hobbes, „kann nur so lange dauern, als dieser imstande ist, sie zu schützen.“ Ist der Staat dazu nicht mehr in der Lage, gilt „das natürliche Recht der Menschen, sich selbst zu schützen“.




Mittäglicher 7. Oktober 2016, Tag der DDR

Von der Pariser Fashion Week meldet sich die Chefredakteurin einer dieser wahrscheinlich frauenfeindlichen Frauenzeitschriften und plaudert im Radio über die neuesten Modetrends. Welche darin bestünden, dass die Mädels wieder großzügig geschnittene Klamotten trügen, gern auch Übergrößen, jedenfalls gingen sie nicht mehr so körperbetont wie bisher auf die Straße, und man werde auch nicht mehr so viel Haut herzeigen.
Aber warum denn bloß? Woran das wohl liegen mag?




6. Oktober 2016

Frauke Petry hat schon wieder „Jehova“ gesagt. Diesmal nichts mit „völkisch“ und so, es handelte sich vielmehr um einen Terminus von der anderen politischen Seite (nicht nur Allah besitzt 99 Namen, Jehova hat bekanntlich auch einige.) Genaugenommen prophezeite die AfD-Vorsitzende in einer Rede zum Tag der Deutschen Einheit in Stuttgart handfeste Auseinandersetzungen zwischen der einheimischen Unterschicht und dem eingewanderten „Lumpenproletariat der afro-arabischen Welt“. Wobei das für manche Gebiete längst eher eine Zustandsbeschreibung denn eine Prognose ist. Böse Zustandsbeschreibungen mag man in Deutschland nicht. Hier wird alles solange vom einlullenden Gebrabbel der Wohlmeinenden zugedeckt, bis... – na den Satz bekommen Sie selber zu Ende.

Nun also „Lumpenproletariat“. Baden-Württembergs Innenminister und CDU-Vorsitzender Thomas Strobl fand die Äußerung „widerlich“ und „abscheulich“. Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Andreas Stoch, steigerte auf „menschenverachtend“: „Einmal mehr zeigt die AfD ihre hässliche Fratze.“ Zeigt irgendwer auch eine schöne Fratze? Die designierte SPD-Landesvorsitzende Leni Breymaier sprach: „Die üble Hetze von Frau Petry hat zumindest sprachlich das nächste Niveau erreicht.“ Das immerhin müssen die Genossen noch ein bisschen üben. Hat etwa kein Grüner was gesagt? Doch, der Cem Özdemir. War aber exakt auf derselben Linie. Die Linke wiederum sitzt nicht im Stuttgarter Landtag. Die hätten immerhin wissen können, woher der Begriff kommt.

Er stammt nämlich von Karl Marx. Man wird ja wohl noch die Klassiker zitieren dürfen, oder? Gut, der Begriff „Menschenkehricht“ stammt auch von Karl Marx, aber den hat er nur in seiner Korrespondenz verwendet. Mit „Lumpenproletariat“ meinte er etwas ziemlich Konkretes. Zum ersten Mal gebrauchten Marx und Engels das Wort in der „Deutschen Ideologie“, wo sie – auf recht unangemessene Weise – über Max Stirner herzogen. Ich muss das jetzt aus Wikipedia zitieren, weil ich 1990 beim großen Aufräumen meine Marx-Engels-Werkausgabe Band für Band dem Recycling-Kreislauf überantwortet habe. Später kaufte ich mir verschämt die vierbändige, von Iring Fetscher herausgegebene Fischer-Studienausgabe, denn ganz ohne Marx will man ja auch nicht dastehen, doch dort ist die „Deutsche Ideologie“ nicht drin. Marx und Engels sprechen im Sankt Max-Kapitel von „einer Kollektion von Lumpen, die in jedem Zeitalter existiert haben“. Im „18. Brumaire des Louis Bonaparte“ wird Marx konkreter; zum Lumpenproletariat gehören „verkommene und abenteuerliche Ableger der Bourgeoisie, Vagabunden, entlassene Soldaten, entlassene Zuchthaussträflinge, entlaufene Galeerensklaven, Gauner, Gaukler, Tagediebe, Taschendiebe, Taschenspieler, Spieler, Zuhälter, Bordellhalter, Lastträger, Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker, Bettler“ usw. usf. Vom echten Proletariat unterschied sich das Lumpenproletariat laut Marx dadurch, dass es kein Klassenbewusstsein besaß, dass es in seiner Zusammensetzung zu heterogen und sich seiner Interessen eigentlich gar nicht bewusst war.

Sie sehen also: Frauke Petrys Formulierung vom afro-arabischen Lumpenproletariat ist gar nicht so falsch gewählt, durch die beiden Attribute lädt sich der Begriff mit großer weiter Welt auf, er wird also noch weit bunter als in Marxens auf das Frankreich des Jahres 1851 beschränkter bösartiger Analyse. Was hier so massenhaft wie ungebeten ins Land strömt, ist überwiegend halb- oder kernanalphabetisches Lumpenproletariat mit überwiegend afro-arabischen Pedigree: "Vagabunden, entlassene Soldaten, entlassene Zuchthaussträflinge, Gauner, Gaukler, Tagediebe, Taschendiebe, Taschenspieler, Spieler, Zuhälter, Bordellhalter, Lastträger, Lumpensammler, Bettler" etc. pp. Nein, Literaten und Orgeldreher sind eher nicht dabei. Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.

Es gibt hierzulande übrigens auch ein "völkisches Lumpenproletariat". Aber dieses Fass soll der Stegner aufmachen.


PS: Mehrere Leser haben sich im Anschluss an diese Notiz mit Exegesen des Marx'schen Begriffes und Erwägungen über seine heutige Tauglichkeit gemeldet. Es tut mir leid, dass ich nicht die Zeit finde, darauf explizit zu reagieren. Natürlich ist es interessant, dass Marx (und Engels) den unter „Lumpenproletariat“ subsumierten Depravierten und Entwurzelten aus der Perspektive ihrer so klassenbewussten wie klassenfixierten Menschheitserlösungspläne zutiefst misstrauten, dass sie das "Lumpenproletariat" eher als willige Helfer jeder Art von "Reaktion" sahen etc. Ich hatte aber lediglich demonstrieren wollen, wie reflexhaft die Empörungsmaschinerie meist erschütternd ungebildeter Politikerdarsteller hierzulande anläuft, sobald es gegen die einzige Oppositionspartei geht, und ich will es dabei bewenden lassen. Früher oder später wird einer unserer geisteswissenschaftlichen höheren Lumpenproletarier schon nachweisen, dass es sich bei Marx und Engels um Rassisten eigener Art handelte. Und selbstverständlich hege ich den Marxisten gegenüber inzwischen, also beim Anblick beispielsweise der Grünen, eine geradezu nostalgische Zuneigung.

Zwei Zitate aber seien hier aber noch nachgereicht. Engels schreibt in "Der deutsche Bauernkrieg": "Das Lumpenproletariat, dieser Abhub der verkommenen Subjekte aller Klassen, der sein Hauptquartier in den großen Städten aufschlägt, ist von allen möglichen Bundesgenossen der schlimmste. Dies Gesindel ist absolut käuflich und absolut zudringlich. Wenn die französi­schen Arbeiter heiter bei jeder Revolution an die Häuser schrieben: Mort aux voleurs! Tod den Dieben! und auch manche erschossen, so geschah das nicht aus Begeisterung für das Eigen­tum, sondern in der richtigen Erkenntnis, daß man vor allem sich diese Bande vom Hals hal­ten müsse. Jeder Arbeiterführer, der diese Lumpen als Garde verwendet oder sich auf sie stützt, beweist sich schon dadurch als Verräter an der Bewegung.“ Und in seiner Schrift „Die Klassenkämpfe in Frankreich“ erweitert Marx den Begriff wie folgt: „Die Finanzaristokratie, in ihrer Erwerbsweise wie in ihren Genüssen, ist nichts als die Wiedergeburt des Lumpenproletariats auf den Höhen der bürgerlichen Gesellschaft.“

„Pöbel oben, Pöbel unten“, heißt es bündig in Nietzsches "Zarathustra", und ein mittelmäßiger deutscher Aphorismenschreiber brachte diese Sottise auf die Tiefe der Zeit mit der Sentenz „Das nachkulturelle Zeitalter ist erreicht, wenn sich die Luxusvorstellungen eines Staatschefs von denen eines Rappers nicht mehr unterscheiden.“ Hélas!




5. Oktober 2016

Im spanischen Almeria steht ein marokkanischer Muslim vor Gericht, der als Kapitän eines Flüchtlingsbootes sechs christliche Flüchtlinge über Bord geworfen und damit ermordet hat. Dieser Vorfall illustriert sehr schön die gängige Aussage, wir alle säßen gemeinsam in einem Boot.




4. Oktober 2016

Eins.
Claudia Roth rügt die Dresdner bzw. sächsischen Demonstranten, die mit ihren Pöbeleien die ohnehin störenden Einheitsfeierlichkeiten noch mehr störten. "Dieser offen gezeigte, organisierte und brutale Hass machte vor keiner Obszönität mehr Halt, und es war nur ein kleiner Schritt bis hin zur physischen Gewalt", sagte die grüne Bundestagsvizepräsidentin.

Am Rande der besagten Feierlichkeiten vollzogen einstweilen Unbekannte diesen Schritt: Sie setzten drei Polizeiautos in Brand. Welchem politischen Spektrum diese Zündelfrieder zuzurechnen sind, steht entweder in den Sternen oder auf Indymedia. Zur tatsächlichen Gewalt in Dresden verlor Frau Roth aber kein Wort. Sie hielt es bislang auch nicht für erwähnenswert, dass in der Nacht wiederum Unbekannte das Wahlkreisbüro der Leipziger CDU-Bundestagsabgeordneten Bettina Kudla verwüsteten. Dass in Stuttgart ebenfalls in dieser Nacht mehrere Pkw von AfD-Mitgliedern zerstört wurden. Waren ja nicht ihre Autos. Außerdem stand sie vermutlich noch unter Schock.

Zwei.
"Was sagen Sie zu den Krawallen in Dresden?", fragte mich ein Bekannter. "Ich bin der falsche Adressat", entgegnete ich, "Sie müssen Helmut Kohl fragen, der hat das sechzehn Jahre lang erlebt." Der Unterschied war nur, dass weder die Medien noch seine Opponenten es besonders schlimm fanden, wenn nahezu jeder öffentliche Auftritt Kohls von Pfiffen und Sprechchören begleitet wurde – man denke doch an seine Rede vor dem Reichstag am 3. Oktober 1990 oder den Eierwurf zu Halle (damals wurde der Werfer, ein Juso, übrigens von Küppersbusch zum TV-Plausch eingeladen und in der Titanic mit einem Gedicht gefeiert). Andererseits dürfte er in seiner Partei deutlich beliebter gewesen sein, als es Angela Merkel heute in ihrer ist.

Drei.
Ein berühmter, wenngleich nicht mehr aktiver Sozialdemokrat sagte, die Sportpalastrede sei sozusagen die "Wir schaffen das!"-Rede des Reichsministers Jos. Goebbels gewesen.

Vier.
Der allzeit achtbare Nicolaus Fest geht auf seinem Blog der Frage nach, ob wir uns bereits im Stadium der Postdemokratie befinden und referiert dazu die Analyse des englischen Sozialwissenschaftlers Colin Crouch: "Zwar werde noch an der Gewaltenteilung zwischen Regierung, Parlament und Ländern festgehalten; tatsächlich aber seien alle Entscheidungen vorab zwischen den Parteieliten ausgedealt; und auch der Einfluß der Wähler auf das politische Personal sei durch Wahllisten marginalisiert. Selbst wer abgewählt werde, könne sicher sein, doch noch irgendwo unterzukommen, und sei es in Straßburg oder Brüssel. So würden Wahlen, also der Kern aller demokratischen Prozesse, inhaltlich entwertet, und ebenso die Arbeit von Parlament und Opposition." Fest fährt fort: "Die Selbstherrlichkeit, mit der die Kanzlerin 2015 die Grenzöffnung (pedantisch müsste man wohl sagen: Grenzoffenhaltung –M.K.) jenseits jeder parlamentarischen Debatte anordnete, steht exemplarisch für diesen Prozeß; doch schon bei der Entscheidung über die Finanzrettungsschirme hatte das Parlament faktisch abgedankt." Aber nicht nur das Parlament habe keine Parlamentarier; ebenso scheine es der Demokratie an Demokraten zu mangeln. Das lege zumindest die Berliner Landtagswahl nahe: "Auch viele Wähler betrachten demokratische Verfahren offensichtlich mehr als formales Ritual denn als politische Entscheidung. Anders lassen sich die Ergebnisse kaum erklären. Rund 70 Prozent der Wähler gaben ihre Stimme Parteien, die die Misere Berlins zu verantworten haben." Fest nennt dies eine "prä- oder postdemokratische Regressionen ins Clan-Wesen". Man wähle nicht aus politischen Motiven, sondern aus Loyalitätsbedürfnissen. "Für eine Demokratie ist das Gift, der Weg in afrikanische Verhältnisse. Die völlig entpolitisierten Wahlplakate von SPD, GRÜNE und CDU, die meist nur die jeweiligen Kandidaten und ihre Namen zeigten, waren bezeichnend: Statt auf Fakten setzt man auf Beschwörung – so wie atavistische Gesellschaften auf das Trommeln des Krals."

Aber brächte auch eine tatsächliche Demokratie noch sinnvolle Ergebnisse zustande? Eine Zahl spricht gewaltig dagegen: Es gibt in Deutschland ungefähr noch 15 Millionen echte, also nicht vom Staat beschäftigte Steuerzahler. Das sind die Leute, die den ganzen 82-Millionen-Karren schieben müssen, auf den Merkel nun noch mal ein reichliches Milliönchen Alimentierungsbedürftige – sofern man den neuen niedrigen Zahlen des Innenministers Glauben schenken mag – gewuchtet hat. Was auch immer diese Karrenschieber wählen, es wird nie wieder mehrheitsfähig.

Fünf.
Thilo Sarrazin hat in einem Vortrag durchgerechnet, was die Masseneinwanderung mit allen kalkulierbaren Folgen nach derzeitigem Stand den deutschen Steuerzahler mindestens kosten wird: eine Billion Euro. Freund *** kommentiert: "Teurer als die Energiewende wird's auch nicht."

Sechs.
Nach Mentholzigaretten muss man endlos laufen, der Kaffee ist kalt, weil die Maschine sich dauernd selber abschaltet, die Glühbirnen gehen öfter kaputt als früher, kosten dafür aber das Dreifache, der Staubsauger saugt mehr richtig: EU.




2. Oktober 2016

Im September wurden meinem kleinen Eckladen 278.123
Besuche abgestattet, was ein Rekord ist in freilich auch ansonsten recht besucherrekordreicher Zeit. Wie gewohnt zum Monatswechsel verweise ich auf die virtuelle Kollekte, deren Zugangsdaten Sie hier finden.