Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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9. August 2020


Man redet viel von irgendwelchen Menschenrechten, doch das erste und elementarste Recht eines Menschen innerhalb einer zivilisierten Gesellschaft wird dabei nie erwähnt: Es ist das Recht, in Ruhe gelassen zu werden. Das Recht zu sagen: Das interessiert mich nicht, das geht mich nichts an, das will ich nicht wissen, das betrifft mich nicht, verschonen Sie mich damit, ich gebe nichts.


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Der BR meldet, dass bei einem Angriff im westafrikanischen Niger sechs französische Touristen, ihr einheimischer Fahrer und ihr Führer getötet worden sind, wie der zuständige Gouverneur bekanntgab. "Der Überfall ereignete sich demnach im Gebiet von Kouré, wo die letzten Herden der Westafrikanischen Giraffe leben. Angaben zu den Umständen des Angriffs und den möglichen Tätern machte der Gouverneur zunächst nicht." Fast alle Opfer seien erschossen worden. Einer Frau sei zunächst die Flucht gelungen, bevor die Angreifer sie eingeholt und ihr die Kehle durchgeschnitten hätten. Die Angreifer seien auf Motorrädern durch das Buschland gekommen und hätten an der Straße auf die Touristen gewartet.

Die Kehle durchgeschnitten – hat jemand Fragen zu den Motiven der Täter?

Ich zitiere jetzt wörtlich weiter:

"Die Region Tillabéri ist ein politisch instabiles Gebiet. Sie liegt im Grenzgebiet zwischen dem Niger, Burkina Faso und Mali und ist ein Rückzugsort für Islamisten – unter anderem für die Extremistengruppe EIGS, die der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) die Treue geschworen hat. Die im Gebiet von Kouré lebende Westafrikanische oder Nigergiraffe ist eine Unterart der Giraffen, die sich durch eine hellere Fellfärbung auszeichnet. Die Tiere sind eine der wichtigsten Touristenattraktionen in der früheren französischen Kolonie Niger."


Die Beschreibung der Farbe des Giraffenfells in diesem Zusammenhang ist eine journalistische Glanzleistung. Sie erinnert mich an die Titelseite einer Berliner Tageszeitung, die eine Flugzeugentführung vermeldete, über der Meldung das Foto einer abhebenden Boeing zeigte, worunter im Bildtext stand: Eine Maschine dieses Typs mit soundsovielen Geiseln wurde von den Luftpiraten entführt. Das Flugzeug hat eine Flügelspannweite von soundsovielen Metern und ist soundso lang (es war halt noch Platz in der Zeile.)

Aber Scherz beiseite: Wenn ein Weißer in einem westlichen Land Muslime umbringt, macht das tagelang Schlagzeilen, laufen Sondersendungen, werden Hintermänner und geistige Mittäter dingfest gemacht, wird zu Toleranzwochen und zur Bekämpfung von Hass und Hetze aufgerufen und so fort. Wenn der umgekehrte Fall passiert – nichts. Keine Schlagzeilen; dergleichen wird eher unter Vermischtes abgehandelt (nicht, wenn es in Neuseeland passiert!). Keine Kampagnen; es bleibt bei einer einmaligen Erwähnung. Keine anklagend vorgetragenen Kommentare. Keine Suche nach Hintermännern. Keine Frage nach Verantwortlichen. Keine Unterstellung geistiger Mittäterschaft.

Wenn ich dieses Wort nicht inzwischen lächerlich fände, würde ich sagen: Das ist purer Rassismus. Struktureller pro-islamischer Rassismus, um zwei im Schwange befindlichen Deppenbegriffe zu variieren und zu verleimen.


PS: Leser *** "fiel dazu spontan ein: Das Wort 'Fremdenfeindlichkeit' wird in diesem Fall niemand in den Mund nehmen."



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In Hamburg, versichert mir ein Freund, der lange dort gelebt hat, sei eine Sorte Mensch so allgegenwärtig wie nirgendwo sonst: "der als Sozialdemokrat verkleidete Nazi". Der Typus des autoritär-verklemmten Streithansels und Anschwärzers. Das beginne bereits, wenn man irgendwo einparke; sofort blieben auf der Straßenseite gegenüber Leute stehen, die kontrollierten, ob man eventuell ein anderes Auto touchiere. Der Hamburger sei für ihn "der Inbegriff des bornierten, intoleranten, spießigen Deutschen", ein unfroher, unentspannter Menschenschlag, "der den Süden meidet". Allein die hohe Dichte an Jägerzäunen dort sei ihm zuwider.

Ich kann dem weder beipflichten noch widersprechen, schon allein wegen meiner Aversion gegen die Verwendung des Begriffs "Nazi" für Zeitgenossen. Ich spreche bekanntlich lieber von der Nazi-Mentalität. Der in Hamburg produzierte Aufpasser- und Petz-Journalismus scheint immerhin ein Indiz dafür zu sein, dass zumindest die Mentalität korrekt beschrieben ist.

Allerdings ist mir dieser lästige, mich zunehmend meinem Vaterland entfremdende Typus des Aufpassers und Denunzianten auch aus anderen deutschen Gebieten bekannt. Der folgende Versuch eines Steckbriefes etwa fand sich heute an der Schaufensterscheibe eines Erfurter Modegeschäfts, dessen Betreiberin den Geschmack und vor allem die Chuzpe besessen hat, ihre Auslage nicht nur mit Damenkleidung, sondern mit Sentenzen aus meiner Produktion zu dekorieren:


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Bei jedem Verständigen wird sofort die Frage vorstellig, warum dieser Anonymus (oder, wahrscheinlicher, diese Anonyma) sich berufen glaubt, darüber zu befinden, was ein Geschäft in seinem Schaufenster präsentieren soll oder nicht. Er (oder sie) könnte ja selber irgendwo dekorativ tätig werden, aber wahrscheinlich besitzt dieser Mensch weder die Fähigkeiten, ein eigenes Geschäft zu gründen, noch die Gabe, einen originellen oder gar literarischen Satz zu formulieren; wer diese gegenderte Blödensprache verwendet, lebt sowieso meist von anderer Leute Steuern. Aber dafür, der herrschenden politischen Tendenz das Wort zu reden und zu einem Boykott des Ladens aufzufordern, reicht es immerhin. Wenn diese Meinung nicht herrschte, klebte dieser Wisch nicht am Glas. Der autoritäre Charakter duldet keinen anderen Standpunkt als den der – jeweiligen – Autorität. Nie würden solche Figuren zur Tat schreiten, wenn dadurch irgendein Nachteil drohte. Sie müssen sich schon völlig sicher fühlen.

Übrigens: Klar bin ich Monarchist. Und, noch gravierender: Im zweiten Zitat fehlen gleich drei Kommata.


PS: Während Leser *** in wahrscheinlich spalterischer Absicht mutmaßt, der Verfasser dieses Aushangs müsse ein westdeutsch Sozialisierter sein, "einem Ossi traue ich so etwas einfach nicht zu", hält Leser *** "die zweite Replik auf Ihre Aphorismen für ein Musterbeispiel schwarzer Rhetorik. Ihr Kritiker verwendet eine Taktik, die erstmals in Kreisen der Postmodernisten auffiel. Ein gewisser Herr Shackel bezeichnete sie als als 'Motte-and-Bailey-Taktik'.

Die namensgebende mittelalterliche Motte-and-Bailey-Burganlage besteht aus zwei Teilen: Im Wirtschaftshof (Bailey) wird die Gegend bewirtschaftet, hier wird der Gewinn gemacht. Greift jemand die Burg an, muss der Bailey womöglich kurzfristig verlassen werden. Die Burgbetreiber ziehen sich in den zweiten Burgteil zurück, in die klamme, aber hoffentlich uneinnehmbare Motte. Hier harren sie aus, kippen vielleicht etwas heißes Öl über die Angreifer, bis der Feind aufgibt und sich anderswo leichtere Beute sucht. Hernach kommen die Burgbewohner aus der ollen Motte wieder hervor und bewirtschaften den saftigen Bailey weiter wie zuvor.

Dieses Muster aus Wirtschaftshof und Rückzugsfestung wird auch in der rhetorischen Bemäntelung politischer Praxis eingesetzt. Der Bailey ist jenes politische Handeln, das letztlich kaum haltbar ist, das aber bis dahin reichen Gewinn erzeugt. Auf dessen Grund lassen sich Forderungen und Steuern erheben, Quoten installieren, Gegner ausgrenzen, Parteigänger verköstigen und Erziehungsaufträge behaupten. Greift nun jemand die unhaltbare Praxis an, zieht sich der Verteidiger einen wesentlich zustimmungsfähigereren Gemeinplatz als Motte zurück und lässt den Angreifer als anscheinend blindwütigen Narren ins Leere laufen. Anschließend kann das Spiel weitergehen.

Wir kennen den Bailey Ihres Kritikers nicht, doch die Behauptung, die 'unangenehmen Zeitgenossen' seien lediglich für Chancengleichheit, ist ein mustergültiger Rückzug in die Motte. Der dämliche Angreifer sei wohl, schenkelklopf und ölausgieß, ein Fan der Ständegesellschaft. Mit diesem Trick sollte man den Schlawinier nicht davonkommen lassen. Nicht gegen Chancengleichheit wird polemisiert. Sondern gegen diejenigen, die in den unermesslichen Weiten der Ungleichheit einen Bailey voller leicht zu bewirtschaftender Goldesel abgesteckt haben."


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Apropos Hamburg. Ein Bekannter sandte mir dies:


Fuck Lessing



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Wenn alle aus Toleranzgründen den Verstand verlieren, will die NASA nicht abseits stehen:


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Die Spitznamen kosmischer Objekte könnten weniger bei jenen selbst, aber auf dem von Konstrukten besiedelten Planeten der Namensgeber rassistische Verstimmungen hervorrufen, weshalb Etikettierungen wie "Eskimo Nebula" oder "Siamese Twins Galaxy" getilgt werden. Ich frage mich freilich, was künftig aus den stigmatisierenden "Schwarzen Löchern" und der herabwürdigenden "Dunklen Materie" werden soll.


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"Der Moralpianist Igor Levit."
(Leser ***)

"Ich hatte zunächst Moralalpinist gelesen. Was m.E. genauso gut passt."
(Leser ***)


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Auf meine Feststellung, es existierten wunderlicherweise keine Quotenfrauenwitze, notiert Leser ***: "Ja, Herr K., aber Ansätze. Rufen Sie zum Wettstreit auf und eröffnen Sie diesen, etwa mit folgendem Fundstück:"


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(Quelle)


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Danisch hat einmal sinngemäß geschrieben, dass Frauen sonderbare Wesen sind, sie können alles besser als Männer – sogar Panzer einparken –, man fördert und fördert sie, und trotzdem kommen sie einfach nicht auf die ihnen zustehende Hälfte der Führungspositionen, Nobelpreise, Patente und Orgasmen.  


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Die Formulierung "grüne Gauner" ist ein arger Pleonasmus:


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Angesichts des aktuell um sich greifenden antiweißen Herostratentums könnte ich mich übrigens durchaus dafür erwärmen, dass die gesamte abendländische Geistes- und Kulturgeschichte abgeräumt, zumindest aus der Öffentlichkeit entfernt wird. Es wäre mir lieb, wenn Chimären aus Sau und Kretin nichts mehr davon abbekommen.