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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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21. Juni 2020


Bei den Behauptungen, ein gewisser Herr Drosten sei mit einem "So sorry"-T-shirt vor mehreren Karstadt-Filialen gesehen worden, zum Teil sogar kniend, handelt es sich um bislang unbestätigte Gerüchte. 


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Trumpobama



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Vor ein paar Tagen zitierte ich an dieser Stelle einen US-amerikanischen Dirigenten namens Brandon Keith Brown mit den Worten, er werde als schwarzer Musiker per se benachteiligt, die ganze klassische Musik sei einzig dazu da, "die Überlegenheit der weißen Rasse" zu präsentieren, Schwarze würden sowohl im Auditorium als auch als Ausführende von den Weißen diskriminiert. Leser *** weist mich auf diese online-Diskussion hin, welche sich an die Mitteilung der Brown University (Providence, Rhode Island) vom Oktober 2017 anschloss, man habe Brandon Brown von seinen Pflichten als musikalischer Leiter des Orchesters der Universität entbunden, weil Studenten sich beschwert hatten, "that he was too harsh in rehearsals".

Hm. Große Kapellmeister wie Furtwängler, Toscanini, Karajan, Knappertsbusch, Celibidache usf. waren allesamt "harsh" bis "too harsh" in den Proben, und mancher Musikant zitterte vor ihnen. C'est normal. Brown probte mit dem Orchester für die "Solti conducting competition", und unter Soltis Fuchtel ging es auch durchaus streng zu. Es könnte also unterstellt werden, wie ein Kommentator stracks schrieb, dass typisch studentisches Gejammer – er verweist auf "buzz words like 'snowflakes' and 'safe spaces'" – den Hinauswurf erwirkt habe. Allerdings hat dieses Universitäts-Orchester seine Reputationen, es dürften dort also nicht überwiegend reine Laienspieler und Erbsenprinzesschen herumschrammeln.

Ein anderer Kommentar lautete: "I don’t know anything of the Brown University individual but I can imagine the situation being like one I lived through in college. A conductor was hired to lead an ensemble largely on the expectation that he would be 'tough' and have 'professional standards'. The ensemble only got worse, however. He could shout and emit a very professional glare at every error but he couldn’t teach solutions to student musicians."

So kann es auch im Falle des gekündigten schwarzen Kapellmeisters gewesen sein – oder eben nicht. Ganz am Ende werden zwei Posts deutlicher. Der Verfasser des einen erklärt, er habe Brandon Brown vor einigen Jahren kennengelernt, und obwohl er selber keine negativen Erfahrungen mit ihm gemacht hatte, seien ihm zwei andere Universitäten bekannt, an denen der Dirigent wegen aggressiven Verhaltens entlassen wurde.

Und der letzte Kommentar lautet: "I’m a long time pro in a top orchestra and I played under this guy for a week in a competition orchestra comprised of professional musicians from all over the country 2 years ago. During the week, he managed to insult almost every individual in the orchestra as well as the young competition soloists. He has a talented stick yet he is THE biggest condescending A-Hole I’ve Ever worked with in my 35 years as a professional string player. There was never anything pleasant or nice or positive that came out of his mouth. Getting fired is exactly what he deserved."

Wenn das stimmt, haben wir es mit einem Menschen zu tun, der sich selbst nicht im Griff hat und nun – da er weder ein Karajan noch ein Solti ist – die Kollektivkarte zieht, um sich als diskriminiert darzustellen, eine inzwischen endemische Art der moralischen Erpressung, deren Vollzieher darauf zählen, dass ihre persönlichen Motive und Defizite hinter solchen Verdrehungen ins Allgemeine und Allgemeingültige verschwinden. Wie Sie, geneigte Leserin, seit Jahren auf dieser Seite lesen können – genau hier, ein bisschen weiter links oben! –: Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.


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Vielfach konnten Eckladenkunden aus den Monologen des Betreibers die Unterstellung heraushören, dass diejenigen, die den Prozess des Bevölkerungsaustauschs das muntere Kommen und Gehen bzw. die Replacement migration preisen – Letztere wird auf deutsch in "Bestandserhaltungsmigration" übersetzt, obwohl replacement "Ersatz", "Austausch" oder "Ablösung" bedeutet –, auch ganz ungescheut und coram publico davon künden dürfen, ohne dass der Verfassungsschutz sie zum Prüffall erhebt. Und das tun sie bekanntlich auch, sogar genüsslich, ihnen ist dabei recht kannibalisch wohl, woraus sich folgern lässt, dass nicht die "Umvolkung", wie Luther sie genannt haben würde, sondern die Kritik an ihr verfassungsschutzrelevant ist, obwohl die Verfassung, die hier aus vielerlei Gründen Grundgesetz heißt, den Souverän deutsches Volk ja eigentlich gegen solche Operationen oder Experimente wappnen soll; auch davon wurde hier bisweilen gemurmelt. "Wahn, überall Wahn!" (Sachs, "Meistersinger", Dritter Aufzug).   

Einer der zu recht berühmesten, ja legendärsten Umvolkungsbegrüßungswahnmonologe trug sich in irgendeiner grünen Bionadehalle zu (The Bionade Hall Putsch), als sein Medium fungierte Katrin Göring-Eckardt. Dankenswerterweise hat sich jemand die Mühe gemacht, ihn mit adäquten Bewegtbildern zu unterlegen, den Grünen zum Ruhm, Späteren zur Mahnung.

PS: Was mich betrifft, distanziere ich mich natürlich ausdrücklich von Frau Göring-Eckards Verschwörungstheorien.  


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Wie die Stuttgarter Zeitung meldet, schließt sich jetzt auch die Hauptstadt des Ländles den zahlreichen Städten in den USA, England und Frankreich an, wo breite gesellschaftliche Bündnisse mit originellen Happenings gegen Diskriminierung, strukturellen Rassismus, Polizeigewalt, soziale Ungleichheit und ungerechte Eigentumsverteilung protestieren:


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Es waren "Dutzende Kleingruppen" und "Menschen", die sich zusammenrotteten, zum Aufwärmen Blumenkübel umstürzten, Werbetafeln zerstörten, Schaufensterscheiben ein- und die Polizei mit Steinen bewarfen, um schließlich zum Kern der Lustbarkeit vorzudringen:


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Cem Özdemir zwitscherte: "Bin erschüttert über die schlimmen Ereignisse in unserer Stadt. Egal, aus welcher Richtung diese idiotische Zerstörungsgewalt kommt, es gibt dafür keine Rechtfertigung! Die Täter müssen gefasst werden."

Zahlreiche Repliken deuten dieses "egal aus welcher Richtung" durchaus in die richtige. Überhaupt: Wer die Reaktionen auf diesen ausgewogenen, sachlichen, alternativlosen Tweet liest, versteht, wie wichtig der Kampf gegen rechts ist, vor allem für die Grünen.


PS:  "Geschäfte mit Arbeitsbekleidung sollen nicht geplündert worden sein."
(Leser ***)

 

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Habt keine Angst! Es findet derzeit nur in allen Ländern des Westens ein Angriff auf die westliche Zivilisation statt. Die Werte der Grünen und die Ideale der Roten bleiben davon unberührt!