Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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13. Mai 2020


"Der Begriff der Feindschaft ist unverzichtbar. Da es für Kulturen unmöglich ist, Werte zu tolerieren, die sich mit der eigenen Existenz nicht vertragen, mündet solche Unverträglichkeit notwendigerweise in Feindschaft, falls die geographische Distanz nicht ausreichend groß ist (Claude Lévi-Strauss). ... Die genaue Bestimmung des Feindes ist eine kardinale Aufgabe der Politik. Der abendländischen Kultur droht die finale Zerstörung von drei Seiten: Erstens droht die religiöse Zerstörung der politischen Sphäre; zweitens befördert der Globalismus die Staatsauflösung; drittens betreibt die apokalyptische Linke die radikale Negierung der historischen und der klimatischen Realität."
Egon Flaig, "Was nottut. Plädoyer für einen aufgeklärten Konservatismus"



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Blasmusiker

Oboisten haben Glück; sie dürfen ihr Mundstück durch den Mundschutz pieksen.


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Am Wochenende nimmt die Bundesliga den Spielbetrieb wieder auf. Es gelten strenge Auflagen:

- Publikum, Journalisten und Spielerfrauen bleiben ausgesperrt.
- Spieler und Trainerstab müssen einzeln anreisen.
- Umkleidekabinen und Stadionräumlichkeiten dürfen nicht betreten werden. Die Mannschaften ziehen sich auf dem Platz um.
- Alle Spieler tragen Handschuhe und Schutzmasken.
- Der Ball wird nach jedem Spielzug desinfiziert.
- Jeder Spieler hat seine eigene Trinkflasche, auf der seine Rückennummer geschrieben steht.
- Die Mannschaften verpflichten sich, aus seuchenhygienischen Gründen auf Pressing und Gegenpressing zu verzichten.
- Manndeckung ist untersagt. Es besteht Raumdeckungspflicht.
- Wenn ein Spieler versehentlich einen Gegenspieler berührt, müssen beide desinfiziert werden.
- Bei Luftduellen lässt man dem Spieler den Vortritt, der zuerst abgesprungen ist. Sanktion: Gelbe Karte.
- Wer ausspuckt, erhält sofort Rot.
- Torjubel ist untersagt.
- Bei Freistößen müssen die Spieler in der Mauer eine Armläge Abstand voreinander halten.
- Kurzpässe unter 1,5 Meter sind untersagt.
- Das Abklatschen nach Auswechslungen hat zu unterbleiben.
- Die Halbzeitpause verbringen die Teams auf dem Feld.
- In der Halbzeipause wird bei allen Akteueren Fieber gemessen; Spieler mit erhöhter Temperatur müssen ausgewechselt werden.

Mehr Maßnahmen hier.


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Brechts "Fragen eines lesenden Arbeiters" ("Merkel schlug Corona. Hatte sie nicht wenigstens einen Robert-Koch-Institutssprecher bei sich?"), aktualisiert zu "Fünf Fragen eines lesenden Redakteurs der Jüdischen Rundschau":

1. Warum müssen plötzlich Notkredite aufgenommen werden, um die finanziellen Folgen der Corona-Krise abfedern zu können?
2. Warum kann man nun plötzlich doch Grenzen schließen und kontrollieren?
3. Warum hat sich die Bundesregierung kein Vorbild an Donald Trumps Einreisebeschränkungen genommen?
4. Welches Regierungsmitglied hat die Falschmeldung zu Trump und Corona in die Welt gesetzt?
5. Warum deutet die Bundesregierung die antisemitische Tat von Halle in eine "islamfeindliche" um?

Selbst in dem sagenhaften Berlin
Brüllten in der Nacht, als der Schuldenschnitt kam,
Die Regierenden nach ihren Fahrern.


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Im Netz kursiert ein treffliches Zitat vom Margaret Thatcher, welches leider nicht von ihr stammt, nämlich:
"Das Problem am EU-Sozialismus ist, dass ihm irgendwann das Geld der Deutschen ausgeht."

Was sie tatsächlich ausgesprochen hat, sind die gefügelten Worte:
"The trouble with Socialism is that eventually you run out of other people’s money."

Das falsche Zitat könnte also immerhin von ihr sein.


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Nachtrag zum 8. Mai als Feiertag:

In der Zeit erschien am 5. Mai 1995 ein Beitrag des tschechischen Schriftstellers Ota Filip, übertitelt mit der Zeile "Meine drei Befreiungen". Der 1974 aus seiner Heimat ausgebürgerte Autor schildert darin den Prager Aufstand, den zwischenzeitlichen Einmarsch der Wlassow-Armee und schließlich die Übernahme der Stadt durch die Rote Armee. Der Artikel steht heute hinter der Bezahlschranke, was Gründe hat, wenn auch wahrscheinlich keine guten. Leser *** sandte mit den Text zu; ich gestatte mir, daraus zu zitieren:

"Von der Herrschaft des Dritten Großdeutschen Reiches unter Adolf Hitler wurde ich, im Mai 1945 fünfzehn Jahre jung, gleich dreimal befreit. Am 5. Mai 1945 um zehn Uhr vormittags, als in Prag der Aufstand der tschechischen Bevölkerung gegen die Deutschen losging, kam unser Hausmeister, Herr Frantisek Vodicka, mit Gewehr und in einer erbeuteten Uniform des deutschen Afrikakorps – ein Magazin der Wehrmacht am Masaryk-Bahnhof war schon um acht Uhr geplündert worden – zu uns und sagte: 'Jetzt befreie ich unser Haus von den Nazis!' Herr Vodicka, der revolutionäre Gardist, ging in den zweiten Stock, wo die Ärztin Birgit Hahn wohnte, eine Deutsche. Ihr Mann war Ende März 1945 an der Westfront gefallen. Mitte April hatte Frau Hahn einen Buben namens Walter zur Welt gebracht.

Im zweiten Stock hörten wir Frau Dr. Birgit Hahn fürchterlich schreien, wir liefen mit Mutter aus unserer Wohnung ins Treppenhaus hinaus. Gerade in diesem Augenblick flog Frau Dr. Hahns Säugling namens Walter mit einem leisen Winseln durch den breiten Lichtschacht an uns vorbei in die Tiefe. Auf dem kostbaren, strahlend weißen Marmorboden ein Stockwerk unter uns ist bis heute ein rotgelber Fleck zu erkennen. Dann hörten wir oben einen Schuß; Frau Dr. Birgit Hahn wurde still. Hausmeister Vodicka, seit zehn Minuten im Aufstand gegen die Nazis, schrie durchs ganze Haus: 'So, jetzt habe ich mit den Nazis abgerechnet! Wir sind frei!' (...)

Meinen ersten Befreier, unseren Hausmeister Frantisek Vodicka, den revolutionären Gardisten, seit 5. Mai 1945 zehn Uhr vormittags im Kriegszustand mit Deutschland, sah ich am 8. Mai 1945 am unteren Ende des Wenzelsplatzes einen mit Benzin begossenen deutschen Soldaten mit dem Kopf nach unten an einer Laterne hochziehen. 'Nieder mit den Deutschen! Wir sind frei!' schrie unser Hausmeister und zündete den Soldaten am Laternenmast an. (...)

Zum dritten Mal wurde ich von der Roten Armee befreit, die mich und meine Heimat für die nächsten 44 Jahre in Unfreiheit stürzte.

Wenn ich also an den 8. Mai 1945 zurückdenke, fühle ich mich von der Geschichte um eine richtige Befreiung, auf die ich als fünfzehnjähriger Junge an der Schwelle des Lebens und des Friedens im Mai 1945 Anspruch und Recht hatte, betrogen."



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Gerade in Krisenzeiten soll man öfter die Klassiker zitieren:

Immer wieder nie wieder
                                

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Leser *** mokiert sich über die "geschichtliche Ahnungslosigkeit" hinter der Behauptung, wir könnten uns doch gar nicht islamisieren, weil nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Moslems in unserem Land eingewandert sei. 
 
"Als die Araber Spanien eroberten, stellten sie dort eine sehr kleine Minderheit dar. Als die Engländer Indien eroberten, waren sie dort ebenfalls eine sehr kleine Minderheit (es waren nie mehr als einige zehntausend unter vielen Millionen Indern).  Als die Wikinger Europa mit ihren Überfällen heimsuchten und dann Kolonien gründeten (Irland, Sizilien, Normandie...), waren sie nur eine winzige Minderheit. Die Spanier in Mittel- und Südamerika waren eine winzige Minderheit, als sie diese Länder eroberten. Die Beispiele liessen sich ad nauseam fortsetzen, z.B. in der indischen Geschichte, aber auch im China des 19. Jahrhunderts. 
 
Wie gelang es Minderheiten in der Geschichte, viel grössere Reiche zu erobern und zu beherrschen, zumindest zu tyrannisieren? Ganz einfach:
Die Eroberer waren kriegerischer, selbstbewusster, besser organisiert, entschlossener,  in einigen Fällen (aber nicht notwendigerweise) technisch überlegen... – und vor allem trafen sie auf Völker, die intern zerstritten waren (z.B. Spanien unter den Westgoten), deren Regierungs- und Sozialsysteme dekadent waren (Indien, China), oder die durch vorhergehende Kriege oder wirtschaftliche Desaster geschwächt waren (Byzanz zur Zeit des Araber-Ansturms im 7. Jhdt.). 
 
Beispiel: Die Wikinger hatten im 8. oder 9. Jahrhundert keine staatliche Macht, die derjenigen zivilisierter Länder vergleichbar war. Es gab z.B. keine Institutionen, die Recht durchsetzten, also Polizei und Justiz. Wer sicher sein wollte, musste also kriegerisch sein und sich wehren können, ganz im Sinne des Hobbes'schen Naturzustandes und des Krieges aller gegen alle. Wer sich nicht wehren konnte und vor allem, wer sich nicht wehren wollte, war ehrlos. Die persönliche Ehre spielte in dieser Gesellschaft eine dominierende Rolle. Man übte sich also permanent im Gebrauch von Waffen. Diese Tatsachen, sowie die maritime Überlegenheit der Nordmänner, führten zu ihrem Erfolg und zu der Situation, dass sie überall gefürchtet waren. Kriegerische Kompetenz, Überwiegen des Ehrgefühls über den Überlebenswillen und ihre Mobilität ermöglichten es ihnen, an Manpower und Material und Zivilisation weit überlegene Landstriche zu erobern. 
 
To make a long story short: Es ist extrem dümmlich, aus einer geringen Zahl von Invasoren zu schliessen, diese stellten keine Gefahr dar. Wenn geringe Zahlen von stolzen Invasoren aus kriegerischen Kulturen auf des- oder überorganiserte, zivilisationsmüde, dekadente, wehrunwillige Opfer treffen, spielen die Zahlen kaum eine Rolle. Wer glaubt, Minderheiten und kleine Gruppen aufgrund ihrer geringen Zahl nicht fürchten zu müssen, ist einfach nur historisch dumm." 


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Es gibt Momente, wo der Traum von einer gerechten Welt eine Glückssekunde lang Wirklichkeit wird:

Buchhandlung contra AfD Insolvenz 2020 05 13 at 12.40.23
 
(Eine Buchhandlung irgendwo in Niedersachsen. Ob es in 'schland auch Spielzeugläden gibt, die vergleichbare Kampagnen gegen die Grüne Jugend inszenieren?)

PS:

Screenshot 2020 05 13 15.29.51