Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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30. April 2020


Die Frage, ob ein Etwas namens Volk essentiell oder konstruiert sei, ist ungefähr so sinnvoll wie die Frage, ob Licht aus Wellen oder Teilchen besteht.


                                 ***


Gar grimmig schaut der Antichrist,
Wenn ihn der Katechon begrüßt:

Papstbesuch


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Ein lieber Bekannter, Raimund Th. Kolb, emeritierter Professor für Sinologie aus Wien, hat unter Verwendung der Daten von countrymeters eine vergleichende Berechnung über die Mortalität im Zeichen der Coronakrise angestellt. Das Ergebnis ist eindrucksvoll:  

Durchnittliche tägliche Mortalität für das Jahr 2019 und für 2020 bis Ende April

[Echtzeit-Statistik für aktuelle Bevölkerung der Welt. Echtzeit-Daten über Bevölkerung, Geburten, Sterbefälle]

Österreich 2019 (Stichtag 1.1.2020): Bevölkerung 8 683 414; Todesfälle 80 917 = täglich 221,6
Österreich 2020 (Stichtag 28.4.2020): Bevölkerung 8 695 557; Todesfälle 26 343 = täglich 221,3

Deutschland 2019 (Stichtag 1.1.2020) Bevölkerung 81 453 631; Todesfälle 879 959 = täglich 2410,8
Deutschland 2020 (Stichtag 29.4.2020) Bevölkerung 81 470 404; Todesfälle 287 802 = täglich 2398,9

Schweiz 2019 (Stichtag 1.1.2020) Bevölkerung 8 747 485; Todesfälle 70 112 = täglich 192,0
Schweiz 2020 (Stichtag 28.4.2020) Bevölkerung 8 778 485; Todesfälle 23 033 = täglich 193,4

Italien 2019 (Stichtag 1.1.2020) Bevölkerung 60 005 743; Todesfälle 579 244 = täglich 1586,9
Italien 2020 (Stichtag 28.4.2020) Bevölkerung 60 019 565; Todesfälle 188 056 = täglich 1580,3

Schweden 2019 (Stichtag 1.1.2020) Bevölkerung 10 151 866; Todesfälle 90 945 = täglich 249,1
Schweden 2020 (Stichtag 28.4.2020) Bevölkerung 10 179 189; Todesfälle 31 080 = täglich 261,1

USA 2019 (Stichtag 1.1.2020) Bevölkerung 332 865 306; Todesfälle 2 722 311 = täglich 7458
USA 2020 (Stichtag 28.4.2020) Bevölkerung 333 678 669; Todesfälle 890 056 = täglich 7479

Wenn die Zahlen stimmen, haben die wichtigsten westlichen Regierungen, natürlich mit Ausnahme des unfähigen Donald, es geschafft, dank ihrer Maßnahmen gegen das Coronavirus die Sterblichkeit auf demselben Level zu halten wie ohne das Virus. SARS-CoV-2 wäre sterbestatistisch praktisch nicht nachweisbar. Nur in den Wirtschaftsdaten soll sich eine leichte, aber spielend ausbügelbare Delle abzeichnen:

Screenshot 2020 04 30 21.45.09


PS: "Sind Sie tatsächlich der Meinung", fragt Leser ***, "daß prognostische Hochrechnungen eines 'Countrymeters', aus denen Ihr Freund und Sinologe offenbar seine Sterbezahlen bezieht, auf der Basis des Bevölkerungscensus vergangener Jahrzehnte, des Bevölkerungsregisters bis 2018, von offiziellen Schätzungen bis 2018 und Schätzungen der Folgetrends in Bezug auf Fruchtbarkeit, Sterblichkeit und internationale Migration, das aktuelle, tatsächlich stattfindende Geschehen abbilden? Insbesondere, daß sie ein nicht vorhersehbares Ereignis, wie eine Pandemie wiederzugeben in  der Lage sind, heißt hellsehen können? Woher will denn das countrymeter die tatsächliche und exakte Zahl der deutschen Bevölkerung (81 470 404) und der Todesfälle (287 802) am Stichtag 29.4.2020 kennen?

Ich kanns nicht glauben. Und auch nicht, daß sie sich noch nicht mit dem Begriff der Excessmortalität vertraut gemacht haben? Natürlich, Sie haben ihre eindrucksvollen Schlußfolgerungen unter der salvatorischen Klausel 'Wenn die Zahlen stimmen' gezogen ;-)."


PPS: Wie immer wird man hinterher besser Bescheid wissen – wobei in diesem Falle das entstandene wirtschaftliche Trümmerfeld keiner Regierung die Option lassen wird, die Maßnahmen gegen das Virus im Nachhinein für überzogen zu erklären. Insofern kann es sein, dass wir hinterher überhaupt nichts wissen. Was freilich die Sterbezahlen betrifft, die täglich exakt vermeldet und einzig in dem Punkte bezweifelt werden, ob sämtliche gemeldete Verstorbenen tatsächlich primär Covid-19 zum Opfer fielen, so ist bislang statistisch nichts Außergewöhnliches passiert. Aber niemand weiß, was ohne die Quarantäne geschehen wäre.



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Man darf ein Asphaltblättchen wie die Münchner tz einerseits nicht zu hoch hängen, andererseits offenbart sich im Verhalten der journalistischen Hinterbänkler – darin ähneln sie jenen im Parlament – die herrschende Gesinnung bisweilen noch deutlicher als in den sogenannten Leitmedien. Da diese Resteaufsammler selber nichts zu bestimmen haben und den führenden Kollegen immer nur nachhecheln, besteht ihre einzige Profilierungschance darin, die ohnehin herrschende Ansicht besonders schrill zu formulieren. Merke: Wenn eine Person/eine Meinung/eine Gruppe/eine Institution erst einmal zum Abschuss freigegeben ist, wird auch die Lokalpresse mutig.


Screenshot 2020 04 30 11.27.08 


(Leser *** ermahnt mich, ich möge nicht dauernd zu den Qualitätsmedien verlinken und ihnen Klicke verschaffen, sondern über irgendein Verlinkungsprogramm gehen, aber ich kann mich damit leider nicht befassen, weil ich nicht mehr so lange lebe – höchstens noch 25, 30 Jahre –, um mich, statt beispielsweise mit Chebutykin oder dem Baron de Charlus zu plaudern, irgendwelchen Programmen zu widmen, weshalb ich mich entschlossen habe, den mir immerhin bekannten Umweg von screenshots zu wählen.) 

Es handelt sich um diese "Schmiereien", deren besondere Krudität darin besteht, dass sie in eine Zukunft weisen, die eben noch nicht bekannt und deren hier allzu plakativ angedeutete Richtung nicht hundertprozentig unplausibel ist; immerhin haben ja schon führende Genossen und Trendheinis angekündigt, dass die Welt post Corona eine völlig andere sein werde als ante. Aber vielleicht will das Dreckschwein bloß die nach seiner Ansicht übertriebenen Einschränkungen seiner bürgerlichen Freiheiten feindlich-negativ in den verschwörungstheoretischen Schmutz ziehen?


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In den fünf kurzen tz-Absätzen tauchen die Begriffe "Schmiererei", "Schmierfink" – München ist nicht im Entferntesten so durchschmiert wie Bremen oder Berlin, aber Graffitis verunzieren auch hier viele Flächen, ohne dass eine Gazette an den Werken solcher anscheinend "nötiger Schmierfinken" Anstoß nähme – sowie "Verschwörungstheorie" mehrfach auf, ferner: "verschandeln", "faktenfeindliche Menschen", "Fehlinformationen", "kryptische Inschriften", "Unwesen", "wilde Behauptungen", "geistiger Müll", "limitierte künstlerische Fähigkeiten", "wilde Theorien", "Irrgläubige". Ein Monument ist der finale Satz: "Ob George Orwell (1950 verstorben) mit seinem Roman so weit in der Zukunft als sinnbildliches Vorbild genommen werden kann, ist wohl eher der Wunsch mancher."

Wer so mit Kanonen auf Spatzen schießt, kann eigentlich nur ein Satiriker sein. Oder sind es gar keine Spatzen? (Pardon für den Vergleich, geschätzte Kanonen.)


PS: Bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass der "Schmierer" offenbar nur Kreide benutzt, mithin nicht einmal eine Sachbeschädigung auf sein Schuldkonto geladen hat. Mich erinnert dieser Vorfall an ein Gesinnungsverbrechen aus meiner DDR-Schulzeit (das ich da und dort bereits öffentlich ausgeplaudert habe): 


Ich befand mich, damals vierzehn oder fünfzehn Jahre alt, abends in Begleitung eines Klassenkameraden auf dem Heimweg. Als wir an unserer Schule vorbeiliefen – ich wohnte direkt gegenüber –, die große, fensterlose Wand des Hortgebäudes sahen und einen frisch gelieferten Haufen Briketts daneben, hatten wir beide denselben Gedanken. Wir kletterten über den Zaun auf den Schulhof, mein Freund griff sich ein Kohlestück und schrieb einen Spottvers auf den Schuldirektor an die Wand. Das schien mir irgendwie nicht anstößig genug, also schrieb ich daneben: "Wir wollen Meinungsfreiheit!" Tags darauf war die Aufregung groß und die Stasi in der Schule. Doch niemand hatte unser Treiben am Vorabend beobachtet, und alle Ermittlungen verliefen im Sande.

Nun stelle man sich vor, bei dem Münchner "Schmierfink" handelt es sich um einen Studenten, jemand hat ihn beobachtet und zeigt ihn beim Dekan an. Und man stelle sich parallel dazu vor, er hätte "Fck AfD!" oder "Refugees welcome" geschmiert, quatsch, in berechtigter Empörung Gesicht zeigend auf eine abwaschbare Oberfäche aufgetragen.



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Wir wissen nicht, was sich orwelleske Verschwörungstheoretiker wünschen; bei unserem engsten Nachbarn nicht nur südlich, sondern überhaupt, geht man ihrem paranoiden Verfolgungswahn jedenfalls nicht auf den Leim:

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Als eine Nämliche sah sich auch die TV-Moderatorin Sonja Zietlow geziehen und gezaust:

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(Ich werde die Fotos von Eckladen-Mannequins fürderhin immer gottgefällig schneiden.)

"Mit zunehmender Besorgnis, habe ich beobachtet, was mit meinen Postings gemacht wurde und was unter meinen Postings stattfand", zitiert die Welt die telegene Prekariats-Bespaßerin; einige Nutzer hätten auf ihrer Plattform vorgesprochen, "um andere aber auch mich und (sogar meine Hunde) zu beleidigen, beschimpfen, diffamieren, denunzieren und anzuprangern".

Zietlow habe auf ihrer privaten Facebook-Seite Kommentare, Bilder und Videos zu Corona gepostet und war deshalb als "Verschwörungstheoretikerin" kritisiert worden, teilt die Zeitung weiterhin mit. Unter anderem habe die Moderatorin geschrieben: "Wisst ihr, was ich vermisse? Dass mal irgendjemand sagt, dass wir die Misere, die durch Corona in den Krankenhäusern entsteht, den Politikern zu verdanken haben, die jetzt als vermeintliche Krisenmanager auftreten."

  

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Nicht, dass das jemand gewollt hat – also es gab schon ein paar tausende hüpfende Teenager, die es sich gewünscht hätten, aber nicht zu hoffen wagten – :

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Wie die Provinzpresse die Welt sieht:

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Dieser philiströse Ehrgeiz, etwas gelten zu wollen in der Welt! Dieser Wunsch, geschätzt zu werden, wenn man sich schon nicht selber genügt! (Freilich: Wenn man in Syrien an Merkels Wohlergehen denkt, hat das mit Corona wenig zu tun.)