Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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13. April 2020


"Zu Ostern wird der Dulder gepriesen, aber der Bergprediger verschwiegen."
Leser *** (den ich, ohne ihm zu nahe treten zu wollen, als Neomarxisten bezeichnen würde)



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"Ostern in Coronazeiten:

Jeder isst noch schnell ein Ei,
Und dann kommt der Tod herbei."

Archie Bechlenberg


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Verschwörungstheorien sind das eine, ihre Kronzeugen das andere. Gestern wurde Bill Gates in den Tagesthemen interviewt, und diesem Gespräch ist weite Verbreitung zu wünschen ("Kommentare sind deaktiviert"). Ein offenkundig Übergeschnappter – man achte nur auf das immer wieder über sein Gesicht huschende Grinsen, während er von seinem Kampf gegen die Pandemie spricht – erklärt ungerührt, er lasse gerade eine Vakzine entwickeln, und dann "werden wir den Impfstoff letztendlich sieben Milliarden Menschen verabreichen. Da können wir uns keine Probleme mit bedrohlichen Nebenwirkungen leisten. Und doch werden wir die Entscheidungen zum Einsatz des neuen Impfstoffs auf einer geringeren Datengrundlage als sonst fällen, damit wir schnelle Fortschritte erzielen."

Wir sehen in das Gesicht eines Menschen, der in gottähnlicher Präpotenz auf den Globus und die darauf herumwimmelnden Milliarden schaut – das Interview lief ja noch zufällig (?) an Ostern. Dieser Mann hat in einer Garage mit einer genialen Idee angefangen, und nun ist er Multimilliardär, und wir dürfen dabei hospitieren, wie er durchdreht. Wer meinte, die James-Bond-Bösewichte seien eine Erfindung, empfängt dieser Tage Belehrung; sie sind freilich auf eine andere Art gemeingefährlich; Gevatter Soros ist ja auch so ein Fall. Wilhelm Buschs "Das Gute, dieser Satz steht fest, ist stets das Böse, das man lässt" muss umgedichtet werden: Das Böse, soviel ist bekannt, ist oft das Gute außer Rand und Band. Aber vielleicht irre ich mich ja, und Gates ist der große Wohltäter der Dritten Welt. Ich kann mich eines Interviews mit dem Impf-Neocon entsinnen – ich finde es leider nicht im Netz –, in dem er davon phantasierte, dass unsere künftige Sprache einfacher, unterkomplexer, unraffinierter sein müsse, damit alle Welt sie verstehe und besser miteinander kommunzieren könne (das sagte er sinngemäß, nicht wörtlich). "Der Teufel hat heutzutage eine geometrische Form" (Nicolás Gómez Dávila).

Auf der Webseite cashkurs.com erfährt der Leser Interessantes:

"Im September 2019, und somit gerade einmal drei Monate vor dem ersten dokumentierten Auftauchen des Coronavirus in China, kündigte die in San Francisco ansässige Biometrie-Firma ID2020, die Microsoft zu ihren Gründungsmitgliedern zählt, ohne viel Aufhebens an, an einem neuen Projekt zu arbeiten, das 'Forschungen an zahlreichen, biometrischen Identifikationstechnologien für Kleinkinder mit einbezieht'. (...)

In einem neuen Interview merkt Bill Gates in autoritärem Stil an, dass Massenversammlungen in jeder Hinsicht der Vergangenheit angehörten und nicht mehr abgehalten werden könnten, solange es keine Massenimpfung (gegen das Coronavirus) gäbe. Wer hat Bill Gates eigentlich zum König der Welt erklärt? (...)

Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben entwickelt, was sich bei Licht besehen als 'High-Tech-Tätowierung', die in unsichtbarer Färbung unterhalb der Haut daherkommt, bezeichnen lässt. Dieses 'Markierung' würde zusammen mit einem Impfstoff geliefert und wahrscheinlich durch Gavi, die globale Impfstoffbehörde, die sich ebenfalls unter dem Schirm der Bill & Melinda Gates Foundation befindet, verwaltet. (...)

Aus heutiger Sicht und einer globalen Dienstleistungsökonomie, die sich unter einem Lockdown befindet, um große Gruppen von infizierten Personen daran zu hindern, sich zu versammeln, ist es nie zuvor leichter gewesen sich einen Tag vorzustellen, an dem sich die Menschen dazu aufgefordert sehen werden, sich ihre persönliche 'ID-Tätowierung' verabreichen zu lassen, um wieder Zugang zu jeder Art von öffentlichen Orten zu erhalten."

(Mehr hier.)

Entsteht der globale Überwachungsstaat als Kollateralnutzen der Gesundheitsfürsorge? Werden unsere Nachkommen in einer Welt leben, in der sie morgens der Computer über ihren Gesundheitszustand aufklärt und ihnen verbietet, Kaffee oder Alkohol zu trinken, um nicht der Gesellschaft eines Tages unnötige Kosten aufzubürden, und sie darüber informiert, dass ihr CO2-Mobilitätskontingent für den laufenden Monat aufgebraucht ist, während das Wahrheitsministerium weiß, dass sie auf doppelplusunguten Webseiten unterwegs waren und für den Wiederholungsfall eine dreitägige pädagogische Sperrung der – natürlich längst unter der Haut implantierten – Kreditkarte androht? Solche Fragen mögen überdreht anmuten angesichts der Zustände in manchen afrikanischen Ländern, doch wenn man sich anschaut, wie durchorganisiert die elektronische Kontrolle der Einwohner – von Bürgern wird man ja wohl nicht mehr sprechen – in einem Riesenland wie China mit seinen Sozialpunkten heute schon ist, wirken sie nicht unplausibel. Gottlob muss ich diesen fröhlichen Ameisenstaat, diese Brave New World nicht mehr erleben.


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Eine israelische Bekannte (mit russischem Migrationshintergrund, das ist für ihre Aussage nicht unwichtig) schrieb mir zum Gates-Interview: "Man muss gar nicht hören, was er sagt, allein die Körpersprache verrät, dass da ein Lügner spricht. Ach was, Lügner – ein Teufel."

Noch dazu: Robert F. Kennedy Jr. behauptet, die von Gates finanzierten Impfkampagnen in Indien und Afrika hätten massenhaft gesundheitliche Schäden und Tote verursacht; der Präsidenten-Neffe schreibt über "Gates’ Globalist Vaccine Agenda: "Vaccines, for Bill Gates, are a strategic philanthropy that feed his many vaccine-related businesses (including Microsoft’s ambition to control a global vaccination ID enterprise) and give him dictatorial control of global health policy.
Gates’ obsession with vaccines seems to be fueled by a conviction to save the world with technology." 

PS: "Der Aufstieg von Microsoft war Zufall und Glück und Monopoleffekt. Nach U.S. Kartellrecht sollte der Konzern zerschlagen werden, was wegen der hierarchischen Struktur der Computerwissenschaft (Internet) problematisch war. Als Kompromiss kam es zur Übertragung des Großteils der Microsoftanteile auf die Bill und Melinda Gates Stiftung. Das Ehepaar Gates ist also nicht ganz freiwillig gemeinnützig tätig. Das schmerzt wohl beide..."
(Leser ***)

PPS: Man halte einmal dieses Interview mit Prof. Knut Wittkowski, langjähriger Leiter der Abteilung Epidemiologie, Biostatistik und Forschungsdesign an der Rockefeller Universität New York, den Ausführungen von Gevatter Gates entgegen. Wittkowski behauptet, die Covid-19 Epidemie verlaufe ganz normal: "Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass das mehr ist als eine Grippe. Bei jeder Grippe gibt es Tote. Jedes Jahr gibt es in den USA zwischen 30.000 und 80.000 Todesfälle. (...) Ein Lockdown verlängert die Epidemie. (...) Die epidemiologische Kurve von Schweden" – wo kein Lockdown stattfand – "unterscheidet sich in nichts von jener in Norwegen oder Finnland" – wo einer stattfand. (...) "Ich glaube nicht, dass man jemals die Wirtschaft angehalten hat, um eine Grippe zu bekämpfen."

Das ist natürlich die kalte Sicht eines Epidemiologen, der nicht durch die Intensivstationen geht.



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Leser *** lebt unter Orbáns Geißel in Ungarn "und kann immerhin vermelden, dass trotz der mittlerweile angeblich hier herrschenden Diktatur ich noch nicht auf einer Parkbank lesend von Ordnungshütern belästigt worden bin. Sogar einem Besuch beim Friseur habe ich mich diese Woche noch unterziehen können. Es gibt hier allerdings eine – möglichwerweise sinnvolle – Maßnahme, die sich ohne allzugroße Beeinträchtigung einhalten lässt und von der ich in deutschen Landen noch nicht gehört habe. Personen älter als 65 dürfen nämlich nur vormittags zwischen 9-12 in den Supermarkt oder in die wenigen anderen Läden, die noch offen sind, während die anderen nur nachmittags oder abends Zugang erhalten. Dies wird auch kontrolliert und – soweit ich sehen kann – von der Bevölkerung bereitwillig akzeptiert."

Passend dazu: Ungarns Justizministerin Judit Varga nennt die Vorwürfe, Victor Orbán nutze die Corona-Krise, um die Demokratie auszuhebeln – eine Ungeheuerlichkeit, die man sich in Westeuropa viel geschickter vorstellt –, "Falschnachrichten". Die Sondervollmachten seien auf die Epidemie begrenzt, erklärte Varga. Die Anschuldigungen in der EU gegen Ungarn seien "Ausdruck einer liberalen Meinungsdiktatur in Europa. Was diese Leute eigentlich stört, ist, dass es in Ungarn eine konservative Zwei-Drittel-Mehrheit gibt."

                           

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"Bei einer Abendgesellschaft kommt unter gut eigeführten Leuten die Frage auf, welchen oder wie viele der deutschen Politiker jemand privat an der eigenen Tafel sehen möchte, mit wem man 'verkehren' wolle. Auf mehr als vier Namen ist keiner gekommen."

Johannes Groß im Notizbuch am 23. September 1983



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Auszug aus dem Verfassungsschutz-Schlechtachten zur AfD:

"Bei der Analyse des AfD-Grundsatzprogramms im Hinblick auf tatsächliche Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung kommt zunächst in Betracht, dass sich die Programmatik der Partei gegen den Verfassungsgrundsatz der Menschenwürde (Art. 1 Abs. 1 GG) richten könnte. (...)

Die AfD nimmt in ihrem Grundsatzprogramm gegenüber dem Islam eine kritische bis ablehnende Haltung ein. Unter Kapitel 7 widmet die Partei der islamischen Religion einen ganzen Unterpunkt samt weiterer Untergliederungen. Überschrieben ist Kapitel 7.6. mit der Feststellung, dass sich 'der Islam im Spannungsverhältnis zu unserer Werteordnung' befinde. In der Erläuterung bekennt sich die Partei zur Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit, betont aber die Schranken der grundgesetzlichen Religionsfreiheit explizit. Man trete einer 'islamischen Glaubenspraxis' entgegen, die 'mit zentralen Grundlagen unserer freiheitlichen Ordnung inkompatibel' sei. Die nachfolgende erste Untergliederung steht im Anschluss unter dem Titel 'Der Islam gehört nicht zu Deutschland', was die kritische Distanz der Partei noch einmal unterstreicht. Gleichzeitig betont die Partei, dass 'viele Muslime […] rechtstreu sowie integriert' und entsprechend 'geschätzte Mitglieder unserer Gesellschaft' seien.

Im weiteren Verlauf mahnt die AfD an, dass Kritik am Islam erlaubt sein müsse und fordert ein Verbot der Auslandsfinanzierung von Moscheen, lehnt den Körperschaftsstatus für islamische Organisationen ab und fordert ein Verbot der Vollverschleierung in der Öffentlichkeit und im öffentlichen Dienst. Darüber hinaus steht sie für eine Schließung von Koranschulen zugunsten einer 'Islamkunde in deutscher Sprache für alle muslimischen Schüler' ein und lehnt 'Sonderrechte' für muslimische Schüler, etwa im Hinblick auf Sportunterricht und Klassenfahrten, ab.

Die Forderungen der AfD stehen zwar im Lichte eines grundsätzlichen Misstrauens gegenüber dem Islam, direkte Forderungen, die mit dem Wesensgehalt der grundgesetzlichen Religionsfreiheit im Widerspruch stehen, sind allein anhand der programmatischen Aussagen jedoch nicht zweifelsfrei belegbar."

Nicht zweifelsfrei belegbar. Also beinahe belegbar, aber es gibt noch Zweifel. Der Verfassungsschutz darf zwar nicht mit pejorativ verwendeten Begriffen Politik machen, tut es aber trotzdem. Auch im folgenden Satz:

"Die Positionen der Partei mögen zugespitzt, überkritisch oder möglicherweise gar objektiv unzutreffend sein" – die Positionen mögen (!) objektiv (!) unzutreffend sein, als ob dem Verfassungsschutz darüber ein Urteil zustünde; er hat ausschließlich zu bewerten, ob sie verfassungsfeindlich sind ("objektiv" war übrigens eine Lieblingsanmaßungsfloskel in der SED-Rhetorik, die "objektive Überlegenheit des Sozialismus" etwa) –, "eine pauschale Ungleichbehandlung von Muslimen oder die menschenunwürdige Einschränkung des Grundrechts aus Art. 4 GG ist auf Basis der doch recht abstrakten Grundlagenprogrammatik nicht abzuleiten. Einzig die Tatsache, dass die AfD auch den Bau von Minaretten als 'islamisches Herrschaftssymbol' pauschal ablehnt, könnte in der Konsequenz das Grundrecht auf freie Religionsausübung verletzen, sofern die Partei deren Errichtung im Falle der Möglichkeit einer Verwirklichung in toto verböte. (...) Tatsächliche Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen den Menschenwürdegehalt der Religionsfreiheit ergeben sich allein aus dem Grundsatzprogramm nicht."

Und wozu dann der Lärm? Jeden der aufgezählten Programmpunkte müsste ein Verfassungsschutz billigen, der tatsächlich das Grundgesetz im Auge hat und nicht den Merkelkurs in Richtung Neue Weltordnung. Der Islam ist keineswegs nur eine Religion, sondern ein Regelwerk, das als Gegenordnung und Gegengesetz zum säkularen Staat und dessen Recht auftritt, mit unterschiedlicher Intensität, je nachdem, wie viele Muslime in einem Land leben. Sämtliche Umfragen unter hierzulande lebenden Moslems, übrigens auch hier geborenen, ergaben entweder hohe prozentuale Anteile oder sogar Mehrheiten für die Aussage, die Gebote der Sunna stünden über jenen des säkularen Staates. Nicht die Islamkritiker sind ein Fall für den Verfassungsschutz, sondern der Scharia-Islam ist es. Und ein Minarett ist für die freie Religionsausübung so wenig vonnöten wie ein Nikab.

Weiter. Die Ablehnung der Einwanderung bestimmter Gruppen Nichtverfolgter ist keineswegs verfassungsfeindlich, sondern eine legitime politische Position. Das Grundgesetz sieht nicht vor, dass Deutschland Wirtschaftsmigranten aufnehmen muss. Der Würdeschutz gilt nur und kann nur gelten für Menschen auf deutschem Staatsgebiet, auch wenn die Kanzlerin und ihre insbesondere juristischen Schranzen bestrebt sind, dieses Gebiet durch fehlenden Grenzschutz fluide zu gestalten. Die Abschiebung illegal hier Weilender verstößt so wenig gegen Artikel 1 GG wie etwa eine Haftstrafe für einen Straftäter. Verfassungsfeindlich wäre einzig die Ablehnung, politisch Verfolgten Asyl zu gewähren. Kaum einer der knapp zwei Millionen seit 2015 hier Eingewanderten wurde politisch verfolgt.

Es tut mir leid, wenn ich mich wiederhole: Verfassungsfeindlich ist stattdessen eine Willkommenskultur, die auf permanentem Rechtsbruch fußt, die u.a. gegen GG Artikel 16a 2 verstößt, und die zwar nicht gleich die Axt, aber immerhin eine kontinuierlich arbeitende Säge an die Wurzeln des Souveräns legt. Verfassungsfeindlich ist das schnoddrig-joviale "Nun sind se halt da", verfassungsfeindlich ist die in den Schulen und Kindergärten deutlich sichtbare Umstrukturierung der Bevölkerung. Der Staatsrechtler Prof. Dietrich Murswiek schreibt dazu: "Die Bundesrepublik Deutschland wurde 1949 als Nationalstaat des deutschen Volkes konstituiert. Und das deutsche Volk ist kein Volk, das sich aus Menschen beliebiger Kulturen und Sprachen zusammensetzt, sondern es ist durch die deutsche Kultur und Sprache geprägt. Die Bundesregierung hat kein Recht, die Identität des deutschen Volkes einwanderungspolitisch umzustrukturieren." Es gibt selbstverständlich aufstrebende Nachwuchsvölkerrechtler, die sich der Regierungsmeinung anschmeicheln und etwas anderes behaupten.

Der Verfassungsschutztext liest sich, als habe ihn ein Referent der Böll-Stiftung oder ein Zeit-Redakteur verfasst; man könnte kotzen, wenn es nicht allzu schade wäre um den prächtigen Bruder Steinbutt und die fulminante Riesling Spätlese trocken "Saarburger Rausch" von Markus Molitor.


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Zum Stand der Integration in Frankreich (von wegen Franzose ist, wer die Staatsbürgerschaft besitzt):

20200410 105314

(Aus Karlheinz Weißmanns Kolumne in der Jungen Freiheit.)


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Was es bedeutet, dass die westliche Welt den Weg in Richtung Postdemokratie bewegt, können wir derzeit gut studieren. Die schleichende, aber präzise ins Werk gesetzte Strangulierung der Opposition mit Instrumenten, die den Rechtsstaat und die Demokratie eigentlich schützen sollten, ist nur ein Beispiel. Dass die Kanzlerin eine demokratische Wahl en passant für ungültig erklärt und diese Wahl mit dem gewünschten Resultat wiederholt wird, ist ein weiteres. Der ebenfalls mähliche Übergang vom nationalen Recht, das insonderheit die Abwehrrechte des Einzelnen gegenüber dem Staat sichert, zum Europarecht, das den Grundsatz der Privatautonomie als Basis einer freiheitlichen Ordnung nicht akzeptiert, sondern Ziele vorgibt und als Werkzeug der Gesellschaftsveränderung eingesetzt wird (s. Acta vom 22. März), ein drittes. Aber das sind Petitessen, verglichen mit der jeden Tag ein bisschen endgültigeren Demontage der nationalen Souveränität der EU-Mitgliedsstaaten und der damit einhergehende Entmachtung ihrer demokratisch gewählten Parlamente. Demokratie, man halte von ihr, was man will, ist gebunden an eine Nation. Die EU ist nicht demokratisch, und wer Ihnen heute einredet, das werde später schon irgendwie korrigiert, hat die gesamte Weltgeschichte gegen sich: Nie hat ein etablierter Machtapparat seine Macht freiwillig wieder hergegeben; man wird die guten, wenn auch nicht wahren Gründe dafür schon liefern.

Nehmen wir Peter Sutherland, Generaldirektor der Welthandelsorganisation und UN-Sonderbeauftragter für internationale Migration, der 2015 in einem Interview erklärte: "Souveränität ist eine absolute Illusion, die man hinter sich lassen muss." Die Bindung an das eigene Land müssten wir preisgeben und uns als "Menschheit" begreifen. – Dass, wer Menschheit sagt, betrügen will, sollte bekannt sein. – Schon ein paar Sündenjährchen früher hatte Sutherland vor einem Ausschuss des Britischen Oberhauses erklärt, die EU müsse – wer ständig weiß, wer etwas muss, will ebenfalls betrügen – den "Sinn für Homogenität und für die Verschiedenheit von anderen" aus der Welt schaffen. Das Resultat nennt sich dann wohl Vielfalt.

Oder nehmen wir José Manuel Durão Barroso, der von 2004 bis 2014 als Präsident der Europäischen Kommission amtierte und 2015 in einer Rede forderte, man möge den Nationalstaaten die Einwanderungspolitik aus den Händen nehmen und die globale Migration nach denselben grenzübergreifenden Regeln behandeln "wie zum Beispiel Luftverschmutzung". Bleibt nur die Frage: Wer ist man?

Barroso ist ein prachtvolles Exempel für die absonderliche antinationale und antidemokratische Alianz von globalem Kapital und globalistischer Linker. Als Student war er der Vorsitzende der maoistischen Partei MRPP, später wurde er Sozialdemokrat, als portugiesischer Premier unterstützte er den zweiten Irakkrieg, eines der größten Ganovenstücke der neueren Geschichte und wahrscheinlich der Auslöser für den schlussendlichen Abstieg Europas in eine instabile, politisch und wirtschaftlich unbedeutende Weltregion mit explosiver ethnischer Bevölkerungsstruktur. Natürlich gehört er zu den Bilderbergern, natürlich unterstützte er mit der gebotenen Vehemenz eines Aspiranten für den transatlantischen Katzentisch das TTIP-Abkommen, und nun streicht er den Lohn dafür bei Goldman Sachs ein, wo er nach seiner EU-Präsidentschaft als Berater anheuerte.

Oder nehmen wir den Schriftsteller Robert Menasse, der in seinem 2012 erschienenen Buch "Der Europäische Landbote" dazu aufrief, "die Demokratie erst einmal zu vergessen, ihre Institutionen abzuschaffen, soweit sie nationale Institutionen sind, und dieses Modell einer Demokratie, das uns so heilig und wertvoll erscheint, weil es uns vertraut ist, dem Untergang zu weihen. Wir müssen stoßen, was ohnehin fallen wird, wenn das europäische Projekt gelingt. Wir müssen dieses letzte Tabu der aufgeklärten Gesellschaften brechen, dass unsere Demokratie ein heiliges Gut ist."

Man muss sich, beiseite gesprochen, einmal vorstellen, was loswäre, wenn ein AfDler so etwas öffentlich vortrüge. Aber die Schwefelbuben wollen ja gerade die europäischen Demokratien bewahren, und deshalb hetzt man die Medien, den Verfassungsschutz und die Zivilgesellschaft auf sie.

Ulrike Guérot, Professorin für Europapolitik sowie Gründerin des "European Democracy Lab" mit Sitz in Berlin, weiß sogar schon den Termin, an welchem die "Dekonstruktion der Nationalstaaten", wie sie es nennt, beendet sein soll: Anno 2045, wenn sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 100. Mal jährt, will sie die "Europäische Republik" etabliert haben. Dann kann ein machtloses Scheinparlament tagen, und eine Handvoll namenloser, nicht gewählter Bürokraten darf über das Schicksal von 500 Millionen Menschen bestimmen.

Je mehr ich darüber lese, desto grusliger steht es mir vor Augen: Die globalistische Ideologie will auf dem Wege zur one world sukzessive alles abschaffen, was bisher als verbindlicher Bezugsrahmen galt: die Völker resp. Nationen und ihre Staaten, die Ethnien und die spezifische kulturelle Determiniertheit des Menschen, wozu auch dessen Familiarität gehört. Dem Furor der Planeten-Planierer zum Opfer fallen sollen und "müssen" deshalb auch die Demokratie, der Republikanismus und das autonome Individuum. Das sind beachtliche Ziele, an denen mit beachtlichem Eifer und einer gespenstischen Gründlichkeit gearbeitet wird. In alle Poren zumindest der westlichen der Gesellschaften sind diese Ideologie und ihre Agenten eingedrungen, in die Universitäten, Kirchen, Medien, die gesamten Kulturszene, aber auch in die Unternehmen – man mache sich keine Illusionen darüber, dass aus der regierungshörigen und global mobilen Wirtschaft Opposition wüchse, nur von den sesshaften Mittelständlern ist etwas Widerstand zu erwarten. In der gesamten westlichen Welt entrichten Menschen ihre Steuern an ein Establishment, das ihre Heimat, ihre Kultur, ihre Sprache, ihre Traditionen abschleifen, vereinheitlichen und damit letztlich zerstören will. Einzig die Populisten stehen diesem diabolischen Transformationsprozess im Wege.

Die globalistische Ideologie "argumentiert gegen die natürlichen Instinkte der Menschen", schreibt Douglas Murray und meint damit genau das Festhalten an der Familie, Loyalität zur Nation, Bindung an ihre Kultur. "Dieses Denken lässt den Menschen allein in der Welt zurück. Sie haben keinen Anker mehr und keine Beziehung zu einem Ort, und sie werden zum Opfer von jeder Schwärmerei und jeder vorübergehenden Mode, egal wie krank oder wie gutartig diese auch sein mögen. Unter diesen Umständen ist es nicht weiter überraschend, wenn Menschen infolge solcher Schwärmereien in den wütenden Tonfall verfallen."

Aber dafür gibt es ja Gesetze gegen Hate speech und Hausbesuche von der Polizei oder der Antifa.

Écrasez l'infâme!


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Irgendwie noch zum Vorigen:

ND Coronaträume


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"Die Konservativen verständigen sich im Raum mit Blicken wie einst die Homosexuellen bei Proust."

Roger Scruton

Die konservativen Homosexuellen haben es heute ein wenig leichter, sofern sie nicht ihren Konservatismus in den Vordergrund rücken.


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Ich höre in letzter Zeit fast nur noch Musik aus der Barockzeit. Das hat wenig damit zu tun, dass sie nicht nervt, mich nicht mit dramatischen Kämpfen zwischen Licht und Finsternis und der Last zu ihrer Auflösung drängender Akkorde belädt, sondern dass sie tendenziell unendlich ist. Benn hat geschrieben, nicht Entwicklung, sondern Unaufhörlichkeit werde das Daseinsgefühl unserer Zeit sein. Genau das finde ich in der Musik des Barock.