Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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1. Mandrill 2020


"Damit ein Skeptiker geboren wird, müssen tausend Gläubige wüten."
Cioran


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Grundlegende Anlässe, ihm zu widersprechen, bietet Hadmut Danisch ja nicht, Nuancen dagegen schon. Zum Beispiel in seiner jüngsten Philippika gegen die Geisteswissenschaften, die er quasi als Antiklimax zur vorhergehenden Preisung der naturwissenschaftlichen Forschung vorträgt, gerade heute, in pandemischen Zeiten. Hui und pfui.

Was sein Lob der "harten" Wissenschaften, Lob der Naturforschung, Lob der Technik betrifft, bin ich ziemlich d'accord (Technik ist oft Tinneff). Was er über die Journalisten im Allgemeinen und die ttt-Akademikerprekariatssendung des Herrn Moor (weder Karl noch Franz) sagt: dito. Danischs Verachtung für die sogenannten Geisteswissenschaften pflichte ich bei, sofern explizit jenes Segment in Rede steht, an dem sich der Brave bevorzugt abarbeitet: Gender, Sozialkram, Poststrukturalismus, diese "hochaggressive Dummentruppe", die sich "ernstlich einbildet, es gäbe keine Realität, alles nur Gerede – weil es bei ihnen nicht mehr als Gerede gibt. (...) Die haben die letzten Jahre das Ziel verfolgt, alles das zu sabotieren und abzuschaffen, was uns jetzt gerade retten kann: Medizin, Biologie, Forschung, Wissenschaft, Grenzen, Staat. Das ist genau die Wissenschaftsfeindlichkeit, dieses Sabotagetum, das ich hier schon so lange beschreibe."

Freilich, ist der Begriff "Geisteswissenschaften" schon heikel – die Angelsachsen sprechen treffender von Humanities –, so hat das, was Danisch hier beschreibt, weder mit Geist noch mit Wissenschaft zu tun, sondern es handelt sich im milderen Falle um Zeitgeistgedöns, im schlimmeren um Geisteszerstörungsanleitungen oder -symptome.

Zu den sogen. Geisteswissenschaften gehören aber nicht nur akademische Hüpfburgen für neomarxistische Spinner und Bällebäder für Afterkulturbeschwafler, sondern auch seriöse und grandios überflüssige Wissensgebiete wie Altphilologie, Ägyptologie, Archäologie oder Mediävistik. Ich kann auf Literaturwissenschaftler und Sozialpsychologen verzichten, auf Gender-Okkultisten sowieso – die "Kritischen Weißseinsforscher" freilich mögen aus demselben Grunde ewig leben wie Ephialtes! –, aber ich möchte nicht in einer Welt ohne Altphilologen, Ägyptologen und Mediävisten leben. Und auch das Wörterbuch des Ugaritischen will ich nimmermehr missen! Naturwissenschaften schön und gut, aber sie messen oder begründen keinerlei Sinn. Sie ermöglichen ihn nur. Immerhin.

Danisch überantwortet nämlich nicht nur die Geschwätzkundler der Tonne, sondern – mit der tückischen Abwägung, was unverzichtbar sei – auch die Künste: "Dass Kunst und Sport gerade weg sind, weil sie nicht wirklich wichtig sind und zum Unterhaltungsprogramm gehören", stelle uns vor die Frage, "wozu man sie eigentlich so braucht und was der Gesellschaft fehlt, wenn man sie nicht mehr hat. (...) Stellt Euch vor, Corona ist vorbei, und keiner will sie zurück haben? Ist es vielleicht wie bei der Droge, dass nur die Sucht das Verlangen steuert, aber der Entzug einen bemerken lässt, dass man sie nicht braucht?"

Hier nun ist Widerspruch fällig. Wenn ich vor die Wahl gestellt würde, entweder auf Gesundheitsversorgung oder auf die Künste zu verzichten, würde ich mich seufzend gegen Erstere entscheiden – wobei ich zu den Künsten selbstredend auch die Musik rechne sowie alle Literatur, und Literatur ist für mich getreu der Definition von Don Nicolás "alles, was mit Talent geschrieben ist" –, denn ein Leben ohne Künste wäre ein Irrtum. Wozu sollte ich gesund bleiben, wenn ich dazu verdammt würde, geistig die Existenz eines Barbaren zu führen? Ein Leben ohne die Künste – und das wäre ja letztlich ein Leben ohne mich – empfände ich als so grotesk sinnlos, dass ich es mir recht zügig nehmen würde.
Sela, Psalmenende.   


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Geneigte(r) Leser*_inx, lenken Sie Ihre geschätzte Aufmerksamkeit bitte auf diese Gegenüberstellung. Was ist falsch?

AxtMachete

Münchhausen
 
Was, frage ich, ist falsch?

Genau. Der Täter mit Axt und Machete mag unter psychischen Problemen leiden – es klingt nach "Scheidung auf afghanisch" (und wenn: Irgendwas wird sie schon gemacht haben) –, doch seine Tat ist eindeutig rechts. Aus dreierlei Gründen. Erstens handelt es sich um einen Mann, keinen alten weißen zwar, aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Zweitens ist Gewalt immer rechts, wie der SPD-Denker R. Stegner statuiert und nachgewiesen hat. Drittens fällt mir gerade nicht ein, geht aber in diese Richtung.

Man mag jetzt einwenden, dass Rassismus als Tatmotiv nicht in Frage kommt (aber Sexismus = rechts!), denn die Verwendung von Axt und Machete deutet darauf hin, dass der Traumatisierte noch nicht länger hier lebt, mithin eher selber Opfer zumindest von strukturellem Rassismus wurde, der immer von der Mehrheitsgesellschaft ausgeht und niemals umgekehrt, wie zum Beispiel dieses Rechtleitungsportal von Hochbegabten für Hochbegabte vorbildlich darlegte:

"Der Rassismusvorwurf wird von unten nach oben erhoben: Menschen die unterdrückt werden, zeigen diese Unterdrückung auf. Die Unterdrückenden sind dabei in der Mehrheit, sonst würde sich die Situation gar nicht erst ergeben."
(Deswegen gab es auch keinen Rassismus in Südafrika, bevor Mandela ihn dort nolens volens etablierte.)

Rassismus führte indes den Abzugsfinger des Amokläufers rechten Hasstäters von Hanau, der ein Mitglied der einstweilen noch Mehrheitsgesellschaft war, von der er immerhin ca. die Hälfte zu opfern sich bereiterklärte (und er fing ja bei sich und seiner Mutter damit wiedergutmachungserheischend an). Nachdem das BKA kurzzeitig den falschen Anschein erweckt hatte, man habe keinen Beleg dafür gefunden, dass Tobias Rathjen ein Rechtsextremist gewesen sei oder wenigstens Kontakte zur rechtsextremen Szene, wie man sagt, unterhielt, macht nun dessen Chef Holger Münch deutlich, dass er die Lektion aus dem Fall des Hans-Georg Maaßen verstanden hat. Wenn alle Parteien des antifaschistisch-demokratischen Blocks und sämtliche Wahrheits- und Qualitätsmedien der demokratisch ermittelten Ansicht sind, dass der Mordschütze ein Rechter war und die AfD mitgeschossen hat, kann sich nicht irgendein Kriminaler hinstellen und das Gegenteil behaupten. Das wäre ja so, als würde ein Verfassungsschützer flunkern, es habe in Chemnitz nach dem bedauerlichen Zwischenfall mit zwei Schutzsuchenden gar keine "Hetzjagden auf Ausländer" gegeben.
 

PS: "Das grundlegende Problem hinter der Straftat eines Migranten ist die politische Verantwortung dafür", sagte übrigens der Herr Maaßen gelegentlich. Man sieht, ihm wurden Schild und Schwert der Altparteien zu recht entwunden. Der Große Vorsitzende sprach: "Bestrafe einen, erziehe tausend." Der kleine BKA-Vorsitzende hat's sofort kapiert.

PPS: Alles Gute, Wahre und Schöne zu den notwenigen und gerechtfertigten Kosmetikmaßnahmen an der BKA-Einschätzung hat, diesmal schon wieder besonders schön, Alexander Wendt gesagt.

PPPS: Der Abschlussbericht wird nach letzter Auskunft des BKA erst in Wochen bzw. gar Monaten vorliegen; insofern ist Herr Münchhausen gar nicht genug dafür zu preisen, dass er das gewünschte Ergebnis schon kennt & durchsticht.


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"Sehr geehrter Herr Klonovsky, am 29.3. schrieben Sie von Ihrem Entschluss, Corona weitgehend aussparen zu wollen. Bitte überdenken Sie diese Entscheidung!", meint Leserin ***, Kinderärztin. "Gegen die politischen Maßnahmen welche jetzt mit diesem Virus begründet werden, sind die politischen Folgen der Rollrasenbewegung der psychisch labilen Familie aus Schweden im wahrsten Sinne des Wortes ein Kinderspiel gewesen. Das Strickmuster ist doch immer das Gleiche und auch für einen Laien zu durchschauen. Eine Situation (Euro, Klima, Migration, Coronaverbreitung...) wird in die Nähe der Apokalypse gerückt, weshalb die politischen Entscheidungen alternativlos seien und bestehendes Recht für ein höheres Ziel 'vorübergehend' ausgesetzt wird.

Aktuell kann niemand sagen, was die richtige Strategie im Umgang mit Corona ist, da uns vernünftige Daten für Deutschland fehlen. Es geht aus meiner Sicht auch nicht primär um richtig oder falsch sondern darum, dass die Politik möglichst rationale Entscheidungen trifft, welche auf Fakten beruhen. Auch muss das geltende Recht von Volksvertretern eingehalten werden. Frau Esken bringt schon mal Enteignungen, Verzeihung 'eine einmalige Abgabe durch besonders wohlhabende Bürger' um 'die Staatsfinanzen nach der Krise wieder in Ordnung zu bringen', ins Spiel..."



Leser ***, ebenfalls Arzt, schreibt "vom sonnigen Zürichsee":

"Natürlich sind Masken zur Verhinderung bzw. Reduktion von Tröpfcheninfektionen sinnvoll und wirksam, insbesondere auch normale, billige OP-Masken. Sie bieten keinen 100%igen Schutz; aber wo im Leben gibt es 100% Sicherheit? Der Grund, dass Masken nicht empfohlen wurden, ist schlicht und einfach die Tatsache, dass Europa geschlafen hat! Wenn man keine Masken hat, sieht es dumm aus, welche zu empfehlen ... Nun ändert sich komischerweise die Einschätzung langsam, siehe Herrn Kurz, das RKI.
 
Die NZZ bringt es schon in der Schlagzeile auf den Punkt: 'Hygienemasken gegen Coronaviren: Das BAG widerspricht seinen eigenen Empfehlungen! Bei Tichy sogar ein Bild von Versager Spahn, der plötzlich Maske trägt. Wirkt fast so professionalisiert wie ein weisser Kittel. Irre!
 
Wie man so dumm sein kann, zu behaupten, dass das Coronavirus nicht durch Tröpcheninfektion übertragen wird (als Erkrankung der oberen Atemwege) und dass Masken nicht davor schützen, wird sich dem normalen Menschen nie erschliessen. Eigentlich muss man schreiben: Jetzt fallen die Masken."
 

Leser *** wiederum hat "reichlich Verbindungen nach China, weil meine Frau dort geboren ist und fast meine ganze Familie dort lebt. 
Wir haben auch jede Menge Freunde dort, in den unterschiedlichsten Positionen. So sind zwei meiner Schwager Unternehmer, unsere beste Freundin dort ist Purchasing Manager. Da ich in letzter Zeit im TV laufend Klagen über den Mangel an Masken und Schutzkleidung in Deutschland und anderen europäischen Ländern gehört habe, habe ich meine Beziehungen etwas poliert. In concreto zu einem Unternehmen in Shenzhen, das dieses Zeug herstellt. Zwar haben chinesische Unternehmen zur Zeit keine Schwierigkeiten, weltweit Abnehmer für die genannten Produkte zu finden, aber es ist mir gelungen, zu verabreden, dass ich bevorzugt einige Lieferungen nach Europa lenken könnte. 
 
Ich habe deshalb an die 20 oder 25 Adressen in Deutschland, der Schweiz und Italien angeschrieben, dass ich Ihnen das Gewünschte vermitteln könnte. Ich hatte sogar meist eine Preis- und Warenliste angehängt. Mit äusserst moderaten Preisen. Unter meinen Adressaten waren Krankenhäuser, Apothekenbedarfs-Shops, Ministerien, Ämter, Grosshändler, Ärzteverbände. Natürlich weiss ich, dass solche Mails auf Misstrauen stossen – schliesslich bin ich selbst ein misstrauischer Mensch. Aber wenn man eine Ware dringend braucht, könnte man so einem Schreiber doch wenigstens mal versuchsweise auf den Zahn fühlen und ihn um genauere Infos bitten, so, wie ich es angeboten habe. Jetzt raten Sie mal, wie viele sich bei mir, bzw. bei meinem chinesischen Kontakt, gemeldet haben: NICHT EIN EINZIGER. 
 
Inzwischen gilt das Angebot nicht mehr. Mein Partner in China ist irritiert. Und ich auch."