Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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26. März 2020


Seherische Fähigkeiten?

Covfeve


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"Das Wort Bürger bedeutet nicht, dass die Bürger für das bürgen, was andere angerichtet haben."
Ralf Stegner (ja, der Stegner)



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Bei Danisch stieß ich auf die Meldung, dass der amerikanische Playboy seine Printausgabe einstellt. Die deutsche Ausgabe erschien bis 2019 im Burda-Verlag – inzwischen haben die verbliebenen Hanseln aus dem Laden eine eigene GmbH gemacht –, wir saßen vor ein paar Jahren Etage an Etage, und schon damals hatte der Laden etwas Anachronistisches. Wer kaufte noch den Playboy? Das alte Lustblatt wirkte in Zeiten der online-Pornographie wie ein Fischerkahn zwischen Kreuzfahrtschiffen. Die einst mehr oder weniger zu recht berühmten Interviews wurden in Zeiten der Politischen Korrektheit immer langweiliger. Du wirst ja inzwischen für einen falschen Satz schneller sozial geächtet, als ein Playmate jemals ihr Höschen ausgezogen hatte.

Apropos: Ich habe mich bei den (neueren) Playboy-Bildern immer gefragt, wie die Fotografen es hinkriegen, Speisen so abzubilden, dass man keinerlei Appetit auf sie bekommt. Diese Mädels waren, zumindest körperlich, immer veritable Hingucker, und doch wirkten die Bilder steril, unsexy und prüde. Diesem Befund entsprach, dass jede zweite Promi-Maus, die sich hatte ablichten lassen, danach kundtat, sie habe große Vorbehalte gehabt, ob sie das tun solle, aber die Fotos seien ja sooo ästhetisch. Also kein bisschen animierend. Das Make him drool fand woanders statt.

Schlagen wir auf der Suche nach dem Grund im Lexikon des Weltwissens nach. "Während Kritiker insbesondere feministischer Couleur betonten, dass der Playboy Frauen zu reinen Sexualobjekten degradiere und die Playmates als glatte, seelenlose und willige Wesen darstelle, kommen jüngere Bewertungen zu durchaus positiven Schlüssen", heißt es in der Wikiedia. "So betonen etwa die Psychologen James Began und Scott Allison in ihrer Untersuchung der amerikanischen Playmates von 1985 bis 2001, dass gerade die Begleittexte – ob nun frei erfunden oder wahrheitsgetreu – das Ideal einer starken, selbstbestimmten und ehrgeizigen Frau vermittelten."

Tatsächlich verkörperten die Playmates den Wandel von den sexuell entspannten Hippietagen in das, was Michel Houellebecq die "Ausweitung der Kampfzone" nannte: Die Ausweitung des Marktliberalismus auf die Sphäre des Sexuellen oder Erotischen. Die Sex-Objekte verwandelten sich in Luxuswaren. Die Playmates wurden abgelichtet wie Sportwagen, schnittig, kalt und blankgeputzt mussten sie aussehen, nichts sollte daran erinnern, dass sie eigentlich zur Benutzung bestimmt waren, kein Detail durfte unvorteilhaft sein, kein Schmutzspritzer den Kotflügel verunzieren. Ihre Miene hatte auszudrücken: Du darfst mich nicht anfassen, Mann von der Straße, es sei denn, der unwahrscheinliche Fall liegt vor, dass du meinen Preis bezahlen kannst. Zugleich zeugten die Models von der Versportlichung und Medikalisierung des Sexuellen; speziell im amerikanischen Playboy kam keine Maid mehr aufs Centerfold, die nicht vorher auf dem OP-Tisch eines Schönheitschirurgen gelegen hatte.

Ich habe einmal einen Bildband durchblättert (ich glaube, vom Taschen-Verlag), der sämtliche Playmates von den Anfängen bis in die späten 1990er zeigte, da ließ sich diese Entwicklung gut verfolgen. Die Leiber wurden immer perfekter und trainierter (und künstlicher), aber am gravierendsten war der Wandel der Blicke und der Mimik vom Einladenden zum Abweisenden, vom Naiven zum Coolen, kurz: das Auftauchen der Preisschilder. Die romantische Idee der 68er, der Mensch werde durch freie Liebe und das Aufbrechen partnerschaftlicher Besitzverhältnisse auf sexuellem Wege emanzipiert, mündete in die "erotische Neidklassengesellschaft" (Peter Sloterdijk). Aus der Gespielin wurde die Trophäe. Die schauten sich zuletzt freilich nur noch ein paar Dorftrottel und Hillbillies an, deren WLAN nicht funktionierte.

"Die Frage ist: Wie geht es mit nackten Brüsten weiter?", überlegt Danisch.

"Femen und all die feministischen Tittendarbietungen in Ermangelung besserer Argumente unter gleichzeitiger Befriedigung urweiblicher Exhibitions- und Darbietungsgelüste haben das Ansehen nackter Brüste ins Gegenteil verkehrt, unter fleißiger Mitwirkung des Feminismus.

In meiner Jugend dachten wir beim Anblick nackter Brüste noch 'oh, geil'. Heute denkt man 'Verdammt, wogegen demonstrieren sie jetzt wieder' und 'welcher feministische Deppentittenshitstorm kommt jetzt?'

Das größte PR-Kapital der Frau hat einen Wertabsturz ins Bodenlose erlebt und der Tittenbroker Playboy damit seinen Absturz."

Das "damit" kann man streichen, ansonsten verhält es sich so.


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"Ich bin zwar nur ein einfacher Diplom-Physiker, aber auch ich lehne es ab, diese Person als Kollegin anzusehen", sekundiert Leser *** einem Kollegen, der sich vor kurzem hier von der Kanzlerin sozusagen fachlich distanzierte.

"Wenn jene Person sich über technische oder wissenschaftliche Themen äußert, habe ich stets den Eindruck von einer Person, die keine tiefere Ahnung davon hat, wovon sie redet, was mir auf Jahr und Tag unbegreiflich gewesen ist. Die Doktorarbeit habe ich nicht im einzelnen nachgerechnet, aber von dem, was ich sehe, war das eine ganz normale 08/15-Dissertation zur Verzierung der Visitenkarte. Bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse habe ich allerdings nicht ausmachen können, aber das ist sowieso nur bei einem sehr geringen Anteil der Dissertationen in diesem Bereich der Fall, die von den wirklich Hochbegabten (zu denen ich freilich nicht gehöre) verfasst werden.
 
Was die Beherrschung der deutschen Sprache angeht, so kann ich mich auch an keinen Physiker entsinnen, der sich dermaßen grotesk auszudrücken beliebt. Gerade die Professoren der theoretischen Physik sind mir durch besondere Sorgfalt in der Wortwahl und Eleganz der Formulierungen aufgefallen."


Leserin *** widerspricht: "Es gibt solche Menschen; mein lieber Ehemann ist so einer. Kein Physiker, aber promovierter Mathematiker – ein sehr guter sogar (nach Aussage einiger in ihren Gebieten nicht ganz unbedeutenden Professoren). Seine Grammatik und sein Wortschatz liegen auf dem selben Niveau von Frau Merkel, und auch wenn er nur halb so alt ist wie sie, wird sich daran wahrscheinlich nicht viel ändern. Mir unterstellt er regelmäßig, mir Worte auszudenken ('Oxymoron', 'Onomatopoesie', in der Anfangszeit unserer Beziehung sogar 'dediziert'), aber wir nehmen es mit Humor. Bei seinen Vorträgen und Artikeln merkt man nichts davon, denn um sich in der Mathematik ordentlich auszudrücken, reichen ca. 100 übliche Floskeln, die man automatisch lernt, wenn man ein paar Voträge gehört
und Artikel gelesen hat. Ich kann mir vorstellen, dass das bei Physik ähnlich ist."


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"Beliebter, als die GEZ erlaubt", kommentiert Leser ***, der mir die Grafik sandte.


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Im SPD-Organ Vorwärts fordern die Autorinnen Nazan Komral und Yasmin Breuer eine erneute Massenimmigration wie 2015. Unter der Überschrift "2015 muss sich wiederholen" verlangen sie, die EU müsse ihre Grenze zur Türkei öffnen. Das wäre zwar für die deutschen Steuerzahler, für die Bildungs- und Sozialsysteme und die Innere Sicherheit ein Fiasco, aber aus SPD-Sicht ist das ein wenn nicht der einzige Weg, die sterbende Partei zu reanimieren. Da ihnen die scheinsozialdemokratische Jacke näher ist als die deutsche Hose, wollen manche Sozis offenbar – es gibt keine andere logische Erklärung – die Muslimische Partei Deutschistans werden.

Was dem Land mit der nächsten Welle drohte, ergibt sich schlüssig aus dieser Betrachtung von Gottfried Curio zum sogenannten Integrationsbericht der "Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration".


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Immer wieder niedlich: deutsche Medienschaffende bei der Marschbefehlsausgabe.

Jetztmuss

Und Südamerika? Asien? Der Galaktische Senat?

"Wer sich von einem Journalisten die Welt erklären lässt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren."
(Selbstzitat in Anlehnung an Karl Lagerfelds berühmte Jogginganzug-Sentenz)