Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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19. Februar 2020

 
"Die besten Menschen sind diejenigen, die sich am besten benehmen."
Mohammed (Muhammad)


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Die "Gemeinsame Erklärung 2018" hat eine Nachfolgerin gefunden; diesmal richtet sich die Petition, die nach dem Erreichen der nötigen Stimmzahl dem Bundestag übergeben wird, gegen den inzwischen alltäglichen Missbrauch des Begriffes "Nazi" im politisch-medialen Tagesgeschäft. Interessanterweise fuchteln vor allem Leute mit dieser rhetorischen Keule, die ansonsten die Unvergleichbarkeit der NS-Verbrechen predigen, was dem Publikum nur die Wahl lässt, entweder an ihrer Zurechnungsfähigkeit oder an ihrer moralischen Integrität zu zweifeln. Wie bei der "Gemeinsamen Erklärung" fungieren wieder Vera Lengsfeld und Henryk M. Broder als Stimmführer.

Wer die Petition zeichnen möchte, findet sie hier.


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Einer der Petenten von 2018 schrieb mir:
"Ich verstehe nicht, warum man an jemanden, der sich ausschließlich von Einbruch ernährt, appelliert, sich dieses unehrlichen Tuns zu enthalten. Er ist nicht die Instanz, das Unwesen abzustellen, das ihn am Leben erhält. Er weiß, was er tut, warum er es tut und daß es ihm nützt. Er ist der Erfinder, der Verbreiter und der Nutznießer dieses Unfugs. Der gewährleistet seine Existenz. Die mit kalkulierter, erfolgreicher Greuelpropanda ihr Ermächtigungsgeschäft besorgen, sind nicht meine Diskussionspartner, was Nazitum ist. Das ist denen schnurzpiepegal. Es soll nicht stimmen sondern wirken, und das tut es."

Das mag ja zutreffen, aber eine Debatte darüber, welche Kriterien ein Mensch erfüllen muss, um als Nazi gebrandmarkt werden zu dürfen, verspricht einen gewissen Aufklärungs- und Amüsementwert.    


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Vor einem Monat habe ich an dieser Stelle einen Leser zitiert, der auf die äußert flexible Betextbarkeit von Beethovens inwischen zur EU-Hymne downgegradeten "Ode an die Freude" hinwies (hier, bis nach unten scrollen). Der Palimpsest wurde unlängst auf der anderen Seite des Ärmelkanals neu beschriftet:

Fuck you, European Union!
Tally-ho, you fuckings pricks!
We are the United Kingdom,
You can eat our spotted dicks!

Das ganze Freudenlied finden Sie hier. (Dass die Brüder es am Ende doch nicht so meinten, drücken wir im Lichte unserer Erfahrung einfach in den Skat.)

Im Übrigen scheinen Spottgesänge auf die EU und ihre Agenten bei den Entsprungenen auf der Insel eine gewisse Konjunktur zu haben; das hier ist auch nicht übel.


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Zur Wahl in Thüringen empfiehlt sich ein Rückblick auf jene großen Zeiten, als die Vorgänger von Rameljow und Genossen dort ganz uneingeschränkt das Sagen hatten (die Kursivsetzung stammt von mir): 

Du großes Wir, du unser aller Willen

Dir, dir verdanken wir, was wir geworden sind!
Den Traum des Friedens kannst nur du erfüllen.
Dein Fahnenrot steigt im Jahrhundertwind.

Das beste Denken gabst du uns zur Lehre.
Sie hat gewandelt uns zum großen Wir.
Marx, Engels, Lenin, Stalin – Macht und Ehre
Verdankt die Wahrheit euch, euch, ihr vier.

Seht, Großes wird vollbracht.
Das Volk schafft sich sein Leben,
Und war der Weg auch schwer,
Ein Jubel sich erhebt.
Seid euch bewußt der Macht!
Die Macht ist euch gegeben,
Daß ihr sie nie, nie mehr
Aus euren Händen gebt!

Mögen Wolken sich auch türmen.
Mag das Dunkel auch die Welt bedrohn:
Du, Partei, bist das Licht!
Seht im Osten den Sieg!

Johannes R. Becher: Kantate 1950, Gewidmet dem III. Parteitag der SED (Gedichte 1949-1958, S. 462ff.)



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Zur Dialektik postheroischer Gesellschaften: Wäre die AfD wirklich gefährlich, würde sich niemand finden, der sie bekämpft.