Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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9. Dezember 2019

 

"Wir brauchen auch heute wieder die visionäre Kraft, mit der Beethoven politisch und vor allem künstlerisch Position bezog. Sein Werk ist ein Zeichen für die demokratischen Errungenschaften eines geeinten Europas und gegen das Erstarken populistischer Rufe nach Abschottung und Ausgrenzung."
Also schlitterte Monika Grütters, die allen Ernstes immer noch so genannte Kulturstaatsministerin, routiniert auf der Schleimspur ins Beethoven-Jahr. Vor allem dies "vor allem" ist unbezahlbar! Und erst des Tonsetzers Einsatz für Frauenrechte und gegen Islamophobie!

Repräsentative Demokratie bedeutet, dass man öffentlich überwiegend von Figuren repräsentiert wird, mit denen man privat kein Wort wechseln, denen man nicht die geringste seiner Privatangelegenheiten anvertrauen würde. (Wir wollen nicht darüber reden, dass vor 100 Jahren noch jeder zweite deutsche Politiker Beethoven spielen konnte.)


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"Daß Kunstempfinden die Empfängnis einer Offenbarung bedeutet – nur daß hier der Intellekt blind und die Seele sehend wird –, zeigt sich in der plötzlichen, intuitiven, erleuchtenden Gewalt des Vorgangs."
Rathenau


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Da ich seit und vor allem wegen der Entlassung von Claas Relotius den Spiegel boykottiere, bemerkte ich erst mit großer Verspätung, dass eine Dame mit zwei Interview-Antworten im Grund alles zur sogenannten Me-too-Debatte gesagt hat, wobei es im Wesen der Sache liegt, dass es sich um eine Madame handelt, um Juliette Binoche nämlich, die im Hamburger Hochqualitätsmedium Anfang des Jahres zu Protokoll gab:

"Wenn Sie klar und selbstbewusst Nein sagen, sind Sie in Sicherheit, dann gehorchen die Männer. Dann heißt nicht anfassen auch nicht anfassen." (Gilt zumindest für Europäer.)

Und:

"Ich habe ja nichts dagegen, begehrt zu sein, auch nicht, verführt zu werden. Aber es darf dann ruhig ein bisschen subtiler sein."

Mehr ist dazu wohl nicht zu sagen.


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Gefunden beim Festplatte-Aufräumen:

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In Rede steht Dieter Kunzelmann, von 1983 bis 1985 Abgeordneter der Grünen in Berlin. Die Quelle kann ich nicht verifizieren*; ist auch nicht wichtig, weil das in den nächsten Jahren eh immer mehr zur offiziellen rot-grünen Position wird. Wetten?

* Mehrere Leser haben die Quelle beigesteuert, das Zitat findet man sogar in der Wikipedia; wer Augenpulver und exotische Zeitgeistreisen mag, forsche hier danach.


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Immer wieder fährt der Kulturmensch gern nach Berlin, in die beste Haupstadt, die 'schland je hatte. Sollte ich je um einen Werbe-Claim für den "Reichshauptslum" (Don Alphonso) gebeten werden, ich weiß einen: Berlin. Pass bloß auf, wo du reintrittst.


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Ganz anders die Hauptstadt der "Kein Bier für Nazis"-Bewegung. Der BR teilt mit: "München gilt als die sicherste Großstadt Deutschlands" – noch vor Augsburg, wo gerade "Gruppen" negative Schlagzeilen machen –, "und dennoch: Viele Frauen beschleicht nachts auf dem Nachhauseweg oder beim Warten an der Bushaltestelle ein mulmiges Gefühl. Auch eine positive Polizeistatistik hilft nicht gegen die Angst vor Übergriffen. Die Grünen im Münchner Stadtrat haben deshalb einen Antrag eingebracht, der heute beschlossen wurde: Ab März 2020 soll es Fünf-Euro-Taxigutscheine geben für die nächtliche Fahrt nach Hause."

Eine positive Polizeistatistik, was mag das sein? Mehr Festnahmen als Straftaten? Volle Knäste? Oder eher völlig leere? Na egal; jedenfalls erleben gerade die feschen Münchner Mädels mulmige Momente, wenn sie aus den Armen ihres Gspusis in die Dunkelheit entlassen werden, völlig grundlos zwar – aber seit wann haben Frauen Gründe? –, und die grüne Fachpartei für  eingebildete Bedrohungen sieht eine weitere Gelegenheit gekommen, mit anderer Leute Geld Gutes zu bewirken. Die Rechtspopulisten schüren Ängste und Vorurteile, die Grünen bauen sie wieder ab. Für fünf Euro kommen Sie in München immerhin vom U-Bahnhof Odeonsplatz bis zur Staatsoper; dann hat frau das Schlimmste hinter sich. 


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"Aufrecht in den Untergang. – Die Energiewende gefährdet den Wohlstand vieler Deutscher. Trotzdem flirtet bei der Parlamentswahl die Hälfte von ihnen mit dem Kohle-, Gas- und Atom-Ausstieg" (hier).


"Wo Studenten Dozenten bespitzeln. – Wer sich systemkritisch äußert, muss mit unliebsamen Konsequenzen rechnen." Gibt es so etwas tatsächlich? Ja, und zwar hier.    


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Mehr noch als Foie gras und Kaviar ist momentan das Klima in aller Munde. "Es gibt keinen Zweifel mehr: Der Klimawandel nimmt an Fahrt auf", schallt es froh von der Hamburger Relotiusspitze. Der Wandel nimmt an Fahrt auf: Ob die Genossen im Norden die Textchefs aus CO2-Gründen inzwischen einsparen?

Es gibt zum fahrtaufnehmenden Wandel – unter dem Titel "Klimafragen" – jetzt auch eine Art Petition. Sie stellt tatsächlich nur Fragen, ist also ziemlich subversiv, denn über uns kam zuletzt nicht nur das Buch, in dem keine Zweifel ist, sondern auch die menschengemachte Klimakatastrophe, die zu bezweifeln (oder deren Bekämpfung mit dummen Fragen aufzuhalten) die momentane schlimmste Form der Blasphemie bildet. Unterzeichner können sich in den Kreis der Frager einreihen.

Auf der Klimafragen-Webseite fand ich die Maxime: "Wenn es Wissenschaft ist, gibt es keinen Konsens. Wenn es Konsens gibt, ist es keine Wissenschaft" (Michael Crichton).

Davon zeugen auch zwei Mitschnitte von Expertenanhörungen im Bundestag, die von den demokratischen Konsensvollstreckungsparteien gewisslich verhindert worden wären, doch seit echte Nazis im Bundestag sitzen, herrscht dort plötzlich Pluralismus, pfui Deibel! Zunächst zweifelt der hier schon unlängst einmal erwähnte Piers Corbyn, missratener Bruder des Labour-Chefs, sodann, schon etwas zurückliegend, ein israelischer Klimacaustleugner. Genießen Sie die letzten Tage der Skepsis!


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"Wäre es nicht langsam an der Zeit, Stolpersteine für die Opfer der Willkommenskultur zu setzen?", erkundigt sich Leserin ***.

Nein, noch lange nicht. Gott segne die Bundeskanzlerin!