Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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5. Dezember 2019


Lebten wir tatsächlich im besten Deutschland, das es je gab, wäre nie ein Mensch auf diese latent hysterische Formulierung gekommen.


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Wenn ich die prognostizierte und offenbar gewünschte Bevölkerungsentwicklung in Europa betrachte, schiene mir eine Erwärmung um vier Grad bis zum Jahrhundertende willkommenskulturell geradezu geboten (wobei ich unter diesem Blickwinkel auch keine begründeten Einwände gegen eine Erwärmung um, sagen wir, hundert Grad wüsste).


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Eben lief im ICE (Nr. 944 auf der Fahrt von Weiß-ich-nicht nach Düsseldorf) folgende Information über den Bildschirm:

+++ Achtung, dieser Zugteil ist WLANfrei. Sie werden heute nicht von unnötigen Werbemails genervt und können entspannt reisen. +++

Prima! Endlich! Ich bin ja in der Regel weniger von Werbemails genervt als von der Geschwindigkeit, mit der sich die Seiten im ICE-Netz aufbauen, aber egal, ich hoffe, diese Aktion wird fortgesetzt. Etwa:

+++ Achtung, dieser Zugteil ist unbeheizt. Sie werden heute nicht von unnötigem CO2-Ausstoß genervt und können noch klimaneutraler reisen. +++
+++ Achtung, dieser Zugteil ist gastronomiefrei. Sie werden heute nicht von Sodbrennen und unnötigen Blähungen genervt und können nüchtern reisen. +++
+++ Achtung, dieser Zugteil ist weiberfrei. Sie werden heute nicht von unnötigem Geschnatter genervt und können erotisch unabgelenkt reisen. +++
+++ Achtung, dieser Zugteil ist nazifrei. Sie werden heute nicht von unnötigen Hass- und Hetzreden genervt und können leitkulturlos reisen. +++
+++ Achtung, dieser Zugteil ist ausländerfrei. Sie werden heute nicht von unnötiger sexueller Anmache genervt und können ohne Angst vor Messern reisen. +++
+++ Achtung, dieser Zugteil ist doch nicht wie angekündigt grünenfrei, die haben sich wie immer reingeklagt. Benutzen Sie Ihre Kopfhörer; eine Erleichterungstüte finden Sie bei Bedarf an der Rückenlehne des Vordersitzes. +++

To be continued.


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"Satire darf alles." (Tucholsky). Nur nicht überall. Beim MDR beispielsweise nicht so richtig. Wer die Kommentare zur Entfernung von Uwe Steimle aus dem staatlichen Betreuungs-TV liest – zur "Steimle-Stummschaltung" (Leser ***) –, wandert zwischen zwei unvereinbaren Soziotopen: Meinungsfreiheitsforderern zur Rechten, Maulkorbzwangsgutheißern zur Linken.

Die Linke hat heute nichts mehr anzubieten, weder intellektuell noch im Sinne des Appeals; von dort kommen nur noch Rufe nach Zensur, Beschimpfungen, Verbotsakklamationen, "Maul halten!", "Nazi!" und "Gut so!" Die haben fertig.

Erinnert sich noch jemand?

1982 hannoverfreiheit im beruf1980 demo stuttgart02spd011977 einstellungsgespraech staeck plakat

Nicht die Zweite deutsche Republik, sondern die Deutsche Zweierlei-Maß-Republik.


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Während die Mama für das neuerdings von ihr geführte Parteiüberbleibsel von 30-Prozent-Ergebnissen tagträumt, löschte das noch fortschrittlichere Töchterlein diesen Tweet (leider zu spät): 


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Deutschland den Sozen, Ostdeutsche raus!
Deutschland den Sozen, Ostdeutsche raus!
Und jetzt alle:
Deutschland den Sozen, Ostdeutsche raus!


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"Seltsamerweise wird Merkel dies in Deutschland nur selten zum Vorwurf gemacht: Sie setzte und setzt weiterhin enorme Kreditsummen und politische Energie für den Verbleib des kleinen Griechenland in der Eurozone ein, aber trug vermutlich gleichzeitig – wenn auch sicher nicht mit Absicht – zum Austritt des zweitgrößten Mitgliedslandes aus der Union bei."

Ferdinand Knauß, "Merkel am Ende"


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"Trennung, Arbeitslosigkeit, Alkohol- und Drogenmissbrauch gehören zu den großen Risikofaktoren bei Frauenmorden – und diese ereignen sich vor allem in Beziehung und Familie. Zu diesem Schluss kommt eine Arbeitsgruppe, die angesichts einer Häufung schockierender Frauenmorde zu Beginn des Jahres noch von der alten Regierung eingesetzt wurde", meldet der Staatsfunk aus der Ostmark. Genau so habe ich mir das als vorurteilsfreier Mensch angehörs der Häufung schockierender Frauenmorde dort- und hierzulande gedacht! Bestimmt, habe ich mir gedacht, ging es da um Trennung und Arbeitslosigkeit, vielleicht auch um Alkohol. Es kann ja nicht sein, habe ich mir gedacht, dass das einfach so und ohne jeden Risikofaktor plötzlich abgeht! In Wirklichkeit, habe ich mir gedacht, handelt es sich um Trennungs- und Arbeitslosigkeitskriminalität. Wenn die Ösis (und die schon länger in 'schland Lebenden) endlich ein allgemeines Recht auf Arbeit hätten, wie es in der DDR herrschte, dann sänke die Zahl der schockierenden Frauenmorde mindestens um die Hälfte. In der DDR gab es natürlich auch Trennungen, aber nie habe ich gehört, dass eine in ihrem gesetzlich gesicherten Arbeitsverhältnis ruhende sozialistische Persönlichkeit seine Frau, Partnerin oder Genossin Gespielin mit einer Axt frikassiert, ihr die Kehle durchgeschnitten oder sie mit 70 Messerstichen aus dem Kollektiv verstoßen hätte, wie es plötzlich immer mehr Deutsche und Österreicher unter dem Einfluss des rückständigen Frauenbildes der Rechtspopulisten und aus Arbeitsmangel tun. Nie hat ein DDR-Bürger seine Frau an ein Auto gebunden und durch die Straße geschleift, auch dann nicht, wenn er tatsächlich eins hatte. Er besaß ja einen sicheren Arbeitsplatz! Und Trennung von der Alten daheim hin oder her, die Partei hielt an ihm fest...

Der Westen und die Ostmärker müssen noch viel darüber lernen, wie man Risikofaktoren verkleinert!