Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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14. Oktober 2019


"Im Nachmittagsmagazin von ARD, ZDF, SpiegelTV und Phoenix machten sich die Reporter auf zu eine Straßenumfrage, um zufällig passierenden Passanten die Frage zu stellen: 'Was würden Sie gern der Bundeskanzlerin sagen?'
Mit so einer Antwort, wie sie dieser Mann gab, hat wohl keiner gerechnet, er sagte: 'Sie sind verhaftet.'"

Solange dem mit einigem Abstand besten deutschen Satiriker die Galle so süß wird...


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Was hat den Hallenser Juden das Leben gerettet? Abschottung!


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Der Guardian ist praktisch die englischsprachige Süddeutsche.


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Sie alle kennen –, nein, nicht die wilde Schwermut, die uns bei der Erinnerung an Zeiten des Glücks ergreift, sondern die Ankündigung, ein Buch erscheine gerade zur rechten Zeit oder, noch termingenauer, zum richtigen Augenblick. Eine solche Schrift ist die erste Publikation der Jüdischen Bundesvereinigung in der AfD, kurz JAfD, erschienen unter dem Titel: "Was Juden zur AfD treibt".

Ich hatte die Gelegenheit, die Gründungspressekonferenz der JAfD live zu erleben. Beim anschließenden Frage-Antwort-Spiel traten die Medienvertreter routiniert auf die üblichen moralischen Hühneraugen und versuchten, die gewohnten Reflexe auszulösen. Der Effekt war gleich Null; die auf dem Podium blieben völlig unbeeindruckt und zogen stattdessen so elanvoll vom Leder, dass einigen Journalisten ganz blümerant zumute gewesen sein mag. Eure Tabus sind nicht unsere, lautete die frohe Botschaft, wenn ihr jemanden ins Bockshorn jagen wollt, sucht euch dafür jemand anders.

Dieselbe Libertinage herrscht in der JAfD-Broschüre. Nach den Maßgaben der Aufmerksamkeitsökonomie – Mann beißt Hund – müsste das Büchlein derzeit durch sämtliche Medien geistern, aber eine wirklich freie Presse entscheidet natürlich ganz allein, was sie thematisiert und was nicht. Der Titel ist überaus präzise gewählt: Was Juden zur AfD treibt – treibt, wohlgemerkt, nicht unbedingt zieht. Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle waren im Netz vereinzelte Kommentare von AfD-Leuten zu lesen, der Art, es seien zu Halle doch Deutsche umgebracht worden und keine Juden, warum drücke sich die Kanzlerin dann in einer Synagoge herum (über die Verlogenheit dieser Geste habe ich meinen Teil gesagt), womit Juden also gewissermaßen die deutsche Volkszugehörigkeit abgesprochen wurde. Ob das nun dämlich oder antisemitisch ist, will ich nicht entscheiden müssen; auch hier gilt der Satz, man möge nicht gleich Bosheit unterstellen, wo Blödheit als Grund hinreicht. Selbstredend gibt es in der AfD Antisemiten, vielleicht nicht ganz so viele wie bei den Linken, Grünen und Sozen, jedoch ausreichend viele, um sich als Jude nicht direkt bzw. rund um die Uhr angezogen zu fühlen.

Aber hier geht um die Treiber. Einer der Autoren, Wolfgang Fuhl, stellvertretender Bundesvorsitzender der JAfD, zitiert dazu den Herausgeber der Jüdischen Rundschau, Rafael Korenzecher, mit der Feststellung: "Nun ist die neue Opposition mit ihren nicht zu übersehenden deutlich rechtslastigen Problemen ganz sicher weder auf uns Juden maßgeschneidert noch unser Wunschkind. But this is what we got – mehr haben wir nicht. Und das ist beschämenderweise immer noch viel, viel mehr als uns die etablierten linkslastigen und Islam-affinen Judenhass-Dulder und Israel-Dämonisierer bieten."

In den an Gottfried Benns "Ptolemäer" angelehnten Kapiteln "Lage" – "Defekte" – "Bestände" sind Aufsätze jüdischer Intellektueller versammelt, die entweder mit der deutschen Schwefelpartei sympathisieren oder ihr selbst angehören. Die Autoren, zwischen 1949 und 1996 geboren, sind, wie man sagt, in der Welt herumgekommen – ich liste spaßeshalber ein paar Geburtsorte auf: Charkow, Los Angeles, Odessa, Weil am Rhein, Jerusalem, Taschkent, Brüssel, Boston, Alexejewka (Kirgisistan) –, sie arbeiten als Unternehmer, IT-Spezialist, Journalist, Ingenieur, Dozent, Ärztin etc., die meisten haben Kinder und einen deutschen Pass.

Was also "treibt" diese Leute in eine Partei, die nach den Erkenntnissen solcher eminenten Drauf- und Durchblicker wie Annegret Kramp-Karrenbauer oder Michael Roth (SPD) den "parlamentarischen Arm des Rechtsextremismus" bildet? (Die Frage, wo dann wohl dessen Kopf zu verorten sein mag, verkneife ich mir mal.) Die ziemlich überraschende Antwort lautet: Es ist die Ausbreitung des Islam und damit der muslimischen Judenfeindschaft nach Europa.

Anstatt, wie die Kanzlerin rät, solchen letztlich ja nun doch wohl ziemlich unbegründeten Ängsten mit Flötenspiel, dem gelegentlichen Singen von Volksliedern und dem Vertrauen auf die wachsende Zahl importierter Führerscheinprüfungsabsolventen zu begegnen, kritisieren diese Schwefeljuden die anhaltende Massenmigration von Feinden, Verächtern oder Nichtverstehern der offenen Gesellschaft, den Parteienblock der undifferenzierten Einwanderungsbefürworter, die kanzleramtsnahen Medien, die Erweiterung des deutschen Grundrechts auf Israelkritik zur öffentlichen Grundpflicht, nebenbei auch das grünrote Familienbild – und nicht zuletzt den Zentralrat der Juden. Bereits im Vorwort versichert Arthur Abramovych, Student der Neueren deutschen Literatur und stellvertretender JAfD-Bundesvorsitzender, es gehe den Autoren auch darum, "das Deutungsmonopol des Zentralrats in seine Schranken zu verweisen".

Von einem "Zentralrat der Hofjuden", der heute darüber entscheidet, "welche Juden rein und welche unrein sind", spricht recht unflätig gar Olli Weksler, der als Kontingentflüchtling nach Deutschland einwanderte, Informatiker, Webdsigner, ehedem Robotik-Student in Moskau. Der Zentralrat könne lediglich für die Mehrzahl der bei ihm organisierten Juden sprechen, sekundiert Wolfgang Fuhl, der zweite stellvertretende JAfD-Bundesvorsitzende, und das sei allenfalls die Hälfte der ca. 200.000 in Deutschland lebenden Juden; die Mitglieder von Chabad, der derzeit am schnellsten wachsende Gruppe, gehörten übrigens nicht dazu.

Weksler kam 1992 nach Deutschland, und wenn er heute erlebt, "was für Ungeheuer der Menschheit aus Netanyahu, Bush, Orbán, Kwasniewski und nun Trump gemacht werden", fühlt er sich an "Hetzkampagnen der UdSSR" erinnert. Überhaupt verblüfft den Neudeutschen hierzulande einiges. Zum Beispiel, dass er als Jude von Leuten in die rechte Ecke gestellt werde, welche, wie etwa die "Mohns und alle übrigen Bertelsmänner", auf Vorfahren zurückblicken, die "eingefleischte Nazi-Propagandisten waren, genauso wie DuMont & Co, deren Nachkommen unzählige SPD-Zeitungen verlegen und dabei auch Israel bekämpfen". Oder der Abbas-Lober Martin Schulz, der Israel-Beschimpfer Sigmar Gabriel, "viele ehemalige Kommunisten und Maoisten in Amt und Würden, aktuell Steinmeier und Kretschmann". Oder aber, nicht lange nach seiner Ankunft, die Ernennung des vormaligen Linksextremisten Joseph Fischer zum Außenminister. Dazu der Anwalt von Horst Mahler Bundeskanzler, der von Gudrun Ensslin Innenminister, all das "rundete für mich das Bild der neuen Führungsriege des Landes ab".

Aber schlimmer geht bekanntlich immer. "Seit der illegalen Grenzöffnung vom 5. September 2015" – der regierungsskeptische Judenlümmel weiß offenbar nicht, dass der XXS-Carl Schmitt der Kanzlerin, Professor Thym aus Konstanz, alternativlos bewiesen hat, dass es weder eine Öffnung gab noch irgendetwas Illegales geschehen ist, mithin also ca. zwei Millionen Afrikaner und Orientalen völlig legal neu hier sind und z.T. beachtliche Straftaten auf ihre schuppigen Scheitel gehäuft haben –; "seit der illegalen Grenzöffnung" – die eigentlich bloß eine Nichtgrenzschließung gewesen ist, mit welcher die Kanzlerin das Recht keineswegs brach, sondern vielmehr schützte – "sitzen meine gesamte Großfamilie, viele meiner jüdischen Verwandten und Bekannten fast buchstäblich auf gepackten Koffern. Bis dahin wählen sie aber alle nur die AfD." Was ja wohl ein hinreichender Grund ist, sie ins Ausland zu treiben! 

Emanuel Bernhard Krauskopf, Sohn eines aus Polen stammenden Irgun-Kämpfers und einer deutschen Jüdin, aufgewachsen in Belgien, der Schweiz, Israel und Deutschland, Diplom-Ingenieur für Maschinenbau, beruflich tätig in Fernost, in den USA und in der islamischen Welt, Mitglied der Jüdischen Gemeinde von Berlin, verheiratet mit einer amerikanischen Jüdin, Vater von vier Kindern, eine typische völkische & Rechtspopulisten-Biografie also, die in der AfD enden musste, Krauskopf erinnert daran – sofern man an Dinge erinnern kann, die hierzulande kaum jemand überhaupt erfahren hat –, dass 1962, als Algerien unabhängig wurde, die Regierung ein Gesetz erließ, wonach nur Muslime Staatsbürger werden konnten. Daraufhin verließen alle 150.000 algerischen Juden das Land, die meisten nach Frankreich. Diese Absetzbewegung war nur eine von vielen; fast eine Million Juden zogen es vor, aus den unabhängig gewordenen islamischen Ländern zu flüchten, eines der zahlreichen Tabuthemen im Westen, wo man gehalten ist, das Ende der Kolonialzeit uneingeschränkt positiv zu bewerten. Doch seit Barack Obama, Angela Merkel und progressive westliche Regierungen, seit EU und UN und inzwischen auch der Papst die neue Völkerwanderung eingeleitet haben, müssen die nach Europa geflohenen Juden – die dort bereits sesshaften natürlich auch – beobachten, wie sich der muslimische Judenhass hier breitmacht, wie sich die No-Go-Zonen für sie ausdehnen. Wenn etwas empirisch sicher ist, dann dass sich der islamische Extremismus mit der Einwanderung von Muslimen verbreitet, egal wie friedlich die Mehrheit der Muslime ist. 

"Jüdische Schüler, die gemobbt werden, Kippah-Träger, die angefeindet werden, Rabbiner, die auf offener Straße zusammengeschlagen werden, Polizeischutz für Synagogen und jüdische Gemeindehäuser, die Ermordung des jüdischen Mädchens Susanna, deren Tod im muslimischen Umfeld des Täters bejubelt wurde, nachdem ihre Zugehörigkeit zum Judentum publik geworden war", fasst Fuhl die Lage in Deutschland zusammen; andere Länder, voran Frankreich, sind, was Gewalt gegen Juden betrifft, schon weit fortgeschrittener.

Über Jahrzehnte seien "das religiöse Christentum und das Judentum (speziell auch in Israel)" von den intellektuellen Wortführern "auf das Heftigste" kritisiert worden, notiert wiederum Krauskopf. "Den Islam aber schlossen diese Menschen ins Herz."

Hier muss ich einhaken. Eine Herzenssache war der Islam für deutsche und vor allem französische Linksintellektuelle nur vor dessen dritter großer Expansion nach Europa, in den romantischen Zeiten der Neuen Linken, den späten 1970ern. Michel Foucault und der schon erwähnte Joseph "Stalin-war-so-ein-Typ-wie wir" Fischer haben 1979 die islamische Revolution im Iran begrüßt, wobei der feistforsche Fischerjockel auch als Mullah eine ädaquate Figur abgäbe, während der schwule Philosoph dort wohl eher am Baukran geendet wäre. Fabelhaft war, wie der fromme Asket Fischer seine Parteinahme begründete: Die iranische Revolution sei "gegen das Eindringen des konsumistischen Atheismus der westlichen Industriegesellschaften" gerichtet gewesen.

Doch seitdem sich die islamische Revolution bis auf deutsche Weihnachtsmärkte und französische Strandpromenaden durchgesetzt hat, sind sogar viele linke Herzen enger geworden; was die Linke heute an die Seite der Moslems treibt, ist ihre witternde Feigheit; die meisten Linken verspüren eine luftabschnürende, handfeste Angst vor den Reinheitsvollstreckern des koranisch Gebotenen; sie beherrscht gerade jene Intellektuellen und Pressbengel, die mit dem Begriff "Islamophobie" herumfuchteln, weil ihr religionskritischer Impetus mit dem Auftauchen des ersten tatsächlichen religiös befeuerten Drohkollektivs in ihrem bundesrepublikanischen Schrebergarten prompt erloschen ist und sie sich lieber aus der Schar der möglichen Aggressionsobjekte davonstehlen wollen.

Den Terminus "Islamophobie" stamme vom "seinerzeit wichtigsten Islamofaschisten" Ayatollah Chomeini und der "Organisation für islamische Kooperation" OIC, hält Krauskopf fest. Chomeini habe den Neologismus erfunden, um iranische Frauen, die keine Schleier oder Kopftücher tragen wollten, als pathologische Figuren zu verunglimpfen. Die OIC erklärte die "Islamophobie" zur "zeitgenössische(n) Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit", und heute tragen nützliche Idioten im Westen die Propagandaformel in die Köpfe der Falsch- oder Ungläubigen, zu denen sie selber gehören.

Merke indes, Leser: Fremdenfeindlichkeit entsteht vor allem durch die Einwanderung von feindlichen Fremden!

"Die Hoffnung auf einen auf Menschenrechten aufbauenden Sonderweg eines europäischen Islams ist tot. Muslime, die heute noch für diesen Weg kämpfen, brauchen Personenschutz", fährt Krauskopf fort. "Vor Allah sind zwar alle Muslime gleich, egal ob schwarz, weiß oder braun. Die islamische Apartheid richtet sich aber gegen Nichtmuslime. Es handelt sich mithin um eine typische Form von Apartheid, wie sei der Linken vorschwebt." Der "links-muslimischen Erweiterung des Rassismus-Begriffs um die Kultur" müsse der Kampf angesagt werden, "genau dieser Humbug, eine Variation von Chomeini und OIC, dient dazu, eine kritische Diskussion über die Unvereinbarkeit des Islams mit unserer deutschen und europäischen Kultur abzuwürgen." Es sei die Aufgabe der Opposition, "die Gesellschaft aus diesem intellektuellen Würgegriff zu befreien".

(Hört sich fast an wie Pegida, allerdings scheint für die meisten Medienschaffenden noch eine unübersteigbare Kluft zwischen den Kategorien oder auch Entitäten "Jude" und "Nazi" zu existieren. Das muss nicht so bleiben. Nur Mut! Es ist ein kleiner Schritt für den Journalisten, aber ein großer Schritt für den Qualitätsjournalismus! Auch AfD-Juden sind Nazis! Nazijuden. Klingt anfangs etwas ungewohnt, aber geht doch. Nazijuden. Nazijuden. –)

Der amerikanische Historiker Daniel Pipes, Islam-Spezialist und Berater mehrerer US-Regierungen, führt einen bemerkenswerten neuen Begiff ein. Was die Presse gemeinhin als rechts, rechtspopulistisch völkisch oder nationalistisch bezeichnet, nennt er "zivilisatorisch", denn diese Leute seien "vornehmlich bestrebt, die westliche Zivilisation zu erhalten". Juden in Frankreich etwa stellten weit weniger als ein Prozent der Bevölkerung, erlitten aber 40 Prozent aller rassistisch und religiös motivierten Gewalttaten, und zwar nicht durch schon länger in Frankreich lebende Franzosen. Umfragen zufolge denke jeder dritte europäische Jude über eine Auswanderung nach – nicht wegen der Rechtspopulisten. Gewiss, einige dieser Zivilisationisten "behalten rassistische, verschwörungstheoretische und bornierte Ansichten über Juden bei." Aber sie seien nicht das Hauptproblem der Juden, "keine Bedrohung im Stile der 30er Jahre", sondern "eine gesunde Antwort auf ein außerordentliches Problem". Wo Zivilisationisten regieren und strenge Einreisekontrollen durchführen, lebten Juden sicherer, etwa in Ungarn, wo keinerlei antisemitische Übergriffe bekannt seien.

Liebe Kinder, holt bitte eure Hefte hervor und schreibt euch auf: Der Rechtspopulismus ist eine gesunde Antwort auf ein außerordentliches Problem.

Die amerikanische Journalistin Orit Arfa, die seit einiger Zeit in 'schland lebt, schreibt: "Ich habe einige AfDler getroffen. Und ich weiß, dass es sehr gute Menschen sind.... Sie kämpfen für die Sicherheit ihrer Familien, für die Werte der wahren Gerechtigkeit und Freiheit." Die wonnige Maid vergleicht die AfD mit den Bewohnern von Gush Katif im Gazastreifen, die im Rahmen des sogenannten Sharon-Planes im Sommer 2005 ihre Häuser räumen mussten, und, da sie sich sträubten und vor der Hamas warnten, von den Medien als Extremisten verunglimpft wurden. "Die Erfahrung in Gaza lehrt mich, wie Medien und Regierung eine ganze Bevölkerung verunglimpfen können." Diese Siedler seien "jung, schön und cool" gewesen, religiös, "aber keine Fanatiker", und doch wurden sie als Extremisten stigmatisert, "als ob es nichts Extremes daran gäbe, Juden am hellichten Tag aus ihren Häusern zu zerren oder eine Million Menschen aus fragwürdigen Ländern ungehindert über die Grenzen ins Land zu lassen". Die Juden in der AfD seien für Deutschland dasselbe, "was die Siedler von Gush Katif für Israel sind". Im Übrigen hätten sich deren Prophezeiungen bewahrheitet, dass nach dem Rückzug Israels aus dem Gazastreifen von dort der Terror kommen werde.

"Die palästinensische 'nationale' Frage" sei zu einem "Dogma der Progressiven" geworden, erklärt der Israeli Boaz Haetzni, dessen Vater 1938 aus Deutschland emigrierte. "Sie sind gegen jedweden Nationalismus mit Ausnahme des 'palästinensischen', da dieser ein Werkzeug zur Zerstörung Israels darstellt."

Wir haben es mit einem phänomenalen Wandel zu tun. Ahasver ist sesshaft und "rechts" geworden. In den Worten von Alain Finkielkraut: "So verändert sich das Image des Juden: Inzwischen ist er der Verwurzelte." Das hat selbstredend Folgen für das Verhältnis der – eher rechten – Israelis zu den – eher progressistischen – westeuropäischen Juden. "Die Staatsräson wird die israelische Regierung letztlich dazu bringen, sich über die Bedenken der örtlichen jüdischen Gemeinden hinwegzusetzen und mit den Zivilisationisten zusammenzuarbeiten, während die europäischen Juden weiterhin auswandern und ihren eigenen Einfluss zunehmend verringern werden", prognostiziert Pipes.

Mittlerweile dämmere es so manchem Juden, "dass er keinerlei Anlass hat, sich geschmeichelt zu fühlen, wenn auf seine Kosten zu Toleranz aufgerufen wird", heißt es im Epilog von Arthur Abramovych. Das Modewort "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" konterkariert der Student mit der Frage: "Können sie (die linken Juden – M.K.) sich wirklich nicht vorstellen, dass es Unterschiede zwischen Menschengruppen gibt und mithin auch Gründe, bestimmte Menschengruppen abzulehnen und andere nicht?"

Das Buch können Sie hier bestellen oder auch hier.


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PS: Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle schrieb die JAfD zu einem Bild, das Kanzlerin Angela Merkel am Abend des Anschlags "in stiller Trauer" vor der Berliner Neuen Synagoge zeigte: "Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und ihre PoC-Fanboys und -Girls haben nur darauf gewartet, sich endlich mal wieder als Beschützer der Juden inszenieren zu können. Wurde auch mal wieder Zeit nach den ganzen islamischen Attacken der letzten Wochen und Monate."



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Man müsse den politischen Gegner "bis aufs Messer bekämpfen" – wer hat's gesagt?

Abu Bakr al-Baghdadi? Lenin? Hermann Göring? Rosa Luxemburg? Der Alte vom Berge? Recep der Prächtige? Die Antwort hier.



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"Auffällig" findet Leser *** die "Fehl-Früh-Fern-Diagnose des Ecklädchens vom 10. Oktober zum gärigen Stephan Balliet aus Benndorf: 'ein rechtsextremes Waschbretthirn, ein aggressiv narzisstischer Nachahmungstäter und Dafür-sein-restliches-Leben-Wegschmeißer, aber gottlob ein Schwachkopf', wohingegen sein Anwalt aus eigener Beobachtung etwas ganz anderes feststellt: 'Sein Mandant sei intelligent, wortgewandt, aber sozial isoliert. Auslöser für die Tat sei gewesen, dass er andere Menschen für eigene Probleme verantwortlich mache', sagte Rechtsanwalt Hans-Dieter Weber dem Südwestrundfunk."

Ein anderer Leser war der Meinung, ein Kerl, der sich Schusswaffen selber zusammenbastle, könne nicht wirklich dämlich sein.

Im letzeren Sinne mag der Einwand zunächst berechtigt sein, allerdings bleibe ich bei meiner Einschätzung, der ich ja ein "gottlob" beifügte. Balliet war offenkundig zu blöd, seinen geplanten Massenmord in die Tat  umzusetzen. Nichts von dem, was er vorhatte, funktionierte. Er zerschoss einen Reifen seines eigenen Autos. Er legte, nachdem er nicht an sein eigentliches Ziel kam, irgendwen um. Er schoss mehrfach auf eine bereits tote Frau. Was er während seines Amoklaufes vor sich hin brabbelte und für die Nachwelt mitschnitt, zeugt ebenfalls weder für Wortgewandtheit noch für Intelligenz. Seine Äußerungen weisen ihn als rechtsextremes Waschbretthirn aus, sein Video ist das eines Narzissten. Womöglich habe ich mich mit der Formulierung geirrt, er habe sein Leben für fünf Minuten Ruhm weggeschmissen. Da gab es wohl nichts wegzuschmeißen.