Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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7. September 2019



"Wir müssen endlich mit gleicher Münze zurückzahlen. Wenn die uns 'Klimaleugner' nennen, dann sollten wir sie durchgängig als 'Klimalügner' bezeichnen.
Wenn die uns "Abgehängte" nennen, dann sollten wir sie 'Durchgeknallte' heißen.
Wenn sie uns als 'Pack' beschimpfen, dann sollten wir sagen, was sie sind: 'nutzloses, bohèmisiertes Lumpenproletariat'.
Wenn sie uns als 'besorgte Bürger' diffamieren wollen, sollten wir sie als 'Wetter-Hosenscheißer' bezeichnen."
(Leser ***)


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"Unter unsern heimatlichen Dächern
Leiden wir die Herrschaft von Verbrechern,
Ja, sogar die mittelhohen Stellen
Sind durchaus besetzt mit Kriminellen.
Kurz, mir ward das Vaterland zur Fremde.
Andrerseits, gern heb ich dir das Hemde, ..."

Peter Hacks, irgendwann in den 1990ern


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In der islamischen Welt, zumindest im großen frommen Teil derselben, sind drei essentielle Dinge unter Tabu gestellt: der Wein, der Frauenkörper und die geistige Libertinage, die religiöse Skepsis inbegriffen (bei den ganz Orthodoxen obendrein noch die Musik und die darstellenden Künste). Das ist der Grund, warum dort keine res publica existiert und so etwas wie savoir vivre nahezu unbekannt ist, denn es fehlt die Dame als Zentrum des gesellschaftlichen Rituals, wie das im Westen mehrere Jahrhunderte die schöne Regel war, es fehlt überhaupt die Frau als Fetisch maskulinen Werbens und Konkurierens. Die geistige, technische, wirtschaftliche, militärische und lange auch kulturelle Überlegenheit des Westens – inzwischen ist die westliche Kultur bekanntlich in die Hände obszöner Clowns gefallen – hängt damit symbiotisch zusammen. Wo Männer nicht um Frauen konkurrieren, die sich ihrerseits für den Stärksten und Erfolgreichsten entscheiden, wo stattdessen Frauen nach innergroßfamiliären Erwägungen und überdies noch regelmäßig an Verwandte verheiratet werden, erlahmt die geistige Entwicklung. (Das Gemaule unserer kirschmündigen Feministinnen überhöre ich jetzt; es werden immer vor allem Männer sein, die erfinden, formen, entdecken und produzieren, es werden immer vor allem Männer um die Frauen werben, und Frauen werden nicht aufhören, sie anzulocken – es sei denn, der Westen ist tatsächlich so blöd und degoutant, die Schönen demnächst unter Schleier und Niqab zu begraben, aber dann haben sie’s nicht anders verdient.)  

Die Entwicklung der Technik ist natürlich eine ambivalente Angelegenheit. Neben zahlreichen ästhetischen Abscheulichkeiten, die sie auf dem Kerbholz hat (die allerdings kompensiert werden durch die Verschönerung der Frauenkörper, der Gebisse oder der Sanitärräume), trifft die Technik regelmäßig der Vorwurf, sie zerstöre letztlich unsere natürliche Umwelt und zwinge den Menschen unter ihr uniformierendes Joch. Die Ohnmacht, den Launen der Natur ausgeliefert zu sein, weiche jener, von Menschenwerk versklavt und ins Gatter des Heideggerschen "Gestells" gesperrt zu werden. Alles richtig. Und doch lässt uns die Technik mehr Freiheiten als die Natur. Die Liebe zur Natur ist eine Art Stockholm-Syndrom, mit einem gehörigen Schuss Verlogenheit, denn gemeinhin liebt der Mensch nur die domestizierte Natur; die richtige brächte ihn ja im Handumdrehen um. Die Natur ist ein permanentes Massaker. Ihre angebliche Vollendung hat sich das einzige Naturprodukt ausgedacht, welches tatsächlich Ruhm verdient: der menschliche Verstand. Nur aus dem Logenplatz der Zivilisation, die der menschliche Verstand geschaffen hat, wirkt die Natur "schön". Jordan Peterson hat darauf hingewiesen, dass der von uns als poetisch empfundene Gesang der Vögel tatsächlich insbsondere der Reviermarkierung gilt, es handelt sich um schieres Kampfgeschrei, aber immerhin aus Konkurrenz...

Ich verfalle schon wieder dem Laster der Abschweifung. Zurück denn zur Symbiose aus Konkurrenz, res publica und Entwicklung. Was haben der Alkohol im Allgemeinen und der Wein im Speziellen damit zu tun? In seinem großartigen Buch "Bekenntnisse eines Häretikers" schreibt Roger Scruton: "Unsere Gesellschaft ist durch keine streng gehütete Konformität gekennzeichnet, sie stellt nur wenige Ansprüche an die Öffentlichkeit, die nicht im weltlichen Recht niedergelegt sind, und sie gestattet es, dass Leute sich schnell von einer Gruppe, Beziehung, Geschäftsverbindung, Religion oder einem Lebensstil zum nächsten wenden. Sie ist unendlich erfinderisch bei der Schaffung neuer Institutionen und Zusammenschlüsse, die den Leuten ermöglichen, bei aller Verschiedenheit friedlich miteinander umzugehen, ohne dass es einer besonderen Nähe oder Loyalität gegenüber einer Bruderschaft oder einem Stamm bedürfte." Was aber lasse eine derartige Lebensweise überhaupt funktionieren? "Darauf gibt es eine simple Antwort: das Trinken."

Was der Koran auf Erden verbiete, aber für das Paradies in Aussicht stelle, sei gerade hienieden "unerlässlich, um den westlichen Dynamo zum Laufen zu bringen. Man kann das sehr gut in Amerika beobachten, wo Cocktail-Partys sofort das Eis zwischen Fremden brechen und jedes gesellige Beisammensein in Gang kommen lassen."

Freiheit und Trinken korrelieren – welches freie Volk hätte je den Wein unter Tabu gestellt? –, aber auch hier gilt: Die Freiheit zum Guten schafft unendlich viele Optionen für die Freiheit zum Vulgären, Blöden, Öbszönen, Abscheulichen. Gleichwohl, notiert Scruton, sei er der Ansicht, dass "trotz aller Kosten, die unserer Gesellschaft durch Alkoholismus, Unfälle und zerstörte Familien entstehen, wir unseren Erfolg doch letzten Endes dem gemeinsamen Trinken verdanken".

Der englische Philosoph hat dergleichen Lobpreisungen des einzigen liebenswürdigen und zugleich verlässlichen Gottes bereits vor einem Dezennium angestimmt, in einem Buch mit dem entzückenden Titel "Ich trinke, also bin ich" (im Original: "I drink, therefore I am", im noch originaleren Original Et bibere, ergo sum), ein Opus übrigens mit zwei Registern – Personen und Weingüter –, in welchem unter anderem der jeweils passende Trank zu den großen Philosophen erörtert wird. Auch dort stoßen wir auf die Einschränkung: "Das Alkoholproblem, wie es uns in den Städten begegnet, ist eine Folge mangelnder Ehrerbietung gegenüber Bacchus. ... Man kennt die Folgen des Trinkens auf nüchternen Magen – was wir hier sehen, sind die weit schlimmeren Folgen des Trinkens auf einen leeren Geist."

Weshalb der Engländer drei Regeln für ein individuelles und zugleich sozial verträgliches Trinken postuliert, nämlich:

  1. Man trinke, was einem schmeckt, und zwar so viel, wie man möchte. ("Dann stirbt man vielleicht ein bisschen früher, aber der Verlust wird wettgemacht durch die gute Laune, die man seinen Mitmenschen damit schenkt.") Man soll durch sein Trinken anderen Menschen keinen Schaden zufügen. ("Man trinke, so viel man will, aber stelle die Flasche zur Seite, bevor die Freude in Schwermut umkippt.") Man soll durch sein Trinken der Natur keinen Schaden zufügen und vor allem nichts trinken, was in Plastikflaschen angeboten wird. ("Ich habe am Straßenrand Bierdosen, Wasserflaschen, Whiskyflaschen und Tetrapacks gefunden, aber nie eine Weinflasche.")
  2. Salute! Pour le plaisir!



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"Trösten heißt, an den Egoismus erinnern."
(Théodore Jouffroy)


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Wer noch Zweifel über gewisse Ähnlichkeiten zwischen dem Staatsfernsehen der Bundesrepublik und jenem der DDR in seinem Herzen trug und wog, den hat die ZDF-Doku über Merkels Willkommensstaatstreich gewiss davon kuriert. Interessant vor allem, wie ungeniert der Sender die Geschichte gefälscht, das heißt umdatiert hat. Im Unterschied zu Schabowskis Grenzöffnung vor dreißig Jahren hatte der Flutungserlass im September 2015 ein längeres Vorspiel; man könnte sagen: Er war geplant.


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Wie Staatsfernsehen, Blockparteien und Neues Deutschland gehörte der Wahlbetrug zur DDR, wenn auch noch nicht der Islam. Gehört der Wahlbetrug eventuell überhaupt zu Deutschland? Ein wahrscheinlich vollkommen unbegründeter Anfangsverdacht entsteht hier.


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"Ein Windrad würd' ich mir da nie hinstellen. Dann ist es vorbei. Stellen Sie sich mal die toskanische Hügellandschaft vor, und da stehen überall Windräder! Können Sie wegschmeißen."
Wo der Otto Schily recht hat, hat er recht (hier, bei 13,48).


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"Ich kann ohne Liebe nicht bleiben,
Ich bin so ungern allein.
Ich kann auch nicht weniger schreiben,
Mir fällt zu vieles ein.

Die Weibs- und Leserpersonen
Danken mir nicht nach Gebühr.
Ich sollte mich besser schonen.
Wenn ich nur wüßte, wofür."

Nochmals Peter Hacks



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Ob deutsche Jugendliche künftig noch unbeschwert ihren 18. Geburtstag werden feiern können?