Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

31. August 2019


"Denn früh belehrt ihn die Erfahrung:
Sobald er schrie, bekam er Nahrung."
Wilhelm Busch



                                       ***


Ruprecht Polenz verbreitet via twitter routiniert denunziatorische Halbwahrheiten, die er bei linksradikalen Hetzern abgeschrieben hat, wie ja auch die Kanzlerin sich bei der Lancierung des Chemnitzer "Hetzjagden"-Märchens linksextremistischer Souffleure bediente. Tatsächlich sprach Alexander Gauland bei seiner Wahlkampfrede zu Brandenburg keineswegs von einer "ethnisch homogenen Bevölkerung" im Osten, sondern sehr kundig und zutreffend von einer "ethnisch noch relativ homogenen Bevölkerung" (hier, ab 24,55), wie das in Europa eben jahrhundertlang die Regel war und in Osteuropa noch ist: eine mehrheitlich weiße, mehrheitlich durch europäische Binnenwanderungen genetisch geprägte Bevölkerung. Von "Reinheit", wie ein paar Hochbegabte im Anschluss twittern, ist nirgends die Rede. Zum zweiten hat der CDU-Denunziant die Aussage um die Hälfte verkürzt, sie lautet: "Die östlichen Bundesländer sind mit ihrer ethnisch noch relativ homogenen Bevölkerung und der Diktaturerfahrung ihrer Bewohner ein Pfahl im Fleische der multikulturellen, multiethnischen, gesinnungskontrollierten Bundesrepublik."

Man sieht es sehr schön, wie sich bei Polenzens Followern die antivölkische Volksgemeinschaft zum gemeinsamen Sabbat versammelt, keiner hat die Rede gehört, aber alle geifern, und die besonders Nassforschen rufen nach Verboten. Die Nazimentalität auf Nazisuche, x.-te Folge.


                                       ***


Merke(l): Wenn die AfD irgendwann (mit)regiert, ist es vorbei mit den offenen, freien und ungezwungenen Debatten über die Migration! 


                                       ***


Endlich! Der Bundespräsident warnt davor, die Blockparteien zu wählen: "Aber eins sage ich ganz deutlich: Treibt unser Land nicht auseinander!", sagte Steinmeier ganz deutlich. "An diese Verantwortung solle auch jeder denken, der in die Wahlkabine geht, mahnte er laut vorab verbreitetem Redemanuskript."


                                       ***


IMG 20190831 WA0000


                                       ***


Vorschlag zur Güte an die Polen: Deutschland zahlt ihre Reparationsforderungen, dafür geben sie uns Schlesien zurück, und dort siedeln wir die ganzen Asylanten an bzw. dorthin um. Dann entstehen mitten in Polen blühende Landschaften, denn es kommen bekanntlich überwiegend Fachkräfte, der Pole passt auf, dass keiner abhaut, und 'schland ist moralisch und auch irgendwann finanziell aus dem Schneider, denn verglichen mit den Migranten ist Polen ein Fass mit zehnfachem Boden. Drei Fliegen mit einer Klappe. Deal?


                                       ***

 

Der Süddeutsche Beobachter hat in schöpferischer Zusammenarbeit mit dem sogenannten TV-Kulturmagazin "Titel, Thesen, Temperamente" ein Zwei-Mann-Team gebildet – die Vermischung von privatwirtschaftlich und staatlich finanzierten Medien schreitet, wie man sagt, munter voran –, um zu dokumentieren, "wie Rechtspopulisten und Rechtsextreme Kultureinrichtungen in Deutschland unter Druck setzen". Wichtig ist das Framing: Das gerade noch tolerable "rechtspopulistisch" wird mit dem grundverwerflichen "rechtsextremistisch" zusammengerührt und dadurch vergiftet. (In Kitas und TV-Redaktionen soll das besonders gut wirken.) Leider ist die "Chronik" nicht online, nur der Vorspann, weshalb ich in meiner unbedingten Minderheitenbevorzugung den wenigen Nicht-Abonnenten des Süddeutschen unter den Eckladenbesuchern ein bisschen daraus vortrage.

"Manchmal sind es anonyme Hassmails oder Mord- und Bombendrohungen. Manchmal sind es Strafanzeigen, Störaktionen, Demonstrationen gegen Kunstprojekte oder Polemiken", hebt der Beitrag an, ohne den Framing-Modus zu verlassen. "Manchmal sind es Anfragen und Anträge der AfD in Parlamenten, Stadträten und Kulturausschüssen."

Gut, Hassmails, anonyme Morddrohungen, Angepöbeltwerden, Gegendemonstrationen, das gehört für AfD-Mitglieder zur daily soap, aber die wollen sich bekanntlich nur in der Opferrolle aalen. Nein, suhlen. Wenn aber Angst essen sensible Künsterseelen auf, ist das ein ganz anderes Format. Was weiß denn so ein braunes Waschbretthirn, wie einem durch die Abendnachrichten traumatisierten Berliner Intendanten oder einem #wirsindmehr-Erbsenprinzesschen zumute ist, wenn plötzlich auf dem Laptop die Hassbotschaft aufpoppt?

"Die Akteure aus dem rechten und rechtsextremen Milieu und ihre Mittel sind unterschiedlich. Was sie verbindet, ist die Aversion gegen ein weltoffenes, liberales Kulturleben und der Versuch, Kunstinstitutionen zu diskreditieren."

The same procedure like everyday: Wie die Kategorien "rechts" und "rechtsextrem" werden auch Kleine Anfragen im Parlament mit anonymen Morddrohungen zu einer Sauce verquirlt. Zartere Gemüter als ich bringen dafür den Begriff "Lügenpresse" in Vorschlag, aber richtig gelogen ist es ja nicht; wir haben es lediglich mit gewöhnlicher Hetze und einer Sorte von Regierungspropaganda zu tun, für deren Plumpheit man sich in Ungarn oder Russland durchaus noch schämen würde. So viel zum Präludium, wir kommen zur Chronik.

Welche liberalen Kunstwerke sind von den weltverschlossenen Schwefelbuben versuchshalber diskreditiert worden? Nun, zum Beispiel die drei bayerischen Schrottbusse, die der "deutsch-syrische Künstler" Manaf Halbouni vor der Dresdner Frauenkirche hochkant gestellt hatte, so dass das ganze Altöl herauslief, womit die gewagte Skulptur nicht nur als Kunst, sondern gleichermaßen als Protest gegen Krieg und Umweltverschmutzung betrachtet werden konnte. Anstatt das zu mögen und zu applaudieren, demonstrierten Dresdner, Sachsen, Pegidisten, Identitäre und andere ästhetisch undurchglühte Dunkeldeutsche gegen die Verwandlung des Neumarktes in einen, wie sie meinten, Schrottplatz. (Außerdem machten sie sich ins Hemd, weil man später auf der Webseite des Jahrhundertkünstlers eine Europakarte fand, in der die altmodischen Städtenamen durch trendige arabische ersetzt worden waren, aber das führt vom Thema weg.)

Als weitere Beispiele für Störaktionen gegen ein weltoffenes liberales Kulturleben listet die Chronik u.a.:

> die Anfrage des AfD-Abgeordneten Thorsten Weiß im Berliner Abgeordnetenhaus, ob dem “Zentrum für politische Schönheit” Fördergelder oder sonstige Fördermaßnahmen seitens des Senats bewilligt wurden;

> die Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsabgeordneten Jongen, Bystron und Höchst, ob die Bundesregierung Erkenntnisse darüber habe, ob Aktivisten des Zentrums für Politische Schönheit mit öffentlichen Geldern, zum Beispiel aus dem Hauptstadtkulturfonds, gefördert werden oder wurden;
> dass die AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus die Kürzung der Zuwendungen für das Maxim-Gorki-Theater mit der Begründung beantragte: "Die zur Verfügung gestellten Mittel und der Zuspruch zum Maxim Gorki Theater in der Berliner Bevölkerung stehen in einem Missverhältnis!" Und dass der Abgeordnete Dieter Neuendorf im Kulturausschuss dortselbst erklärte: "Unter der Intendantin Shermin Langhoff reduziert sich das Maxim-Gorki-Theater zunehmend auf politischen Kulturkampf und Gesinnungstheater."
> die Kleine Anfrage der AfD-Landtagsabgeordneten Gabriele Walger-Demolsky zum Sinn der öffentlichen Finanzierung "der 'Freien Kulturszene' durch die Stadt Bochum in Höhe von 1,5 Millionen Euro";
> dass Marc Jongen, kulturpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, sich gegen ein Papier der Kulturminister des Bundes und der Länder stellte, in dem die Museen aufgefordert werden, die Herkunft von Werken aus kolonialen Kontexten zu untersuchen und Raubkunst an die Herkunftsländer zurückzugeben; Jongen unterstellte "moralischen Größenwahn" und beklagte, dass "die kuratorischen und konservatorischen Leistungen" ignoriert würden, "die in über 100 Jahren in deutschen Kulturinstitutionen erbracht wurden, um Artefakte zu erhalten.

Die erschütternd illiberalen und offenheitsfeindlichen Attacken gegen die Kunst, die der Süddeutsche Beobachter und das Magazin Tiraden, Thesen, Toleranzien zusammengetragen haben, werden auf den Punkt gebracht durch den AfD-Bundestagsabgeordneten Renner, der, in der Skandalchronik ebenfalls gelistet, festgestellt hat: "Wenn Kultur Werte und Identität stiftet und als Brückenbauer in der Gesellschaft agieren soll, kann sie nicht nach dem Tombola-Prinzip gefördert werden. Kunst (...) muss immer einer Beliebigkeit vorbauen, weil in der Maske der Kunst Kitsch und Propaganda um nichts weiter als um Geld buhlen."

Man begreift schnell: Die einzige Freiheit dieser von den Rechten durch Anfragen und Proteste in Frage gestellten Kunst ist die finanzielle Sorgenfreiheit ihrer mit Steuermitteln gepamperten Fabrizierer. Die Rechten unterzögen dieses Finanzierungsmodell gern dem Markttauglichkeitstest. Das hört speziell ein ARD-Kulturredakteur nicht gern. Das ganze Toleranz- und Offenheitsgeplärr ist nur ein Greinen nach fortgesetzter Alimentierung.


                                       ***


Noch zum Vorigen.

Bento, die Komsomolskaja Prawda von Spiegel online, klärt auf: Der Videoschnipsel, in dem Angehörige der FDMJ im Chor unter anderem den Satz skandieren: "Die größte Gefahr für Dresden und Sachsen kommt nicht von außen, sondern ist in diesem Land geboren und will uns in eine Vergangenheit führen, gegen die die Menschen vor dreißig Jahren auf die Straße gegangen sind", dieser Videoschnipsel "wurde am Rande der 'Unteilbar'-Demo am vergangenen Wochenende in Dresden aufgenommen. Dort hatten am Sonnabend rund 40.000 (die wundersame Brotvermehrung ist nichts dagegen – M.K.) Menschen für eine offene und freie Gesellschaft demonstriert." Anders als Neo-, Krypto-, Paläo-, Proto-, Post- und Pseudonazis ungestraft im Netz behaupten, tauge dieser launige Chor aber keineswegs als Zeugnis der Neosowjetisierung der Jugend, denn er sei zwar "ein Programmpunkt der Demo", er stamme allerdings "aus einem Theaterstück, das von einem Deutschland unter AfD-Herrschaft handelt". 

Und in einem Deutschland unter AfD-Herrschaft skandieren Sprechchöre ganz unhehelligt Parolen gegen "rechts"? Na was denn sonst! Wie der bereits erwähnte Herr Gauland in seiner bereits zitierten Wahlkampfrede sagt:

"Was wird passieren, wenn erstmals AfD-Politiker in Ministerien einziehen? In den Medien und im Netz kann man ja amüsante Prophezeiungen lesen, über Fackelzüge, die Abschaffung des Rechtsstaates und die sofort einsetzende Verfolgung der Opposition – also praktisch 'Fridays for Future', Netzwerkdurchsetzungsgesetz und Antifa von rechts. (...) Sollten Sie Freunde oder Bekannte haben, die sich vor der Machtergreifung der AfD ängstigen, sagen Sie denen bitte: Unter der AfD wird niemand verfolgt – die Verfolger bekommen bloß kein Geld vom Staat mehr."

Mit anderen Worten: Dann müssten sich solche Pimpfe und deren Kulturoffiziere für lau "engagieren". Und daran würde ihnen rasch die Lust vergehen. Davon abgesehen, dass der brave Deutsche sich sowieso dort zu scharen strebt, wo die Macht sitzt. Diese sich wunder wie oppositionell gebenden Dresdner Buben und Mädels verkünden ja die Regierungsmeinung, und davon werden sie sich wahrscheinlich unter einer AfD-Herrschaft nicht abbringen lassen. Aber auch dann gibt's dafür kein Geld mehr...



                                       ***

 
Irgendwie immer noch zum Vorigen.

Die "Aktivisten" des "Zentrums für politischen Schönheit" tun, was sie auch 1933 getan hätten (und außer ihnen leider fast niemand getan hat): Sie widerstehen. Das "Künstlerkollektiv" will "mit einer Kunstaktion vor der AfD warnen. Geplant ist mit einem Panzer vor dem Dresdner Landtag aufzufahren und der AfD den Krieg zu erklären", meldet die Leipziger Tätervolkszeitung. Ich hoffe, sie haben einen T-34 aufgetrieben, also jenen Panzertyp, mit dem schon 1953 in der Ostzone und 1956 in Ungarn die Rechtspopulisten niedergeworfen wurden.

Etwas kryptisch ist das Statement des zentralsten und womöglich auch schönsten Mitglieds der mutigen Künstleraktivistengruppe, Philipp Ruch. "Wir sehen die Aktion als Zeichen der wehrhaften Demokratie und der Zivilgesellschaft", sagte er, fügte freilich hinzu: Für den Fall, dass es die letzten freien Wahlen in Sachsen seien, wolle man vom Recht der Meinungsfreiheit Gebrauch machen. Ist der jetzt auf einmal auch pro AfD, oder was? 


                                       ***

 
Acta-Leser kennen den Terminus "Moralisches Fracking" schon. Mehr dazu hier.


                                       ***


"Alle Gesetze sind von Alten und Männern gemacht. Junge und Weiber wollen die Ausnahme, Alte die Regel."
Goethe, Maximen und Reflexionen


                                       ***


Und abermals ist ein Monat verzischt, wie stets befällt mich ein existentieller Kummer, wenn die Tage kürzer werden und die Erderwärmung sich viel zu langsam vollzieht, um mich vom halbjährlichen Frieren zu erlösen. Auch den August soll eine Monatsendfigur krönen und beschließen:

58142af467b0a934484257a6

Wie stets zum Monatsende geht die Kollekte um, mit dem gewohnten Vergelt's Gott an all jene, die sie in den vergangenen Wochen gefüllt haben; alle anderen klicken bitte spornstreichs hier.