Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

12. August 2019



IMG 20190811 WA0002

(Netzfund)


                                     ***


Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, hat gesagt, viele der Schüler auf dem Jüdischen Gymnasium Moses Mendelssohn seien "Flüchtlinge". Sie seien von anderen Berliner Schulen dorthin geflüchtet, denn sie wurden dort gemobbt, und zwar "nur weil sie Juden sind".

Joffe fuhr fort: "Noch nie hat ein muslimischer Schüler in Berlin die Schule wechseln müssen, nur weil er Moslem ist. Juden aber sind in diese Lage gekommen." Die Überschrift über dem Kommentar der Bild-Zeitung lautet: "Juden fühlen sich wie Flüchtlinge im eigenen Land."

Dieselbe Zeitung trommelt am selben Tag:

Screenshot 2019 08 12 19.34.33

Das nennt sich wohl, gerade im Hause Axel Springers, kognitive Dissonanz. Aber wenn wir den Chineser weg- und stattdessen den Österreicher Kurz hineinnehmen, haben wir eine illustre Runde realistischer, couragierter und intelligenter Männer, deren politische Existenz Anlass zu gewissen Hoffnungen gibt.



                                    ***


Was nun aber den Chineser betrifft, der auch realistisch und intelligent ist, so lautet ein derzeit kursierender Witz:

Was lernt ein Optimist?
Chinesisch.
Was lernt ein Pessimist?
Arabisch.
Was lernt ein Realist?
Schießen.

Die Option, unter eine wie auch immer geartete chinesische Hegemonie zu geraten, ist alles andere als erstrebenswert, aber auch nicht gerade vollkommen unwahrscheinlich. Wenn die Alternative freilich eine (wie auch immer geartete) islamische Theokratie wäre, dann schiene mir doch der Chineser lieber. Der verbietet weder Wein noch Schwein, will die Mädels nicht mit Säcken verhängen, und für ihn ist auch eine deutsche Kultur jenseits der Sprache deutlich erkennbar, freilich eher in der deutschen Vergangenheit.


                                    ***


"Sie zitierten am 6. August einen Leser", scrheibti Leser ***, "der dem angeblichen 'Manifest' des 22fachen Mörders von El Paso entnommen haben will, dieser P. Curtius (frustrierter College-Schüler aus einer zerbrochenen Familienbindung, als er die Hand des Vaters bitter nötig gehabt hätte) sei Befürworter 'einer umfassenden sozialen Fürsorge mit u.a. einem bedingungslosen Grundeinkommen sowie einer umfassenden staatlichen Gesundheitsvorsorge' gewesen. Darauf muß man erst einmal kommen! In dem sorgfältig gegliederten Text, der auf einer US-Internet-Plattform pünktlich 27 Minuten vor den Schüssen auftauchte (inzwischen aber dort gelöscht ist und nur über andere Medien nachzulesen ist), werden viele Begriffe gebraucht, die eher einen Bogen von der Gründungslegende der USA zu ihrer Freiheitsbringungsmission schlagen:

'The natives [die Ureinwohner Nordamerikas] didn’t take the invasion of Europeans seriously. … One of the biggest betrayals of the American public in our history (is) the takeover of the United States government by unchecked corporations. … The heavy Hispanic population in Texas will make us a Democrat stronghold. … At least with Republicans, the process of mass immigration and citizenship can be greatly reduced. … They [the migrants] want to live the American Dream. … Automation can and would replace millions of low-skilled jobs if immigrants were deported. … The American lifestyle affords our citizens an incredible quality of life. However, our lifestyle is destroying the environment of our country. The decimation of the environment is creating a massive burden for future generations. Corporations are heading the destruction of our environment by shamelessly overharvesting resources. … god damn most of y’all are just too stubborn to change your lifestyle. So the next logical step is to decrease the number of people in America using resources. If we can get rid of enough people, then our way of life can become more sustainable. … I can no longer bear the shame of inaction knowing that our founding fathers[die Invasoren Nordamerikas] have endowed me with the rights needed to save our country from the brink destruction. Our European comrades don’t have the gun rights needed to repel the millions of invaders that plaque their country. They have no choice but to sit by and watch their countries burn. … This is just the beginning of the fight for America and Europe.'

(Anonymer Kommentar August 4, 2019, 10:36 h: 'This shit was ghost-written by a committee of overpaid criminal profilers and desk-dwellers in sub-basement 4 at Langley [CIA headquarter].') Dem Kommentar dieses aufgeweckten Lesers der etwas mysteriösen 'burning platform' ist nichts hinzuzufügen.

Es war immer schon eine besonders perfide Idee Staatsmächtiger, eine besonders infame Tat, die staatsbewußte, aber denkfaule Bürger hinter die Landesfahnen versammeln soll, durch einen Van der Lubbe oder Lee Harvey Oswald begehen zu lassen. Mediale Kolporteure bekommen ein Traum-Manifest vorgesetzt, geschickt zusammengerührt aus 'Schön blöd gewesen!' (zu den Ureinwohnern), 'Schön blöd, ihr Waschlappen!' (zu den crauts), 'Achtung, ihr werdet weg-automatisiert!' (zu den low skilled jobbers) und 'Rettet Euren Lebensstandard!' (zur middle class). Früher wurde nur zurückgeschossen, heute kann man schon einmal 'präventiv schlagen' –  und das Ganze der Öffentlichkeit als Warnzeichen verschwören. Und das in einem Territorium, welches zuvor 300 Jahre hispanisch-indianisch war, bevor es 1845 Bundesstaat der USA wurde."


Die Idee, dass sich irgendetwas – was eigentlich? ­– Geheimdienstliches hinter dem El-Paso-Massaker verberge, ist ein erwartbarer Reflex von, pardon, eher einfältigen Menschen. Wer profitiert politisch von der Tat? Trump sicher nicht. Eher seine Konkurrenten, aber auch nicht wirklich. Wem untersteht die CIA und in wessen Interesse arbeitet sie? Warum sollte sie ein Massaker wenn nicht organisiert, so doch geschehen lassen haben, dessen theoretische Begründung formulieren und pünktlich online stellen (lassen)? Das ergibt alles keinen Sinn. (Der Todesschütze wird sich vielleicht zu seiner Autorschaft oder Nichtautorschaft äußern.)

Wenn "Staatsmächtige" von dergleichen Verbrechen profitieren, dann gemeinhin dadurch, dass sie sich als Schutz vor einer durch die Tat manifest gewordenen Bedrohung verkaufen – was meines Wissens niemand getan hat. Es gibt außerdem noch die Option, solche Taten zur Stigmatisierung oder Einschüchterung des politischen Gegners zu benutzen, wie es in Deutschland mit dem Fall Lübcke versucht wurde. (Kommt eigentlich irgendwann eine seriöse Bestätigung des eilends unterstellten Mordmotivs?) Man hat versucht, Trump als denjenigen zu denunzieren, der das geistige Klima für solche Anschläge geschaffen habe, aber Anwürfe dieser Art bleiben allzeit unverifzierbar und außerhalb von Diktaturen, wo man mit direkter Repression nachlegt, eher folgenlos, erst recht, wenn der Bezichtigte selber regiert.

Die Bürgerkriege der Zukunft werden entlang der ethnisch-kulturell-religiösen Bruchlinien stattfinden, so wie sich Erdbeben eben dort ereignen, wo die tektonischen Platten aufeinandertreffen. Dazu bedarf es keines Trumps. Man muss nur immer mehr multikulturalistisches Öl ins Feuer des sozialen Zusammenlebens gießen. Fast alle Konflikte, die sich derzeit in unserem Weltteil abspielen, resultieren aus einer normativen, die Menschen überfordernden und ihre kollektiven Eigenarten ignorierenden Politik.


                                    ***


Im Übrigens war das auch Demokraten lange vor Trump klar:

"Das ganze Volk ist zu Recht beunruhigt über die große Zahl illegaler Einwanderer, die in unser Land strömen. (...) sie benützen die öffentlichen Dienste und bürden so unseren Steuerzahlern zusätzliche Lasten auf. Unsere Regierung will daher dazu übergehen, unsere Grenzen aggressiver zu sichern. (...) Und wir werden versuchen, das Tempo der Deportation illegaler, krimineller Ausländer noch mehr zu beschleunigen und die Identifikation illegaler ausländischer Angestellter effizienter zu machen. Wir sind eine Nation von Einwanderern, aber wir sind auch eine Nation des Gesetzes. Es ist für eine Nation von Einwanderern falsch und letztlich selbstzerstörerisch, einen Missbrauch der Migrationsgesetze zu erlauben."

Wer hat’s gesagt? Der war’s.


                                    ***


Höhepunkte der Gesellschaftsverbuntung, x.-te Folge: Siebtklässler, 14, bricht Lehrerin, 62, mit mehren Faustschlägen den Kiefer. Sie hatte ihm das Messer wegnehmen wollen. (Haben wir früher ständig gemacht, ich kannte meine Klassenlehrerin quasi nur bandagiert. Insofern spielt auch die syrische Herkunft des Rackers keine Rolle.)


                                    ***


IMG 20190811 WA0003