Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

29. Juli 2019


Ich sei wahrscheinlich nur deshalb am Kunstsonntag nicht auf den neuen Bayreuther "Tannhäuser" eingegangen, weil ich mir den "Quatsch" nicht angetan hätte, mutmaßt ein Leser. Nein, das war nicht der Grund. Ich habe die Aufführung im TV gesehen (eigentlich höre ich Opern ja eher, aber hier hat die filmhafte Inszenierung alles überlagert und Wagner zum Flimmusikkomponisten downgegraded). Musikalisch fand ich den Abend belanglos bis anstrengend, Gergiev hatte zuvor kaum geprobt und hat nichts Besonderes zustandegebracht (die Buhs gegen ihn fand ich trotzdem übertrieben, zumal sie wahrscheinlich eher politisch als ästhetisch motiviert waren), die Sänger waren nervtötend (Venus), solide bis gut (Elisabeth, Wolfram, Landgraf), überfordert (Heinrich; freilich gilt das für 99 von 100 Tannhäusern). Die Inszenierung fand ich zwei Akte lang ganz amüsant, sie hatte nur überhaupt nichts mit einer Richard Wagner-Oper namens "Tannhäuser" zu tun. Dass Frau Venus als Hoffräulein verkleidet dem Sängerkrieg hospitiert, war sogar originell, wenngleich ein sogenannter Purist einwenden würde, dass sie sowieso im Saal (und im Orchester) anwesend ist, aber den heutigen Harthirnen im Parkett muss man ja alles einbimsen. Während die ausziehenden Pilger noch als gewöhnliches Bayreuth-Publikum kostümiert waren, kehrten sie als "Flüchtinge" zurück, womit der Regisseur, dessen Name mir entfallen ist, in Zeiten wie den unseren, wo so etwas mit Kopfschüssen auf der heimischen Terrasse geahndet werden kann, eine geradezu tannhäuserische Kühnheit demonstrierte. Im dritten Akt wurde endlich auch gefickt, und zwar verräumte Wolfram endlich die 174 Jahre ungemauselte Elisabeth, was den keuschen Bub so mitnahm, dass er sein Lied an den Abendstern etwas vermasselte.

Dass ich über den von musikalischer Zweitklassigkeit untermalten Firlefanz überhaupt schreibe, hängt mit einem "beschämenden" (stern) Nachspiel zusammen. Nach der Premiere wurde die "Dragqueen Le Gateau Chocolat" von einem Teil der Zuhörer ausgebuht, obwohl er (oder sie) gar nicht gesungen hatte. Der "Travestiekünstler" wandte sich auf Facebook an das Bayreuther Publikum mit den weidlichen Worten: "Dass ich der einzige Charakter war, Le Gateau Chocolat als Le Gateau Chocolat (keine Sprech- oder Singrolle), der auf dieser Bühne ausgebuht wurde, sagt viel darüber aus, wer ihr (immer noch) seid." Damit spielte Le Schokoladentorte "deutlich auf die braune Vergangenheit des Grünen Hügels an", erläutert der stern, wenngleich nur ca. jeder hundertste bis tausendste Anwesende dem leidenschaftlichen Tortenverspachtler A. Hüttler noch persönlich seine Aufwartung gemacht haben dürfte. Damals galt jedenfalls der (von David Irving auf dem Dachboden des Festpielhauses gefundene) Führerbefehl, dass schwarze Transen in den Kulissen eines fingierten thüringischen 13. Jahrhunderts bis zum Endsieg nicht herumzustöckeln haben. Vielleicht wurde "La Gateau Chocolat" aber auch bloß dafür ausgebuht, dass er sich für eine Rolle hergegeben hat, die in der Oper überhaupt nicht vorkommt und sie aus einer keineswegs zwingend rassistischen Perspektive vergagt, verdämlicht und verunstaltet, ungefähr wie Heribert Prantl im Baströckchen eine Nelson-Mandela-Oper verunzieren würde. Überdies trat er, also Monsieur Schokotorte, nicht Prantl, beim Schlussapplaus vors Publikum, noch ehe der Regisseur die Buhs derjenigen Altmodischen in Empfang nehmen konnte, die so naiv waren, auf einen "Tannhäuser" zu hoffen, fungierte also womöglich als Prügelknabe für eine weiße Hete (auch schlimm, aber anders schlimm).

 
                                    ***


IMG 20190728 WA0000

Ist seit fünf Tagen, die USA betreffend, nicht mehr aktuell, aber zu vielsagend, um nicht verbreitet zu werden.


                                    ***


Noch nicht einmal die Natur lebt "im Einklang mit der Natur".


                                    ***


"Als Franz I. an Kartäusermönche die Frage richtete, wie es wohl komme, daß die Wälder des Kartäuserordens so schön erhalten und die königlichen so beschädigt seien, erwiderten diese, das liege daran, daß sie keine Forstbeamten hätten."
Joachim Radkau, "Natur und Macht. Eine Weltgeschichte der Umwelt", S. 170


                                   ***


"Im fünften Jahr des 'freundlichen Gesichts der Kanzlerin' verstetigte sich unter Diskriminierten der Brauch, länger schon Einheimische, darunter auch Frauen und Kinder, vor einfahrende Züge zu stoßen. Die in ihrem Willkommenswillen unerschütterliche Mehrheitsbevölkerung betrachtete dies als eine Ergänzung zur ebenfalls neuartigen, aber schon etwas etablierteren Sitte, untreue Frauen und bisweilen auch deren Kinder auf Straßen und öffentlichen Plätzen unter Zuhilfenahme von Messern zu bestrafen. Zugleich begannen Gerichte dagegen vorzugehen, dass Neuankömmlinge von noch nicht ausreichend bekämpften Nazis mit Hohnwörtern wie 'Goldstücke' diskriminiert wurden."
(Aus einer alten Chronik)
 
(Hier, hier, hier, hier, hier und hier.)


                                 ***


"Der Frankfurter Kindermord hat es in NZZ und der BAZ auf die Frontseiten geschafft. An der Relotiusspitze konnte man sich nur zu 'Mann soll Achtjährigen vor Zug gestoßen haben – Junge stirbt' hinreissen, selbstverständlich ohne weitere Nennnung von Details", notiert Leser ***. "Dem Täter wurde das Attribut 'mutmasslich' verliehen, dem Opfer eigenartigerweise nicht. Hier scheint Gewissheit zu herrschen."


                                 ***

 
"87% waren im Widerstand, 13% waren Nazis, genau wie heute."
(Leserzuschrift auf publico.de zu einem Text über die Instrumentalisierung Stauffenbergs durch Merkel für den Kampf "gegen rechts") 


                                  ***


Deutschland macht endlich Ernst mit dem Grenzsschutz. Nachdem die Sicherheitsvorkehrungen bereits in vielen Bädern verstärkt wurden, gibt Düsseldorf nun ein Debüt mit Ausweiskontrollen beim Einlass. Leser *** weist darauf hin, dass die addierte Gesamtgrenze aller ca. 4600 Frei- und Freizeitbäder bei gemittelten ca. 800 Metern pro Bad mit 3700 Kilometern ziemlich genau der Außengrenze 'schlands  – ca. 3850 Kilometer – entspreche, an welcher, im Gegensatz zum Schwimmbad, Zäune Menschen nicht aufhalten können, allein schon deswegen, weil dort ja keine stehen.