Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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13. Juli 2019


"Pain matters, more than matter matters."
Jordan B. Peterson


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Die Einstufung der Identitären Bewegung (IB) als rechtsextremistisch lässt sich kaum anders interpretieren denn als eine auf das Dominoprinzip vertrauende staatliche Einschüchterungsmaßnahme gegen die rechte Opposition – die IB agiert völlig gewaltfrei und vertritt Positionen, die in mehreren EU-"Partnerländern" Regierungshandeln sind –, und so wurde der Verfassungsschutzbescheid von anderen Regierungsschützern prompt verstanden. "Wer A sagt, muss jetzt auch B sagen, wer die Identitäre Bewegung für rechtsextremistisch hält, kann die AfD nicht mehr länger außen vorhalten", kommentierte der bedeutende ARD-Schädlingsbekämpfer Georg Restle, die Cowpersche Drüse im Vollbetrieb, für die Tagesthemen und forderte, einmal in Fahrt gekommen, der AfD "keinen Raum, keine Bühne und erst recht keine Stimme" zu geben. Johannes Kahrs vom SPD-Restle, Hobby-Kammerjäger aus Leidenschaft auch er, rief via Twitter zur Säuberung auf: Die größte – und, wie viele meinen, einzige – Oppositionspartei möge verboten, ihre Mitglieder, sofern verbeamtet, stracks aus dem Beamtenverhältnis entfernt und, wollen wir doch hoffen, dem Volkszorn überantwortet werden. Darauf einen Dujardin!

Mir persönlich ist die IB grundsätzlich sympathisch, weil ich ein Herz für stigmatisierte, diskriminierte und verfolgte Minderheiten habe, zumal wenn die Nessoshemd-Träger nicht jammern, sondern Zivilcourage zeigen. Allerdings kenne ich kaum ein IB-Mitglied persönlich, ich kann mich nur mit dem idealtypischen, nicht mit dem konkreten Identitären solidarisieren, aber wenn irgendwo Martin Sellner am Pranger steht, stell' ich mich daneben.

Deshalb – keineswegs nur, aber auch deshalb – ist es für mich übrigens unmöglich, einer Partei beizutreten. Kollektive Unvereinbarkeitsbeschlüsse kann ein Intellektueller und homme de lettres schwerlich akzeptieren. (Stellen Sie sich nur einmal vor, ich wäre jetzt zum Beispiel Mitglied der FDP oder der CSU, also von zwei Parteien, deren Verfolgung und Verbot schöne Seelen wie Restle oder Kahrs nie und nimmermehr fordern, wie peinlich wäre das denn! Man könnte glatt auf den Verdacht kommen, selber ein Lump zu sein...)

Wenn diese von Tag zu Tag an habitueller Naziähnlichkeit zulegende Meute weiter Fährte und Witterung aufnimmt, muss man wohl bald ausrufen: Tragt ihn mit Stolz, den blauen Fleck!



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Nachdem vor kurzem 90 führende italienische Naturwissenschaftler der alleinseligmachenden Lehre der Weltklimakirche widersprachen, ergreifen nun finnische und japanische Wissenschaftler das Widerwort und bestreiten die Menschengemachtheit des Klimawandels. "Man-made climate change doesn’t exist in practice", lautet das bemerkenswerte Statement. "During the last hundred years the temperature increased about 0.1°C because of carbon dioxide. The human contribution was about 0.01°C”, schreiben die finnischen Häretiker. Ein Team der Kobe-Universität in Japan sekundiert ihnen. "Neue Erkenntnisse legen nahe, dass hochenergetische Teilchen aus dem Weltraum, die als galaktische kosmische Strahlen bekannt sind, das Erdklima beeinflussen, indem sie die Wolkendecke vergrößern und einen Regenschirm-Effekt auslösen", heißt es in einer soeben veröffentlichte Studie, deren Extrakt in der Fachzeitschrift Science Daily veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse seien von großer Bedeutung, da dieser natürliche Effekt der Hauptantrieb für die Klimaerwärmung sein könnte.

Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler, heißt es weiter, seien besorgt darüber, dass die aktuellen Klimamodelle, insbesondere die in sämtlichen Kirchensprengeln einflussreiche IPCC-Skala, diese entscheidende Variable nicht berücksichtigen.


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Dem unter verschiedenen Autorennamen arbeitenden Spiegel online-Kolumnengenerator fällt allmählich auch nichts mehr ein. Der aktuelle Text, diesmal unter dem Pseudonym Ferda Ataman veröffentlicht, perpetuiert einmal mehr die von Wolfgang Benz bis Aiman Mazyek, von Claudia Roth bis zu Recep dem Prächtigen taktisch geschätzte Unterstellung, die Muslime seien die Juden von heute. Der Kommentar hebt an mit einem zehn Jahre und hunderte Messermorde zurückliegenden Messermord, dessen Besonderheit darin bestand, dass der Täter kein Moslem war, und wuchtet alsogleich den besagten Vergleich ins Weltnetz:

"Können Sie sich vorstellen, dass Journalisten eine Gruppe namens 'Patriotische Europäer gegen die Verjudung des Abendlandes' als 'judentumskritische Bewegung' bezeichnen und in Talkshows einladen? Nein? Ich auch nicht. Aber mit 'Islam' geht das (...) Ich bekomme manchmal Leserzuschriften (es ist amüsant, wenn Automaten "ich" sagen – M.K.), die etwa so lauten: 'Kritik an Muslimen kann kein Rassismus sein, weil Muslime keine 'Rasse' sind. Sie verharmlosen damit die Nazi-Gräuel.' Interessanter Punkt. Wer war denn das Feindbild Nummer eins der Nazis? Damals galten 'die Juden' als der Untergang des deutschen Abendlandes – pardon, Vaterlandes."

Es ist in einem gewissen Sinne unfair, dass ich als der Garri Kasparow der rechtspopulistischen Publizistik ständig gegen Automaten antreten muss, aber was soll's, deren Programmierer sind nicht die Hellsten, und um die Selbstlernfähigkeit ist es auch nicht besonders gut bestellt, so dass ich mich mit Standardzügen begnügen kann:

Juden im Reich 1933: etwa 500 000. Muslime in Deutschland heute: mindestens sechs Millionen. Jetzt bitte vergleichen: Wieviele Nobelpreisträger, Erfinder, Professoren, Ärzte, Komponisten, Autoren, Künstler etc. pp. gab es 1933 auf der einen und gibt es 2019 auf der anderen Seite? Umgekehrt: Wie viele Sozialhilfeempfänger, Terroristen, Gefährder, Messerstecher, Vergewaltiger etc.pp. gab es 1933 auf der einen und gibt es 2019 auf der anderen Seite?

Der Vergleich Drittes Reich-BRD 2019 mag bei der Analyse gewisser regierungskonformer Meuteninstinkte hilfreiche Parallelen zutage fördern, aber bei der Behandlung von Juden und Muslimen führt er lediglich zu der nicht besonders sensationellen Einsicht in deren nahezu völlige Inkommensurabilität. Dafür bringt er aber etwas ganz anderes zur noch volleren Deutlichkeit, nämlich was für verachtenswerte Banditen die Nationalsozialisten waren und was für bedauernswerte Dummköpfe die Willkommenssozialisten sind.



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Wenn ein, wie man nicht mehr sagen soll und bald nicht mehr sagen darf, Goldstück eine Joggerin von den Füßen und ins Gebüsch holt, um dort brav seinen Willkommensdank abzustatten, oder wenn irgendwo "Gruppen", in denen noch Lebensfreude waltet, mit z.B. Holzlatten aufeinander eindreschen, bevor die richtigen Nahkampfwaffen zum Einsatz kommen, ist dies bekanntlich vor allem ein gefundenes Fressen für rassistische Hetzer. Und wenn Abgeordnete der AfD angegriffen werden, wenn man der Opposition im Bundestag oder bei der Sachsen-Wahl demokratische Rechte verweigert, dann ist dies? Richtig: Es nährt den Opfermythos der Schwefelpartei (hier). 


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"Die oft gebrauchte Phrase, die Bürger dort abzuholen, wo sie stehen, empfinde ich mittlerweile als offene Drohung. Man weiß schließlich nicht nur, wo die Bürger stehen, man weiß ja auch, wo sie wohnen."
(Leser ***)