Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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30. April 2019


Die Somewheres, die sich für Anywheres halten, und das sind Hunderttausende, werden die großen Verlierer der Zukunft sein.


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Wenn mir jemand erklärt, ich hätte das Verhältnis von Entropie und Enthalpie nicht richtig verstanden, erröte ich. Wenn mir jemand mitteilt, ich verstünde den Konstruktivismus falsch, beginne ich, ein Liedchen zu pfeifen.


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Wie allgemein bekannt sein dürfte, kreuzen sich meine Wege in den Räumlichkeiten des Bundestages bisweilen mit jenen des Oppositionsführers, er ist sogar mein Büronachbar, will sagen: Der Mann ist mir, bei aller Sphinxhaftigkeit seines Wesens, nicht völlig unbekannt. Diese präludierenden Worte mögen auf einen Artikel der Berliner Zeitung überleiten, als dessen Autor ein Journalist namens Harry Nutt erscheint, aber Helmut Markwort hat immer gepredigt: Keine Namenswitze! Es ist auch egal, der Text steht hinter der Bezahlschranke, ich kenne ihn nicht, mir genügt seine These, welche wiederum die These eines Buches spiegelt, das Jana Simon geschrieben hat, die ich auch nicht kenne, die aber, wie in der Wikipedia zu lesen steht, eine Enkelin von Christa Wolf ist, von der ich immerhin "Kassandra" gelesen habe, am nächtlichen Diensttisch des UvD bei der Dritten Batterie der Geschosswerferabteilung 9 der neunten NVA-Panzerdivision in Eggesin-Karpin, aber danach kein weiteres Buch von diesem Klageweib mehr. Die Enkelin also, führt Wikipedia aus, hat als freie Journalistin für die taz, Berliner Zeitung und den Tagesspiegel gearbeitet, wenn man Journalismus Arbeit nennen will, und seit 2004 ist sie Autorin der Zeit – eine Karriere, die für politische Ausgewogenheit spricht. ("Simon schreibt aber auch für andere Zeitschriften", setzt das online-Lexikon in drolligem Entschuldigungston hinzu, was gewiss nicht so gemeint ist.)

Nun freilich Schluss mit der Gevatterin und hin zur erwähnten These. Für ihr neues Buch "Unter Druck", notiert die Berliner Zeitung, habe Frau Simon von 2013 bis 2019 den Erdenwandel von sieben Menschen und obendrein auch "den sozialen Wandel in Deutschland" begleitet. Ihr Buch handele unter anderem von "Statuspanik", vor allem indes gehe es darin um die Frage, "warum sich jemand wie Alexander Gauland radikalisiert, von der Mitte nach rechts rückt".

Ich gestatte mir, das rundheraus zu bestreiten. Gauland ist keinen Meter nach rechts gerückt, sondern dort stehengeblieben, wo er immer stand. Die Gesellschaft aber ist als Ganze nach links gerückt, meinetwegen auch in Richtung Narrenhaus. Malen Sie sich nur einmal aus, Sie befinden sich im Jahr 2000, und Ihnen wird geschildert, dass Deutschland knapp zwei Dezennien später aus der Atomkraft und der Kohle aussteigt, an die zwei Millionen überwiegend analphabetische Afrikaner und Orientalen ins Land lässt, sie solide durchfinanziert und die Grenzen immer noch nicht schließt (obwohl die Neuankömmlinge schon mehr Menschen kaltgemacht haben als Honeckers Mauerschützen), sich mit Russland, England und Amerika gleichzeitig überwirft, aber die "Ehe für alle", ein drittes Geschlecht und Zensurgesetze absegnet, immer neue Milliarden gen Südeuropa überweist, um die dortigen Volkswirtschaften "zu retten", sich von Brüsseler Spitzen die Gurkenkrümmung, die Staubsaugersaugkraft und die Gedanken normieren lässt, sich für die "Rettung" Afrikas und des Weltklimas verantwortlich erklärt, das offizielle Freitagsschulschwänzen als säkularen Kult um eine an Asperger laborierende schwedische Nachwuchsheiländin einführt, den Verbrennungsmotor abschafft, Polygamie und Minderjährigenehe legalisiert, Volksfeste mit Wachtürmen, Zäunen und Betonsperren sichert, überall Moscheen aufstellt, den Islam zu Deutschland und Kopftücher zum Stadtbild gehören lässt, nach dreizehn Jahren Bauzeit den Haupstadtflughafen immer noch nicht fertigbekommt, dafür aber das gesamte Land mit Windrädern übersät, die es von Greifvögeln, Insekten und Fledermäusen säubern... – ich breche hier erschöpft ab, es fehlt noch einiges, aber ich muss den Satz an ein Ende bringen: Malen Sie sich also aus, man würde Ihnen das anno 2000 prophezeien, Sie hätten, je nach Naturell, dem Orakellaller einen Vogel gezeigt oder herzlich gelacht. Tja...

Also, Madame, Gauland ist weder nach rechts gerückt, noch hat er sich radikalisiert. Dasselbe gilt für nahezu die gesamte AfD. Sie suchen das Rucken, Rücken und Radikalisieren am falschen Ort. Ende der Durchsage.    



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Fällt der Süddeutsche Beobachter etwa der Führerin in den Rücken?

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Nicht doch! Es geht nur um die Grenzen auf dem Balkan. 'schland lässt die Kerkaporta offen, aber hallo und Hassan mach' Licht!


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Schon länger habe ich vor, Sie, geneigter Leser und teure Leserin, mit der Frage zu foppen, von welchem aktuellen Politiker diese Selbstauskunft stammt (ich bitte um Pardon für die Präsentationsform; ich habe die Seite nur mit dem Händi abfotografiert):
 
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Es gibt Meldungen, die einem die geschichtliche Tendenz überdeutlich vor Augen stellen. Zum Beispiel diese:

"In Unna in Nordrhein-Westfalen wurde eine 18-Jährige am Donnerstag von drei Kindern zunächst belästig und anschließend verprügelt. Wie die Polizei berichtet, wartete die junge Frau im Bahnhof auf den Zug, als das Trio sie ansprach und belästigte. Sie sagte den Jungs dem Bericht nach, dass sie in Ruhe gelassen werden wolle und entfernte sich. Als der Zug einfuhr, stieg sie ein und setzte sich auf eine Bank. Die Minderjährigen folgten ihr und setzten sich dazu. 'Plötzlich griff einer der Jungen ihr an die Brust. Als sie aufstand, um wegzugehen fasste ein weiterer ihr ans Gesäß', teilt die Polizei mit. In der Folge bekam der älteste der Jungen von der Frau eine Ohrfeige. Als Reaktion wurde sie von dem Trio zu Boden geworfen, anschließend schlugen und traten die Kinder auf sie ein." Die Jungen befinden sich im unschuldigen Alter von elf bis 13 Jahren.

Es werde beim "einzigartigen Experiment", die monotonoethnische deutsche Gesellschaft in eine "multiethnische, multikulturelle" zu verwandeln, "Verwerfungen" geben, hat bekanntlich der Harvard-Filou Yascha Mounk in den Tagesthemen versichert. Den Preis für das Experiment zahlen letztlich die Frauen (außer Claudi). Hätte die Schlampe ein Kopftuch getragen, wäre ihr das nicht passiert.

PS: Und wenn die Racker gar keine solchen waren, sondern andere, aus der erlauchten Gilde der Fahrenden? Dann wäre die Maid dennoch in Ruhe gelassen worden, denn wer sich züchtig verhüllt, hat erfahrungsgemäß auch männliche Verteidiger.


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Männliche Verteidiger, also Kerle, die tatsächlich Schneid zeigen – man darf es nicht verwechseln mit dem Meutenmut, den man uns gern als "Zivilcourage" und "Haltung" andreht – hat aber mitunter auch und immer noch die Freiheit. Es ist mir ein Bedürfnis, Ihre Aufmerksamkeit auf zwei solcher Fälle zu lenken. Bei beiden handelt es sich um Briefe, wobei der eine explizit für die Öffentlichkeit bestimmt ist, der andere sie vielleicht nur zufällig erreicht hat.

Den Offenen Brief hat der Literaturwissenschaftler Prof. Peter J. Brenner geschrieben, und er begründet darin, warum er nach beinahe 50jähriger Mitgliedschaft aus der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt ausgetreten ist: weil es dort immer weniger um freie Wissenschaft und überparteilichen Kulturvermittlung gehe, sondern um Zeitgeistgefolgschaft und Gesinnungskontrolle (hier).

Der zweite Brief stammt von einem Studenten, der sich gegen seine Dozentin wehrt, und gibt einem glatt den Glauben an den deutschen akademischen Nachwuchs zurück (Danisch hat auf dieses Monument studentischen Stolzes schon einmal hingewiesen). Mir sind die Umstände, denen sich dieses Schreiben verdankt, völlig unbekannt; ein Weniges, aber Typisches, erhellt aus ihm selber, wenn der Verfasser zufälligerweise den Weg in den kleinen Eckladen finden sollte, würde ich mich freuen, wenn er Kontakt zu mir aufnähme, denn ich wüsste gern, wie die Sache ausgegangen ist (Diskretion ist hier Hausordnung). Ich zitiere eine Passage:

"Der Kampfbegriff 'rechtspopulistisch' ist genauso inhaltsleer wie rechtlich unbeachtlich, wie der des 'Rassismus' oder der der 'Diskriminierung'. Sie berufen sich auf Wissenschaft und operieren ständig mit Begriffen, die im konkreten Kontext der Zulässigkeit von Äußerungen im Rahmen eines Seminars schlicht keinerlei Bedeutung haben. Daher noch einmal in aller Deutlichkeit: Was Sie oder andere für rechtspopulistisch halten und was nicht, spielt keine Rolle. Bitte beschränken Sie sich bei der Bewertung meiner Aussagen auf die Kategorien rechtmäßig und rechtswidrig bzw.wissenschaftlich und unwissenschaftlich. Alle anderen Kategorien haben an einer Universität nichts verloren, sondern allenfalls im Feuilleton.

Zulässiges Diskursthema im Seminar sei, dass nur die Ängste der Dominanzgesellschaft bzgl. Ausländern und Flüchtlingen (zu) ernst genommen würden, welche daraufhin Rassismus legitimierten. Sie dürfen das Thema vorgeben, nicht aber die Ausfüllung desselben. Ihre Versuche, die universitären und staatsbürgerlichen Freiheiten Ihrer Studenten zu beschränken, sind ebenso anmaßend wie rechtswidrig. Sie haben nichts mit universitärer Freiheit zu tun, sondern sind autoritär, indoktrinierend und übergriffig. Vor allem aber sind sie rechtswidrig. Ich verwahre mich dagegen und behalte mir vor, das von Ihnen vorgegebene Thema auch mit Inhalten zu füllen, die Ihnen nicht passen." (Der ganze Brief hier.)

Chapeau!


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"Lassen Sie mich bemerken", schreibt Leser *** auf meinen gestrigen Eintrag zum Naserümpfen des Tübinger OB über die neueste Plakataktion der Deutschen Bahn, "dass Boris Palmer kein Mathematiker, sondern ein unvollständig ausgebildeter Lehrer für Geschichte und Mathematik ist. Die Studienpläne für Lehrer verlaufen zwar im Grundstudiums nahezu parallel zu den Studenten, die ein Vollstudium ihres Faches anstreben, aber schon nach wenigen Semestern trennen sich die Wege. Studenten mit dem Ziel Lehramt werden weder in die Breite noch in die Tiefe ihrer Fächer eingeführt. Dazu fehlen die Zeit und die Notwendigkeit. Da Herr Palmer kein zweites Staatsexamen besitzt, er hat kein Referendariat absolviert und keine Lehrtätigkeit an einer Schule vorzuweisen, ist er kein ausgebildeter Lehrer. Auch wenn offenbar ein Interesse für Mathematik bestand, dürfte Herr Palmer nicht über allzu weitgehende Einsichten in das Fach Mathematik verfügen.

Bei aller Anerkennung für die gelegentlich geäußerten 'vernünftigen' Ansichten von Herrn Palmer, die gemessen an den intellektuellen Leistungen seiner Parteigenossen herausragend und für das konservative Lager besonders wertvoll sind, sollten man ihm keine unverdienten Lorbeerkränze umhängen. Herr Palmer ist, wie leider allzu viele seiner Kollegen, ein Berufspolitiker ohne Berufserfahrung. Auch für ihn gilt: vom Kreissaal in den Hörsaal und von dort in den Plenarsaal."


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Und abermals ist der zwölf Söhne des Jahres einer dahingegangen, die Monatsendfigur wird fällig. Da man auf dem ersten Bild ihr Gesicht nicht erkennt, füge ich ein zweites hinzu, das auch sonst einiges erklärt:

k5tor0oebdky
 
GottaHaveFaith

Amerika, du hast es besser!


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Apropos: "Mit herzlichem Gruß aus dem mittleren Westen der USA" schreibt Leser ***, auf meine Schilderung eines Besuchs im Disneyland Paris Bezug nehmend (Acta vom 28. April): 

"Ich verstehen ja, dass man als Erwachsener es wirklich nicht mag, wenn man 1 1/2 Stunden anstehen muss, um dann mit dem Sohn oder Tochter  1 Minute im Karussel zu fahren. Ich habe dies mehrfach ueber mich ergehen lassen. Dann aber deswegen die 'Amis' gleich der Kulturlosigkeit zu zeihen und dies mit dem amerikanischen Staatsbuerger Rachmaninoff auch noch belegen zu wollen, zeigt wohl einen hohen Grad an Frust ueber die Wartezeit in der Schlange, der zu einer Ueberreaktion fuehrte.

Ich bin sicher, dass Herr Rachmaninoff kein guter Zeuge fuer eine Kulturlosigkeit in Amerika ist – ich lese, dass seine Pianokonzerte hier immer ausverkauft waren und Leute stundenlang dafuer anstanden. So ist  auch der diesjaehrige 'Ring' in der Lyric Opera in Chicago schon ausverkauft und ich bin sogar sicher, dass die Auffuehrungen wunderbar inszeniert und sehr werkgetreu sind. Auch die Konzerte von Pianisten, ob sie Rachmaninoff, Beethoven, Chopin oder gar Gershwin spielen, sind zumeist ausverkauft.

Sollten Sie und Ihre Frau Gemahlin sich einmal ein eigenes Bild vor Ort machen wollen, wie kulturvoll oder wie kulturlos Amerika ist, dann laden wir sie gerne einmal zu einer VIP Fuehrung durch unsere naechste Region und Chicago ein."

Das ist sehr reizend, geehrter Herr ***, und vielleicht fügt es sich einmal. Glauben Sie bitte nicht, dass ich jetzt nachkarten will, mir sind bloß bei der Lektüre Ihrer Mail eine Anekdote und ein Brief wieder eingefallen, die ich aber womöglich schon mal in den Acta zitiert habe. Die Anekdote handelt von dem in Wien geborenen französischen Pianisten Henri Herz (1803-1888), jedoch eigentlich von "der" amerikanischen Mentalität. Herz tourte mehrfach durch die USA und hatte dort einen Agenten namens Bernhard Ullmann, der für ihn PR machte und sich immer schrillere Programme ausdachte, zum Beispiel eine "Hommage an George Washington" für Solisten, Chor, fünf Orchester und 1800 Sänger, sowie einen "Grande marche triumphale" für 40 Klaviere. Herz stieg darauf nur halbherzig ein ("Die Angst vor dem Kalauer ist das Grab vieler guter Scherze" – Johannes Groß) und komponierte ein Stück für acht Klaviere. Darauf Ullmann: "Ihre Ablehnung zeigt, daß Sie den amerikanischen Charakter nicht verstehen."

Den Brief wiederum hat Rachmaninow geschrieben, der mit dem besagten Charakter nie zurande kam und in den Staaten außer auf der Bühne eher ein abgeschiedenes Dasein führte. Er ist datiert auf den 28. November 1908, New York, und darin klagt der Komponist: "In diesem verfluchten Land gibt es nichts als Amerikaner, die überall ihr ewiges 'Geschäft, Geschäft' betreiben (...) Alle Leute sind nett und freundlich zu mir, aber es langweilt mich alles entsetzlich, und ich habe das Gefühl, daß mein Charakter hier ganz verdorben wird."

Das amerikanische Publikum hat ihm gehuldigt, daran lag es nicht (auch wenn der Meister davon angeödet war, dass man immer und immer wieder sein cis-Moll-Präludium hören wollte). W. J. Henderson, Amerikas angesehenster Musikkritiker, schrieb 1930 über ein Piano-Recital: "Die Logik des Spiels war unanfechtbar, der Aufbau ebenfalls, die Darbietung königlich. Uns bleibt nichts, als dem Himmel zu danken, daß wir zu Rachmaninows Zeit leben und hören durften, wie er mit der Macht seines Genies ein Meisterwerk nachschuf. Es war der Tag, an dem ein Genie dem anderen begegnete... Und dabei darf nicht vergessen werden: Es gab keine Bilderstürmerei, Chopin blieb Chopin."


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Wie immer zum Monatsende geht die Kollekte um, mit einem Dank und Vergelt's Gott! an diejenigen, die ihre Eckladengebühren nicht nur beglichen, sondern zum Teil sogar weit übertroffen haben; alle anderen klicken bitte hier.