Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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19. Februar 2019


"Und heute verstehe ich den Standpunkt Christi, seinen wiederkehrenden Ärger über die Verhärtung der Herzen: Da sind all die Zeichen, und sie erkennen sie nicht. Muss ich wirklich zusätzlich noch mein Leben für diese Erbärmlichen geben? Muss man wirklich so deutlich werden?
Offenbar ja."

Mit diesen Worten endet Michel Houellebecqs neuer Roman "Serotonin". Welcher deutsche Autor brächte dergleichen zu Papier?


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Gestern sah ich – Gott weiß, dass es ein Zufall war – die Rede von Bundesjustizministerin Katarina Barley bei irgendeiner Karnevalsveranstaltung, ich glaube, es war in Aachen. Frau Barley trat als amerikanische Freiheitsstatue auf und bat um Asyl in Deutschland, weil der aktuelle US-Präsident sie vertrieben habe. Als gefinkeltes Mitglied einer Partei, die sich mitsamt dem übrigen westdeutschen Juste milieu in der mauerbewehrten Zweistaatlichkeit behaglich eingerichtet hatte und deren Vertreter bereits den Begriff Wiedervereinigung als revanchistisch denunzierten, wuchtete die Ministerin eine verschwiemelte historische Ineinssetzung aus der Bütt ins Publikum: Sie beschied dem schlimmen Grenzzaunzieher Trump, er sei ein Feind der Freiheit, und stellte ihm Ronald Reagan gegenüber (das war, zur Erinnerung, der US-Präsident, den die SPD vor Trump am meisten hasste), welcher vor dreißig Jahren zu Berlin gesagt hatte: "Mister Gorbatschow, tear down this wall." Die aktuell oberste deutsche Rechtswahrerin ist also der Ansicht, eine Grenze, mit welcher die realsozialistischen Diktatoren ihre Untertanen einmauerten, damit sie ihnen nicht davonlaufen, sei ungefähr dasselbe wie die Grenzsicherungsmaßnahmen eines in freien Wahlen gekürten Präsidenten, der die illegale Einwanderung in das von ihm regierte Hoheitsgebiet eindämmen will. Wie gesagt, die Maid ist keine protestantische Pastorin, sondern Justizministerin, aber sie erfüllt die Grundvoraussetzung, um in Deutschland eine politische Karriere machen zu können: Sie kann oder will nicht politisch denken, sondern  seimt lieber in prangender Unverantwortlichkeit Hypermoral.

Überdies spekuliert Frau Barley auf die Dummheit des Publikums, indem sie unterstellt, es glaube ihr Propagandamärchen, Trump sei der Vater des US-Zauns zu Mexico. Die ersten umfänglichen Maßnahmen zur Eindämmung der Migrantenströme aus dem Süden unternahm die Regierung Clinton ("Operation Gatekeeper"). Am 30. September 1996 verabschiedete der Kongress den "Illegal Immigration Reform and Immigrant Responsibility Act", der die Errichtung von Grenzsperren einleitete. Unter jedem auf Clinton folgenden Präsidenten wurden die Grenzanlagen weiter ausgebaut, auch unter dem temporären Erlöser Barack Obama, der übrigens bereits als Senator von Illinois anno 2006 erklärte, dass "bessere Zäune und bessere Sicherheit an unseren Grenzen" dazu beitrügen, "die Flut der illegalen Einwanderung" zu stoppen. Obama sprach damals zum "Secure Fence Act", der eine Barriere entlang der Südgrenze erlaubte und von diversen demokratischen Senatoren unterstützt wurde, darunter Hillary Clinton.

Trump setzt Clintons und Obamas Sicherheitsregime heute fort, nichts außerdem*. Da der Migrationsdruck zunimmt, wird der Zaun größer, stärker, teurer – und vor allem: notwendiger. Müssen die Deutschen noch lernen. Aber man kann guter Dinge sein: Der Verein von Frau Barley liegt in vielen Bundesländern bereits hinter der einzigen Oppositionspartei, was durchaus als Lernerfolg gewertet werden darf.  


* Leser meldet Einspruch an: "Obama hat schon 2011 verkündet, 'aus Illegalität Legalität machen' zu wollen, wenngleich auch auf rhetorisch wesentlich begabtere Weise als die Heimsuchung aus der Uckermark" (hier).



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Die u.a von mir – und von mir besonders innig! – vertretene These, dass viele Medienschaffende der zweiten deutschen Noch-Republik auch in der zweiten deutschen Diktatur einen guten Job gemacht hätten, konnten die Interessierten unter den verbliebenen Medienkonsumenten anhand der Berichterstattung über den Auftritt der Sonnenkanzlerin auf der Münchner Sicherheitskonferenz einmal mehr verifizieren.

"In München blitzt auf, wie die Welt sein könnte: Angela Merkels engagierter Aufruf zur Zusammenarbeit wird gefeiert", akklamierte blitzgescheit die Zeit. "Fast so etwas wie ein Vermächtnis", erspürte der Süddeutsche Beobachter: "Die Kanzlerin spricht Klartext. Die Amerikaner kriegen ihr Fett weg, die Russen, aber auch die Chinesen. So geschieht das, was vergleichsweise selten geschieht. Die Gäste im Bayerischen Hof erleben Geschichte." (Der Autor schiebt noch ein verdruckstes "jedenfalls Konferenzgeschichte" nach; man muss ja an die Zukunft denken.)

"Es war ein diplomatischer Befreiungsschlag in doppeltem Sinne. Zum einen zeigt sie den USA deutliche Grenzen auf. Zum anderen holt sie Deutschland aus seinem diplomatischen Tiefschlaf und gibt Leitlinien vor", ließ das Akademikerportal Focus-online auch diese Gelegenheit nicht aus, intellektuelle Satisfaktionsfähigkeit zu demonstrieren. "Merkels Rede war unerschrocken und deutlich, sie war machtvoll und befreit von der Last des CDU-Vorsitzes. Die mutige Klartext-Kanzlerin scheute die Konfrontation nicht und machte der Welt damit klar: An Deutschland führt kein Weg vorbei und sie zementierte damit auch den deutschen Führungsanspruch in der Welt."

Die Amtszeit des letzten deutschen Führungsbeanspruchers, von dem die deutsche Regierungspresse schreiben konnte, er habe den Amis die Grenzen gezeigt (auch wenn die Blödmänner sie bisweilen nicht erkannten und versehentlich die Schweiz bombardierten), liegt ja deprimierend weit zurück, da ist eine gewisse aggressive Nostalgie verständlich. Nebenbei, erfuhren wir, habe die Kanzlerin auch den Chinesen und den Russen die Koordinaten durchgestellt. Sollte sie das perfide Albion vergessen haben? Dann kommen die Briten wohl bei einer der nächsten Vermächtnis-Reden dran.  

Nicht ganz so "dickhirnschalig" (Goethe) wie der Focus-Weltweise, aber demselben Fulminanzgebot folgend, frohlockte der Berliner Tagesspiegel: "Angela Merkel legt in München los wie die Weltfeuerwehr." Weltfeuerwehr, Weltgeschichte, Weltzusammenarbeit, Weltführung, eine Ahnung der Welt, wie sie sein könnte, Weltesche, Weltenbrand – und mittendrin, nur durch einen dünnen Hosenanzug von der Welt getrennt, unsere Angela I.! "Donald Trumps Vorgänger Barack Obama hätte seine Freude gehabt", notierte verzückt der Tagesspiegel

Dieser Barack Obama sagte übrigens nach dem Ende seiner Amtszeit über seine kongeniale deutsche Partnerin: "Sie ist nun ganz allein."

"Gott sei Dank." (Alexander Wendt)


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Jetzt mal unter uns dunkeldeutschen Betschwestern: In keiner einzigen Hauptstadt der Welt außer vielleicht Paris (aber mit egoistisch gespitzten Ohren) interessiert sich noch jemand dafür, was die deutsche Fremdenführerin von sich gibt. Diese Person ist politisch tot. Außer einigen Exoten der Forschung interessiert sich ja auch niemand dafür, welche Signale von einem längst erloschenen Stern noch auf der Erde ankommen. Wir befinden uns bereits im Satyrspiel, und die Pressstrolche werden bald beteuern, dass ihre finalen Kommentare integrale Bestandteile des Exodos waren.


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Nochmals der Süddeutsche Beobachter: "Merkel wirkt entspannt nach dem Erfolg ihrer Rede, vielleicht ein bisschen zu entspannt. Als sie auf die hybride Kriegsführung und Einflussnahme der Russen zu sprechen kommt, bringt sie das indirekt in Verbindung mit den Schülerstreiks gegen die Klimapolitik. Deren Engagement begrüßt sie, aber dass die Schüler in so großer Zahl ‚plötzlich auf die Idee kommen’, auf die Straße zu gehen, das könne sie sich nicht vorstellen, sagt sie."

Hinter der schwedischen Schulschwänzerin stecken die Russen: Vielleicht ist Merkel ja doch eine große, jedenfalls verkannte Humoristin.


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Mentalitäten. Im französischen Lokal lässt der Maître d'hôtel nach dem zehnten Besuch halb unwillig durchblicken, dass er einen wiedererkennt. Im italienischen Lokal grüßt dich zu diesem Zeitpunkt längst der Koch.


("Definitiv: Nein", widerspricht Leser ***. "Vielleicht einmal auf dem Lande essen gehen und nicht nur in der Hauptstadt. Außerdem ißt man sehr gut in der Provinz.")



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Es war nach den beiden hier veröffentlichten kritischen Zuschriften über Jordan Peterson zu erwarten, dass es Einspruch hagelt. Und es hagelte!

"Jordan B. Peterson ist nicht rechts. Jordan B. Peterson ist nicht links. Jordan B. Peterson ist frei", schreibt Leserin***. "Der Grund, warum sich Ihre intellektuelle Leserschaft aufregt, ist: Der passt nirgends rein. Er ist frei. Existenziell liberal. Er wurde in Kanada als rechtsextrem gebrandmarkt, weil er sich weigerte, ein Gesetz anzuwenden, das vorschreibt, nicht mehr die üblichen Personalpronomen zu verwenden, da Transgender dadurch diskriminiert würden. Das hat Peterson so sehr aufgeregt, dass er sagte, er wird das nie tun, das sei für ihn Neusprech und sehr gefährlich, Worte zu verbieten. Der Anfang von Diktaturen.

Er hat glasklar gemacht, dass er keine Probleme mit Transgender-Menschen hat. Es gibt dazu ein Youtube-Video mit einer Transgender-Person. Ich vermute, sie ist auf dem Weg zu einer Frau zu werden. Eine sehr junge Frau. Die sichtlich für ihn schwärmt. Mehr als verständlich bei diesem Mann. Sie macht klar, dass es nicht in Ordnung ist, was man Peterson antat. Er wurde in der Uni massivst angegriffen, persönlich. Als Schwein und Schlimmeres tituliert. Sie stellt klar, dass er all das nicht ist und auch kein Feind von Transgender. Dass er aber ein freier Mensch ist. Ein freier Mensch, der sich nicht vorschreiben lassen will, wie er zu reden hat. Sie ist eine Transgender-Aktivistin. Freie Köpfe gibt es überall. In winzigst kleiner Zahl, scheint mir.

Bitte sehen Sie sich das ca. 2 Minuten lange Video an: 'Camille Paglia asked about Jordan Peterson'. Als Appetithappen. Wenn Sie es mögen, empfehle ich das folgende Video: 'Modern Times: Camille Paglia & Jordan B. Peterson', es geht fast 2 Stunden. Ich wollte nicht, dass es aufhört, so spannend fand ich es. Dieses Video ist ein Hochgenuss, weil zwei wirklich intelligente, integre, freie Menschen sich Bälle zuwerfen. 

Zu dem Video, das Sie verlinkten, mit der UK Moderatorin: Ich kannte es schon lange. Wenn man es anguckt, versteht man gut, warum Frauen öfter mal weniger verdienen als Männer. Aber Peterson hat mich hier vor meiner Schadenfreude bewahrt. Viele Menschen triumphierten bei diesem Video, weil die Frau so über Bord ging. Kurz gesagt: Schadenfreude. Peterson hat mehrfach gesagt, dass man das eben gerade nicht machen soll. Dass das, was ihr passierte, schlimm ist. Das so was passieren kann und warum so was passieren kann. Er ist ein Mensch. Er schreibt auch offen über seine eigenen Depressionen und Unglücke. Ohne die wäre er vermutlich ähnlich arrogant wie es Intellektuelle meist sind. Ist er aber nicht. Er ist ein Mensch."

"Sie finden bei Peterson massenhaft Formulierungen und Ausführungen, die Ihre Erkenntnisse unterstützen", sekundiert Leser***. "Sein Beitrag besteht in wasserdichter wissenschaftlicher Argumentation zu allen Punkten des aktuellen Wahnsinns in der geistigen Nacht unserer Zeit. Er repräsentiert den Gegenpol zu unserer Machtelite, in fast jeder Hinsicht. (...)

Ich habe für Sie vorgespult bis zum zweiten Interview eines Radiomoderators mit Peterson: Hier erzählt er ein bisschen, wie gefährlich er die geistige Kampftruppen für unsere Weltgesellschaft ansieht, mit deutlichen Worten. Er hält die Entwicklungen für absolut kriminell.

Es gibt hier leider niemanden seines Schlages."



Und weil aller guten Dinge drei sind, ein kurzes Schlusswort von Leser ***, der empfiehlt: "Diese Schublade würde ich zulassen. Peterson argumentiert als Links-Liberaler, und daraus macht er auch keinen Hehl. Und jedem Liberalen geht der Gender-Quatsch auf die Nerven und unter die Haut, speziell der Konformitätszwang,

Über Peterson zu sprechen ist das Eine. 4chan in diesem Zusammenhang auch nur zu erwähnen hingegen ist, sich eine Bande kriegsgestählter Hartkern-Trolle ins Wohnzimmer einzuladen."


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Ein Blick auf die Webseite der Framing-Artistin und ARD-Mietstrategin Elisabeth Wehling (Acta vom 17.) bestätigt meine Ahnung, was für ein Früchtchen sich der Staatsfunk da als Beraterin auf meine Kosten geholt hat. Da die Holde nachgewiesenermaßen kein Deutsch kann, mag es folgerichtig sein, dass ihre Webseite sich auf englisch der Einen Welt entgegenspreizt; bemerkenswert mag ferner sein, dass sie u.a für das Magazin konkret schreibt, wofür sich die marxistische Arrièregarde um den alten Kremlitza doch ein bisserl schämen sollte, aber geradezu erhellend ist ihre Sponsoren-Wand:

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Da ist ja kaum ein Verein darunter, der nicht in Marats Wanne passte...