Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

1. Februar 2019


Die Nazi-Mentalität auf Nazi-Suche, x.-te Folge, eins.

Dieses Schreiben wurde gestern unter den Besuchern eines Konzertes in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste zu München  verteilt:

IMG 0302

Fast jede Information darin ist falsch oder grotesk verdreht. Der einzige Glatzkopf etwa, mit dem der erwähnte schlimme Cellist freundschaftlichen Verkehr pflegt, dürfte – zumindest, was den Kahlschädel betrifft, temporär – ich sein. Aber wer sind diese Hetzer, die sich hier auf Kosten eines Kollegen so wohlfeil wie trendkonform zu exponieren versuchen? Moosdorf war so frei, sie zu beschreiben (also, im Duktus ihres Steckbriefs, sie "zu bedrohen"):

"Zum Beispiel Moritz Eggert, Professor an der Münchner Musikhochschule. Wenn man dort fragt, wofür, bekommt man zur Antwort: für Denunziation. Denn als Komponist ist er so frei von Inspiration wie als Pianist von Technik und Klangsinn. Die Mannen, die er zur Erfüllung seines gesellschaftspolitischen Lebenswerkes um sich geschart hat, sind von ähnlicher Exzellenz. Arno Lücker, Alexander Strauch – der geneigte Leser möge die Namen und ihre bisherigen Meriten googeln. Was sie verbindet, ist die bedeutungslose Mittelmäßigkeit und ihre gemeinsam gefundene Aufgabe. Als Aktivisten der Musikszene bestätigen sie sich immer wieder ihre wichtige Rolle – vor allem untereinander. Die NMZ (Neue Musikzeitung) betreibt mit ihrer Hilfe einen 'Bad Block of Musick'. Dort werden missliebige Kollegen oder auch nur Künstler, die eine eigene, gar abweichende Meinung haben, an den Pranger gestellt, ihre Likes an den falschen Stellen gezählt und Ensembles dafür in Sippenhaft genommen. Meine Frau zum Beispiel, im obigen Programmzettel noch (unzutreffenderweise) als Jüdin bezeichnet, kommt in einem von dieser Musik-Stasi verfertigten Video als Hund vor: der Hund Olga. Herumkommandiert mit dem schauspielerischen Werkzeugkasten von KZ-Aufsehern – die mir zugedachte Rolle.

Zum Konzert war Professor Eggert höchstselbst erschienen, im Kreise mehrerer geckenhafter Jünglinge trug er Pappschilder in den vollen Saal. Man hatte schließlich 'Überraschungen' angekündigt. Diese beschränkten sich darauf, während des Konzertes die Parolen hochzuhalten und am Ende eines jeden Stückes 'Bravo, Moosdorf, bravo von rechts!' zu brüllen. Die Zuhörer schauten indigniert. Eggert ist übrigens dort Akademiemitglied.

Nun war das aber nicht irgendein Konzert. Das Leipziger Streichquartett, mit bisher über 3000 gegebenen Konzerten weltweit, hat sich auf seinen etwa 120 CD-Produktionen immer auch für die Neue Musik eingesetzt, verfemte Komponisten bekannt und ihre Werke hörbar gemacht. Gestern Abend waren die Akademie und der Bayerische Rundfunk Gastgeber für die beiden hochbetagten Weltstars auf dem Feld der Komponisten: Sofia Gubaidulina und Christobal Halffter. Ihre Diskussion wurde durch je eines ihrer Streichquartette musikalisch umrahmt. Beide hatten in ihrem Leben Repressionen erlebt, wussten somit genau einzuordnen, wie die zuerst filigranen Risse im Firnis der Kultur in die Katastrophe münden. Vor allem Gubaidulina versteht sich als ein Seismograph dieser so verhängnisvollen gesellschaftlichen Verwerfungen. Ihre Musik ist der Kampf gegen den Niedergang des Westens – so ihre Diagnose. Man kann ihrer beider Gesichtsausdruck nicht mehr Betroffenheit nennen, so sehr verstörte sie die offenbare Wiederkehr von längst überwunden geglaubten Zeiten. Das war augenscheinlich nicht ihr heutiges, freiheitliches Europa. Denn mit den von Eggert & Co gelebten Tugenden wurde das Versteck von Anne Frank verraten, wurden im Moskauer Hotel Lux die Listen vermeintlicher Volksfeinde für Stalin zusammengestellt und in der DDR die Mitbürger ins Zuchthaus befördert. 

Ohne willfährige Zuträger und Denuzianten und ihre Grundüberzeugung, auf der richtigen Seite zu stehen, kann kein System der Gesinnungskontrolle existieren. Die Freiheit zerschellt an der Mauer der vermeintlich richtigen Ideologie und die Demokratie am moralischen Imperativ.  Und der Kunstbetrieb, die Avantgarde der spielenden und schreibenden Zunft assistiert, vermutlich weil ihm andere Argumente fehlen. Das ist es, was die 'Erklärung der Vielen' zuletzt darstellt: eine bestellte Ergebenheitsadresse, eingetrieben von der Angst, auf der falschen Seite zu stehen, von Leuten wie Eggert. Ein Typus, ohne den sich 1944 kein Freiwilliger mehr für die Ostfront und 1988 kein Kandidat mehr für die SED gefunden hätte. Weiter so!"

Nun, hier ist es aber Moosdorf, der maßlos übertreibt: Eine solche Molluske wäre ein schneidiger Pg geworden, hätte sich aber niemals freiwillig zur Front gemeldet.


                                        ***


Die Nazi-Mentalität auf Nazi-Suche, x.-te Folge, zwei.

Am 22. Januar stürmte eine Gruppe maskierter Antifas an der Frankfurter Universität eine Vorlesung in klinischer Psychologie, um eine Studentin als Mitglied der Identitären Bewegung zu entlarven. Eine eher wohl linke Webseite beschreibt den Vorgang indigniert: "Die selbsternannten Campusschützer enterten lärmend den Hörsaal, stellten die Betreffende namentlich bloß und verteilten ein Flugblatt, in dem nicht nur Name und Adresse der 'Täterin' genannt wurden, sondern in dem alle anderen Studenten gleichsam dazu ermuntert wurden, der nun im Fokus des antifaschistischen Volkszorns Stehenden bei einem 'zufälligen Treffen' zu zeigen, was von 'rechtsradikalen AkteurInnen' zu halten sei. Für dieses triumphale öffentliche Vorführen einer einzelnen Studentin inklusive des mitgelieferten Aufrufs zur Gewalt erwartete die heroisch kämpfende Krawalltruppe wohl eine ordentliche Portion Anerkennung von allen Beobachtern des Treibens, schließlich verhinderte man mit diesem Einsatz gegen die hochgefährliche Psychologie-Studentin mit identitärem Fimmel mal wieder die Aufrüstung zum Vierten Reich oder Schlimmeres."


                                      ***


Die Nazi-Mentalität auf Nazi-Suche, x.-te Folge, drei.

Leser *** teilt mir mit: "Ich bin Hörgeräteträger und seit 15 Jahren treuer Kunde der Fa.*** in ***. Nun benötige ich ein neues Hörgerät mit Anbindung an meine Geräte am Arbeitsplatz, und habe mich dazu an den Geschäftsführer der Firma gewendet. Nach meiner persönlichen Vorstellung dort bekam ich eine Mail, die sagte: 'Nach Rücksprache und reiflicher Überlegung, nehmen wir Abstand von der Hörgeräteausprobe. Ich bitte Sie dies zu akzeptieren und nicht weiter zu hinterfragen.'"


Überaus verwundert über diese Mail habe er sich schriftlich nach den Gründen erkundigt. Die Antwort lautete, man habe vom Engagement des Kunden für die AfD erfahren, "nachvollziehbar das Jahr 2014". Der Geschäftsführer halte "Teile der AfD für menschenverachtend und gefährlich", und aus diesem Grunde möge sich der Frager seine Hörgeräte anderswo besorgen.

"Man hat sich einen Vorgang im Jahre 2014 notiert und im Internet nachgeschaut, daß ich bei der AfD war, und hat daraus beschlossen, die Geschäftsbeziehung zu mir abzubrechen, ohne persönlich mit mir darüber zu sprechen", schreibt ***. "Ist diese Gesellschaft in Deutschland noch normal?"


                                         ***


Man darf eines nicht vergessen: Nachdem die Nazis ihnen jahrelang eingebimst hatten, dass alles Übel von den Juden ausgehe, glaubten viele brave Deutsche, ab 1933 beim Judenboykott und Gesicht zeigen gegen "Juda" ein gutes Werk zu tun.