Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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26. Januar 2019


Nachdem einige Abgeordnete der AfD-Fraktion im bayrischen Landtag ihr demokratisches Mandat dazu missbraucht hatten, während einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus demonstrativ den Plenarsaal zu verlassen, anstatt sich standes- und ordnungsgemäß von Charlotte Knobloch als Verfassungsfeinde und Hassverbreiter beschimpfen zu lassen, nach diesem weiteren schlimmen Eklat in der schier unendlichen, allenfalls von einem breiten Bündnis aus Verfassungsschutz, Sebastian Krumbiegel und Ralf Stegner beendbaren Serie von AfD-Hassverbrechen setzte Vera Kosova, die Vorsitzende der Vereinigung "Juden in der AfD", die besagte Serie fort, indem sie in einem Offenen Brief schrieb:

"Noch nie war die politische Haltung des Zentralrates der Juden in Deutschland ihren jüdischen Mitgliedern gegenüber dermaßen durchschaubar verräterisch wie in den letzten Tagen.

Herr Schuster als Präsident des Zentralrats der Juden und Frau Knobloch folgen dem Rufe der rot-grünen Meinungsmacher und marschieren mit den propagandistischen Vortrommlern der Altparteien im gleichen Schritt. Die wahre Gefahr für das jüdische Leben in Deutschland und Europa, nämlich den muslimischen und linken Antisemitismus, ignorieren sie geflissentlich.

Nach wie vor missbrauchen sie die toten Juden der Vergangenheit für ihre politischen Zwecke und scheren sich nicht um das Wohl der heute hier lebenden Juden. Sie bekämpfen scheinheilig 'im Namen der Demokratie' den demokratischen Meinungspluralismus und verbreiten schamlos Lügen über unsere Partei, die mit der Realität nichts zu tun haben."

 
Daraufhin entspann sich eine via Mail ausgetragene angeregte, konstruktive, offene, bunte, aber auch kritische Debatte zwischen dem Sprecher des Neuen, quatsch, des Jüdischen Forums in der CSU sowie einigen der AfD und ihren Gliederungen nahestehenden bzw. sogar angehörenden Juden, die ich hier, den Lebenden zur Mahnung, dokumentiere.


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Ein kleiner, vernachlässigenswerter Unterschied zwischen dieser Republik und der bereits untergegangenen, wenn auch immer noch vorbildlichen und zuletzt von Erich dem Einzigen regierten besteht darin, dass in der Zone die Volksaufklärung nicht ganz so lückenlos und flächendeckend funktionierte wie heute. Ein großartiges Beispiel dafür war am späten Abend im ZDF zu bestaunen, näherhin im "Aktuellen Sprtstudio". Dort gastierte ein junger Mann namens Equanimeous St. Brown, US-amerikanischer Football-Spieler mit deutschen Wurzeln und nicht hundertprozentig biodeutscher Hautfarbe, der – auf deutsch – über seine Karriere in der NFL sprach. Also über Sport. Nun existiert allerdings auch das "Aktuelle Sportstudio" nicht im luftleeren, unpolitischen Raum, auch ein Sportmoderator besitzt gesellschaftliche Verantwortung und muss seinen Beitrag leisten.    

Elfeinhalb quälende Minuten ließ der Bub verstreichen, eher er endlich auf ein "Thema" kam, über das in der NFL nicht gern gesprochen werde, nämlich, na was schon, die Einsteinschen Feldgleichungen. Ein Spieler, ein Schwarzer oder Mohr oder Amerikaner mit afrikanischem Migrationshintergrund– ich weiß nicht, welche Formulierung gerade state of the art ist – hatte sich während der Hymne hingekniet, um gegen oder für die Feldgleichungen, ich habe es nicht genau verstanden, zu protestieren. Wie er das finde, erkundigte sich der Moderator bei seinem Gast, und der gab zur Antwort:

"Was er gemacht hat, ist gut, das ist seine Passion, aber meine Passion ist, Football zu spielen."
Moderator: "Warum machen Sie es nicht auch? Haben Sie sich mal überlegt, sich hinzuknien bei der Hymne?" – ungefähr so wie früher Özil und Boateng bei der deutschen?
Equanimeous St. Brown: "Wir haben als Mannschaft darüber gesprochen, und wir stimmten überein, dass wir stehen werden" (bei der Hymne).
Der Moderator hakt nach: Der Niederknieer habe seitdem keinen Job mehr in der NFL, habe das mit seinem Protest zu tun?
Antwort: "Das hat möglicherweise damit zu tun, aber wenn er ein besserer Quarterback wäre, würde er noch spielen."
Wie groß sei das Problem mit den Einsteinschen Feldgleichungen in den USA?, lässt der smarte Staatsfunker nicht locker. "Haben Sie schon mal etwas damit erlebt?"
Ja, in der High school habe mal einer auf einem Foto bei snapchat das Affen-Emoji über sein Gesicht gesetzt. Das sei nicht schön gewesen, aber schon eine Weile her.
Ein As hat der Moderator noch im Ärmel: Viele sagten, es sei seit Donald Trump schlimmer geworden mit der Akzeptanz der Feldgleichungen – "sehen Sie das auch so?"
Equanimeous St. Brown: "Nein, für mich persönlich hat sich nichts geändert, mit Trump ist alles, wie es war."
Wahrscheinlich werden sie ihn nicht mehr einladen ins ZDF.
(Das Gespräch zum Nachstaunen hier.)