Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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24. Januar 2019


"Spiegel-Leser wissen Mär."
Wolfram Ackner



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Die Landespolizeidirektion Erfurt teilt mit, dass anlässlich des Festakts "100 Jahre Weimarer Nationalversammlung" am 6. Februar ein Ring um die Altstadt komplett verkehrsfrei gehalten werde, zentrale Stadtbus-Haltestellen werde man verlegen. "Fußgänger können am 6. Februar die Verkehrssperrungen frei passieren. Eine Ausnahme bildet ein spezieller Sicherheitsbereich, der vom Theaterplatz über die Passage am Zeughof, die Rittergasse bis auf den Herderplatz reicht. Hier bewegen sich die Gäste vom Bundespräsidenten bis zu den Ministerpräsidenten der Bundesländer zu Fuß".

Und während sie sich dort wechselseitig ihrer Weltoffenheit versichern, während sie betonen, dass niemand sich abschotten dürfe und Zäune keine Menschen aufhalten, möchten sie natürlich ungestört bleiben.


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Ich habe gestern hier dieses Zitat veröffentlicht:

„Neunzig Prozent der Experten sagen, der Klimawandel sei menschengemacht." – "Wie begrüßenswert, dass jetzt auch über wissenschaftliche Aussagen abgestimmt wird! Vor 500 Jahren waren übrigens mindestens 90 Prozent der Experten der Ansicht, dass die Erde eine Scheibe ist, aber die Kirche hat die Abstimmung damals noch blockiert."

Und ein Lesersturm brach los! – freilich nicht wegen des Klimawandels, sondern wegen der flachen Erde. Die Alten, Aristoteles, Plinius d.Ä., Cicero, Claudius Ptolemäus e tutti quanti, hätten es längst gewusst, aber auch im Mittelalter sei die Kugelgestalt der Erde unter Gebildeten bekannt, ja Konsens gewesen, von Abaelard, Albertus Magnus, Thomas von Aquino, Averroës, Roger Bacon, Hildegard von Bingen, Papst Pius II., Marco Polo, Dante usw. usf. bis hin zu Tycho Brahe, Galilei und Kolumbus! Im Reichsapfel habe der Globus sogar ein allen sichtbares Symbol gefunden.

Geschätzte Leser, einige der Genannten und deren Ansichten sind mir bekannt, und in meinem Arbeitszimmer steht eine Nachbildung des Mercator-Globus von 1541:

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Ich befinde mich durchaus im klaren darüber, dass vor 500 Jahren die Idee, dass wir auf einer Scheibe leben, nicht unumstritten gewesen ist, namentlich unter Seefahrern. Ich habe ja nur einen Dialog wiedergegeben, ohne seinen Wortlaut zu verändern. Aber es ist gut, dass Sie mir das nicht ohne Fußnote durchgehen lassen, denn was Leser *** mir schrieb, wusste ich nicht:

"Das Märchen vom Glauben an die Scheibenerde hat sich ein amerikanischer Protestant Anfang des 19. Jh.s ausgedacht, um die katholische Kirche lächerlich zu machen. Dieser neuzeitliche Aberglaube über das finstere Mittelalter ist so unausrottbar wie der Glaube an die mittelalterlichen Hexenverbrennungen, die auch erst nach der Reformation so richtig losgingen (und vor allem in Deutschland und da wiederum gerade auch in den protestantischen Städten, die sich das vom Kaiser nicht verbieten lassen wollten). Als protestantisch erzogener Deutscher habe ich lange gebraucht, bis ich das einsehen wollte und ‚glauben’ konnte.“



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Die Meldung des Tages finden Sie übrigens hier.


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Leser *** hat sich die Mühe gemacht, den gestern erwähnten umfangreichen Bericht zu den aktuellen Migrationszahlen auf der Suche nach deren Zusammensetzung durchzugehen:  "Es sind knapp 780.000 Menschen aus der EU, etwa 200.000 Erstanträge Asyl, 114.000 Personen Familiennachzug, 100.000 'Bildungsausländer' (welch eine Wortschöpfung) und 60.000 die planen, hier zu arbeiten (S. 82). Das sind zusammen knapp 1.250.000 – also fehlen immerhin 300.000 Personen, über die sich der Bericht ausschweigt.
Erwähnenswert ist, dass neben den 1.5 Millionen Einwanderern auch 1.1 Millionen Menschen das Land verlassen haben, also haben wir einen 'Nettogewinn' von etwas über 400.000 Personen.
Übrigens stellen die Rumänen das größte Kontingent, ich nehme an, dass reichlich 'fahrendes Volk' dabei ist, also Personen, die für unsere Gesellschaft als Arbeitskräfte gleichwertig anzusehen sind mit den meisten Asylbewerbern.
Bei der Auswanderung von Deutschen schrillen allerdings meine Alarmglocken. Das waren in 2017 immerhin 250.000 Personen, meist unter 50 Jahre alt, und die größten Zielländer sind nicht Albanien oder Togo, sondern Schweiz, USA, Österreich und UK. Diese Länder nehmen sicher keine H4 Empfänger auf, sondern picken Rosinen.
Freundlicherweise stellt der Bericht das anhand der Zahlen der Ärzte dar: Es sind 2000 ausgebildete Ärzte ausgewandert, und bei knapp 9000 Studienplätzen in Deutschland für Medizin pro Jahrgang ist das ein Aderlass von mehr als 20% eines Jahrgangs. Mich wundert, dass da niemand aus der Politik nervös wird.
Wenn ich mein Durchblättern des Dokuments und den daraus gewonnenen Erkenntnissen mit den Berichten aus der Presse vergleiche, dann schneide ich qualitativ erschreckend gut ab. Ich habe eine knappe Stunde investiert."