Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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5. Januar 2019


Seitdem die Christenheit der Geschichte ein Ziel verhieß, nistet diese Idée fixe in den Gehirnen des Westens. In der Parusie-Vorstellung der aktuellen Progressisten stehen wir zwar kurz vor dem Einzug ins multikulturelle Gottesreich der Einen Welt, aber noch in der Endzeit des Antichristen, der auf Pseudonyme wie Trump, Orban, Salvini oder Gauland hört. 


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"In Budapest haben etwa 10.000 Menschen erneut gegen die ungarische Regierung des rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban demonstriert", meldet die Tagesschau. "Nach einem Marsch durch die Innenstadt zogen sie bei nasskaltem Wetter vor das Parlament."

Fehlt da nicht etwas? Gegenkundgebungen, Blockaden, Proteste, der Schwarze Block? Angriffe auf die Demonstranten, Polizeiabsperrungen, lautstarke Regierungsclaqueure? Aufgebrachte Politiker, die den Oppositionellen vorwerfen, Stimmung zu machen und die Gesellschaft zu spalten? Zivilgesellschaftliche Initiativen pro Orban? Künstler, Gewerkschaften, Kirchen, Satiriker gegen Hass und Hetze? Es-reicht!-Kommentare in den Gazetten und im Staatsfernsehen? Nichts? Zumindest wurde nichts dergleichen gemeldet. Daraus kann man entnehmen, dass die ungarische Demokratie anscheinend vorbildlich funktioniert.

"Die Kundgebungen richten sich auch gegen andere Missstände unter der Orban-Regierung, darunter die als einseitig und regierungsfreundlich kritisierte Berichterstattung des staatlichen Rundfunks", heißt es weiter. Nein so was! Wahrscheinlich ist dieses Ungarn doch einem schrecklich repressiven Regime in die Hände gefallen.

                                       
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Jedes Land hat die Hackerangriffe, die es verdient. Der momentan bekakelte war offenbar so dilettantisch, dass man nicht einmal wagt, die Russen dafür verantwortlich zu machen. Ein von Ideologen und Infantilen regiertes Land kann seine realen Grenzen nicht schützen, warum sollte es bei den virtuellen anders sein? (Siehe auch hier.)



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Immer mal wieder steht der verbliebene Zeitungsleser vor der diffizilen Abwägung, ob er gerade ein Werk der Lügen-, Lücken- oder Lumpenpresse studieren durfte. Etwa:

"Seitdem mehr Migranten in Deutschland leben, stieg die Zahl der Patentanmeldungen von 58.000 auf 62.000 (wie die Autoren der DIW-Studie nachweisen). Die DIW-Studie verschweigt aber, dass die Anzahl der erteilten Patente zurückging, von 2006 = 21.000 auf nur noch 14.000 zehn Jahre später.
Das Fazit in FAZ-Prosa: ‚Fast jedes zehnte aus Deutschland angemeldete Patent stammte im Jahr 2016 von einem Erfinder mit Migrationshintergrund, berichtete am Donnerstag das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Das entspreche rund 3000 Patenten. Im Jahr 2005 lag der Anteil noch bei 6 Prozent.’
Das Fazit in der Realität: 21.000 erteilte Patente im Jahr 2006 – zehn Jahre später nur noch 14.000.
Ein Minus von 33 %."
(Mehr hier.)

Am Rande: Es empfiehlt sich, die Patentanmeldungsraten in den Herkunftsländern der aktuellen Migrantenscharen zu studieren, um die Faktenzurechtbiegerei der Qualitätspresse angemessen zu würdigen. Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Die Patentanmelder mit dem edlen Hintergrund stammen fast alle aus Asien, Russland, Osteuropa – oder aber gewisse Orientalen resp. Nordafrikaner werden mit der Überquerung der deutschen Grenze genial.

PS: Passend dazu diese Tatarenmeldung vom Dezember 2015. "86 Prozent der syrischen Flüchtlinge sind hochgebildet", verkündete das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR damals, und die Willkommenspresse verbreitete die Relotiade (= erwünschte Illusion), ohne sich von des Zweifels Blässe ankränkeln zu lassen. 


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Apropos: Immer neue Details des Falls Relotius sickern an die Öffentlichkeit. Der "Star-Reporter" hat sogar Reportagen geschrieben, ohne dafür den Schreibtisch zu verlassen, beispielsweise ein Propagandastück namens "Der Kapitän weint" von Bord eines Flüchtlings- bzw. Schlepperschiffs, erschienen im Juli 2018 im Spiegel. Der Kapitän allerdings "weint überhaupt nicht. Im Gegenteil: Er ist richtig wütend auf den Autor", notiert Alexander Wallasch, denn der Relotius-Text sei eine Fiktion. Wallasch stellt zwei angemessen peinliche Fragen: Warum empört sich der Kapitän erst ein halbes Jahr später über die Märchenstunde? Und warum haben die drei Co-Autoren des Relotius-Märchens, die eigentlichen Rechercheure der Story, ebenfalls geschwiegen?

Wie ich schon sagte: Relotius ist kein Ausnahmefall, sondern ein struktureller. Jetzt sind es schon vier Spiegel-Redakteure, die im Zuge der Affäre ihre Glaubwürdigkeit verloren haben, plus zwei Chefredakteure und x Dokumentare. Und dabei wird es nicht bleiben. Wer soll denen je wieder etwas glauben?


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Seit Weihnachten liegt ein Schreiben auf meiner Festplatte, zu dem ich mich äußern muss, und heute ist eine gute Gelegenheit dafür. Leser *** widerspricht mir (worum ich, erstens, bitte, und was ich, zweitens, selber praktisch täglich tu'), näherhin meiner Aussage: "Das besonders Unangenehme ist die antimarktwirtschaftliche Attitüde, das Billig-Pathos des 'Wären die Reichen ärmer, wären die Armen reicher', wo doch tatsächlich die Produktion von Reichtum der einzige Weg aus der Armut ist, weshalb auch alle arme Welt um Investitionen bettelt …. Die alte Frage: 'Sozialismus oder Kapitalismus?' lautet heute: 'Sozialistische Weltregierung oder freie Weltmarktwirtschaft?'."

"Es ist ein kleiner Unterschied", schreibt ***, nach Selbstauskunft "promoviert über Technologie und Ökonomie, Außenhändler mit 30jähriger Berufserfahrung im technologischen Springen auf vier Kontinenten", es sei also ein kleiner Unterschied, "ob man behauptet, dass 'die Armut der Vielen den Luxus der Wenigen' bezahle – womit eindeutig die Distribution wirtschaftlicher Erträge nach erbrachter Leistung angesprochen wird – oder aber wortverdrehend und ökonomisch falsch kalauert 'Wären die Reichen ärmer, wären die Armen reicher'. Die Propagandisten der letzteren Formel betrachten Heckgeld, Buchgeld, wie 'kommunizierende Röhren'. Es sollte sich doch bis Südbayern herumgesprochen haben, dass 92 Prozent des gebuchten Geldes ('Digitalgeld') nicht Erträge materieller Produktion sind, sondern Kreditzinsen, Wetterträge auf Aktienkurse und Schrottimmobilienpreise, Zertifikatgewinne, derivative Renditen, etc. Die reichsten Reichen haben davon besonders viel, während das Portemonnaie-Geld der Armen immer zu 100 % aus Leistung in der Warenproduktion (incl. Dienstleistungen) stammt.

('The total value of the world’s money is $90.4 trillion', http://money.visualcapitalist.com/worlds-money-markets-one-visualization-2017)

Auch diese Vorstellung ist klarzustellen: es gibt keinen Welt'markt' und schon gar keinen 'freien Markt' für industrielle Güter. Einen 'Markt' stellt sich der Durchschnittsabsolvent einer VWL/BWL-Ausbildung als Begegnung von gleich kräftigen 'Anbietern' und 'Nachfragern' vor, so wie es Adam Smith auf einem Wochenmarkt seiner Zeit beobachtet haben könnte. So laufen aber im 20./21. Jahrhundert die Geschäfte nicht. Die Geldbesitzer ('Investoren') sind auf jeden Fall die Zwangsmauseler – und das nicht nur gegenüber den schwäbischen Hausfrauen, sondern besonders gern gegenüber 'Vater Staat'. Noch eine Stufe höher versuchen sich manche would-be-Weltmächtige mit Zollkriegen gegen vermeintlich abhängige Länder. Power trades, not sex, stupid. Da also die 'freie Weltmarktwirtschaft' ein Mythos von pensionsberechtigten VWL/BWL-Professor und nicht die Wirklichkeit der CEOs dieser Welt ist, lautet aus Sicht der Zwangsderessourcierten (früher hieß das 'Expropriierten') und Abgeschalteten ('Bettler') die Entscheidungsfrage tatsächlich: 'Zwangsglobalisierende Konzerndiktatur oder soziale und demokratisch-dezentrale Ressourcenwirtschaft?'. Letzteres erfordert natürlich Durchblick durch sehr komplexe technische und gesellschaftliche Zusammenhänge. Und logisches Denken und Sprechen. Kann man nicht von jedem Texter verlangen."


Ich gehe davon aus, dass alles, was Leser *** vorträgt, richtig ist (auch wenn ich nicht weiß, wie repräsentativ "Digitalgeld" für die Gesamtlage sein mag). Peter Gauweiler formulierte es so: "Freiheit oder Sozialismus" sei früher die Alternative gewesen, heute laute sie "Freiheit oder Goldman Sachs". Ich muss mein unterkomplexes Statement wohl kommentieren, denn es gibt durchaus Überschneidungen. Ich halte daran fest, dass der Sozialismus, der Weltsozialismus, die one-world-Ideologie, ob sie nun mit ökologischem oder sozialem Planierschild die ethnisch-kulturellen Unterschiede einebnen will, die größte aller Bedrohungen für die Freiheit des Individuums bleibt. Womöglich ist die Freiheit des Individuums aber keine welthistorisch relevante Größe mehr. (Zwei ihrer Gefährder, der Islam und die künstliche Intelligenz, bleiben heute aus der Betrachtung ausgespart; ich blicke schon so kaum durch.)

Ich habe hier oft die These breitgetreten, dass es eine obskure Allianz zwischen globalistischer Linker und globalem Kapital gibt. "Goldman-Sachs" ist ein Feindbild-pars-pro-toto, mit dem ich einverstanden bin, vor allem aus ästhetischen Gründen – mein Neid heißt Ekel –, doch meine Hauptaversion gilt dem Feind, der mich sozialisieren und zwingen will, in der Lüge zu leben. In Teilen ist er bereits eine pikante Allianz mit "Goldman Sachs" eingegangen. Welche Rolle spielen die Staaten dazwischen?

Der freie Markt ist ein Mythos – das stimmt leider. Es gibt da und dort ein paar freie Märkte, doch aufs Ganze gesehen keinen freien Weltmarkt. Das ist schade, denn der freie Markt ist die einzige erträgliche Utopie, weil es die einzige Utopie ist, die niemanden zwangsbeglücken will.

Warum gibt es den freien Markt nicht? Weil es Staaten und Monopole gibt. Libertäre behaupten, es gebe Letztere nur wegen Ersterer. Die unfreiesten – am meisten staatlich beeinflussten – Märkte sind (derzeit) die Finanzmärkte. Sie werfen zugleich die höchsten Gewinne ab. Wie bei der Energiewende wird das Geld der einfachen Leute mit Hilfe des Staates/der Politik in die Taschen einiger weniger Reicher umgeleitet. Die Finanzkrise 2008 hat das überdeutlich vor Augen geführt. Auf einem freien Markt würde platzenden Spekulationsblasen ein reinigendes Gewitter von Insolvenzen folgen. Auf einem staatlich beeinflussten Markt findet eine massive politische Unterstützung für strauchelnde Banken und Unternehmen statt. Auslöser oder zumindest Ermöglicher der Krise war der amerikanische Staat mit seinem Immobilienkreditprogramm für jedermann. Außer für Präsident Obama fand der gute Wille keinen Lohn im Diesseits. Die kriminelle Energie der Banken und ihrer Schmutzpapierhändler benötigt den Staat als unfreiwilligen Hehler. Die Folgen der Finanzkrise konnten wie Flutwellen verteilt und abgewälzt werden, unter anderem auf die Europäer, sprich: die europäischen Staaten, sprich: die europäischen Steuerzahler – weil die Staaten mitspielten und das System stützten. (Das nur als Rechtfertigung für meinen Traum vom freien Markt.)

Auch ohne die Finanzkrise befände sich das quasisozialistische Konstrukt EU heute in enormen Schwierigkeiten – weil es nicht marktwirtschaftlich organisiert ist, sondern von Staatsinterventionen bestimmt wird. Die Notenbanken drucken einerseits Geld ohne Ende, betätigen sich andererseits als Geschäftsbanken und kaufen Anleihen. Die von der EZB ausgehende Null- oder Negativzinspolitik ist reine Enteignung und reinster Sozialismus. Jede Griechenlandrettung ist eine Insolvenzverschleppung etc. pp.

Während also die Mittelschicht via Guthabenabschmelzung auf Raten enteignet und ihrer Ersparnisse und Altersvorsorge beraubt wird, während die Unterschichten immer ärmer werden und mit den Einwanderern um Jobs, Wohnungen und den öffentlichen Raum in den schlechteren Gegenden konkurrieren müssen, verdienen die wirklich Reichen völlig leistungslos auf dem Immobilien- und Aktienmarkt und werden immer reicher. Schreit diese Situation nicht förmlich nach einem Lenin, der "Was tun?" fragt und auch eine passende Idee hätte?

Aber das große, globale Kapital ist raffiniert und schließt ein Bündnis mit denen, die es eigentlich bekämpfen müssten, finanziert sie sogar, indem es ein gemeinsames Ziel ins Auge fasst: die Globalisierung. Die one world. Die neue Ordnung der Weltinnenpolitik. Die Abschaffung der Grenzen, der Nationalstaaten, der Völker, der Rassen, der Klassen, der Kulturen, der Minderheiten, der Familien, Geschlechter. Das globale Kapital maskiert sich politisch korrekt und spielt Sozialismus; es hilft bei der Weltverbuntung und Diversifizierung, unterstützt emanzipatorische NGOs und finanziert eine Studie nach der anderen, die den Rassismus der Völker und Nationen geißelt. Das globale Kapital verbreitet die Parolen der Linken und kämpft gegen die Rechtspopulisten, die Ewiggestrigen, gegen die Partikularisten, Regionalisten und Sezessionisten. In ihre Büros hängen die Globalkapitalisten die Werke moderner multikultureller Künstler. Sie räumen der Linken den Weg frei. In ihrem Zeichen wird der Sozialismus siegen – und umgekehrt. Im Gegenzug möchte das Globalkapital lediglich von Enteignungen und Steuern verschont werden. In der Gestalt eines George Soros scheint die Zukunft auf.

Was uns zum Nationalstaat zurückführt und jener katechontischen Rolle, die derzeit Donald Trump und mit ihm den sogenannten Rechtspopulisten zufällt. Man muss eben auf die merkwürdige Allianz derer schauen, die sich gegen den Rechtspopulismus zusammenschließen, um die Lage zu erkennen. Diese Allianz zerstört die Bedingungen der individuellen Freiheit, jeden Tag ein bisschen mehr. Das Schicksal von Mittelerde liegt in den Händen einiger Hobbits.

Bei der Formulierung der Weltmarktwirtschaft als Zukunftsoption sind womöglich die Gäule der Illusion mit mir durchgegangen. Aber auch den anderen Pol der Alternative zu dementieren, sehe ich keinen Anlass.


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Noch zum Vorigen: "Sehr geehrter Herr Klonovsky, lassen Sie mich als promovierter Volkswirt dazu sagen: Ihr Leser ist ein volkswirtschaftlicher Dilettant. Ein Volkswirt merkt das schon, als er die Ungleichverteilung von Macht und Reichtum anhand der Geldmenge ('Digitalgeld' – er meint wohl Buchgeld und 'Portemonnaiegeld' – er meint wohl Bargeld) untersuchen will. Es geht weiter: Er behauptet, es gäbe keinen Markt, weil es den idealtypischen 'vollkommen Markt' nur selten gibt, und behauptet: 'Einen Markt stellt sich der Durchschnittsabsolvent einer VWL/BWL-Ausbildung als Begegnung von gleich kräftigen 'Anbietern' und 'Nachfragern' vor, so wie es Adam Smith auf einem Wochenmarkt seiner Zeit beobachtet haben könnte.' Das ist kompletter Unsinn; gerade Volkswirte wissen um die Unvollkommenheit der Märkte. Investoren sind keine 'Geldbesitzer'. Usw. Leser *** ist so voll Verachtung, dass er in seiner Wut alles durcheinanderbringt. Es gilt hier wieder einmal der Satz von Wolfgang Pauli: 'Das ist nicht richtig, es ist nicht einmal falsch!'

Aber auch Ihre Antwort ist nicht von großen Kenntnissen geprägt. Wenn Sie sagen: 'Es gibt keinen freien Markt', dann meinen Sie wahrscheinlich, dass es keinen vollkommenen Markt gibt. Aber viele unvollkommene Märkte funktionieren erstaunlich gut, jedenfalls erheblich besser als alle anderen Verfahren der Güterproduktion, des Güterausstausches und der Güterverteilung. Und auch 'der Weltmarkt' ist kein Mololith; es gibt internationale Güter in ganz verschiedenen Bereichen. Den Markt für Erdöl und den für Computersoftware unter die Rubrik 'der Weltmarkt' zusammenzufassen und dann eine pauschalisierende Aussage zu treffen, ist abenteuerlich; eine solche Aussage ist praktisch immer falsch. Ihre Aussage, dass die Finanzmärkte 'die höchsten Gewinne abwerfen' ist sicherlich auch nicht unbedingt richtig; alle deutschen Banken haben zur Zeit miserable Erträge, ebenso die französischen, italienischen und griechischen. Was meinen Sie also mit 'den Finanzmärkten' in diesem Zusammenhang? Ihre Äußerungen über 'das große, globale Kapital' klingen nun wieder sehr marxistisch-sozialistisch, jedenfalls für meinen Geschmack zu pauschal. Das große, globale Kapital gibt es nicht. Was halten Sie von weniger ressentimentgeschwängerten Ausdrücken wie 'viele transnationale Unternehmen' oder ähnliches?"


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Und dieser Leser noch:

  1. "Die Passage 'Während also die Mittelschicht via Guthabenabschmelzung auf Raten enteignet und ihrer Ersparnisse und Altersvorsorge beraubt wird' usw. trifft den Nagel auf den Kopf, genau so ist es. Was dabei noch fehlt ist, dass die angesprochenen 'Reichen' (man sollte wohl Grossinvestoren sagen, wer auch immer diese sind, das kann auch ein Pensionsfonds eines mittelständischen Unternehmens sein) in der Regel auch die ersten sind, die Zugriff auf das zum Nullzins angebotene Zentralbankgeld haben. Wenn dieses Geld dann am Kapitalmarkt investiert wird, so sind die Reichen gegen jede Inflation geschützt – die Überrendite des künstlichen Booms schützt sie. Die Mittelschicht aber, die diese Möglichkeiten nicht hat, steht noch blöder da und das Beste ist, sie merkt noch nicht einmal was vor sich geht. Die Währung wird sukzessive entwertet, der Grossinvestor ist davor geschützt, nur der Mittelstand nicht, der kapiert es aber nicht. Um das Ganze dann noch absurder zu machen, empören sich genau jene, deren Politik diese Folgen heraufbeschwört (SPD & Co), die Reichen würden immer reicher und die Armen immer ärmer.
  2. Dadurch, dass Sie das Grosskapital richtigerweise als eine Partei dieses Kartells identifizieren, erwecken Sie den Eindruck, es handele sich bei der beschriebenen Situation um ein ideales kapitalistisches Wirtschaftssystem. Mir ist klar, dass Ihnen wiederum klar ist (die Anspielung auf die Libertären macht es deutlich), dass dem nicht so ist, ich finde aber, man sollte diesen Punkt noch klarer herausarbeiten, denn sonst könnte man ja wirklich auf den Gedanken kommen, 'Genosse Lenin lag so falsch nicht'. Aber das hier beschriebene Wirtschaftssystem hat nicht mehr viel mit Kapitalismus zu tun. Es ist, was Ludwig von Mises 'Crony Capitalism' nannte, eine Wirtschaftsform, in der der Staat den Wettbewerb zu Gunsten von wenigen Grosskonzernen grösstenteils ausgeschaltet hat und ein Manager/Politiker-Kartell die Wirtschaft zum eigenen Vorteil lenkt. Wie tun sie das? Durch selektive Steuern, Regulierung, Markteintrittsbarrieren und so weiter. Ich finde, wir müssen messerscharf trennen und die Dinge beim Namen nennen. Das beschriebene System ist von Kapitalismus meilenweit entfernt, und wir müssen das auch deutlich sagen."