Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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28. Dezember 2018


Auf die Feiertage zurückblickend, muss man wohl allmählich ein neues "Narrativ" der Weihnachtsgeschichte konstatieren.

Vom aktuellen Papst über diverse Schüler- und Laienspieltruppen wie auch das Auswärtige Amt und Redaktionen bis hinauf in die Gebetsstuben des Süddeutschen Beobachters wird der neuen Lesart gepflogen, welche da lautet: Josef und Maria waren Flüchtlinge. Sagte Ratzingers momentaner Stellvertreter auf Erden bereits wiederholt, und einen Tag vor Heilig Abend zog Heribert der Bärtige nach mit der beherzten Behauptung: "Die Krippe stünde heute in einem Ankerzentrum in Bayern oder in einem Flüchtlingsheim in Niedersachsen", denn bei Heribert dem Mitfühlenden daheim ist ja schon alles voll. Aber – hätte, hätte, Dönerkette – stimmt das denn? Wenn die Krippe heute woanders stünde, wo säugte dann heute die Wölfin Romulus und Remus? Wo würden heute die Männer der Banū Quraiza enthauptet? Wo anstelle von Austerlitz schlüge Napoleon heute Russen und Österreicher? Wo vereinigten sich Rote und Dunkelrote heute zur SED? So viele Fragen...

Außerdem: Die Kinder, die in den Krippen der Ankerzentren liegen, heißen heute ja nicht Josef und Maria, sondern Mehmed und Fatima (oder Zainab, Uum Kultum* und Ruqaya; niemand soll sagen, der Verfasser der Acta hätte die Töchter des Propheten nicht am Schnürchen), und all diese Kleinen hören quasi vom ersten Tag an aus quasi allerhöchstem Munde den Satz: "Wir haben keinen Sohn gezeugt", also auch keinen Īsā ibn Maryam, weder um das Jahr Null und erst recht nicht um das Jahr 2018. Auf das theologische Glatteis, welches den See Genezareth überzöge, wenn wir uns der Erwägung überließen, ob es für die Geburt Jesu noch vor der Parusie ein Update geben könne, wollen wir uns hier nicht begeben. Bleibt immerhin die Frage: Waren Josef und Maria tatsächlich Flüchtlinge?

Die Weihnachtsgeschichte weiß nichts davon. "Es geschah aber, in jenen Tagen ging ein Gebot aus vom Kaiser Augustus, das ganze Reich aufzunehmen. Diese Aufnahme geschah als erste zur Zeit, da Kyrenius Statthalter von Syrien war. Und es zog alles aus, sich aufnehmen zu lassen, jeder in seinen Heimatort. Es ging aber auch Joseph hinauf von Galiläa aus der Stadt Nazaret nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, sich aufnehmen zu lassen mit Mariam seiner Verlobten, welche schwanger war. Es geschah aber, da sie dort waren, daß die Tage voll wurden für sie zum Gebären, und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, da sie in der Herberge keinen Platz fanden." (Lukas 2, 1-7)

Man kann Jesu Geburtsmär zumindest eines entnehmen: Ein braves Paar lässt sich bei einer Volkszählung registrieren, auch wenn das mit Unannehmlichkeiten verbunden ist; keinesfalls wirft es seine Papiere weg. Notfalls kampiert es im Stall, wenn die Hotels, Heime und Ankerzentren überfüllt sind. Nicht im Traum kommt dieses Paar auf die Idee, sich mit Falschangaben einen Schlafplatz zu ergaunern. Soweit zur Weihnachtsgeschichte.

Aber war da nicht doch eine Flucht der holy family, nämlich nach Ägypten, von welcher viele Ölschinken in den auch von Heribert dem Kundigen frequentierten Galerien oder Museen künden? Nachdem die Weisen aus dem Morgenland abgereist waren, erschien Josef ein Engel des Herrn im Traum und befahl ihm, mit Maria und Jesus nach Ägypten zu fliehen, da Herodes, ein Pegida-Vorläufer, das Kind töten wolle. Dort solle er weitere Weisungen abwarten. Nach dem Tod des Herodes erschien der Engel wieder und befahl Josef, zurückzukehren (Matthäus 2,13-20).

Von einer schlechten Behandlung in Ägypten steht dort nichts. Sollte Heribert der Bibelgeschulte womöglich auf Asylheime in Ägypten anspielen? Nein, nein, als Befürworter des "Global Compact for Migration" and population exchange (Resettlement) weiß er genau, dass der Menschenstrom nur eine Fließrichtung kennt; außerdem kommen bei seiner Vorweihnachtsmeditation die Heiligen drei Könige heute mit einem Rettungsboot übers Mittelmeer, um Flüchtlinge (korrekt: Geflüchtete) aufzunehmen. Und unser süddeutscher Laienprediger weiß doch, dass es heute hinreichend viele sentimentale Wohlmeinende gibt, die sich auch einreden lassen, der Heiland sei ein Flüchtlingskind gewesen, das heute täglich in deutschen Ankerzentren wiedergeboren werde, oft sogar unter dem Namen des Siegels der Propheten.
Sela, Psalmenende.

* Leser *** bittet, ich möge Oum Koulthum aus der Auflistung nehmen: "Sie hat es als Person und Künstlerin nicht verdient, in diesem Kontext genannt zu werden." Die auch von mir geschätzte Sängerin – mein syrischer Nachbar hat mich auf sie gebracht – ist allerdings gar nicht gemeint; ich zähle lediglich die vier Töchter des Propheten Mohammed (Muhammad) auf, die er mit seiner ersten Frau Chadidscha zeugte.



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Apropos "heute": Heute kommt die moralische Falange aus dem Islam, aber die Linke kollaboriert...


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Apropos "Narrativ". Leser *** sandte mir diese Statistik:

bschf. Narrativ

Im Frühsommer 2016 wurde das Narrativ entdeckt, wahrscheinlich bei Bielfeld. Wie auf Kommando flutschen Begriffe in die Öffentlichkeit. Ob das beim finsteren mittelalterlichen Einheitsmenschen auch schon so gut funktioniert hätte wie beim modernen ausdifferenzierten Individualisten?

(Die "steile Karriere" des Terminus "Narrativ", korrigiert Leser *** anhand dieser Google-Books-Grafik, habe bereits etwas eher begonnen.)


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Ein progressiver Besucher meines kleinen Eckladens moniert, dass ich mit keiner Silbe auf den deutschen Messerstecher von Nürnberg eingegangen bin (stimmt), wo ich doch "jeden Messerpieks eines Flüchtlings vermelden" würde (stimmt nicht mal im Ansatz, obwohl in der Cloud sogar ausreichend Platz dafür wäre). Damit läge meine Doppelmoral offen zu Tage. Während ich die Attacken derer mit dem berühmten Hintergrund skandalisierte, sei ein deutscher Täter für mich anscheinend nicht der Erwähnung wert.

Nun, die Acta sind kein Pitaval und nur insofern eine Chronik, als sie das Charakteristische dieser Zeit abzubilden suchen. Was die Kreatur betrifft, die zu Nürnberg drei Frauen niederstach: Es war nicht zu verhindern, dass dieser Mensch in Deutschland umhergeht. Keine politische Entscheidung hat diese Tat begünstigt, kein Zeitgeist sie gefördert und verharmlost. Es handelt sich buchstäblich um einen Einzelfall, nicht um eine Struktur oder gar "Kultur". Das ist alles.


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Nochmals zur Causa Relotius. Wie ich bereits schrieb, nachdem der Schwindel aufgeflogen war, hatte ich den Namen Claas Relotius vorher nie gehört oder gelesen. Und nicht nur ich; einem Bekannten, Schriftsteller – ich sollte auch hier besser schreiben: einem bekannten Schriftsteller – war der schrille Name ebenfalls nicht geläufig, und er irritierte mich kurzzeitig mit der Idee, man könne ihn als Anagramm lesen: Rascal lies to U (Der Gauner lügt dich an); vielleicht habe der Spiegel die Selbstanklage-Story nur erfunden, um sie mit einem Ätsch! wieder zu dementieren und so aller Welt in Zeiten von Fäknjuhs zu demonstrieren, wie ehrlich man selber sei. Soll heißen: Die Texte des vermeintlichen und tatsächlich vielfach preisgekrönten "Starreporters" waren so beschaffen, dass ein Teil der Leserwelt sie gar nicht wahrnahm.

Nun möchte Leser *** von mir wissen, wie ich es mir erkläre, dass sogar die Weltwoche und Cicero Texte von unserem journalistischen Münchhausen abgedruckt haben – also meine These von den erwünschten Illusionen bzw. Fakes auf Stichhaltigkeit prüfen, denn speziell das Zürcher Magazin dürfe ja kaum dieselben Vorstellungen davon haben wie der Spiegel. Ich kann nur spekulieren. Offenbar hat Relotius die Weltwoche überwiegend mit Interviews versorgt, sogenannten Promi-Interviews, das heißt, selbst wenn er dort jene Drogen feilgeboten haben sollte, mit denen er Leser und -Innen des Hamburger Magazins beglückte, hat er sie anderen in den Mund gelegt. Es gibt in den Kriterien der Aufmerksamkeitsökonomie auch bei Blättern Überschneidungen, die politisch konträre Positionen vertreten, weil sie ja am selben Kiosk liegen. Es kann aber auch sein, dass die Weltwoche, die wie alle eher "bösen" Blätter heimlich ein bisschen darunter leidet, auf dem Markt der guten Gefühle immer nur am Rande zu stehen, die Texte des Gevatters quasi kompensatorisch veröffentlicht hat. Und wie man hier sieht, wusste Relotius bei seinen Wahlkampfreportagen aus Übersee sehr wohl nach den Vorstellungen des jeweiligen Mediums zu nuancieren...

Im Übrigen und da ich vorhin Heribert den Allerehrlichsten zitierte: Sogar dieser Atlas des deutschen Journalismus wurde schon einer Relotiade (Relotusserie?) überführt, wie man hier nachlesen kann. Einem Tartuffe wie Robert Menasse kann unser süddeutscher Beobachter in puncto Flunkerei freilich nicht das Abwasser reichen.  

PS: Wer sich einmal in dem edlen Kreise umschauen mag, der unter anderem auch einem Relotius zu Preiswürden verhalf, bitte hier. Dieser heilige Ernst, dieser Stilwille, dieses Ethos, diese Klüngelferne, diese ausgesuchten Intelligenzen! Ein Georg Grosz hätte seine Freude gehabt, auch wenn sein Vornamensvetter Diez gar nicht Modell hätte sitzen können...


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Manche Nachrichten muss man, neudeutsch gesprochen, erst einmal sacken lassen: Die Bundesregierung will in den nächsten fünf Jahren drei Milliarden Euro in die Entwicklung von künstlicher Intelligenz (KI) investieren, um die Forschung in dieser Technologie voranzutreiben (hier). Das sind 600 Millionen Euronen im Jahr! In die Entwicklung der natürlichen Intelligenz durch Zuwanderer steckt dieselbe Regierung jährlich bloß schlappe ca. 30 Milliarden. Sieht so Zukunftstauglichkeit aus? 100 neue Professuren sollen überdies geschaffen werden, um an den Hochschulen KI zu lehren. Wenn man den Vergleich mit den hierzulande nur um die 250 Lehrstühlen für Gender-Studies zieht, also der schlechthinnigen Gesellschaftstechnologie der Zukunft, können einem schon sachte Zweifel kommen, ob unsere geliebte Regierung die Gelder richtig umverteilt. Immerhin hat das deutsche Mobilfunknetz den Abstand zum Branchenprimus Albanien etwas verringern können (hier).