|
Seite 2 von 4
Wenn die armen verbrannten Menschen von Auschwitz sie tatsächlich nachträglich kümmerten, würden sie still trauern und nicht öffentlich herumfuchteln, um sich wichtig zu machen. Und wenn arme ermordete Menschen sie tatsächlich generell kümmerten, würden sie nicht immer nur von denjenigen reden, deren Erwähnung moralische Pluspunkte und subventionierte Honorare einträgt, und von den anderen schweigen.
Womöglich ist die Verschleierung der Frau nicht Folge, sondern Ursache der relativen ökonomischen Rückständigkeit der islamischen Länder: Während der westliche Mann durch die Präsentation weiblicher Attraktivität zum Geld-, Macht- oder Prestigeerwerb getrieben wird und so den Großteil des sogenannten Fortschritts produziert, ruht der Muslim im seligen Stumpfsinn seiner frauenreizarmen Umwelt.
Ein Mensch von Geschmack widerspricht dem Dummkopf, der seine Meinung teilt, zugunsten des Gescheiten, der eine andere vertritt.
Ist es nicht wundersam, wie sich durch die Hinzufügung eines einzigen Konsonanten der "Autorenkreis" in den "Autorennkreis" verwandelt?
Es heißt immer wieder, Leute wie Pollock, Warhol oder Beuys hätten "unsere Sehgewohnheiten verändert". Also meine nicht.
Es gibt eine neue Theorie der Hirnforschung, die behauptet, im Menschen existiere kein definierbares Ich, sondern eine Art Autopilot führe die Geschäfte. Sollte dies der Fall sein, hätte mein Autopilot gern den von Shakespeare.
Die Wissenschaft hat die alten Mythen nicht widerlegt, sondern nur präzisiert.
Der Sozialstaat ist am beliebtesten bei den Asozialen.
Viele "nichtemanzipierte" Frauen sind hinreichend raffiniert, ihren Mann dienend zu beherrschen, viele "emanzipierte" so plump, mit ihm zu konkurrieren.
Je weniger die bildende Kunst bereit ist, den Menschen darzustellen, desto heftiger behaupten ihre Marktschreier, dass sie sich an ihn wende.
Auch die diesjährige Documenta stand wieder unter dem bewährten Motto: Bastelnachmittag im Irrenhaus.
Es gibt Leser, die nahezu empört darauf reagieren, wenn ein Roman keine spannende Handlung erzählt. Dabei erzählt ihr eigenes Leben doch auch keine.
Das naturwissenschaftliche Denken endet mit dem Hinweis, dass sich etwas naturgesetzmäßig vollziehe. Das philosophische Denken beginnt dort.
Auch über ein Thema schweigen kann man nur mit jemandem, der es gut kennt.
Da die Mehrheit der Völker in der Weltkultur eine eher zweitrangige Rolle spielte und spielt, darf dieser Gedanke unter Demokraten nicht ausgesprochen werden.
Ich plädiere für die Erweiterung des hiesigen Strafrechts um den Tatbestand der Tätervolksverhetzung.
Bach nach dem Willen der Rechtschreibreformer: Das wohl temperierte Klavier.
Der Exodus war ein Vorgang der Theologie, nicht der Realität; die Israeliten sind nicht aus Ägypten geflohen, weil das Pharaonenreich so brutal war, sondern sie haben sich geistig von ihm abgegrenzt, weil es so attraktiv war.
Auch die stolzeste, begehrenswerteste, hochmütigste Frau weiß instinktiv: Es ist nur die permanente Drohung durch andere Männer, die den Tölpel dort hindert, über sie herzufallen.
Eine der Lehren von 1933 ff. besteht darin, daß man als anständiger Mensch an konformistischen Veranstaltungen wie dem "Aufstand der Anständigen" eben nicht teilnimmt.
Das Leben ist einfach zu kurz, um sich in der Wirklichkeit einzurichten.
Ich habe noch keine einleuchtendere Definition des Todes gehört als jene, daß bei seinem Eintreten Yin und Yang sich trennen.
Frauenzeitschriften sind entweder der Nachweis, daß viele Frauen tatsächlich ziemlich blöd sind, oder aber die Demonstration einer jede Stammtisch-Misogynie locker hinter sich lassenden Frauenfeindlichkeit in den fraglichen, meist auch noch von Frauen gemachten Blättern. Oder eben beides zugleich beziehungsweise kreuzweise.
Wenn sich ein Deutscher und ein Immigrant prügeln und der Immigrant gewinnt, handelt es sich um ein Integrationsproblem. Gewinnt der Deutsche, ist es Rechtsextremismus.
Der "Menschheitsfortschritt" besteht vorwiegend darin, daß ihn, ungefähr seit dem amerikanischen Bürgerkrieg, die erfolgreichsten politischen Gauner im Munde führen.
Es ist für einen kultivierten Menschen sinnlos, eine Theater- oder Operninszenierung zu besuchen, deren Regisseur damit in die Feuilletons wollte.
Lieber zum zweihundertstenmal die "Tosca" als zum zweitenmal "Moses und Aron".
Wenn eine Frau nein sagt, meint sie in Wirklichkeit ja, versichert der Macho. Wenn eine Frau nein sagt, meint sie auch nein, erklärt die Feministin. Recht haben sie beide: Wenn eine Frau nein sagt, meint sie mal dies und mal das.
Wer Globalisierung sagt, will betrügen.
Männer sollten nicht zu stolz sein auf die Frauen, die sie abbekommen; fast alle haben zuvor von einem Erfolgreicheren und Attraktiveren geträumt.
Spätere Historiker werden sich streiten, ob Deutschland 1918, 1933, 1945 oder 1968 untergegangen ist, aber sie werden sich darüber einig sein, daß es seine Blütezeit im Kaiserreich der Hohenzollern erreicht hatte.
Es entsteht ein gewisses Amüsement, wenn man in jede personenbezogene Schlagzeile der Boulevardpresse, sofern es nicht ohnehin schon dort steht, das Wort "nackt" semantisch passend einfügt.
Der Erfolg von Emanzipationskollektiven verhält sich umgekehrt proportional zu ihrer öffentlichen Selbstdarstellung als Unterdrückte.
Mitunter befürchte ich, daß jeder Gedanke, der sich nicht auf Mittel und Wege richtet, diesen Planeten zu verlassen, ein gattungsgeschichtlich überflüssiger ist.
Viele deutsche Zeitgeschichtler erwecken den Eindruck, sie könnten ebensogut der Anklagebehörde der Nürnberger Prozesse zuarbeiten. Oder halt, ein paar Jahre früher, dem Volksgerichtshof.
Das Verlangen nach mehr Freiheiten ist in der Regel bloß der Wunsch nach unbehelligter Regression.
Dämonisch ist nie der Geschlechtsakt, wie bizarr er auch veranstaltet wird, sondern der Trieb, der zu ihm führt; dämonisch ist, was den Menschen in Bordelle, Swingerclubs, Pornoschuppen und Ehebetten treibt, nicht was er dort erlebt.
Das internationale Verhalten deutscher Politiker gerät umgehend in Evidenznähe, wenn man die Worte "deutsche Politik" durch "Politik der Besiegten" ersetzt.
Im Gegensatz zum Liebesroman, der zuweilen unterhält, langweilt der Pornoroman immer, weil es Millionen Arten gibt, einen Sexualkontakt anzubahnen, aber nur ein paar Dutzend, ihn zu vollziehen.
Man sollte sich öffentlich über lebende Zeitgenossen nur lobend oder überhaupt nicht äußern; das "elende Geschäft der Negation" (Goethe) verdirbt einem bloß die Tage und am Ende den Stil.
Ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der permanenten taktischen Überlegenheit der römischen Legionen und jener italienischer Fußballmannschaften?
Heutzutage nennt man Wichsvorlagen "Ikonen".
Wie sich wohl all jene Hollywood-Regisseure vorkommen mögen, die im Erscheinungsjahr eines Kubrick-Films den Oscar für die beste Regie erhalten haben?
Leute, die Benn-Gedichte mögen, halten etwas zuviel von sich und etwas zu wenig von Lyrik.
Man sieht auch am demokratischen Verhalten, wer zum Nazi getaugt hätte.
Ein Diskurs wird in der Regel geführt, um irgendetwas Offenkundiges wegzumogeln.
Herr X., Ihre Firma stellt neuerdings rechteckige statt ovale Klobrillen her – welche Philosophie steht dahinter?
(Aus der Reihe: Begriffe im Wandel)
Es wird einmal der Zeitpunkt eintreten, an welchem Demokraten mehr Menschen ermordet haben werden als Diktatoren.
So wenig die Judenheit als solche das Prädikat "aristokratisch" verdient, so erfreulich ist es doch, wie sie unter den Völkern beharrlich die aristokratische Idee am Leben erhält, daß es Gleichheit eben doch nicht gibt.
Je neoliberaler, desto schlechter das Benehmen.
Als individuell gilt, wer pro Tag möglichst vielen kollektiven Beschäftigungen nachgeht.
Die Erklärung, daß etwas Geschmackssache sei, dient normalerweise Leuten als Argument, die weder Kriterien besitzen noch sich Mühe machen wollen.
"Suhrkamp-Kultur" ist jedenfalls das notorische Fehlen eines Registers.
Daß man "Lehren aus der Geschichte ziehen" könne, ist die unermüdlich vorgetragene Marketing-Floskel derer, die zumindest einen Teil ihrer Einkünfte daraus ziehen.
Das Verblüffendste an der "ausdifferenzierten Gesellschaft" ist die Ähnlichkeit ihrer Angehörigen.
Je spannender das Buch, desto unaufmerksamer der Leser.
Der Journalist liest nicht, er sucht "Stellen".
Die "Bauchentscheidung" ist die Nagelprobe der Hirnforschung.
Als die Sünde noch existierte, war die Psyche zumindest interessanter. Psychoanalytiker muß heutzutage vor allem ein unsäglich langweiliger Beruf sein.
Wenn das Ich-Bewußtsein eine Illusion ist, wie u.a. der Hirnforscher W. Singer erklärt, wie steht es dann um jene Instanz, die meint, daß das Ich-Bewußtsein eine Illusion sei?
Die sogenannte Vergangenheitsaufarbeitung hat immer mehr von Leichenschändung.
Die Demokratien sind inzwischen die politische Organisationsform für große, gierige Schwärme wahlberechtigter Heuschrecken. Wenn sie den Planeten eines Tages halbwegs kahlgefressen haben, werden sich wohl automatisch wieder strikt hierarchische Strukturen bilden.
Die Grünen wollen den Gotteslästerungsparagraphen abschaffen. Eigentlich logisch, sie haben ja genügend neue eingeführt.
Es hat etwas Befriedigendes, zu erleben, wie Menschen, die man unabhängig voneinander ablehnte, sich untereinander verstehen.
Es gehört zum Habitus vieler nachträglichen Hitler-Bekämpfer, jene zu schmähen, die es tatsächlich gewagt haben.
Der liberale Historiker hat wenig Nachsicht mit den Gegnern des Diktators, wenn sie keine Demokraten waren.
Letztlich gibt es, mit allen denkbaren graduellen Abstufungen, nur zwei Arten von Pianisten: Die einen stellen das Werk zwischen sich und den Hörer, die anderen sich selbst zwischen Hörer und Werk.
Das einzige Interessante am Reichtum sind die Frauen, die er anzieht.
|