Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Vintage

Something Different for Joomla

Artikelsuche

Service Menu

Kontakt
Impressum

Allerlei

Man redet derzeit viel über Schwarmintelligenz; der Normalfall lautet aber immer noch: Schwarmblödheit. 

 

Es fragt sich, warum man in seinem Ekel Unterschiede machen soll zwischen einem Rap-Video und einem Neonazi-Aufmarsch,  zumal der Rapper womöglich nur der Vorbote der ethnischen Sturmabteilungen von morgen ist.

 

Die Ökumene ist das Gender-Mainstreaming der Kirchen.

 

...mehr

Adoration

"Ich bin ein Spätentwickler"

Aber was für einer: Martin Mosebach ist sicher einer der besten lebenden deutschsprachigen Autoren

Nein, das hat er nicht gewollt. Nicht, dass er die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek nicht mehr für "einen der dümmsten Menschen der westlichen Hemisphäre" halte, aber als er dies damals in trauter Runde daherplauderte, hatte er doch keine Ahnung, dass ...
...mehr
Acta diurna

  

1. Februar 2012

"Sachsen muss diesen braunen Dreck loswerden", sprach der dortselbst amtierende Ministerpräsident Stanislaw Tillich an die Adresse der NPD-Fraktion. Die Wortwahl erinnert daran, dass es offenbar auch unter der NPD noch allerunterste Schubladen gibt. Aber in gewissem Sinne kann ich den Mann, eine ehemalige Blockflöte übrigens mit SED-Kaderschmieden-Erfahrungen, also sozusagen aus dem roten Dreck stammend, ein Dreckskundiger folglich, in gewissem Sinne, sagte ich, kann ich ihn verstehen: Man ist heutzutage als Offizieller von Sprachblockwarten umstellt, man muss jede Gruppe, jede Lobby, jede Minderheit verbal mit Samthandschuhen behandeln, sich unentwegt auf die Lippen beißen, nur kein falsches Wort sagen – da ist es doch geradezu physiologisch geboten, sich endlich mal zu erleichtern und ungestraft die Sau rauszulassen, da wächst der NPD eine am Ende womöglich noch ministerpräsidentengesundheitsfördernde Rolle zu, da darf der kleine Junge inmitten der abwechslungshalber begeisterten und begeistert nach- und mitschreienden Gouvernanten doch wirklich mal "Fotze!" brüllen. Nein, wenn wir dieses Nazischweinepack nicht hätten, diesen stinkenden, trichinösen Auswurf und Viertelmenschendreck, dieses absolut aufhängenswürdige Lumpengesocks und aus seiner braunen Jauche (Pleonasmus, ich weiß) hervorkriechende Gossengesindel, man müsste es glatt erfinden bzw. von V-Leuten installieren lassen.

 

 

31. Januar 2012

Ich dachte immer, Legionellen sind schwule Legionäre, aber wie kommen sie da ins Trinkwasser?

 

 

26. Januar 2012

Einer Forsa-Umfrage zufolge wissen 21 Prozent der unter-30-Jährigen nicht, was sich hinter dem Begriff "Auschwitz" verbirgt. Vielleicht haben sie aber auch bloß die Frage nicht verstanden.

 

25. Januar 2012

Der Bundespräsident hat eine Rede zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen gehalten. Darin lobte er unter anderem die tolerante Einwanderungspolitik Preußens. Das stand schließlich irgendwie in Zusammenhang mit seiner Aussage, der Islam gehöre zu Deutschland. Über das preußische Dienst-Ethos dagegen – im Idealfall verwendete ein friderizianischer Beamter einen Bleistift für die dienstliche, einen separaten für die private Korrespondenz – sprach Wulff nicht.
 
Wie recht der Bundespräsident hat! In Preußen hätte es keine Proteste gegen Moscheen und kein Plebiszit über Minarette gegeben. Seit dem Potsdamer Edikt des Großen Kurfürsten von 1685 über die Aufnahme der in Frankreich verfolgten Hugenotten stand Brandenburg-Preußen für Religionsfreiheit und weitgehendes Asylrecht. „Wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land peuplieren, so wollen wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen“, lautet eine viel zitierte Bemerkung Friedrichs. Die während des Siebenjährigen Krieges angeworbenen Bosniaken etwa erhielten nicht nur Wohnungen und Gebetsräume in Potsdam, sondern auch einen eigenen Heeres-Imam.
 
Allerdings hat Wulff in seiner Rede die Bedingungen unterschlagen, die Preußen seinen Zuwanderen stellte. Als 1732 die ersten von insgesamt 20 000 verfolgten Salzburger Protestanten nach Preußen kamen, erkundigte sich König Friedrich Wilhelm I., Friedrichs Vater, bei dem sie begleitenden Kommissar: „Sind liederliche Leute dabei? Solche, die sich besaufen oder der Völlerei ergeben?“ Liederliche oder gar kriminelle Leute wollte Preußen nämlich nicht, und da dieser Staat seiner nicht spotten ließ, kamen auch keine. Jedenfalls haben keine Hugenotten-Clans in Berlin mit Drogen und Prostituierten gehandelt, Schutzgeld erpresst und, wenn schon mal gegen sie ermittelt wurde, Justizbeamte bedroht. Kein Jugendgangs aus den Vierteln der Salzburger Protestanten machten nachts die Straßen unsicher und stürzten sich mit „Scheiß Preußen!“-Rufen auf Einheimische. Niemand kam nach Preußen mit der Idee im Kopf, sich sein Leben vom Staat sozialfinanzieren zu lassen, weil er keine 24 Stunden später wieder draußen gewesen wäre. Kurzum: Die preußische Einwanderungspolitik war in der Tat vorbildlich.
 
Das erwähnte Wulff leider nicht. Immerhin lobte er Friedrichs Maxime, in seinem Land dürfe „jeder nach seiner Facon selig werden“. Auch da vergaß der Bundespräsident freilich, darauf hinzuweisen, dass diese heutzutage ja vor allem ins Politische zu erweiternde Toleranz in seinen Kreisen gegenüber jenen deutlich nachlässt, die rechts von der CDU stehen.
...
Bundespräsident im historischen Kontext: Christian Wulff, preußisch gesehen - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/politik/deutschland/wulff-unter-druck/bundespraesident-im-historischen-kontext-christian-wulff-preussisch-gesehen_aid_706938.html

 

 

24. Januar 2012

Jan Fleischhauer hat via "Spiegel online" auf die inzwischen zwar stets bestrittenen, indessen mit Händen zu greifenden Unterschiede der Nationalcharaktere hingewiesen und sich dabei eines steilen Exempels bedient: Ob sich jemand vorstellen könne, dass ein Unglücksmanöver wie jenes der "Costa Concordia" inklusive anschließender Fahrerflucht auch einem deutschen oder britischen Schiffsführer unterlaufen wäre? Man kenne den vom Kapitän verkörperten Typus aus dem Strandurlaub: ein Mann der großen Geste und sprechenden Finger. Im Prinzip harmlos, man sollte ihn nur nicht zu nahe an schweres Gerät lassen. Soweit Fleischhauer.

Nun ist heutzutage sofort jeder gern beleidigt, wenn mehr oder minder statthaft verallgemeinert wird (das Augenzwinkern dabei sieht nie jemand), weshalb sich immerhin u.a. der italienische Botschafter beschwerte. – Womit wir wieder bei den Nationalcharakteren wären: Ein deutscher Botschafter, so viel dürfte sicher sein, hätte sich im umgekehrten Fall nicht beschwert. Der Deutsche ist das Bespöttelt- und  Angepinkeltwerden nämlich schon von daheim gewohnt.

 

 

5. Januar 2012

Auf einmal feiern die alten Tanten beiderlei Geschlechts in der "Zeit" den Raubkrieger und Antidemokraten Friedrich Zwo von Pfui-Preußen als wahrhaft Großen; verwundert schlug ich die Feuilletonseiten auf, und da stand's denn erklärt: als "Ausnahme der deutschen Geschichte", als Un- wenn nicht Gegendeutschen, und der Feuilletonist Jens Jessen bringt in seinem Artikel sage und speie gleich dreimal die Vokabel "dumpf" als irgendwie-Synonym für deutsch unter, wobei er insofern schon recht hat, als Friedrich genau dies nicht war, sondern vielmehr "die überlebensgroße Gestalt einer anderen deutschen Möglichkeit, die mit ihm ein einziges Mal strahlend aufschien und wieder erlosch". Um den sich ewig fortzeugenden Dumpfheiten der heutzutage eben Jessens zu weichen.

 

 

Ende 2011

In diesem Jahr ist also Friedrich Kittler, der letzte bedeutende deutsche Nachfahre Heideggers (und Verfasser des einzigen relevanten Nachrufs auf Niklas Luhmann), von uns gegangen. Ich habe ihn nur einmal getroffen und darf mich zwar nicht rühmen, ihn restlos verstanden, wohl aber, ihn kurz vor dem Ende noch einmal anständig bewirtet zu haben. Der Friede der Zahlen und der Sphärenklänge sei mit ihm.

 

 

11. Dezember 2011

Jemand müsste einmal die Romane der letzten 50 Jahre nach einem Kriterium untersuchen: Wie beschreiben Autoren Frauen, und wie Autorinnen Männer? Ich thät' darauf wetten, dass es bei den geschilderten Frauen einen signifikanten Ausschlag in Richtung anbetungswürdig und bei den beschriebenen Männern in Richtung Trottel gibt. (Und wenn es denn stimmte, wäre wiederum dargelegt wenn nicht gar bewiesen, dass zumindest die Autorinnen nicht ganz verkehrt liegen dürften...)

 

 

8. Dezember 2011

Aus der Perspektive Darwins sind die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen zuallererst entstanden und permanent forciert worden, um Differenzgewinne zu erzielen und sich Paarungsvorteile zu verschaffen; auch sie sind Effekte der sexuellen Selektion. Das heißt, die Evolutionstheorie ist letztlich ebenfalls enstanden, um ihren Vertretern qua Differenzgewinn zumindest die Möglichkeit von Paarungsvorteilen zu verschaffen und so die Evolution im Allgemeinen sowie jene der Evolutionstheoriefähigen im Speziellen voranzutreiben. Wir Menschen sind ulkige Tiere, wir schaffen sogar den Typus, der mit der wissenschaftlichen Beschreibung der sexuellen Werbung sexuell zu werben versucht, was auch einmal wissenschaftlich beschrieben werden sollte (zum Zwecke sexuellen Differenzgewinns)...

 

 

30. November 2011

Eigentlich ist es ja einerlei, ob man von einer Neonazi-Bande oder einer Migrantengang erledigt wird, aber im zweiten Fall stehen Roth, Merkel und Gysi wenigstens nicht für einen auf.

 

 

24. November 2011

"Der Gedanke, den ich am meisten hasse: daß die Ähnlichen, die Menschenähnlichen es schaffen werden. Daß eine technische Geistigkeit, sehr hochstehend, sehr sublim, alles ablösen wird, was der Mensch als sein Dilemma durch die Jahrtausende schleppte. Was ihm Anlaß zu Trost und Verzweiflung, zum Nachdenken und zur Besinnungslosigkeit bot. Die Unglücklichen sind dann alle umsonst unglücklich gewesen." Also schrieb, tiefer als der Tag gedacht, Botho Strauß. Ich hasse exakt denselben Gedanken mit exakt derselben Inbrunst: dass "der uralte, der ewige Mensch", wie Benn ihn nannte, "das tragische Wesen, das gespaltene Ich, dessen Abgründe sich nicht durch Streuselkuchen und Wollwesten auffüllen lassen", tatsächlich eines Tages verschwindet und von geschlechtsneutralen, zu jeder Art Metaphysik unfähigen Rationalitäts- und Effizienz-Klonen in technischen Komfortsphären ersetzt wird, wie man sie heutztage schon regelmäßig trifft. Aber – ich glaube nicht daran.

 

 

22. November 2011

Hinter dem verbalen Eindreschen vieler "Konservativer" auf die NPD steckt wohl weniger ein hehrer demokratischer Impuls als vielmehr die Sorge, andernfalls selber Prügel zu beziehen (bzw. die wundervolle Gelegenheit für solche, die schon mal als "rechts" bezeichnet wurden, sich in aggressiver Beflissenheit von ganz rechts zu distanzieren). Die Kehrseite der von Merkel bekundeten Kollektivscham heißt schließlich Sippenhaftung. Wo das Verkünden von Selbstverständlichkeiten Zwang wird, ist die Freiheit längst stranguliert.

 

 

15. November 2011

Adenauer, Schumacher, Heuss. Merkel, Gabriel, Wulff. Nur mal so zum Meditieren. Irgendwas ist schiefgelaufen.

 

 

14. November 2011

Die Serienmorde dieses irren Neonazi-Trios aus zuletzt Zwickau seien "eine Schande für Deutschland", sprach also die Kanzlerin auf dem CDU-Parteitag. Ich habe sofort nachgeschaut, ob jemand das Breivik-Massaker als eine Schande für Norwegen klassifiziert hat, fand aber keinen Beleg dafür. Das mit der Kollektivschande muss wohl ein deutsches Phänomen sein.

 

 

 

9. November 2011

An mich weitergeleitete Mail Nr. 1: Das "Antidiskriminierungsbüro Sachsen" lädt zu einer Veranstaltungsreihe "Rassismus in Kinderbüchern - das Gift der frühen Jahre". Text: "Kinderbücher sollen Kindern helfen, die Welt zu verstehen, Vielfalt zu achten und Wert zu schätzen. Dennoch enthalten viele von ihnen ein Gift, das weißen Deutschen oft verborgen bleibt. Dieses Gift ist Rassismus. Er begegnet uns nicht nur dort, wo Menschen mit dunkler Hautfarbe als minderwertig beschrieben werden, sondern auch dort, wo die 'heile Kinderwelt' als rein weiße Welt dargestellt ist. Diese verzerrende Darstellung beschädigt die Integrität aller Kinder – auch die der weißen. Vortrag und Workshop stellen sowohl klassische (von dem Struwwelpeter bis zu Pippi Langstrumpf) als auch neuere Kinderbücher vor, die rassistische Anteile enthalten. In einem weiteren Schritt werden rassismussensible Kinderbücher diskutiert, die Unterschiede und kulturelle Vielfalt wertschätzend darstellen." (Apropos Struwwelpeter: Werden dort nicht die "rassistischen" Jungen, die den Mohren verspotten, vom Niklas zunächt zur Toleranz ermahnt und dann explizit bestraft, indem er sie ins Tintenfass steckt?)

An mich weitergeleitete Mail Nr. 2:  "Liebe Student_innen, wissenschaftliche Mitarbeiter_innen, Professor_innen und Interessierte, wir möchten Euch/Sie hiermit zum zweiten Vortrag der queeren Ringvorlesung einladen, den Patsy l`Amour laLove / Patrick Henze hallten wird. Der Titel seines_ihres Vortrags lautet 'Schwule Selbstermächtigung - Männlichkeit, Selbsthass, Politik'."  Aus dem Ankündigungstext: "Schwule finden sich, wie alle anderen auch, nach wie vor innerhalb einer patriarchalen und damit schwulenfeindlich geprägten Gesellschaft wieder. Dennoch sind Fragestellungen bezüglich schwuler Selbstermächtigung, wie sie die schwule Bewegung der 1970er Jahre stellte, auch innerhalb aktivistischer Kontexte größtenteils aus dem Blickfeld geraten. Dabei ist die heutige Gesellschaft nicht minder davon bestimmt, 'echte' Männlichkeit als heterosexuelle Männlichkeit zu denken und damit schwule Männlichkeit als unmännlich abzuwerten und Individuen entsprechend mit Gewalt und Diskriminierung zu begegnen.
Aus der parteiischen Perspektive einer Polit-Tunte und Aktivistin soll in dem Vortrag auf die Aktualität von Schwulsein als marginalisierte und damit politisch bedeutungsvolle Form von Identität eingegangen werden. (...) Patsy l´Amour laLove / Patrick Henze ist Queer-Aktivist_in, Forscher_in und Polit-Tunte. Er_Sie forscht unter anderem zu schwulen Männlichkeiten, Tuntengeschichte(n) und schwulen Politiken innerhalb der heteronormativen Gesellschaft. Darüber hinaus widmet er_sie sich in den porn studies der Erforschung von schwuler, feministischer und queerer Pornographie. Veranstaltet wird die queere Ringvorlesung von einem Arbeitskreis rund um das autonome Schwulen-Trans*-Queer-Referat und das autonome queer-feministische Frauenreferat, im AStA der ..." etc.

Früher oder später wird dem Kulturmenschen die Islamisierung Europas wohl als echte Alternative erscheinen.

 

 

27. Oktober 2011

"Menschenkehricht". Dieses schöne Wort, welches der gebürtige Trierer Karl Marx in seiner Korrespondenz gelegentlich verwendete (und vielleicht sogar erfand), wurde in meinem Schädel vorstellig, als ich den Offenen Brief des Asta der Uni Trier gegen die Gastprofessur von Martin van Creveld las. Das Historisch-Kulturwissenschaftliche Forschungszentrum dortselbst hatte den israelischen Professor, einen „der weltweit führenden Experten für Militärgeschichte“ (Vorankündigung), für drei Monate als „Visiting Fellow“ eingeladen. Doch schon sein erster Vortrag „Männer, Frauen, Kriegsspiele und Kultur“ war, wie die Uni kurz darauf bekannt gab, der letzte.

Der Historiker sprach über Kriegsspiele von den Gladiatoren bis zu den Boxkämpfen der Gegenwart und äußerte unter anderem, dass „viele Frauen“ es genössen, dabei zuzuschauen, wie Männer gegeneinander kämpfen und „sich gegenseitig abschlachten“ – eine Aussage, die je nach Gusto als Binsenwahrheit oder zumindest diskutable These gelten mag. Nun gebietet aber der Zeitgeist inzwischen, dass Frauen als sozial kompetente, emotional intelligente, friedfertige und unboshafte Wesen zu hofieren seien. Folglich protestierte der Trierer Studentenausschuss in einem offenen Brief und sah sich „in der Pflicht“, van Crevelds Thesen „als das zu benennen, was sie sind: frauenfeindlich, militaristisch, latent antiisraelisch“. (Ein „militaristischer“ Militärexperte und ein „latent antiisraelischer“ Zionist: Was hier so alles studieren darf, ts, ts, ts.) „Hätte ich schon früher mehr über van Creveld gewusst, wäre ich kategorisch gegen seine Gastprofessur gewesen“, zeigte sich Fachbereichsdekan Ulrich Port sofort reuig und geständig.

Van Creveld hat das Glück, einem Volk anzugehören, dessen Streitlust legendär ist, und aus einem Land zu kommen, wo man auch etwas krassere Meinungen vertreten kann, ohne gleich von aufgebrachten Gesinnungs-Gouvernanten daran gehindert zu werden. Nun hat eine eher unbedeutende Zweigstelle des deutschen Maulkorbdienstes den Israeli aber Mores gelehrt! Was er vorträgt, sei „eine Anreihung von Klischees“ (Dekan Port) bzw. „methodisch primitiv“ (Asta). Fassen wir also die methodisch korrekten Erkenntnisse aus dem Fall zusammen: Nie oder nur allenfalls unter dem Diktat patriarchalischer Zwangsstrukturen haben Frauen Kampfspielen beigewohnt und Männer angefeuert. Überhaupt werden Kriege, Boxkämpfe sowie Geschlechtsunterschiede demnächst abgeschafft – zumindest an der Uni Trier.

...
REPORT: Falschmeiner, aufgepasst! - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/panorama/reportage/report-falschmeiner-aufgepasst_aid_679446.html

 

 

24. Oktober 2011

Bei der Betrachtung von Caravaggios Gemälde "Judith enthauptet Holofernes"  fällt mir keineswegs als erstem die Mimik der biblischen Rächerin als irgendwie zum Sujet unpassend auf. "Am unverschämtesten aber ist Judith selbst, ist ihr Blick, dieser spöttische, minimal angeekelte, wie zum Hohn mitleidige Blick", schrieb etwa Navid Kermani. Heuer ist mir, als hätte ich die Lösung. So schaut zuweilen eine Frau, die einem Mann einen gewissen Liebesdienst erweist, und zwar zum Zeitpunkt der Kulmination desselben (Judiths Mundstellung verrät ein leises: "Puuhh..."). Immerhin ist das Modell eine Prostituierte gewesen; Caravaggio hat vielleicht genau gewusst, wie sie dabei aussieht. Was sie für eine Schnute zieht, wenn sie einen Mann köpft, wusste er dagegen nicht. Und warum sollte der "Erfinder des sozialistischen Realismus", wie der Maler Peter Schermuly über Caravaggio spottete, nicht mal ein bisschen ironisch oder gar travestisch gewesen sein?

 

 

23. Oktober 2011

Eigentlich wollte ich ja nicht mehr zu Pogorelich gehen; seine nahezu singuläre manuelle Begabung stand mir doch in einem etwas zu erheblichen Kontrast zu dem, was sein Kopf dann aus den Werken machte (was sich im Übrigen schon bei früheren Aufnahmen abgezeichnet hat, sein nahezu zielloses und detailverliebtes Herumirren im Variationensatz von Beethovens Opus 111 etwa). Gestern spielte er Chopin und Liszt, und nach den ersten beiden Sätzen der b-Moll-Sonate war ich schon drauf und dran, mein Vorurteil bestätigt zu finden und zur Pause gehen zu wollen (Überbetonung der linken Hand, merkwürdige Rückungen, das galoppierende Eingangsmotiv nahezu impessionistisch hingetupft), aber dann, beim Trauermarsch und beim "Wind über den Gräbern" begann die Verwandlung des Abends ins Hoch-, nein Spitzenklassige. Mephisto-Walzer und h-Moll-Sonate spielte er so grandios-naturgewalthaft und mit einer unglaublichen Fülle an klanglichen Nuancen, wie ich Liszt zumindest live noch nie oder allenfalls von Demidenko gehört habe – Volodos ein paar Tage zuvor mit der Sonate war ein Zwerg dagegen, obschon er sich an die übliche Zeit (ca. 32 Minuten) hielt, derweil Pogorelich natürlich wieder 45 brauchte. Kurzum: Ich widerspreche hiermit mir und allen, die meinten, man müsse nicht mehr zu ihm pilgern, ganz entschieden.

 

 

20. Oktober 2011

Wenn irgendwo ein Originalgenie auftauche, erkenne man es unfehlbar daran, dass sich die Dummköpfe gegen diesen Menschen zusammenschlössen, notierte Jonathan Swift. Man wende den Satz auf Steve Jobs an. 

 

 

26. September 2011

Es herrscht, folgt man z.B. "Spiegel online" und seinen Abschreibern,  hierzulande eine nahezu allgemeine Enttäuschung darüber, wozu sich Bendikt XVI. bei seinem Deutschlandbesuch nicht geäußert hat. Ich muss dem leider zustimmen: Der Papst hat bedauerlicherweise kein Wort darüber verloren, ob nach seiner Ansicht Özil und Götze zusammen in die Startelf der Nationalmannschaft gehören. 

 

 

9. September 2011

Soeben gelesen: "Der 8. Mai ist für uns Deutsche kein Tag zum Feiern. (...) Wir haben wahrlich keinen Grund, uns am heutigen Tag an Siegesfeiern zu beteiligen." Und: "Wenn wir uns der Verfolgung des freien Geistes während der Diktatur besinnen, werden wir die Freiheit jedes Gedankens und jeder Kritik schützen, so sehr sie sich auch gegen uns selbst richten mag." Also sprach Richard von Weizsäcker in seiner berühmten, wenngleich anscheinend nicht sonderlich bekannten Rede. 

 

 

24. Juli 2011

Na, ob mal dieser angeblich rechtsextreme und islamfeindliche Attentäter von Oslo und Utøya am Ende nicht auch noch ein Kernkraftbefürworter ist? - - 

Nebenbei und für alle, die jetzt wieder von noch strengeren Waffengesetzen allzulande träumen: Nur wo solche strengen Gesetze herrschen, ist es einem einzelnen Irren möglich, dermaßen viele Unbewaffnete zum ungestörten Abknallen vorzufinden.

 

11. Juli 2011

Nachdem mir der alberne Film "Pianomania", den ich mir dummerweise gekauft habe, der aber im Grunde nur ein Werbestreifchen für Steinway ist (und für den offenbar verdutzten Allerwelts-Rezipienten die Überraschung bereithält, dass man nicht nur an Automotoren manisch herumschrauben kann), einen meiner Selbstbeschreibungslieblingstermini weggenommen hat, lege ich jetzt nach mit: contrapunctophil und sarabandoman.

 

 

8. Juli 2011

Bevor ich diesen Artikel der Fachzeitschrift "Emma" vom April 1978 wegwerfe, sei dessen Überschrift, auf dass nichts verlorengehe, hier festgehalten: "Sexueller Missbrauch: Notwehr mit dem Messer. Verständnis für ihre Lage suchte Noreen bei den Richtern, die selber Väter und potentielle Vergewaltiger sind. Vergeblich..."

 

 

24. Juni 2011

Gestern Treffen mit Thilo Sarrazin im Anschluss an seinen Auftritt zu Deggendorf.  (Als ich zur Stadthalle ging, fragte ein Redner unter einem Linkspartei-Schirmchen gerade sich und die ca. siebzehn Gegendemonstranten, ob man das Sarrazin-Buch lesen müsse, bevor man es kritisiere, und wusste sogleich die Antwort: Nein; schließlich sei man aus der Presse hinreichend informiert, was drinstünde, und man dürfe ein "rassistisches Machwerk" nicht durch dessen Kauf unterstützen.) Der momentan meistbekakelte aller bundesrepublikanischen Parias war erstaunlich entspannt und heiter ("Die FDP wird entweder von Clowns oder Volontären geführt. Momentan sind die Volontäre an der Reihe"; "Die Sozialpolitik ist deswegen so falsch und schlecht, weil sie in allen Fraktionen von den am wenigsten Begabten gemacht wird, die kein besseres Ressort abbekommen haben."), obwohl er, wie er bei Tische erzählt, inzwischen von nun wirklich allen Gästelisten gestrichen worden ist, egal ob jene des Politikbetriebs, der Kulturschickeria oder der TV-Anstalten – ein paar Jahrzehnte demokratisches Intermezzo haben den autoritären Kollektivcharakter unserer anpassungsgeilen sogenannten Eliten anscheinend nicht ernsthaft beschädigen können.

Wie aber reagieren Ausländer bzw. solche mit dem berühmten und speziell muslimischen Hintergrund auf ihn, wenn sie ihn auf der Straße sehen? Wird er beschimpft, bedroht, angepöbelt? "Ach was, im Gegenteil, die kommen angelaufen und wollen sich mit mir fotografieren lassen. Ich bin ein Migranten-Maskottchen."

 

 

22. Juni 2011

Müsste es, übrigens, nicht eigentlich Tätervolkswagen heißen?

 

  

Anfang Juni 2011

Mulitmedial und auf allen Kanälen und erfahren wir dieser Tage, dass am 22. Juni vor 70 Jahren Hitlerdeutschland mit viereinhalb Millionen Mann und 3500 Panzern in die Sowjetunion einfiel. Wir erfahren nicht, mit keiner Silbe und nicht einem Zifferchen, was militärisch auf der anderen Seite stand. Es handelte sich immerhin und durchaus erwähnenswerterweise um die – was die Bewaffnung betraf und kurz nach Kriegsausbruch dann auch in puncto Truppenstärke – größte Armee der gesamten Weltgeschichte. Die am Ende die für sie recht ungünstig beginnende Partie ja auch recht zügig und logischerweise gewann.

Mir rechnete einmal ein Leser vor, wenn es denn stimme, dass, wie ich die eigentlich unbestrittenen Zahlen verbreitend geschrieben hatte, die Sowjets mit 9000 bis 15000 Panzern an der deutsch-russischen Grenze (bzw. in deren Hinterland) aufmarschiert wären, dann müsse alle 300 oder 400 Meter ein Panzer gestanden haben, was ja wohl nicht sein könne. Ich antwortete ihm: "Theoretisch haben Sie wohl Recht. Praktisch dürfte es sich so verhalten, dass die Russen ihre Panzer überwiegend hintereinander aufstellten."

Die Frage, was Stalin u.a. mit diesen vielen Tanks anstellen wollte, wird sich nicht auf Dauer als eine vermeintlich rechtsextremistische, revanchistische und was dergleichen lasterhafte Ische noch sein mögen, unterdrücken lassen.

 

 

1. Juni 2011

Eine Zeitung wirft die Frage auf, warum Kubricks "Clockwork Orange" bis heute als ein großes Filmkunstwerk gelte, obwohl die Handlung doch so schrecklich brutal sei, und kommt zu dem Schluss, es liege daran, dass dieser Streifen ein "visionärer" gewesen sei. So geht es immer, wenn vom Fortschrittsglauben benebelte Hirne sich ins Ästhetische verirren; dauernd liest man, dass die eigentliche Bedeutung irgendeines Künstler und seines Werkes darin bestehe, etwas vorweggenommen zu haben,  "seiner Zeit voraus gewesen" zu sein, ein Klassenziel im Voraus erreicht zu haben, in irgendeine der zahlreichen "Modernen" gewiesen zu haben und dergleichen Un-Sinn mehr. Und ich will fürs erste nicht müde werden darauf zu beharren, dass ein großes Kunstwerk deswegen groß ist, weil es gut oder vollendungsnah gemacht ist – und nichts außerdem. Weil, in den Worten des seligen Karl Kraus, ein gut gemalter Rinnstein eben mehr wert ist als ein schlecht gemalter Palast. Die Handlung eines Filmes ist ähnlich zweitrangig wie der Gegenstand eines Gemäldes. Immer entscheidet nur eines: der ästhetische Treffer.

 

 

9. Mai 2011

Früher hieß der Mensch, der mir gerade eine Mail schickte, Archivleiter. Heute nennt er sich Leiter ContentPool/Content Management. Und für den "Leiter" wird sich auch noch eine Endlösung finden.

 

 

29. April 2011

Auf meinen Schreibtisch flattert, wie man sagt, eine Vorladung auf ein "Gedenkkonzert zum 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion". Dabei muss es doch heißen: des heimtückischen Überfalls auf die friedliebende Sowjetunion. Sogar DDR-Spielen nämlich will geübt sein.

P.S.: Da mir gerade irgendein freiwilliger Hilfssheriff des Verfassungschutzes mailt, ich hätte mit diesen Worten den "Minimalkonsens der Bundesrepublik" verlassen (den ich meines Wissens niemals betreten habe): Es war ein Angriff, kein Überfall. Näheres dazu in diesem Theater unter: http://www.michael-klonovsky.de/content/view/40/42/

P.P.S.: Nur ein Verrückter (oder jemand mit Interessen) kann behaupten, dass Hitler keine Gründe besaß, sich von Stalin bedroht zu fühlen. Jeder Nachbarstaat der Sowjetunion hätte einen begründeten Präventivkrieg gegen Stalins Reich führen können. Aber natürlich auch jeder Nachbarstaat des Dritten Reiches.

 

28. April 2011

Neuerlich der preisenswürdige Auftritt junger Russinnen, heuer beim Türkei-Urlaub (der Russe präferiert das Land des einstigen Feindes, weil er dort ohne Visum hinkommt). Allein das Schreiten dieser Djewuschkas ist begnadet (egal übrigens, ob bereits mit Nachwuchs im Gefolge); vor allem haben sie eins nicht: Eile. Nicht Homo sapiens als solcher brachte den aufrechten Gang auf den Planeten, es werden wohl die Russin und die Französin gewesen sein, vielleicht auch Nofretete und Kleopatra, das stehe dahin. Dergleichen bekommt man hierzulande wohl nimmermehr zu schauen, die zurechtgegenderte hiesige Maid beginnt ihre Selbstverwirklichung und beendet ihre Unterdrückung gemeinhin damit, dass sie aufs Make-up verzichtet und auf der Sohle geht, und auch die, die sich mühen, beugt sanft der Gram, dass sie nicht mehr ganz und gar Weib sein dürfen, zumal sie ja ohnedies nicht wissen, für wen sie's sein sollten.

 

 

13. April 2011

Nachdem sich der "Playboy" unlängst schon beflissen von Sarrazin distanziert hatte, wartet er nun mit einem Anti-Berlusconi-Stück auf. Das ist, als wenn die "Emma" den Cunnilingus verteufelte, das "Handelsblatt" sich von der Marktwirtschaft verabschiedete und die "Zeit" ihren Beratervertrag mit dem Weltgeist auflöste.    

 

 

16. März 2011

Warum können Leute, die unbedingt Gutes tun müssen, nicht im Park Müll aufsammeln, statt gegen Kernkraftwerke zu demonstrieren? Und warum konnten sie nicht wenigstens warten, bis die vielen toten Japaner, die sie nicht weiter interessieren, weil das Meer sie getötet hat, beerdigt sind? Dämmert ihnen nicht, wie widerwärtig die Sorge um den eigenen, tausende Kilometer von Fukushima entfernten Hintern zu diesem Zeitpunkt wirkt?

Die Japaner werden aus der Katastrophe ihre Lehren ziehen und die Sicherheitsstandards für ihre Reaktoren erhöhen. Die Deutschen werden, wenn alles grün läuft, aus der Kernenergie aussteigen. Ein großes Volk. Die Japaner.

 

 

1. Februar 2011

Sofern es nicht zu einem Kollaps des Gesamtsystems kommt, was auch nicht gerade heiter wäre, wird die Einschränkung der Meinungsfreiheit zugunsten einer angeblichen Gleichheit aller Menschen und Kulturen in den nächsten zwanzig, dreißig Jahren vermutlich Ausmaße annehmen, die man als geistiges Wesen getrost unter Sterbehilfe rubrizieren kann.

 

Ende Januar 2011

Es gibt Weltgegenden, die ein kultivierter Mensch nicht aufsucht. Unter ihnen ragt in konkurrenzloser Widerwärtigkeit das Skigebiet. Dieses ist bereits im Sommer eine Abscheulichkeit, wenn die im Ostblock-Stil gehaltene Massenunterbringungsarchitektur noch in gespenstischer, wiewohl tröstlicher Stille sich darbietet und über zertrampelten, mit Stahlmasten harpunierten Bergflanken statt ihrer Konstrukteure reglos die Lifte hängen. Im Winter wiederum sieht ein Skigebiet von ferne aus wie ein Gletscher mit Parasitenbefall. Aus der Nähe wird es noch schlimmer. Eine anscheinend kollektiv unter Lachgas gesetzte, höhensonnenverbrannte, beschutzbrillte und grellbunt beoverallte Menschenherde stürzt sich in jauchzender Sauerstoffüberschußblödigkeit die Pisten hinab, um dieses Evolutions-Dementi so lange zu wiederholen, bis endlich der Abend naht und man – nunmehr auf den angesagten After-Ski-Partys weitergrölend – die Suche nach einem geeigneten Fickpartner startet. Und so täglich weiter bis zur erlösenden Schneeschmelze. Es sei denn, zwischendurch tritt ein, was einst Erich Kästner in die immer wieder hoffnungsfroh stimmenden Reime faßte: „Das Gebirge machte böse Miene./Das Gebirge wollte seine Ruh./Und mit einer mittleren Lawine/deckte es die blöde Bande zu.“

 

 

12. Januar 2011

Führermissbrauch. Dies Wort schoss mir heute in den Kopf und nun auch nach draußen, zum einen, weil es einen Tatbestand mit großer Zukunft beschreibt, zum anderen, weil ich wissen will, wann es erstmals bei google auftaucht.

P.S.: Es hat ungefähr zehn Tage gedauert, bis die elektronischen Inventarisierer in meinem kleinen Eckladen fündig wurden und dieses Wort als Suchbegriff registrierten. Schon gruslig.

 

 

 

6. Januar 2011

Wiederlektüre des Botho Strauß'schen "Bocksgesangs". Erstaunlich, wie frisch und hellsichtig sich der weiland so inkriminierte Text anlässt, während das ganze eigenwertfreie alarmistische Gesinnungsgouvernantengeschwafel wie getrockneter Unflat von ihm abgefallen ist – eine reizende Illustration des Unterschieds zwischen Literatur und Feuilletonismus.

 

 

28. November 2010

Im völlig umgeräumten und bodenlos verlangweiligten einstigen Klassik-CD-Lieblingsladen sah ich heute erstmals das Schild "Alte Musik: Neuheiten". Das amüsierte mich denn doch.

 

 

17. November 2010

Neben der Tragödie – ein Begriff, mit dem man inzwischen jedes Privatmalheur bis hin zum verschossenen Elfmeter in der Nachspielzeit zu bezeichnen pflegt – ist auch die Ikone zur journalistischen Allzweck-Metapher verkommen, wovon unter anderem die speioft dahergeplapperte "Stilikone" zeugt. Vergeblich,  darauf hinzuweisen, dass eine Ikone exakt das Gegenteil zeigt, dass sie gerade kein Fenster z u r Welt ist, sondern a u s der Welt, dass sie nichts symbolisiert, sondern die schiere Präsenz des Göttlichen verkörpert und dass aus ihr das Licht von der anderen Seite dem Gläubigen entgegenstrahlt. Man muss diesem Glauben nicht folgen, um vor den wundervollen Bildnissen Ehrfurcht zu empfinden – aber man muss gedankenlos bis stumpfsinnig sein, um Lady Gaga, Kate Moss und andere globusweite Bauchnabelvorzeigerinnen "Ikonen" zu nennen.

 

 

11. November 2010

Gestern Treffen mit Rainer Zitelmann, ehemals Historiker, durchaus gefeierter Hitler-Biograph, "Welt"-Mitarbeiter, Cheflektor des Ullstein-Verlages. Heute ist er Unternehmer und macht, wie man sagt, in Immobilien. Dazwischen lag seine gesellschaftliche Ächtung als Spiritus rector der damaligen "Neuen Rechten", inclusive Verlagspostenwegnahme und politischem Publikationsverbot in der "Welt". Die Gesinnungspresse hatte sich unisono auf ihn eingebellt, und, nachdem dies den gewünschten Erfolg zeitigte, trat die "Woche" (requiescat halbwegs in pace) nach, indem sie sich über einen Menschen lustig machte, der aus purer Existenzsorge nebenher Versicherungen verkaufte. Inzwischen leitet der Mann drei Firmen, hat über 50 Angestellte und soundsoviele Fantastillionen verdient, während diejenigen, die ihn zur zweiten Karriere hetzten, nach wie vor als abhängige Redakteure ihre autoritären Charaktere allmorgendlich Gassi führen, niemals Arbeitsplätze schaffen und vergeblich von der Million träumen, denn bei dem Überangebot an Diskurslinienrichtern reicht's bei ihnen allenfalls mal für eine mühsam abzustotternde Doppelhaushälfte. Angesichts dieses Vorgangs bin ich geneigt, das Eselswort soziale Gerechtigkeit zu verwenden. Hiermit.

   

 

3. November 2010

Die momentane kampagnenmäßige "Aufarbeitung" der Geschichte des Auswärtigen Amtes ist unter taktischen Gesichtspunkten natürlich nur die Fortsetzung der Sarrazin-Debatte auf anderem, sichererem Terrain durch unsere politisch-mediale Post-Antihitler-Linksgrün-Schickeria. Es handelt sich um eine Art Rückeroberung des verlorenen Terrains,  deswegen wird die Sache so groß aufgeblasen. Um die Rolle des Amtes während der Judenvernichtung moralisch zu verurteilen, genügt ein einfaches Herz oder sogar der Verstand von Claudi Roth. Um aus der Sache irgendeinen historischen Erkenntnisgewinn zu ziehen, wäre es freilich angemessen, an die weitgehende Deckungsgleichheit der erklärten Ziele Hitlers und des Amtes anno 1933 zu erinnern, an das legitime Revanchebedürfnis des Reiches nach dem Ersten Weltkrieg, die Umzingelungs- und Erdrosselungsangst der deutschen Diplomaten, denn nur aus dieser Konstellation lassen sich auch die Tragik und die sukzessive Verstrickung verstehen, worin der einzelne Beamte sich schließlich wiederfand und -- je nach Fall -- mitschuldig wurde. Aber um Verstehen geht es ja gar nicht, sondern um das Offenhalten der Wunde zum elenden Zwecke der Diskursherrschaft, fabriziert von Leuten, die angesichts ihrer Charakterstruktur dem lieben Gott danken sollten, dass er ihnen die Gnade der späten Geburt gönnte.

 

 

2. November 2010

Wie nett und verständnisvoll sie bei der "Süddeutschen" vom Imam schreiben! Würden sie beim Bischof (oder Papst gar) niemals tun!

 

 

Allerspätester Oktober 2010

Mal am Rande: Das Modernste am modernen Menschen ist neben seiner überbordenden Begeisterung für das Wort „Ich“, und damit eng zusammenhängend, seine Lust am Kritisieren. Er be- und verurteilt, was das Zeug hält, ob nun die US-Finanzpolitik, die Taktik des Bundestrainers, die Hotel- oder Hurenqualität, und eben auch speziell die Künste. Jeder Leser ist ein veritabler Buchkritiker, jeder Kinogänger ein Filmkritiker, jeder Opernbesucher ein Gesangskritiker etc. pp. Niemals war mehr Kritik in der Welt, professionelle wie amateurhafte, nichts bleibt von ihr ausgespart. Nichts – außer der modernen bildenden Kunst. In den Biennalen und Documentas herrscht entweder frommes Schweigen oder ertönt eitel Lob, niemals indes ein Wort von Missglücken, Unfug oder Bluff. Die Angst, verständnislos oder nicht up to date zu sein, von gestern gar, lähmt selbst die spitzesten Zungen. Dass sie einen Kernbestandteil der modernen Mentalität auszustechen lernte, ist wohl die eigentliche Leistung der modernen Kunst.

 
 
 
Ganz später Oktober 2010
 
Kennt jemand Peter North? Falls nicht, hilft Wikipedia auf die Sprünge. Irgendwo zwischen Nietzsche und Norwegen hat der „US-amerikanische Schauspieler“ seinen Eintrag gefunden. 1998 etwa bekam er den AVN Award für die beste Gruppensexszene. Seine herausragende Fähigkeit, belehrt die online-Enzyklopädie, besteht darin, „voluminöse Gesichtsbesamungen zu vollführen“. Praktischwerweise wird man vom Laienbegriff „Gesichtsbesamung“ gleich weitergeleitet zum Fachterminus „Cumshot“, welcher, so der Enzyklopädist, „in Hardcore-Pornos“ dazu dient, nichts weniger als „die Narration abzuschließen“ -- während er als Privatgepflogenheit solch künstlerischer Weihen bar, wenngleich ansonsten auch recht nett anzuschauen ist. Ob „Anilingus“ resp. „Afterlecken“, „Gangbang“, "Fisting", "Bukkake" oder „Deepthroating“: Das Lexikon des Gleich-Gültigen weiß pornologisch ziemlich alles. So sinnierte ein "Deep Throat"-Beiträger darüber, ob es für ein  häufiger solchermaßen traktiertes Frauenzimmer schädlich sei, sich den allfälligen Würgereiz abzutrainieren, weil der immerhin bei anderer oder auch ähnlicher Gelegenheit lebensrettend wirken könne. Folglich rät der Fickipediator davon ab (ohne Würgereiz bereitete die ganze Sache überdies auch nur halbsoviel Gaudi). „Facesitting“ wiederum wird beschrieben als „eine Sexualpraktik, bei der ein Sexualpartner sich mit seinem Geschlechtsteil und/oder seinem Gesäß auf das Gesicht des anderen setzt.“ Dies könne „sowohl nackt wie auch angekleidet“ geschehen. Nackt ist aber besser.
Diese verpickelten Porno-Junkies sind dank unserer gleichermaßen geist- wie schamfernen Zeiten also nicht nur in den Kinderzimmern, sondern auch in den Enzyklopädien angekommen. „Die Winde einer neuen Eiszeit werden nötig sein, um den Spermengeruch fortzuwehen, der  sich auf den Planeten gelegt hat“, notierte der Aphoristiker Nicolás Gómez Dávila. Aber ja, aber bitte!
 
 
 
 
An Spätheit noch zugelegt habender Oktober 2010

"Gewalt ist immer auch ein Hilferuf." Also sprach Claudia Roth. Und dies bereits anno 2004! Soll heißen: So gewiss die "Bundesempörungsbeauftragte" (Thorsten Hinz)  weder die Heeresgruppe Nord noch die Attentäter von Solingen meinte, war ihr spätestens schon vor sechs Jahren klar und geläufig (derweil sie munter gegen "rechts" die welken Pfirsichbäckchen blähte), dass die rechtfertigungsbedürftigste Alltagsgewalt längst von ihrer migrantisch-muselmanischen Lieblingsklientel ausgeht.
 
 
 
 
Recht sehr später Oktober 2010
 
"Das deutsche Volk hat einst die Kriege mit den Römern überstanden. Das deutsche Volk hat die Völkerwanderung überstanden. Das deutsche Volk hat dann die späteren großen Kämpfe des frühen und späten Mittelalters überstanden. Das deutsche Volk hat dann die Glaubenskämpfe der neueren Zeit überstanden. Das deutsche Volk hat dann einen dreißigjährigen Krieg überstanden. Das deutsche Volk hat dann später die Napoleonischen Kriege, die Freiheitskriege, es hat sogar einen Weltkrieg überstanden, sogar die Revolution, – es wird auch mich überstehen!" Also sprach Adolf Hitler vor über 400 deutschen Journalisten und Verlegern in München am 10. November 1938 (veröffentlicht im "Völkischen Beobachter" am 11. November). Doch Claudia Roth, der Fischerjockel, Westerwelle, Friedman, Reemtsma, die "Zeit" und Spiegel online werden nicht lockerlassen, bis das Alien aus Braunau auch dort unrecht hat. 




 
Noch späterer Oktober 2010
 
Unter der Überschrift "100 % Kauftipp" vollzieht und entfaltet sich eine amazon-Kundenrezension folgenden Wortlauts: "Meiner Meinung eines der besten Bücher zum Thema. Der Autor schafft es den Leser mitzureißen und in eine andere Welt zu entführen. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen."
Nun heißt es raten: Handelt es sich a) um einen Schmöker über die Wunderwelt der Anden, b) ein Buch über die Tantra-Massage oder c) um einen Erlebnisbericht aus Auschwitz?
 
 
 

Später Oktober 2010
 
Warum in aller Welt, fragt die Frau und Eheschwester, warum ich denn Morgen für Morgen meine Nase in diese Bild- und vorzugsweise Velázquez-Bände stecke, bevor ich hinaus gehe, ob ich denn nichts Besseres zu tun hätte, als ständig dieselben reproduzierten Gemälde anzustarren? Ich starre aber nicht oder nur scheinbar, ich atme durch die Augen, ich atme auf durch die Augen...
(Pathetischer Quatsch, sagt die Frau.)
 
 
 
19. Oktober 2010
 
Tischrunde mit den Herren Bolz, Kapielski, Kittler und Schuller. Die Rede kommt irgendwann unweigerlich auf Luhmann, und am Ende steht die Feststellung, dass die Sphinx aus Bielefeld im Grunde vollkommen vorgängerlos dachte und schrieb (Husserl hin oder her). Was wiederum ziemlich beispiellos in der Geschichte des Denkens sein dürfte. 
 
 
 
15. Oktober 2010
 
Sie habe Karten für ein Lang Lang-Konzert, erzählt die Kollegin, und das sei ja wohl das Größte, was man derzeit geboten kriege. Den Namen Kissin hat sie irgendwie schon mal, den Namen Sokolov noch nie gehört. Wie bekommt der Betrieb nur so was hin? Die Leute kennen Stadtfeld, aber nicht Glemser. Sie halten den fidelen Oben-halbohne-Schrammler Garrett für den neuen Paganini (womit sich aufs Vorteilhafteste verträgt, dass sie von dem alten so gar nix wissen). Ach, wenn man's mit der Ernährung auch so schaffte wie mit dem sog. Kulturkonsum, die Welt wäre satt. Nicht wirklich genährt, aber satt.
 
 
 
13. September 2010
 
Ich vermisse mit zunehmender Heftigkeit: Jacob Taubes. Johannes Gross. Niklas Luhmann. Peter Schermuly.
 
 
 
1. August 2010
 
Ob FAZ, "Neue Zürcher", "Zeit" oder "Spiegel": alle schreiben von einer "Tragödie", die sich in Duisburg während der Love Parade ereignet habe. Es gibt anscheinend keine Intelligenzblätter mehr. 
 
 
 
14. Juni 2010
 
Aus Israel zurückgekehrt, fällt in der Heimat zunächst auf, dass manche Leute meine neue Baseball-Mütze mit dem Davidstern ähnlich vergrätzt ansehen wie zuvor manche Bewohner des arabischen Teils von Jerusalem. Ansonsten das Gefühl, eine mögliche Zukunft geschaut zu haben:  die beruhigende Präsenz von Bewaffneten der – wie soll ich's sagen? – eigenen Werteordnung. Erstaunlich jedenfalls, wie schnell und instinktiv man Partei ist, wenn einen der Ausnahmezustand nur aus der verringerten Distanz anweht. Die Dignität eines Volkes, das sein Land zurückerobert hat und sich dort behauptet.
Auf Masada gleichwohl große Bewunderung für die X. Legion. In dieser lebensfeindlichen Umgebung angesichts dieses XXL-Adlernestes in Ruhe diverse Lage aufschlagen und feststellen: Nun gut, ein Jahr werden wir wohl brauchen, das konnten nur die Römer.
Gespräch mit einem israelischen Fremdenführer über Frau Merkel, die er für eine gute Politikerin hält.  Ich mochte nicht darauf eingehen und scherzte lieber. Es müsse für die Juden doch merkwürdig sein: Als die deutsche Armee Weltspitze war, hat der deutsche Kanzler sie verfolgen und ermorden lassen, und heute, wo die Truppe nichts mehr taugt, sichert ihnen die Kanzlerin ungefragt militärische Unterstützung zu...
 
 
   
3. Juni 2010
 
Die deutschen Feuilleton-Apparatschicks feiern den alten eitlen Esel Marcel Reich-Ranicki, der nie in seinem Leben einen schönen Satz zu Papier gebracht, nie einen originellen Gedanken gedacht hat und dessen Bedeutung für die deutsche Literatur ungefähr jener des Schraubverschlusses für den deutschen Weinbau entspricht, so unisono, wie sie sonst nur den Führer verdammen. Mir fällt bei dieser Gelegenheit ein Telefonat mit Joachim Fest ein. Dem las ich 1999 einen Satz aus Reich-Ranickis Autobiographie vor, nämlich: "Wenn ich mich recht erinnere, hat Fest nie versucht, die nationalsozialistischen Verbrechen direkt zu rechtfertigen." Fest darauf zu mir: "Steht das wirklich dort?" Und dann fiel am anderen Ende der Leitung leise, doch sehr deutlich das Wort: "Canaille!"
 
 
 
17. Mai 2010
 
Was muss eigentlich noch passieren, fragt Freund M., damit sich einer wie dieser Ex-Odenwaldschuldirektor umbringt? 
 
 
 
15. Februar 2010
 
Nachdem sich inzwischen Historiker  mit der "Verstrickung" von Unternehmen, Institutionen, Sportvereinen, Opernhäusern u. dgl. m. in die NS-Ära bzw. -Verbrechen (was ungefähr aufs Gleiche hinausläuft) flächendeckend beschäftigen, ist nun auch, wie ich nun einer Zeitungsrezension entnehme, der Karneval diesem seinen verdienten Schicksal endlich zugeführt worden.  Wir erfahren in einem Buch namens "Alaaf und Heil Hitler", dass "das nationalsozialistische Regime von den Narren eben nicht in Frage gestellt" worden ist – und sei's auch nur, um den Pferden der Umzugswagen den strapaziösen Weg von Köln nach Dachau zu ersparen. Skandalös unerforscht sind dagegen nach wie vor noch u.a. die Stellung der deutschen Toilettenfrauen sowie des Philatelistenverbandes zum Hitler-Regime.                                        
P.S. vom 6. Januar 2011: Ein Leser weist darauf hin, dass ich falsch liege und schickt mir den Link zu einem Buch namens "Philatelie im 'Dritten Reich'". Ich bitte also, bis auch das korrigiert wird, statt "Philatelisten" einstweilen "Numismatiker" zu lesen... 
                                                                                                                                                                                                                                
 
14. Januar 2010
 
Ein Zeitungsartikel beginnt mit folgender Feststellung: "Im Londoner Abkommen vom 8. August 1945 und im Kontrollratsgesetz Nr. 10 vom 20. Dezember 1945 legten die alliierten Siegermächte fest, einen internationalen Gerichtshof einzusetzen, der die von den Deutschen in der NS-Zeit begangenen Kriegsverbrechen ahnden sollte. Sie zogen damit die Lehre aus dem Ersten Weltkrieg, als die Aburteilung den Deutschen selbst überlassen worden war."
("Junge Welt"? "Neues Deutschland"? "Zeit"? Nein, es steht in der FAZ, auf S. 32).
Wie sagte Churchill: "Du hast sie entweder an der Kehle, oder sie lecken dir die Stiefel." Dass sie aber eines Tages auch die Sohlen mit ablecken wollen, das überstieg denn doch die Phantasie des kreglen Städteabfacklers aus der Downing Street.
 
 
 
  
11. Dezember 2009
 
Das Gerede über Kohlendioxid, Treibhauseffekt und Erderwärmung bringt zwei gleichermaßen unangenehme Typen hervor (ins Rampenlicht freilich nur den einen davon): den grünen Pfaffen und Weltrettungsalarmisten, der mal wieder eine Andockstelle für seine Ressentiments gefunden hat, sowie den neoliberalen Weitermacher, der sich aus Egoismus und gewollter Blindheit auf die Seite der Skeptiker schlägt, seinen Energieverbrauch für angemessen und seinen wirtschaftlichen Erfolg für verdient (und keineswegs für eine Laune des Zufalls) hält. Da der Mensch gewiss das Klima beeinflusst, aber nur der liebe Gott weiß, wie, da es also unmöglich ist, eine irgendwie auf Fakten gegründete Position einzunehmen, bleibt einem nur, sich gegen den widerlicheren der beiden zu stellen. Oder am besten gegen beide.
 
 
 
 
5. Dezember 2009
 
Das Böse, erklären einige Hirnforscher, sei eine Anomalie im menschlichen Gehirn, im Grunde mess- und also nachweisbar. Wer Böses tue, trage die Voraussetzung unter seiner Schädeldecke. 
Da gibt's für die nächsten ca. 10000 Jahre empirisch also einiges zu tun, nämlich die Beantwortung folgender Fragen:
1. Tragen womöglich sämtliche Menschen diese Anomalie im Kopf?
2. Wenn nicht: Fallen sämtliche Träger dieser Anomalie durch böse Taten auf?
3. Wenn nicht:  Was unterscheidet die als Täter auffallenden Träger der Anomalie von denen, die sich zurückhalten (und ist dieser Unterschied im Hirn messbar)?
4.  Gibt es die Anomalie von Geburt an?
5. Wenn nicht: Wann entsteht sie? Wodurch entsteht sie?
6. Welche Rolle spielen Ereignisse außerhalb des Gehirns bei der Entstehung der Anomalie?
7. Sofern sie eine Rolle spielen: Wie ist das Verhältnis zwischen Anomalie und Ereignissen außerhalb des Gehirns bei der Motivation zum bösen Tun?
8. Gibt es Fälle, wo Menschen Böses tun, die nicht Träger der Anomalie sind? 
9. Wenn ja: Welche Rolle spielt die Anomalie bei der Motivation zur Tat überhaupt?
10. Ist Gutsein womöglich auch eine Anomalie, messbar im Hirn?
P.S. Wie verhält es sich eigentlich mit denen, die Böses für eine gute Sache tun oder zu tun glauben, zum Beispiel Bomben für die Demokratie abwerfen, oder diejenigen, die sich spontan für eine Missetat sehr böse rächen: Haben die auch eine Anomalie im Kopf?
 
 
 
 
1. Dezember 2009
 
Der Anlass ist zwar nicht mehr aktuell, der Fall aber typisch. Ich hätte, heißt es auf einer Netzseite, auf die mich ein Freund hinwies, die "ProKöln"-Leute mit verfolgten Juden verglichen. 
Ich hatte im Deutschlandradio Kultur gesagt und auf der Homepage dortselbst geschrieben: "Mancher, der die fröhlichen Jagdszenen auf Teilnehmer des sogenannten Anti-Islamisierungskongresses in Köln gesehen hat, die lustvoll empörten Gesichter derjenigen, die den autonomen Mob beim Steinewerfen und Prügeln anfeuerten, fühlte sich an Bilder von amüsierten Menschenmengen erinnert, die während der chinesischen Kulturrevolution Prozessionen von 'Rechtsabweichlern' flankierten, oder die 1938 in Wien zusahen, wie Juden die Straße schrubben mussten: das gleiche herdenhafte Wohlbehagen, die gleiche angemaßte Rechtschaffenheit, das gleiche restlos gute Gewissen."
Was ich verglichen habe, sind also keineswegs die Akteure gewesen, sondern die Maulaffenfeilhalter. Die Leseschwäche ist symptomatisch, denn sie folgt der Gesinnung. Interessant ist im Grunde nur, ob sie dem Untersteller noch bewusst ist, das heißt, ob er als Gauner agiert oder bereits als Automat. Und warum mein Rotchina-Vergleich nicht monierende Erwähnung fand, dürfte klar sein.
 
 
 
 
19. November 2009
 
Die Depression ist nach dem Selbstmord des Nationaltorhüters Enke in aller Munde. Der Mann habe sich umgebracht, heißt es, weil er an Depressionen litt. Dass er seine zweijährige Tochter verloren hatte, war die kleinere Ursache. Depressionen hatte er nämlich schon vorher. Depressionen seien letztlich Hirnstoffwechselstörungen, behaupten ein paar Hochbegabte aus der Forschung. Depressive Menschen verüben nicht deshalb Suizid, weil (außerhalb ihres Gehirns) Gründe für ihre Depressionen vorliegen, sondern wegen ihrer Depressionen. Vermutlich hat sich auch Hitler wegen seiner Depressionen umgebracht, und nicht weil die Russen vor seinem Bunker standen.
 
 
 
 
27. Juli 2009
 
Tova Reichs Romansatire "Mein Holocaust" bekommt eine schlechte Kritik in der FAZ. Das Buch sei u.a. moralisch missraten. Literarische Minderwertigkeit hin oder her: Der Goj kann es eben seit über 2000 Jahren nicht leiden, wenn sich ein Jude über seine Religion lustig macht. 
 
 
 
 
6. März 2009 
 
Mit schöner Regelmäßigkeit  kann man in den Medien lesen – und auf Linkspartei-Foren gibt's dann die Empörung dazu –, dass irgendwo im deutschen Osten irgendein Lenin- oder Thälmann-Denkmal mit Neonazi-Schmiereien verunziert worden sei.
Aber dort gehören sie doch hin.
  
 
 
 
28. Februar 2009
 
Bundesjustizministerin Zypries spekuliert öffentlich über einen Haftbefehl gegen den britischen Bischof Richard Willamson, weil der den Holocaust geleugnet hat. Da sitzt einer in seinem Kaminzimmer, erzählt einen historischen Blödsinn und soll dafür nun strafverfolgt und eingesperrt werden; man muss sich das vorstellen. Ersichtlich handelt es sich um die aktuelle Version der Gotteslästerung, anders lässt sich der inquisitorische Eifer nicht erklären. Las man bislang in den Medien, die Pius-Brüder, zu denen Willamson gehört, seien Finstermänner, die ein neues Mittelalter wollten, dürfte allmählich deutlich werden, dass mittelalterliche Verhältnisse (natürlich minus Kathedralenbau und Rittergloria) nicht minder vom Bundesjustizministerium her drohen. Vor kurzem nannte man dergleichen Umschläge vom vermeintlich Hochmodernen ins Rückständige noch kühn "Dialektik der Aufklärung". Konstanz des Pfäffischen träfe es aber auch gut. 
 
 
 
 
5. Februar 2009
 
Nachtrag zur Causa Benedikt/Merkel/Williamson: Der Rechtsstaat ist die größte politische Errungenschaft, nicht die Demokratie (die es ohnehin nirgendwo gibt). Die Frage lautet also, inwieweit für den Vatikan das bundesdeutsche Strafrecht verbindlich ist. Von der Petitesse mal abgesehen, dass laufende Völkermorde (Tschetschenien, Sudan, davor Ruanda) die hiesigen Gemüter nicht im geringsten so erhitzen wie bereits erledigte. Interessant wäre es gewesen, wie Frau Merkel reagiert hätte, wenn der Vatikan Erdgas und Atomwaffen besäße. 

 
 
 

3. Februar 2009

Im derzeitigen Getöse um Papst Benedikt XVI. und einen holocaustleugnenden Pius-Bruder erleben wir den ersten theokratischen Großauftritt einer neuen Weltreligion, die die alte katholische natürlich gern wegbeißen möchte, sonst gäbe es das Getöse nicht. Es handelt sich zum einen um die Ablösung Golgathas durch Auschwitz, zum anderen und damit verküpft wird eine politischen Staatsform peu à peu zum Ziel der Geschichte und zum irdischen Gottesreich erhoben. Barack Obama ist die erste Figur des demokratischen Messianismus; ob er schon der Messias ist, sei dahingestellt. Der Papst vertritt dagegen das finstere Mittelalter, die Reaktion, das Standesdenken, das Anti-Emanzipatorische, die sexuelle Restriktion, das Abtreibungsverbot und was für den demokratischen Priester noch so alles des Teufels ist.

Wie jahrhundertelang die christliche Lehre als allgemeinverbindliche Maxime des Denkens und Handelns galt – bei konstanter Drohung der Exkommunikation und inquisitorischen Bestrafung –, so heute jene von der Demokratie. Sogar von sogenannten konservativen Zeitungen ist der Kurie ja vorgeworfen worden, einen Orden in ihren Schoß heimgeholt zu haben, der sich nicht zu ihr bekenne; offenbar herrscht inzwischen ein Zwang dazu. Alle Menschen sollen im Namen der Demokratie getauft werden, auch die Taliban, und wessen Seele verstockt ist, dem wird man halt früher oder später die Tür eintreten, vor allem, wenn eine Ölpipeline durch sein Land führen soll; ansonsten genügt einstweilen der Ausschluss aus der Gesellschaft. Da die demokratische Religion als solche weder spirituell noch im Sinne der emotionalen Aufwallung ihren Anhängern etwas zu bieten hat, eignet sich Auschwitz als negativer Fixpunkt und Totempfahl. Der Leugner ist keineswegs ein geschmackloser Idiot, sondern ein gefährlicher Ketzer, der eine Milliarde Katholiken kompromittiert und vor ein Tribunal gehört. Der Papst soll sich entschuldigen (bei wem eigentlich?), und er soll vor allem nicht so katholisch sein.

An Priestern herrscht in der neuen Weltkirche schon jetzt kein Mangel. Die Zeloten und Inquisitoren sind in den Medien aufmarschiert. Man muss kein Demokratie-Gegner sein, um sich angewidert von dieser Brave New World abzuwenden. 

 

 
<< Anfang < Vorherige 1 Nächste > Ende >>

Ergebnisse 1 - 1 von 1
Joomla Templates by JoomlaShack