Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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15. März 2017


Der Sächsische Landtag – und wohl nicht nur jener – veranstaltet eine aktuelle Stunde zu den Römischen Verträgen, die vor 60 Jahren unterzeichnet wurden und inzwischen gemeinhin als Gründungsdokument der EU gelten. Ein Bestandteil der Römischen Verträge, von dem man heute nichts hört, war übrigens die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM). Die EURATOM wurde am 25. März 1957 gegründet und besteht bis heute unverändert fort. Sie teilt mit der EU sämtliche Organe. Der von Angela Merkel initiierte deutsche Ausstieg aus der Atomenergie – der populistischste Akt in der Geschichte der Bundesrepublik – hat Deutschland in Europa ebenso isoliert wie die Energiewende und die Förderung der Masseneinwanderung. Die Grundidee von EURATOM ist die friedliche Nutzung der Kernenergie. Dank Merkel hat sich Deutschland nicht nur aus dieser Technologie verabschiedet und nimmt die sichersten Meiler der Welt peu à peu vom Netz, nein, das Land, in dem die Kernspaltung entdeckt wurde, hat sich auch weitgehend aus der Kernenergieforschung verabschiedet. Sollte irgendwann eine Technologie der Atommüll-Wiederaufbereitung entdeckt werden, stehen wir als die Deppen des Planeten da. Heute ist ein guter Tag, daran zu erinnern.


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Wer war damals in Rom nicht mit von der Partie? Richtig, die Briten. Das Gründungsdokument der EU hat den Brexit quasi antizipiert.


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Europa hat ein Parlament, in dem der Grundsatz "One man, one vote" nicht gilt. Eine in Schweden abgegebene Stimme zum Beispiel zählt fast doppelt so viel wie eine deutsche, nämlich 1,8fach – Schweden hat 9,5 Millionen Einwohner, und 20 Sitze im EU-Parlament entfallen auf schwedische Abgeordente (Deutschland: 81 Millionen Einwohner, 96 Sitze, die ganze Verteilung hier). Eine griechische Stimme zählt 1,6 mal so viel wie eine deutsche (11 Millionen Einwohner, 21 Sitze), eine zypriotische 6,3fach (0,8 Millionen, 6 Sitze), eine aus Malta gar zehnmal so viel (0,5 Millionen, 6 Sitze). Was wäre das für ein Parlament, wo ein Bremer eine weit gewichtigere Stimme hat als ein Bayer und in keinem Bundesland die Stimmen soviel zählen wie im anderen?

Aber wir wollen schließlich die alten Nationalismen überwinden, insofern ist es doch egal, welchen Pass die Abgeordneten besitzen! Außerdem hat das Europarlament gegenüber den Brüsseler Spitzen noch viel weniger zu melden als der Bundestag gegenüber der Merkel-Administration; es ist also doppelt gleichgültig, wer dort seine Zeit absitzt und Diäten einstreicht.

Leser *** macht auf den Bundesrat aufmerksam, wo eine ähnliche Ungleichwertigkeit der Stimmen herrsche. In der Tat: 13 Millionen Bayern haben 6 Sitze, eine halbe Million Bremer drei. Eine Bremer Stimme ist 13mal wertvoller als eine bayerische. Ebenfalls nur sechs Sitze hat NRW bei sogar 18 Millionen Einwohnern, während Schleswig-Holsteins drei Millionen mit vier Sitzen vertreten sind. Die BRD ist eben keine Demokratie, sondern eine repräsentative Demokratie.


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Die Stalinade des Tages: Bei einem der regelmäßigen nächtlichen Besäufnisse im Kreml – Stalin achtete sehr darauf, dass alle führenden Genossen sich gründlich betranken – forderte der вождь das Politbüromitglied Nikita Chruschtschow auf, für die Versammelten zu tanzen. Chrutschschow ließ sich nicht lange bitte und tanzte wie ein Derwisch.
"Wenn Stalin sagt: tanze", erklärte er später gegenüber dem Politbüromitglied Anastas Mikojan, "dann ist es am besten, du tanzt."


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Heute tanzen manche Apparatschiks sogar schon, wenn eine Merkel pfeift, nicht wahr Gröhe, verdruckster vaterländischer Fähnchenwedler? Doch bald werden die politischen Antänzer uns zu erzählen versuchen, dass sie damals unter der übergeschnappten Kanzlerin nur das Schlimmste verhütet hätten...