Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Service Menu

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

12. März 2017


Die Sonntage immer...

Heute Abend hospitierte ich der Pianistin Khatia Buniatishvili im Prinzregententheater, wo sie Beethoven, Schubert und Liszt darbot. Der Saal war, wie man sagt, rappelvoll – ganz anders als vor kurzem der Herkulessaal beim Auftritt von Radu Lupu, aber der ist auch bloß ein Jahrhundertpianist –, und gleich nach dem ersten Satz der "Pathetique" brach das Publikum in Beifall aus. (Ich musste spontan an den Bericht eines Musikers denken, der im Weißen Haus vor dem Inner Circle der Kennedy-Administration ein Streichquartett gespielt hatte und leicht indigniert zur Kenntnis nehmen musste, dass die planetarische Elite nach jedem Satz brav applaudierte. Was sollen schließlich auch diese starren Konventionen?) Die für ihre engen und rückseitig freizügigen Kleider berühmte, wenngleich diesmal nahezu züchtig gewandete Pianistin setzte ihr Quid pro quo bei der ersten Zugabe, als sie von Liszts zweiter Ungarischen Rhapsodie nur die letzten drei Minuten spielte. Aber vielleicht ist das eine Überinterpretation meinerseits, und sie hatte von Anfang an vor, dem Publikum genau diesen halben Knochen hinzuwerfen.