Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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26. Februar 2017


Was ich neulich über den taktischen Hintergrund von Trumps Forderung schrieb, die Russen mögen die Krim wieder an die Ukraine herausrücken, gilt natürlich auch für Merkels Satz: "Volk ist jeder, der in diesem Land lebt". Die Kanzlerin hat die Maximalforderung des konkurrierenden Lagers übernommen – ungefähr: Wer Deutscher ist, bestimmen wir! –, und den politischen Gegner einmal mehr links überholt. Dass die Äußerung im Widerspruch zu ihrem Amtseid und der Verfassung steht, dürfte Frau Merkel als versierte Verfassungsausheblerin nicht weiter irritieren. Als durchaus bildungsferner Mensch hat sie auch kein Problem damit, den Begriff "Volk" einzig in Besiedelungsdichte mal Fläche zu denken. Das gesinnungsethische Lager, das im Bundestag bekanntlich mit ungefähr einer Gegenstimme herrscht, hat inzwischen ja sogar Teile des mit patriotismusabholden Fußangeln übersäten Grundgesetzes als beseitigenswürdige Hindernisse auf dem Langen Marsch in die Diversity identifiziert.

Merke(l): Die Verfassung ist das Gefängnis, aus welchem der Deutsche zum Weltbürger (und Nafri-Versorger) befreit werden muss!

 
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Leser *** mosert grußlos über meinen gestrigen ewiggestrigen Eintrag: "Sie stellen die Gossenkultur, die uns in der Tat überflutet, als etwas dar, was aus der unterschichtsaffinen kulturlosen bildungsfernen Masse kommt und sogar ins Bürgertum drängt. Da ist das Pferd von hinten aufgezäumt. Hier wird der Masse eine Wirkmacht angedichtet, die sie nicht hat. Vielmehr ist diese Unkultur das, was ‚der Unterschicht’ von den sich immer weiter abhebenden Eliten zugedacht und zugemessen wird. Dass dann auch die ‚da oben’ bei Gelegenheiten, bei denen leisure ware erlaubt ist, gern mal die schlabberigen Jeans anziehen, ist Koketterie. In Wirklichkeit bleibt die Oberschicht (die es ja dann auch wohl gibt, wenn so freimütig von ‚Unterschicht’ geredet werden kann,) ganz gern unter sich. Es lebt sich kommod, wenn der Konkurrenzdruck nicht zu hoch wird und Zugehörigkeit zur Nomenklatura der guten Familien eine wesentliche Rolle bei der Vergabe der zu vergebenden Positionen spielt.
Es ist wohlfeil, so wie sie es tun, mit wohligem Abscheu von den geistig und materiell arm Gemachten, auch mit Hilfe der Massenkultur, der Kultur für die Massen, arm Gemachten, als der ‚Unterschicht’ zu reden."

Sehr geehrter Herr ***, wer sich exponiert, muss in den Kauf nehmen, missverstanden zu werden. Ich halte der Unterschicht weder mit noch ohne wohligen Abscheu irgendetwas vor, schon gar nicht, dass sie Unterschichtsideale hegt. Ich meine auch keineswegs, dass sie eine "Wirkmacht" auf die bessere Gesellschaft hat. Meine Aversion galt im erwähnten Kontext der anderen Seite. Ich konstatiere, dass die Oberschicht im kulturellen Sinne keine mehr sein will. Dass sie sich in ihren Wertvorstellungen kaum mehr um Distinktion zu jenen der Unterschicht bemüht. Kulturell betrachtet ist die heutige Oberschicht eine Unterschicht mit Geld und Einfluss. Sie ist außerstande und auch nicht mehr willens, einen Stil zu etablieren. Kultur bedeutet Selbstzucht, Verzicht, Disziplin, Bildung, Selbstveredelung, Manieren, mit einem Wort: harte Arbeit ohne Honorar. Der Hauptfeind der Kultur ist die Schwerkraft, das Ewig-Vulgäre, das den Menschen hinabzieht. „Pöbel oben, Pöbel unten“, um es mit Nietzsche zu sagen. Das Bildungsideal und der Stilwille sind weg. Nur der geldwerte Vorteil zählt. Die Oberschicht hat die schöneren Frauen, die schnelleren Autos, die exklusiveren Urlaubsorte, aber das sind nur graduelle Unterschiede zu den Wünschen und Träumen des Prekariats. Zu dem ich, als ein Mensch, dessen natürlicher Platz auch unter einer Brücke sein könnte, durchaus eine gewisse Solidarität empfinde. Denn kein Brückenpenner ist jemals imstande, den Grad von Vulgarität zu erreichen, den mancher Oberschichtler auf  den "Events" und Selbstfeiern seines Milieus schamlos zur Schau stellt.

Wenn ich das vortrage, dann nur als meine Privatattitüde. Jener kommt ungefähr so viel Bedeutung zu wie dem Ruf eines Waldkauzes. Doch warum sollte der Kauz sich einen Zwang auferlegen?

Der berühmte deutsche Zeichner Neo Rauch hat den treffenden Satz gesagt: "Wenn Freiheit auf Kulturlosigkeit trifft, sind wir in der Hölle." Ich würde eher formulieren: Dann sind wir – wieder – in der Barbarei. Es ist eine andere Form von Barbarei als vor Jahrtausenden, und nicht alles an der alten Barbarei war schlecht; wir verdanken ihr den Kultus, den Ritus, den Tanz. Vielleicht musste die Barbarei mit einer gewissen dialektischen Notwendigkeit – im Sinne der Hegelschen Negation der Negation – wiederkehren, es ist ja eine Barbarei auf wirtschaftlich hohem Niveau. Doch wir leben heute immer stärker nach der Kultur.
 

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Leserin *** möchte dem Lehrziel, Kindern Schreiben nach Gehör beizubringen, "eine ehrfurchtsvolle Grabrede halten", womit die kurze Debatte über dieses Thema auch beendet sei. "Die Methode an sich hat vieles für sich. Sie ermutigt Kinder der ersten Schuljahre, sich frei auszudrücken und im Aufsatz nicht zigmal dasselbe Wort zu verwenden, weil man dieses eine bereits richtig schreiben kann. Die Gefahr, sich etwas Falsches anzugewöhnen, sehe ich bei Kindern nicht, sie lernen anders als Erwachsene. So korrigieren wir ja auch anfangs nicht die drollige Kleinkindersprache aus der Befürchtung heraus, das Kind gewöhne sich ein falsches Wort an. Nur muss natürlich die richtige Schreibweise bereits sehr früh  a u c h  gelehrt und gelernt werden. Das geschah früher nicht nur im Schulunterricht sondern in großem Umfang durch selbstständiges Lesen. Inzwischen ist Lesen für viele Kinder (und Erwachsene) uninteressant geworden. Für die Methode 'Lesen durch Schreiben' fehlt also das wichtigste Korrektiv. Deshalb funktioniert sie nicht mehr. Es ist schade drum."


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"Der Rassist gerät außer sich, weil er insgeheim den Verdacht hegt, dass die Rassen gleich sind; der Anti-Rassist, weil er insgeheim vermutet, dass sie es nicht sind."
Nicolás Gómez Dávila